Der Škoda Citigo im Fahrbericht

Ausgefuchst

Nun also auch bei Škoda, ein Kleinstwagen.

Wie üblich in den letzten 20 Jahren ist es natürlich keine Eigenentwicklung, sondern ein Konzernfahrzeug welches auch unter dem Markengesicht von Seat und der großen Konzern-Mutter Volkswagen verkauft wird.

Man hat sich bei Škoda viel Mühe gegeben, dem Kleinen Up-Geschwisterchen eine eigene Identität zu verleihen und so zieren den als 3- oder 5-Türer  erhältlichen Winzling,  ein Kühlergrill nach Art des Hauses, im Gegensatz zum Kühlergrillfreien-Spender: „up!“.  Das Logo ist allerdings in die Haube nach oben gerutscht und an der Rückseite ist die Leuchtengrafik in die Škoda-Winkelform gebracht worden.

Erkennt man den Citigo als Škoda?  

Nein.

Sehr wohl kann man sagen, es ist ein Gesicht in der Menge, jedoch ist das Volkswagen-Gen überdeutlich zu erkennen. Mit geradezu Preußischer Geradlinigkeit und penetrant vorgetragener Sachlichkeit will jede Fuge vom Stande der erreichten  Perfektion des Automobilbaus berichten. Die klaren, absolut unverspielten Blechformen ersticken bereits im Ansatz etwaige Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Absichten, mit dem die Macher den neuen Streber in der Klasse der Kleinstwagen an der Spitze positionieren wollen.

Hieraus urteilen zu wollen, der Škoda wäre nur eine billige Kopie, springt deutlich zu kurz. Alle 3 Kleinstwagen haben eine Prägung der Persönlichkeit erhalten, wie es in einer guten Familie eben so üblich erscheint.

PI-VR GmbH vred 5.5

Echt urban. 

Für die Stadt gebaut. Das merkt man schnell und im Falle der Übersichtlichkeit schätzt man diese klar definierte Ausprägung des kleinen Citigo auch binnen kurzer Zeit. Der Citigo bekam einen relativ langen Radstand, im Verhältnis zu seiner Außenlänge und überzeugt daher im Innenraum mit sehr guten Platzverhältnissen. Ein Beispiel hierfür ist die Innenraumbreite von 1.36m, die bei einem knapp 1,46 Meter  breiten Fahrzeug von der clever genutzten Raumfläche berichtet. Dank der steil stehenden Scheiben und dem lackierten Türblech fühlen sich ältere Autofahrer an die erste Golf-Generation erinnert.  In Innenraum überzeugt auch die Verarbeitung, ein deutliches Indiz der Preisklasse sind jedoch die verwendeten Kunststoffe. Wenn auch genarbt und in unterschiedlichen Versionen farblich eingefärbt, Hartplastik bleibt Hartplastik und schmeichelt der Hand nicht. Anders einige wenige Lichtblicke im Innenraum. So sind die Schalter VW-Standard und damit auch auf einem haptisch angenehmen Niveau. Besonders gefallen hat das im Testfahrzeug integrierte „Mobile“ Navigationssystem, welches nicht nur den rechten Weg im Großstadt-Dschungel kennt, sondern auch als Multimedia-Einheit, Bluetooth-Freisprecheinrichtung und Bordcomputer-Display dient.

Urban: Modewort für das Zusammenleben in großen Städten. Abseits der Öffentlichen Nahverkehrsmittel gibt es einen stetig wachsenden Markt für kleine, sparsame, handliche und übersichtliche Fahrzeuge. In diesem Segment will auch Škoda mit dem Citigo erfolgreich werden. 

3-Zylinder:  Der Motor des Citigo wird in 2 Leistungsstufen angeboten: 60PS und 75PS. Sind aber in ihrer Grundkonfiguration gleich. 3-Zylinder mit 999cm³ Hubraum und moderner Vierventil-Technik. Beide Motoren kommen ohne Aufladung aus.  

Einfach intelligenter? Urbane Mobilität.

Für unsere Testfahrt standen sowohl der 60PS, als auch der 75PS Motor zur Verfügung. Innerhalb der Stadt-Geschwindigkeit sind die Unterschiede kaum ausfahrbar. Während man sich über den rumpeligen Lauf der Motoren echauffieren kann, versöhnt die 5-Gang Handschaltung mit perfekter Präzision. Da sind die Preußischen Gene wieder sichtbar. Sowohl die Abstufung der 5 Gänge, als auch die erfreuliche exakte Führung des Schalthebels  stehen im Widerspruch zum akustisch unharmonischen 3-Zylinder unter der kurzen Stummelhaube.

Beide Motor-Varianten hängen gut am Gas und ziehen auch durchweg  ordentlich durch, die Laufgeräusche und der Rundlauf des Motors lassen jedoch noch deutlich Spielraum zur Verbesserung.  Ab Landstraßen-Tempo verliert der 60PS Motor natürlich weiter an seinem bereits weniger ausgeprägten Elan. Doch wer häufige Überland-Etappen fährt, wird vermutlich nicht zum „Stadtwagen“ greifen.

Ohne Fehl und Tadel hingegen: Der Federungskomfort des Kleinstwagen von Škoda. Er fährt sich ausgesprochen erwachsen. Ob dieser Zustand auch bei Beladung anhält, wird ein Einzel-Test des Citigo klären müssen.

