Alfa Romeo MiTo 1.4 TB 16V MultiAir

Der Name Alfa Romeo ist mit viel Tradition aufgeladen. Im Test muss der Alfa Romeo MiTo 1.4 TB 16V MultiAir beweisen, ob der kleine Italiener diesem Anspruch gerecht wird.

„Immer wenn ich einen Alfa Romeo sehe, ziehe ich meinen Hut.“ Mit diesem Spruch soll Henry Ford einst seinen Respekt vor den Produkten der Società Anonima Lombarda Fabbrica Automobili ausgedrückt haben. 1939, als der Erfinder der Massenmotorisierung diesen Respekt im Gespräch mit Alfa-Geschäftsführer Ugo Gobbato bekundete, stand Alfa Romeo für technisch hochwertige Produkte.

Der Alfa Romeo 8C 2900 war in den 1930er Jahren mit einer Höchstgeschwindigkeit von 205 km/h zeitweilig das schnellste Serienauto der Welt. Damit gehörte Alfa Romeo wie selbstverständlich zu den Fuhrparks der Reichen und Schönen. Nach dem Zweiten Weltkrieg bot Alfa Romeo mit Modellen wie der Giulietta und der ab Mitte 1962 produzierten Giulia sportliche Fahrzeuge für den Normalbürger.

Mit mieser Qualität (Alfasud) und mit einer verfehlten Modellpolitik (Arna) fuhr das Unternehmen Mitte der 1980er Jahre in die Pleite. FIAT übernahm 1986 das Unternehmen. Nach Anfangserfolgen rutschte Fiat zum Beginn des Jahrtausends selbst in die Krise. Im Zuge der Sanierung reduzierte FIAT die Alfa-Modellpalette auf die Giulietta in der Kompaktklasse und den Kleinwagen MiTo. 2013 kam dann noch der Sportwagen Alfa Romeo 4C dazu.

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Mein Testwagen: Alfa Romeo MiTo 1.4 TB 16V MultiAir

Für meinen Test steht ein Alfa Romeo MiTo 1.4 TB 16V MultiAir zur Verfügung. Als Extra verfügt dieser Alfa Romeo über ein TCT genanntes Doppelkupplungsgetriebe. Bei Alfa Romeo stammt es von der Konzernschwester Fiat Powertrain Technologies. Die sechs Fahrstufen können wahlweise mit Schaltwippen am Lenkrad oder einem klassischen Schaltstock auf der Mittelkonsole ausgewählt werden.

Klingt toll, wenn die Schaltwippen nicht aus Plastik gefertigt wären. Das macht keinen wertigen Eindruck. Die Haptik kann mit dem Anspruch Alfa Romeo mithalten. Trotzdem macht das Schalten nach dem Vorbild von Fernando Alonso natürlich auch im MiTo Spaß. Denn das Getriebe schaltet schnell und mit kaum spürbaren Unterbrechungen der Zugkraft.

Der MiTo ist bereits seit Mitte 2008 im Handel. Bei der Gestaltung orientierten sich die Designer am großen Bruder Alfa Romeo 8C Competizione. Das sorgt für eine persönliche Note, die dem kleinen Italiener gut zu Gesicht steht. Von außen ist dem Alfa die technische Verwandtschaft mit dem Grande Punto der Konzernmutter Fiat nicht anzusehen. Dazu tragen auch Details wie die rahmenlosen Scheiben an den Türen bei, die eher in Coupés als Kleinwagen üblich sind.

Sportlich, sportlich: 1,4 Liter, 135 PS bei 1245 Kilo

Die 135 PS des 1,4-Liter-Motors haben mit dem rund 1,2 Tonnen schweren Testwagen leichtes Spiel. Nach Werksangabe legt der MiTo den Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 in 8,2 Sekunden hin.

Doch schon am ersten Tag mit dem MiTo wird klar, dass heutige Verkehrsteilnehmer – anders als Henry Ford – mit Alfa Romeo wenig verbinden. Auf einer längeren Autobahnfahrt muss ich etwas Zeit herausholen, weil ich zu spät losgekommen bin. Es gelingt tatsächlich, ist aber vergleichsweise anstrengend. Denn regelmäßig wiederholt sich der gleiche Ablauf. Sobald ich den MiTo auf mein Reisetempo jenseits der 180-Kilometer-Marke beschleunigt habe, muss immer einer einen Laster oder ein Wohnwagen-Gespann überholen.

