Suzuki Grand Vitara Fahrbericht

Suzuki Grand Vitara Fahrbericht

Onroad? Offroad? Am liebsten beides. Schaut man sich die Verkaufszahlen der SUV-Welt an, dann ist der Zustand der Straßen in unserem Land anscheinend doch bedeutend schlechter als man gemeinhin annehmen will.  Bei weiblichen Autokäufern auch immer wieder beliebt, dass Argument zum Thema “Man sitzt so schön hoch und man sieht damit mehr.” Natürlich sind 50% der Vorteile ad absurdum geführt, wenn jeder SUV fährt – aber so ein Vielzweckwagen ist – trotz der Diskussionen um Benzinverbrauch und CO²-Reduktion, auf der Wunschliste der Autokäufer noch immer ganz weit oben.

Bei Suzuki hat man Erfahrung mit Allrad-Fahrzeugen und eines der kultigsten Offroad-Modelle der Welt kommt vom kleinen japanischen Automobil-Hersteller: Der Jimmy. In meinem Fahrbericht musste sich nun der große Bruder des Jimmy beweisen:

Auf der falschen Fährte?

Suzuki Grand Vitara. Ein Name der Glanz in die eckige Hütte bringen soll. Angeboten als 3 und 5-Türer, kam der “große” 5-Türer mit dem 2.4 Liter Benzinmotor zum Test vorbei. Wer auf kompakte SUV steht, der kann sich vermutlich auch mit dem großen Vitara schnell anfreunden. Das Design ist kantig und frei von sinnlosen Bögen und Formen. Dank großer, steiler Fensterflächen ist auch die Übersicht erstaunlich gut.

Grand Vitara Suzuki

Die Bodenfreiheit ist mit  20 Zentimeter deutlich üppiger ausgefallen als im Umfeld der kompakten SUV durchweg üblich und auch wenn der Grand Vitara mit einem Allradantrieb ausgeliefert wird, das ganz grobe Gelände ist dennoch nicht seine Welt. Im Testzeitraum konnte ich den Allradantrieb jedoch nicht an seine Grenzen bringen. Sehr wohl jedoch die Bodenfreiheit und die Möglichkeiten der Achsverschränkung. Das man es durchaus ernst meint, mit der Wald- & Wiesen-Tauglichkeit, demonstriert Suzuki durch einen Allradantrieb der im Mitten-Differential gesperrt werden kann und sogar über eine Untersetzung verfügt.

Im Zusammenspiel mit dem 2.4l Vierzylinder-Benzinmotor gibt es jedoch ein Manko, das dem heftigen Offroad-Einsatz entgegen steht.

Sehr angenehm ist auf den ersten Meter, die für unsere Breitengrade eher ungewöhnliche Kombination aus Geländewagen und Benzinmotor. Durch den laufruhigen und 169PS starken Vierzylinder erlebt man die Fahrt im Offroader plötzlich viel “komfortabler”. Anderswo rüttelt und nagelt es vor allem im Kaltstart vor sich hin, im 2.4er Suzuki dominiert die aus Familien-Limousinen gewohnte Ruhe eines Benzin-Motors.

Feine Sache –

– bis man zum ersten Mal an die Tankstelle fährt.

Der Grand Vitara ist ein merkwürdiger Zwitter, dessen Einsatzgebiet irgendwo zwischen Forst-Betrieb und Seniorenheim zu suchen ist, oder?

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  • Modellbezeichnung: Suzuki Grand Vitara 
  • Ausstattung:  Comfort
  • Testwagenpreis: 27.680€
  • Grundpreis Baureihe: 27.190€ 
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  • Hubraum: 2.393 ccm³
  • Leistung: 169 PS
  • Höchstgeschwindigkeit: 185 km/h
  • Beschleunigung: 0-100: 11.7 Sekunden
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suzuki Grand Vitara1

Genau hin geschaut:

Variabel:

Sitze umklappen

Einfach gelöst, praktisch umgesetzt. Ein Zug an den Schlaufen und der Kofferraum wird dank der weg klappenden Sitze noch einmal größer. Bis zu 1.368 Liter!

Heckklappe:

Heckklappe rechts

Was dem Förster im Wald noch herzlich egal ist, kann beim be- und entladen an der Bordsteinkante besonders sinnlos sein! Nicht für den Rechtsverkehr angepasst!

