Angetestet: Kurz-Fahrbericht zum Ford Fiesta ST – Ein Ersteindruck vom Kölner Hans Dampf › Mein Auto Blog
Angetestet: Kurz-Fahrbericht zum Ford Fiesta ST – Ein Ersteindruck vom Kölner Hans Dampf

Angetestet: Kurz-Fahrbericht zum Ford Fiesta ST – Ein Ersteindruck vom Kölner Hans Dampf

Sportversionen konventioneller Alltagsbegleiter mit verhältnismäßig viel Leistung an der oberen Spitze der Modellreihe haben bei Ford über viele Jahre hinweg eine gewisse Tradition entwickelt. Bereits 1981 kam der erste Ford Fiesta XR2 auf den Markt.

2005 erfolgte der Marktstart des ersten Ford Fiesta ST – damals noch mit einem 2.0-Liter-Sauger ausgerüstet, leistete Fords Kleinwagen 150 PS und 190 Nm Drehmoment. Damit ließ sich bereits der erste ST verhältnismäßig sportlich bewegen.Doch nach nur drei Jahren verschwand er. 2008 startete Ford die siebente Generation des Fiesta – bot jedoch keinen Nachfolger des ST an.

Weiterer fünf Jahre zogen ins Land, der Fiesta MkVII erfährt ein Facelift, wird mit den modernen Dreizylinder-EcoBoost-Motoren bestückt. Und dann, endlich, stellen die Kölner ihren neuen Ford Fiesta ST vor. Der schnellste Fiesta aller Zeiten ist er geworden; und das nicht zu knapp. Im Vergleich zu seinem Vorgänger ist der neue Ford Fiesta ST zum Dampfhammer mutiert.

Kamen die damaligen Fiesta XR2 bzw. XR2i mit Anlehnungen an den Rallye-Sport zu uns, bedient der Fiesta ST voll und ganz die Ansprüche an einen modernen Straßensportler, der in der Großstadt ebenso gut wie auf der Landstraße bewegt werden kann. Aber auch nur kann – denn sein eigentliches Terrain ist und bleibt die Landstraße.

Ford-Fiesta-ST-Race-Rot-EcoBoost-Vorderansicht-Schnee

Im neuen Fiesta ST wurde der Hubraum von 2.0 auf 1.6 Liter eingedampft, statt unverdichtet wird die Luft mittels Turbolader vorverdichtet, eine Benzindirekteinspritzung injiziert und zerstäubt den Super-Plus-Kraftstoff direkt in die vier Brennkammern. Mit Hilfe dieses technologischen Quantensprungs gehört ein gewaltiges Mehr an Leistung zur Ausbeute. 182 PS stemmt der Antrieb auf die Vorderachse, großzügige 240 Nm Drehmoment stehen dem Fahrer ab 1.600 Umdrehungen zur freien Verfügung.

Der Fiesta ST hat damit in jeder Lebenslage ausreichend Kraft, um zügig von dannen zu ziehen. Mit unnachgiebigem, aber stets gut beherrschbaren Nachdruck schiebt der ST nach vorn, lässt sich bis auf über 6.500 Umdrehungen hochjubeln. Der „Sound Composer“, der den Motorensound für den Innenraum technisch aufarbeitet und aufwertet, sorgt für einen nie gehörten Ohrenschmaus aus der Retorte. Es stimmt, ich bin kein Freund technisch aufpolierter Motorengeräusche, aber was die Sound-Designer hier gezaubert haben, ist ein wahrer Genuss. In Ortschaften spiele ich permanent mit dem Gaspedal, um wieder und wieder dieser Orgel im Innenraum lauschen zu können.

Ford-Fiesta-ST-EcoBoost-Cockpit-Tacho-Kombiinstrument

Mit dem Blick auf das Ortsausgangsschild ist aber Schluss mit dieser Harmonie: den zweiten Gang eingelegt und dem Fiesta ST sowie seiner Bestimmung freien Lauf gelassen. Vor dem Kurvenscheitelpunkt kräftig angebremst und zackig ums Eck gelenkt. Das kann der Fiesta ST, das ist seine Welt. Die Bremsen beißen spürbar kräftiger in die Scheiben und das ESP lässt mir mehr Freiraum als dies die vernünftigeren Fiestas tun könnten. Die Lenkung ist angenehm zielgenau und die optionalen Recaro-Sportsitze passen wie angegossen. Hier wackelt nichts, und Luft bleibt auch keine. Selbst im Schulterbereich bieten die Sitze optimalen Seitenhalt.