Regelmäßig ziehen irgendwelche Mittelklasseautos wie selbstverständlich vor den MiTo. Genauso selbstverständlich will sich anschließend jemand die Rückseite des hübschen Kleinwagens aus der Nähe ansehen. Weil der Hintermann dazu offensichtlich Licht braucht, wird mein Heck mit der Lichthupe ausgeleuchtet. Doch das Spiel löst sich immer wieder auf die gleiche Art und Weise auf.

Irgendwann zieht der Vordermann gnädig auf die rechte Spur zurück. Hinter mir wird der Takt der Lichthupe schneller. Ich lasse mich nicht aus der Ruhe bringen. Sobald die Straße frei ist, drücke ich einfach das Gaspedal des MiTo fest durch. Der kleine Italiener beschleunigt willig hoch. Das TCT-Getriebe dreht – gerade im optionalen Sportmodus – die Gänge aus, um dann weich die nächste Welle einzulegen.

Bei Bedarf geht es mit dem MiTo mächtig vorwärts

Wird das Schauspiel bei Autobahn-Richtgeschwindigkeit gestartet, ist der Hintermann schnell am Horizont verschwunden. Denn der kleine Alfa beschleunigt, wenn die Autobahn frei ist, ohne Probleme bis zur Höchstgeschwindigkeit von 209 km/h. Das mag auf die Dauer etwas anstrengend sein, macht aber eine Menge Spaß. Auch wenn es den Verbrauch natürlich hochtreibt. Mein Testverbrauch liegt – allerdings mit viel, viel Fahrspaß – bei rund zehn Litern. Zum Glück ist der MiTo im Stadtverkehr genügsamer. Ich liege da bei knapp acht Litern Super Benzin.

 

Wenig ist auch das nicht. Aber es könnte weniger sein, wenn ich die Start-Stopp-Automatik nicht abgeschaltet hätte. Dank des TCT-Getriebes kommt der Alfa ohne Kupplungspedal aus. Wie bei einem Automatik-Fahrzeug gibt es nur eine Bremse und ein Gaspedal. Es dauert einige Zeit, bis ich den Trick verstanden habe, das Abschalten mit dem Druck auf das Bremspedal zu steuern. An die Alternative, das Getriebe auf Neutral zu stellen, denke ich an vielen Ampeln nicht. Zumal das nur mit dem Getriebehebel auf der Mittelkonsole geht.

Fazit

Insgesamt weiß der Alfa Romeo MiTo 1.4 TB 16V MultiAir in vielen Punkten zu gefallen. Ich sitze trotz meiner Körperlänge von mehr als zwei Metern komfortabel. Auch mit drei Personen an Bord lässt es sich angenehm reisen, wie unsere Herrentour zum Kampf der Zwerge in Hockenheim beweist. Selbst die umfangreichen Fototaschen und das Gepäck finden im Kofferraum Platz.

Mit seinen sportlichen Fahrleistungen ist dieser Alfa Romeo MiTo ein echter Geheimtipp, der mir viel Spaß gemacht hat. Wer allerdings viel Wert auf Überholprestige legt, darf nicht zum MiTo greifen. Heute tragen einfach zu wenige Menschen noch einen Hut, um ihren Respekt zu bekunden.

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Ein Kommentar

  1. Elegante Diva mit starkem Charakter: Alfa Romeo Giulietta mit TCT › Mein Auto Blog
    27. April 2015 zu 18:19

    […] Alfa Romeo genießt unter Automobilisten Kultstatus – bist du keinen Alfa gefahren, bist du auch kein Petrolhead. Mit Zutaten, welche für ein solch emotionales Auto höchst polarisierend wirken, tritt die Alfa Romeo Giulietta zum Test an: Dieselmotor und Doppelkupplungsgetriebe. Ein Alfa ohne Kupplungspedal – für diese Kombination musste der italienische Hersteller aus Turin bereits in der Vergangenheit Prügel einstecken und so versucht man den technischen Fortschritt automatisierter Gangwechsel ohne Drehmomentwandler zu nutzen, um mit Hilfe zweier Kupplungen einen neuerlichen Anlauf in dieser Disziplin zu unternehmen. […]