BMW GranCoupé 640d: Tour Auto im GranCoupé

Man könnte auch fliegen.

Hamburg–Genf in ein paar Minuten. Eine Tasse Kaffee, eine Semmel mit Wurst und noch ein Plastikbecher Wasser, ohne Säure. Aussteigen, rüber in die Messehalle und am Abend ist man wieder zurück in Hamburg, die Tagesthemen schafft man vielleicht. Aber man verpasst was.

Adieu Tristesse. Manchmal müssen Madame und Monsieur tapfer sein. Ein elegantes Coupé aus Bavière schlendert durch die Grande Nation und erinnert an Zeiten, als man voller Stolz und Anmut vorfuhr. Beim Empfang gerieten damals die Kameras in Atemnot und auf dem Fernseher sah man nicht nur stilvoll gekleidete Damen, sondern auch sehr elegante Autos.

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Man könnte helfen.

Seit Frankreich auf vorzeigbare und staatstragende Limousinen verzichtet, werden Alternativen gesucht. Man könnte das GranCoupé aus dem Hause BMW zur Verfügung stellen. Vermutlich würde Nicolas Sarkozy mitsamt Gattin wieder zur Wahl antreten, der schicke Wagen dient als Motivationsspritze.

Genug der Politik, der BMW stellt sich vor der langen Reise dem Fotografen. Die einfache und noch schneefreie Landschaft Norddeutschlands bietet blauen Himmel ohne nennenswerte Wolken. Eine kleine Brücke über einen Bach ist der Laufsteg, klick. Aus der Ferne sieht man die Formen des 8er BMW. Lange Haube und lange Linien. Flach, schnell und irgendwie anders. Vier Türen als Zugang zu sehr bequemer Unterkunft. Feines Leder, viel Raum und, man merkt es nach den ersten Kilometern, jede Menge Bequemlichkeit. Bonjour style de vie.

Die ersten Kilometer gehören der Autobahn, freie Fahrt. Winterreifenaufkleber auf der Mittelkonsole sorgen für ein Tempolimit. 240 km/h, mehr geht nicht. Es reicht, der Bayer fliegt, schwebt und rollt, als säße ein Président im Fond. Genug Raum für eine ausgebreitete „Le Parisien“ ist vorhanden, die Knie halten ausreichend Abstand zur Rückenlehne des Vordersitzes. Es sitzt sich sehr bequem, quasi präsidial.

Nach einem kurzen Tankstopp in Luxemburg, 1,24 Euro pro Liter Diesel, rauscht der Wagen in die Nacht. Richtung Lyon, vorbei an den Ufern der Moselle, später begleitet uns die Rhône und dann werden Berge erklommen. Noch bevor die Sonne den Tag wärmt, diffundiert der feine BMW durch die Kreise der französischen Verkehrsberuhigungs-Maßnahme. Dritte Ausfahrt, zweite Ausfahrt, das Navi denkt immer mit. Auf dem riesigen Monitor werden aus Wegen und Straßen dreidimensionale Dinge, die 313 PS wollen hier und da von der Kette und der Wagen springt nach vorn, als hätte man einem Windhund die Leine vom Hals gelassen und ihn zu einem Wettlauf mit einem Gepard motiviert. Oh là là – Diesel mit Twinturbo.

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Das Jura grüßt mit Schnee und Straßenbegrenzungsstangen. Links und rechts türmt sich meterhoch die weiße Pracht auf, der BMW meistert den Kurvenslalom mit Bravour und innerer Ruhe. Das 8-Gang-Getriebe schaltet automatisch, mit den Paddeln am Volant kann man als Virtuose noch zackiger die Gipfel stürmen. Aber wir wollen sparsam sein, der Bordcomputer hatte uns nach dem letzten Tankstopp eine Reichweite von 1.066 Kilometer versprochen. Mit 70 Liter Diesel macht das 6,5 Liter pro 100 Kilometer. Eco-Pro im System per Knopfdruck gewählt, la voiture wird den Haushalt nicht über Gebühr belasten. Am Wegesrand steht ein bicyclette, hier wurde gedopt, das ist unverkennbar und nicht sehr sportlich. Wir würden das Beweisstück gerne mitnehmen, aber der Kofferraum reicht nicht ganz.

In Genf gehen die Lichter an, die Hallen des Paléxpo am Flughafen füllen sich mit Leben. Am BMW-Stand steht der 3er Grand Turismo, die Kollegen aus Frankreich begeistern mit kompakter Raffinesse und unser Road-Trip-Kandidat scharrt mit den Hufen. Tiefgaragen sind keine Orte für schicke Autos, am Abend des zweiten Messetages rollen wir wieder Richtung Heimat. Wieder durch Frankreich, wieder Luxemburg. Immer ein Auge auf der Reichweiten-Anzeige. Der Bordcomuter meldet, dass wir Dank braver Dosierung der Motorkraft nun schon 16,5 Kilometer an Reichweite hinzugewonnen haben. Auf der A1 bei Köln wird der Computer uns nicht mehr mögen. Vollast, von der Beschleunigungsspur bis zum achten Gang, die LKW auf der rechten Spur fliegen vorbei. Hamburg rast uns entgegen und am Ende haben wir den Schnitt versaut. Im Büro zählen wir die Tankquittungen zusammen.

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Die Abrechnung:

Wir haben 177,06 Liter Diesel verbraucht und sind 2.627 Kilometer gefahren. Das ergibt einen Verbrauch von durchschnittlich 6,7 Liter auf 100 Kilometer. Während der gesamten Reise (mit sehr wenigen Ausnahmen) wurde die „Eco-Pro“-Einstellung verwendet, der Bordcomputer zeigt nach der Fahrt einen Verbrauch von „7,7 l/“ an.

Unser Fazit: Das GranCoupé aus München ist ein viertüriges Coupé der Luxus-Klasse. Mit allen technischen Wassern gewaschen, hoch kultiviert in seiner Fahrkunst. Mit dem Reihen-Sechszylinder lässt sich so manche Dienstreise auf angenehmste Art unternehmen. Als offizielle Staatskarosse wäre der BMW durchaus geeignet, er hat die Linie, den Stil und die vornehme Größe.

 

  • Text: Ralf Bernert
  • Fotos Interieur: BMW
  • Fotos Exterieur: Ralf Bernert

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