DTM 2016: Edoardo Mortara gewinnt den Saisonauftakt

DTM 2016: Edoardo Mortara gewinnt den Saisonauftakt

Im Badischen Hockenheim brannte die Sonne an diesem wundervollen Mai-Tag mit aller Macht über das Motodrom. Ein Fest des Motorsports will die DTM präsentieren und um das zu erreichen, gibt es ein volles Programm. Inklusive einem ersten DTM-Lauf, schon am Samstag. Und damit der erste Lauf der Saison 2016. Rennen 2 wird am Sonntag den 8. Mai gestartet.

DTM in Hockenheim – 2016

Für mich persönlich war es eine Rückkehr. Beim letzten DTM-Lauf den ich in Hockenheim besuchte, waren die Erinnerungen an Kalli Hufstadt und seine Mundharmonika noch frisch. Diese neue DTM, ich kann damit „eigentlich“ nichts anfangen. Es gab also vermutlich keinen besseren Zeitpunkt um sich noch einmal damit zu beschäftigen. Die DTM ist das Motorsport-Wohnzimmer von Audi, Mercedes-Benz und BMW. Gemeinsam stellen die drei dt. Hersteller das Starterfeld. Die Autos? Weit entfernt von der früheren Nähe zum Serienfahrzeug. Reinrassige Kohlefaser-Renner. V8-Motoren und Heckantrieb, dazu eine leichte Anlehnung an die Serienformen der jeweiligen Modellen. Wobei die Ähnlichkeit zum Serienfahrzeug in diesem Jahr vor allem Mercedes-Benz gut gelungen ist. Doch, massives Flügelgewerk und eine Nase die tief über dem Asphalt schnuppert lässt die DTM-Shilouettenrenner wie Karikaturen der Serienfahrzeuge erscheinen. Sei es drum. Motorsport auf Formel 1 Niveau, nur mit Dach.

DTM 2016 010 Hockenheim Samstagsrennen

Sommer-Hitze im Mai – Die DTM kann auch anders

Waren die letzten DTM-Jahre in meinen Augen durch organisierte Langeweile geprägt, gibt diese persönliche DTM-Rückkehr ganz neue Einblicke. Sicher, die Tribünen am Samstag sind nur sporadisch besetzt. Teilweise sind ganze Blöcke leer. Dafür ist das Fahrerlager voll. Eine DTM zum anfassen will man sein. Für die ganze Familie. Und so schieben sich neben den TT-Cup-Rennern auch Kinderwagen durch das Fahrerlager. Motorsport für die ganze Familie? Es scheint zu funktionieren. Für die beteiligten Hersteller steht jedoch auch einiges auf dem Spiel. Motorsport ist in Deutschland eben kein Fußball-Länderspiel. Nicht einmal auf dem Niveau der zweiten Liga. Motorsport ist das Marketing-Instrument schlechthin in der Automobil-Industrie – doch dem dt. Michel scheint das unbekannt zu sein. Die Bemühungen die ganze Familie an die Strecke zu bekommen, sie sind also aller Ehren wert.

Und an diesem Mai, ein Tag vor Muttertag, spielt das Wetter mit: Sonnenbrand-Gefahr. Aber besser als Regen und unterkühlte Stimmung. Die scheint, so überrascht es mich an diesem Samstag: Richtig gut zu sein. BMW-Fans, Mercedes-Fans und Audi-Fans – die Marken scheinen die eigenen Hardcore-Fans animieren zu können.

Nach dem Quali zum ersten Lauf: Eduardo Mortara.

Nach dem Quali zum ersten Lauf: Edoardo Mortara.

Edoardo Mortara zieht durch!

Kein Vettel, kein Schumacher – stattdessen stehen Mortara, Wickens und Müller auf dem Podest. Da muss man das Programm-Heft dann schon einmal bemühen. Wer ist eigentlich dieser Edoardo Mortara? 1987 geboren, da waren bei BMW die E30 M3 gerade die Sportwaffen der Wahl. Eric van der Poele gewann das DTM-Jahr 1987. Edoardo Mortara gehört zu der Generation Rennfahrer die durch die Formel 3 Schule gingen. Die F3-Euroserie beendete er 2010 als Sieger. Seit 2011 fährt er für Audi in der DTM und an diesem heißen Mai-Tag startete er von Platz 2 in das Rennen. Bereits beim Start zieht er am Pole-Setter Nico Müller vorbei. Beide pilotieren einen DTM-Renner der als Audi RS5 DTM betitelt wird. Dahinter auf drei startete Robert Wickens auf dem besten Mercedes-AMG C63 DTM und der beste BMW stand auf P10, es war der M4 DTM von Marco Wittmann.

Und auch wenn Nico Müller am Start von Edoardo Mortara zugleich überrumpelt wurde, mit P3 stand er am Ende zum ersten mal auf dem Podium. Robert Wickens blieb der Beste Mercedes und kam 1.6 Sekunden hinter Edoardo auf P2 ins Ziel. Das Feld dahinter hat es sich in alter Tourenwagen-Sitte ordentlich besorgt. Leidtragende waren die „großen“ Namen der DRTM. Darunter ein Timo Scheider und ein Timo Glock. Es scheint als würden die „jungen Wilden“ nun endgültig die Führung übernehmen. Dabei sorgten Tür-an-Tür-Kämpfe, Dreher und wilde Attacken, hier ist vor allem das DTM-Urgestein (darf man mittlerweile so sagen) Mattias Ekström zu nennen, für ein wirklich kurzweiliges Rennen mit viel Action.

DTM 2016 014 Hockenheim Samstagsrennen

Übergewicht mal anders

Das ausgerechnet Audi den ersten Saisonsieg einfuhr und zudem die ersten beiden Plätze in der Startaufstellung belegte, sorgte durchaus für ein Stirnrunzeln. Sind die Audi doch die schwersten Fahrzeuge im Feld. Mit knapp 20 Sekunden Rückstand konnte selbst der beste BMW im Feld, der M4 von Bruno Spengler, nicht mit der Spitze mithalten und damit auch nicht von den Zugeständnissen profitieren.

Sonnenbrand und ein „learning“ beim Autor

Die DTM ist gar nicht so langweilig wie ich gedacht habe. Wobei – es war das erste Mal seit langer Zeit, das ich selbst vor Ort war. Was am TV ablief, denn hier waren die letzten Jahre eine echte Katastrophe, kann ich nicht beurteilen. Aber in der Boxengasse, hinter den FIA-Fangzäunen und ganz nah an den fliegenden „Gummiwutzeln“ (Reifenabrieb), bot sich ein neues Bild. Motorsport. Laut. Unterhaltsam und trotz der vielen unbekannten Namen – spannend!  Den Sonnenbrand werde ich wohl noch ein paar Tage behalten, die alten Vorurteile gegenüber der Serie nicht mehr.

Am Ende war es dann auch wieder „wie immer“: Motorsport in Hockenheim bedeutet auch: Staus. Lange Staus. Die Abfahrt der Fans, aus dem beschaulichen Hockenheim ist immer wieder „die Hölle“. Plötzlich wollen alle heim, die Parkplätze leeren sich, die Straßen aus Hockenheim heraus sind verstopft. Irgendwie greift noch immer kein Plan bei der Verkehrsführung. Somit ist fast alles wieder wie früher. Fast.

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