Cockpit-Anzeigen:

Armaturen

Menschen mit Sehschwächen werden froh sein. Ein simples Cockpit mit großen Schriften. Einfach abzulesen. Simpel in der Gestaltung.

suzuki grand vitara in fahrt

Design Außen: Harte Kante

Klare Kanten. Klare Formen. Fast ein wenig das Design der ersten Golf-Generation, übertragen auf einen kompakten Offroader. Das wirkt sachlich, überzeugend, nüchtern und gerade im täglichen Einsatz freut man sich über die steilen Fensterscheiben  und die wirklich sehr gute Rundum-Sicht.

Design kann man beurteilen und man kann es mögen. Im Falle des Vitara mag ich das Design. Er wirkt ehrlich, massiv, zuverlässig. Seine Formensprache brüllt den Rest im Straßenverkehr nicht an und verlangt von anderen, die Straße zu räumen. Hier ist kein “Hoppla-Hier-Komm-Ich” SUV unterwegs.

Bewertung: 10 von 10 Punkten

Design & Haptik Innen: Nachkriegsjahre

“Wir hatten ja damals nichts.” Nicht einmal “Design”. Der Innenraum des Grand Vitara ist aus dem Bilderbuch der Haptik-Tristesse entsprungen.  Einfachste Plastik-Landschaften und ein Innenraum der am Wochenende am liebsten mit dem Dampfstrahler gereinigt werden will. Im Innenraum kann man dann auch langsam ablesen, in welche Richtung es mit dem Grand Vitara gehen wird. Welche Zielgruppe hiermit angesprochen werden soll.

1 Trostpunkt für den nett gemeinten Versuch, mit ein wenig silbern lackiertem Plastik für “moderne Coolness” im Innenraum zu sorgen.

Bewertung: 1 von 10 Punkten

Förster Mobil-612

Fahrleistungen & Fahrgefühl: Über Stöckchen und Steinchen

169PS klingt nach richtig Leistung. Zumal man dem Grand Vitara das Leergewicht von über 1.5 Tonnen nicht zutraut. Er wirkt leichter, zierlicher. Dank des laufruhigen Benzin-Motors sind vor allem die ersten Meter ein wenig ungewöhnlich. Erwartet man doch, hoch sitzend und mit Gelände-Reifen ausgerüstet, einen groben Diesel-Motor unter der Haube der ungehobelt an sein Tagwerk geht.

Stattdessen wirkt der Grand Vitara ruhig und ausgeglichen. Er poltert nicht zum Start und setzt sich auch sonst völlig komfortabel in Bewegung. Mangels Drehmoment geschieht dies jedoch auch eher gemächlich. Dem kurzhubig ausgelegten Vierzylinder-Benziner ist nicht nach Hektik zumute. Das Fahrwerk steckt die Marschgeschwindigkeit locker weg und dank der Einzelradaufhängung an beiden Achsen kommt auch der Fahrkomfort auf täglichen Routine-Strecken nicht zu kurz.

 

Bewertung: 5 von 10 Punkten

Suzuki Grand Vitara Wald und Wiesen

Alltagsfaktor: Parkplatzjäger 

Dank der guten Übersichtlichkeit lässt sich der große Vitara auch ohne Hilfsmittel wie Parkpiepser in die nächste Parklücke rangieren. Die simple Bedienung des Oberförster-Jagdwagen ist im Alltag auch gut geeignet die Frau des Försters nicht zu überfordern.  Völlig frei von modernen Gadgets wie “Lane-Assist-Control” und “Licht-Automatik” erlebt man im Grand Vitara eine Reduzierung auf die notwendigsten Extras für einen Vielzweck-Wagen.

Mit dem großen Ladevolumen kann der Vitara nicht nur punkten, wenn der Jagd-Erfolg in die Schweißwanne gelegt wird. Auch der Einkauf von unzähligen Wasser- und/oder Munitionskisten verschwindet schnell und einfach in den tiefen des Vitara-Hecks.

Bewertung: 6 von 10 Punkten

Serien-Ausstattung: Nutzwertig

Das Lenkrad lässt sich leider nur in einer Richtung (hoch+runter) verstellen. Eine Längen-Verschiebung wäre sinnvoll gewesen. Der Tempomat im 3-Speichen-Lenkrad ist selten zu nutzen, da der Einsatzzweck des Benziner-SUV eher weniger auf der Langstrecke zu suchen ist. Praktisch hingegen: 2x 12V Steckdosen links und rechts neben dem Schalthebel. Das Xenon-Licht erhellt die finsteren Waldwege und kommt ebenso in Serie daher. Die schlichten Bordcomputer-Fähigkeiten findet man erst nach einem Blick in das Handbuch.

Simpel in der Funktion, aber nicht weniger praktisch: Die Schlaufen in den Rücksitzen um diese schnell und sinnvoll weg zu klappen.