Ford-Fiesta-ST-EcoBoost-Sportsitze-Recaro

Kurzum, dieses Kölner Wiesel, dieser Hans Dampf in allen Gassen – er macht unerhört viel Spaß. Wer hätte das von einem Kleinwagen à la Fiesta gedacht? Hinzu kommt der verhältnismäßig günstige Preis. Für 20.990 € inkl. des Leder-Sport-Pakets mit den unbedingt empfehlenswerten Recaros gibt es den Ford Fiesta ST seit März 2013 beim hiesigen Ford-Händler. Mit einigen kleineren Extras wie dem Performance-Paket I (17”-LM-Räder, rote Bremssättel, Einstiegsleiste mit beleuchtetem ST-Logo) und weiterem Schnickschnack, der den Fiesta ST eine Spur sportlicher aussehen lässt, komme ich persönlich auf einen Listenpreis von 21.800 €. Für einen Kleinwagen mag das durchaus nicht wenig sein, aber angesichts des Gebotenen und im Vergleich mit der Konkurrenz geht der Fiesta ST glatt als Schnäppchen durch.

Bei all den schönen Worten: was war weniger gut am Ford Fiesta ST?

Das Navigationssystem beispielsweise kann man sich getrost schenken; denn einerseits ist mit dem Fiesta ST der Weg über die Landstraße das Ziel und andererseits wirkt das angebotene Sony-System technisch und optisch angestaubt und unzeitgemäß. Hinzu kommt die Mittelkonsole, die sehr unübersichtlich geraten ist. Viele kleine Knöpfe, unlogische Anordnung – hier tut eine Entschlackung not.

Ford-Fiesta-ST-EcoBoost-Cockpit-Interieur-Innenraum

Xenon-Scheinwerfer sind nicht erhältlich – für mich ein echtes Manko. Die 1.000 € für gutes und sicheres Licht würde ich anlegen – wenn es denn ginge. Wünschen würde ich mir zudem eine Öltemperatur-Anzeige. Im Focus ST ist diese zusammen mit den Ladedruck- und Öldruck-Anzeigen serienmäßig. In einen sportlichen Turbo wie dem Fiesta ST gehören diese Anzeigen jedoch ebenso. Die Geräuschkulisse bei Leistungsabgabe ist atemberaubend, aber künstlich generiert. Das ist insofern kein Problem, als dass es nicht artifiziell klingt – bis man die Seitenscheibe hinuntergleiten lässt und hört, das sowohl Motor als auch Abgasanlage undankbar unspektakulär klingen. Also, die Scheiben wieder hoch und den Innenraumklang genießen.

Ford-Fiesta-ST-Race-Rot-EcoBoost-Heckansicht-schräg-Schnee

Ein großer Kritikpunkt ist die Innenraumverarbeitung. Performance und Antrieb sind grandios im kleinen Kölner, aber eben auch nicht alles. Klar ist: im Fiesta gibt es viel Hartplastik. Stört mich nicht – gut und optisch ansprechend verarbeitet, bin ich der letzte, der sich darüber echauffiert. Jedoch, es ist die Verarbeitung, die für hochgezogene Augenbrauen sorgt. Ein Griff an die Mittelarmlehne lässt die gesamte Mitteltunnelverkleidung unschön vor und zurück bewegen. Die Türinnenverkleidungen sind zu weich und flexibel. Die Schutzgitter der Lautsprecher und die Verkleidung selbst lassen sich erschreckend tief eindrücken. Ernüchternd fiel auch ein Blick in den Fahrerfußraum aus: das Lenkgestänge liegt frei. Ich wiederhole: In einem Kleinwagen anno 2013 liegt das Lenkgestänge frei. Ich dachte zunächst, hier würde eine Abdeckung fehlen; aber nein. Auch die anderen Fiesta haben ein frei liegendes Lenkgestänge.

Klar, der Preis kommt nicht von ungefähr. Mit dem aufgerufenen Tarif ist der Ford Fiesta ST günstig, überzeugt mit seinen fahrerischen Leistungen – auch wenn ich aufgrund der Witterungsverhältnisse nicht so viel Nachdruck an den Tag legen konnte, wie ich wollte. Aber absehbar und spürbar waren die Freude, der Spaß und das kindliche Vergnügen an tief bollernden Motorensound im Innenraum, die fest zupackenden Bremsen, das saubere Herausbeschleunigen aus den Kurven bis jenseits der 6.000er Marke und die wirklich guten Sportsitze. All das kann eine Menge rausreißen. Jeder muss letztlich für sich wissen, worauf er Wert legt, wenn es um die Anschaffung eines sportlichen Kleinwagens geht. Der Fiesta ST jedenfalls ist günstig, potent sowie im sportlichen Sinne gut bestückt mit einem passenden Fahrwerk, den richtigen Sitzen und einer Klangkulisse zum Nackenhaare-Aufstellen. Wer also über Landstraßen hetzen möchte, der hat eh keine Zeit, um nach mäßiger Interieur-Verarbeitung zu suchen – derjenige hat einfach nur Spaß.

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