Kurz zurück zu den Motoren:

Der 3-Zylinder in der 60PS -Version entwickelt ein Drehmoment von 95Nm zwischen 3.000 – und 4.300 Umdrehungen. Dieses recht breite Plateau ist mit dafür verantwortlich, dass man sich trotz der überschaubaren Leistung nicht untermotorisiert fühlt.  Die 60PS reichen aus um in 14,4 Sekunden auf Tempo 100 zu beschleunigen.  Bei 160 km/h ist die Höchstgeschwindigkeit erreicht. Auf der Motorwagen-Potenz-Skala kann man mit dem „kleinen“ Motor keinen beeindruckenden Platz belegen, doch um im Verkehr frech mit zu schwimmen, reicht auch das 60-PS Triebwerk.

Mehr Leistung? Gleicher Hubraum, aber 75PS. Hierfür sorgt eine veränderte Motorsteuerung. Das Drehmoment des Motors bleibt bei 95Nm und steht auch weiterhin zwischen 3.000 und 4.300 Umdrehungen zur Verfügung. Die Höchstgeschwindigkeit steigt jedoch auf 171 km/h und der Sprint auf Tempo 100 verkürzt sich auf 13.2 Sekunden.

Der kombinierte Verbrauch im NEFZ-Zyklus wird auf 4.5/4.7l  beziffert. Auf unserer Testfahrt konnten wir im gemischten Verkehr einen Verbrauch von 5 Liter auf 100km messen, was in Anbetracht der noch nicht eingefahrenen Fahrzeuge und dem Hamburger Stadtverkehr als durchaus respektabel angesehen werden kann.

Eine Start/Stop-Automatik sieht Škoda leider nur für das „Green tec“ Modell vor. Hier sind wir ob dieser Entscheidung, die sinnvolle Benzinspartechnik nur in Verbindung mit Leichtlaufreifen anzubieten, ein wenig irritiert. Spricht Škoda doch selbst von fast 11% Einspar-Potential bei einer Start-Stop-Automatik, diese zusätzliche Spar-Technik erachten wir bei jedem Citigo als sinnvoll.  Gerade Stadt-Fahrzeuge mit häufigem „Stop & Go“ profitieren von dieser Technik.

Ein Diesel-Motor ist für den Citigo nicht vorgesehen, eine Erdgas-Variante wird man jedoch zu einem späteren Zeitpunkt nachschieben.

Der neue Kleinstwagen der sympathischen Marke mit dem Ursprung in Tschechien wird in einigen sehr lebendigen Farben angeboten. Darunter fällt zum Bsp. das „Spring-Grün“ oder auch ein Sunflower-Gelb. Doch auch im Aufpreisfreien weiß steht der kleine Škoda Citigo adrett und modern auf seinen 14″ Leichtmetall-Felgen.

15″ Aluminium-Felgen mit Reifen der Dimension 175/65-15 sind gegen Aufpreis erhältlich. Ebenso eine Variante mit 185/55-15, mit denen aus dem Stadtwagen bereits im Stand ein Stadtflitzer wird.

Die Preise starten bei 9.450€ für den 60PS Citigo in der Ausführung: „Active“ und  mit 3-Türen. Die besonders gut ausgestattete „Elegance“ Variante im 75PS 5-Türer bildet in der Green-Tec Version mit 13.150€ den oberen Abschluss. Besonders empfehlenswert finden wir die Green-Tec Varianten, da die enthaltene Start-Stop-Automatik für den täglichen Stadtverkehr eine echte Bereicherung darstellt. (Es bleibt jedoch bei der Kritik, das Start-Stop-System als Extra anzubieten.)

Das sinnvollste und modernste Extra stellt jedoch der „Aktive Bremsassistent – City Safe Drive“ da. Dieses maximal 150€ teure Extra ist in der Lage, bis Tempo 30 Auffahrunfälle selbsttätig zu vermeiden, in dem es brenzlige Situationen erkennt und eine Notbremsung einleitet. Wer bereits einmal die teuren Folgen einer nur wenige Sekunden dauernden Unachtsamkeit erfahren musste, erkennt schnell – wie sinnvoll diese 150€ investiert sind.

Vorteile

+
Cleverer Stadtwagen für urbane Mobilität, ohne Verzicht.

Nachteile

+
Rumpeliger 3-Zylinder mit wenig Manieren.  
[tabs tab1=“Verbrauch“ tab2=“Ausstattung“ tab3=“Punktzahl„]Fazit:

Simply Clever, oder was?

Škoda hat nichts falsch gemacht. Das jüngste Mitglied der Automobil-Familie im Haus Škoda ist ein kleiner Charakter-Typ geworden, der trotz seiner Zwillinge von Volkswagen und Seat mit seinem ganz eigenen Charme aus „Cleverness“ und „Sympathie“ in eine erfolgreiche Zukunft schauen kann. Der Citigo schafft den Spagat aus freundlicher Ansprache dank des netten Front-Designs und einer wunderbar einfachen Formensprache ohne Schnickschnack rund um das Fahrzeug herum.

Der Fauxpas des nur einem Paket erhältlichen Start-Stop-Systems, wird man getrost auf die (leider)  erfolgreich umgesetzte Aufpreispolitik des Mutterkonzerns schieben können.

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Bjoern Habegger | April 2012 | Fotos: Auto-Bloggerei.de/Hersteller

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