Bewertung: 4 von 10 Punkten

Suzuki Grand Vitara Innenraum

Motor: Alte Schule.

Einen Klassiker im Motorenbau, hier findet man ihn noch einmal. Ein simpler 2.4 Liter Vierzylinder-Motor der als Kurzhuber ausgelegt ist und mit seinen 227Nm von keinem Turbodiesel-Triebwerk ernst genommen wird. Der größte Vorteil des stillen Benziners ist seine Laufruhe. Es ist ein Komfortmerkmal das man sich jedoch leisten können muss. Einen Testverbrauch von unter 10l auf 100km zu erreichen, erfordert viel innere Ruhe und eine Fahrstrecke mit wenig  Ansprüchen.

Im Gelände wirkt der Benziner dann vollends deplatziert. Selbst mit der aktivierten Untersetzung hat man an vielen Stellen das ungute Gefühl, dem Motor würde gleich die Luft ausgehen. Bleibt als Einsatzzweck der Schotter-Pfad im Wald. Mit gesperrtem Antrieb und in den ersten 3 Gängen lässt man es hier ordentlich krachen. Nur zu welchem Zweck?

Bewertung: 3 von 10 Punkten

Getriebe: Funktionsbox

Oben der Rührhebel – irgendwo da unten die Zahnräder. Geht man von einem Offroader aus, dann ist das simple 5-Gang Schaltgetriebe leicht zu schalten und ausreichend genau in der Führung.  Setzt man den Maßstab einer Reiselimousine an, dann stört der lange Schalthebel und die damit auch verbundenen langen Schaltwege. Ebenso ungewöhnlich war der späte Druckpunkt der Kupplung.  Unangenehm.

Rührhebel

Bewertung: 3 von 10 Punkten

Suzuki Grand Vitara Motor

Multimedia & Audio: Im Frühtau

Die beste Form zum audiophilen Genuß im Grand Vitara zu finden, ist die Fahrt im Morgengrauen auf eine stille Wald-Lichtung. Dann versenkt man die Seitenscheiben, kippt die Lehnen nach hinten und lauscht der Natur bei ihrem Früh-Konzert.

Das verbaute Navigations- und Entertainment-System ist von Clarion aber trotzdem nur wenig überzeugend und die Lautsprecher eignen sich maximal für die Untermalung von Fachgesprächen.  Wer die MP3-Fähigkeit nutzen möchte, der hört am besten ein Hörbuch – lauter HipHop oder Rock ist nichts für die Anlage. Auch hier: Zielgruppen Definition gefunden.  Immerhin lässt sich das Radio über das Lenkrad fern bedienen. Das gibt doppelte Pluspunkt, da man sich dann nicht vom schlecht ablesbaren Display ablenken lassen muss.

Bewertung: 2  von 10 Punkten

suzuki Grand Vitara Cockpit

Offroad: Wiesenheld

Allradantrieb, sogar in der Mitte sperrbar. Mit der Möglichkeit eine Untersetzung einzuschalten. Dazu Geländereifen in der Dimension 225/65-17. Und dennoch ist einfach zu früh Schluß um als vollwertiger Geländewagen gewertet zu werten. Das liegt nicht an der Bodenfreiheit von bis zu 20 Zentimeter (im Vergleich zu vielen soften SUV in dieser Preisklasse ist das viel!)  und auch nicht an der Wahl, eine Einzelradaufhängung zugunsten des komfortablen Straßenbetriebes zu verbauen. Es liegt am Motor und seinem mangelnden Durchzug. Entweder man fährt mit extremen Drehzahlen, oder man bleibt an der nächsten Grube hängen.  Ebenso wenig hilfreich: Die Kupplung mit ihrem langatmigen und spät gesetzten Druckpunkt.

Der Grand Vitara ist damit der erste Offroader, der mit auf der Straße mehr Spaß gemacht hat, als im Gelände. Es sei denn, man bezeichnet Waldwege und Wiesen, bereits als Geländefahrt …

Bewertung: 3 von 10 Punkten

Suzuki Grand Vitara Heckansicht

Der Kostenfaktor: wenig Schotter, viel Kies

Deutlich unter 30.000€ für einen 5-Türigen Vielzweck-Kraftwagen. Ein gutes Angebot?

Und wieder lautet die Antwort: Das kommt darauf. Es kommt darauf an, was man sucht. Wofür man den Wagen sucht. Auf der Haben-Seite stehen ein großzügiges Platzverhältnis und eine gute Raumausnutzung. Ganz klar auf der Soll-Seite: Der Benzinverbrauch.

Der Einstiegpreis für den 1.9l Diesel setzt Suzuki derzeit bei 25.790€ und in dieser Form, kann man den Grand Vitara durchaus als sinnvolle und preiswerte Anschaffung sehen!

 

Bewertung: 4 von 10 Punkten

suzuki 003 galerie 4 fotos vitara

 

Fazit:

Es kann nur eine Zielgruppe für diesen Grand Vitara geben: Die der Freizeit-Jäger, den Förster – der Menschen, die gerne in der Natur unterwegs sind.  Und hier trifft der Grand Vitara mit dem 2.4 Benzinmotor in eine Lücke, die ich nicht kannte. Einen Offroader, der nicht so richtig “off-the-road” fahren muss. Eine gemütliche Reise-Limousine, die nicht lange reist.  Statt dessen: Zuverlässige, weil einfache Technik. Ein ruhiger Motor mit einem Verbrauch der auf den Etappen durch den Wald noch als vertretbar angesehen wird und ein pflegeleichter Innenraum.

Bingo.

Zugegeben: Mich konnte der Grand Vitara nicht überzeugen. Zu sinnlos finde ich die Kombination aus simplen Benzin-Motor und Offroader-Talent-Hütte.  Aber es gibt Menschen, die sehr glücklich mit “ihrem” Grand Vitara sind. Zum Beispiel meine Nachbarn, zwei Straßen weiter – ein pensionierter Förster – der sagte, es gibt kein besseres Auto – na dann! Weidmanns Heil!

Ranking: 41 von 100 Punkten

Da gibt es keinen Spielraum  für Diskussionen:  Die Punkte ergeben ein Gesamt-Ranking und sind über alle Fahrzeugklassen vergleichbar – da direkt objektiv auf Modellklasse und Zielgruppe eingerichtet. Je mehr Punkte, desto besser ist das Fahrzeug. Ein Sportwagen kann keine 100 Punkte erreichen, weil der Alltagsnutzen gering ausfällt. Ein Familien-Van fällt eventuell in der “Straight-Performance” durch. Das Ranking ist natürlich ein völlig subjektives – es ist das mein-auto-blog Ranking. Bjoern Habegger

 

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Disclosure:

+
Mein Testurteil ist  unverkäuflich und wurde daher ohne Einfluss und Kontrolle des Herstellers erstellt!
Dennoch: Danke an Suzuki Deutschland  für das Testfahrzeug.

Text/Fotos: Bjoern Habegger | mein-auto-blog.de | 2012 |  by-nc-nd

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5 Kommentare

  1. civichief
    17. Oktober 2014 zu 11:13

    Danke für den BEricht und auch die TEchnik ist mehr als ausreichend besprochen.
    Kombination aus Motor und Getriebe erinnert an den 2,5 Wrangler YJ. Ausreichend für Mitteleuropa – auch abseits befestigter Straßen, wo meist eh keiner fahren darf außer Fortst- und Waldarbeiter.

    Für den GRand Vitara spricht die Alltagstauglichkeit und das Ladevermögen.
    Sonst würde ich doch eher zum Jimny tendieren

  2. Bjoern
    14. September 2012 zu 14:16

    Danke Dir fürs kommentieren. Nun, ich will ganz klar – die Punkte als meine subjektive Einschätzung verstanden werden. Auf einer Skala von 1 bis 100 – wie gut finde ich das Fahrzeug.
    Wenn da noch “man” im Text drinnen sind, dann müssen die raus :) – auch da gebe ich Dir recht.

    Langweiliges Design ;) Wäre mal eine Floskel die ich berücksichtigen muss ;)

  3. Will Sagen
    14. September 2012 zu 11:46

    Hm.
    Ich finde ja, so ein Punktesystem erweckt immer den Anspruch von Objektivität. Dabei, und ich hoffe, dass ich dich da nicht verwechsle, bist du doch Verfechter der subjektiven Tests und Fahrberichte. Das könnte durchaus deutlicher werden. Denn auch die Verwendung von “man” und anderen grundsätzlichen Aussagen ohne Hinweis darauf, dass es die persönliche Meinung wiedergibt, sind Merkmale einer eher objektiven Bewertung.

    Bei einigen Punkten stimme ich dir beim Lesen ja durchaus zu (z. B. die Heckklappe rechts anzuschlagen bei Fahrzeugen für Rechts- (nicht Links-)verkehr). Aber dieses kleine Bildchen von den Instrumenten: In der Größe könnte man das auch mit denen eines Porsche Boxsters oder so verwechseln. Bin gespannt, ob ich da demnächst auch “langweilig im Design” lese. ;)