smart Fortwo ED (2017) im Test – Erster Fahrbericht des Elektroflitzers

smart Fortwo ED (2017) im Test – Erster Fahrbericht des Elektroflitzers

Es war einmal eine gute Idee. Ein Stadtauto von geringer Größe. Mit effizientem Antrieb, clever gedacht, sympathisch gemacht. Ein Auto für Zwei, weil ja eh selten mehr auf einmal im Auto sitzen. Der smart. Doch wie so oft, eine clevere Idee ist nicht immer der Garant für Erfolg. Und auch wenn man bei smart heute betont, wie erfolgreich die Vorgänger waren und wie lange man schon so richtig innovativ unterwegs ist – für die jüngste Generation musste ein Partner mit ins Boot geholt werden, damit das Projekt umgesetzt werden kann. Und so kam die jüngste smart-Generation als einer von zwei Zwillingen auf den Markt. Mag man mögen, oder nicht – auf jeden Fall hilft es bei der Umsetzung von Innovationen. Zweisitzer, Fünfsitzer und Cabriolet, alles im Angebot – und das sehr zeitnah. Und jetzt auch noch elektrisch. Und das auch für alle Varianten. Für mein-auto-blog bin ich den neuen Elektro smart gefahren, ausgerechnet in Amerika. In Miami. Wie das war? Die Wahrheit im Fahrbericht zum neuen smart ED.

Testbericht: smart ED (2017)

Kolibri im Elefantenzoo

Ja. Ja. Ja. Der Elektroantrieb kommt von Renault. Ja, auch dort wird man einen Twingo mit E-Antrieb anbieten. Ja. So ist diese neue Welt. Kooperationen sind das Elixier, aus denen die Margen geschaffen werden. Im Bereich der Klein- und Kleinstwagen ist ohne die grenzenlose Zusammenarbeit eh kein Stich mehr zu machen. Wir erinnern uns an die Drillinge von PSA und Toyota? Eben. In diesem Fall stehen sich Renault und Mercedes-Benz, ähm, smart – eben ganz nah. Die Batterien steuert die Daimler-Tochter Accumotive (LG-Zellen) bei, der Drehstrom-Motor kommt von den Franzosen. Und vieles andere auch. Dass man bei smart den neuen „Ed“ ausgerechnet in den USA präsentiert, ist mehr als ein Augenzwinkern wert. Denn die klassische Frage lautet ja: Welche Reichweite hat der Elektro-Zwerg?

Eine US-Großstadt dürfte da mehr als genug Spielraum für einen E-Zwergen bieten. Und die Amis sind eh die Weltmeister des Pendelverkehrs. Zusammen mit dem Kollegen Schlörb von fünfkommasechs habe ich den smart ED bereits vor einigen Monaten auf den letzten Test-Kilometern gefahren – nur mitgefahren – hier das Video:

Jetzt war es an der Zeit, das Lenkrad selbst in die Hand zu nehmen.

Der Elektro-Winzling ist erst einmal ein typischer smart. Nur ohne „brummbrumm“. Stattdessen nur ein „Bing“. Abfahrbereit. Lautlos. Noch immer gespenstisch. Doch in diesem Fall passt die Elektromobilität noch viel besser zum Gesamteindruck als sonst. Es ist der Hammer auf den Nagelkopf, die Sahne auf dem Käsekuchen, die Schokostreusel im Cappuccino, der String-Tanga an der Traumfrau. So muss das gehen. So ergibt es einen Sinn.

Dank 160 Nm-Drehstromkraft spurtet der smart ED in 4.9 Sekunden, nicht auf 100, aber auf Tempo 60. Für die Stadt ist das mehr als ausreichend. Der reaktionsschnelle Ampelstart sorgt für überraschte Gesichter in der Spur nebenan, für ein freudiges Grinsen in den Gesichtern an Bord des smart ED. Frei von Schaltpausen zoomt sich der Elektro-smart fröhlich bis Tempo 130. Da ist Schluss. Elektronisch abgeregelt. Die 90 PS des E-Motors würden mehr leisten, wenn sie dürften. Aber in seinem natürlichen Habitat sollten die 130 km/h als „völligst ausreichend“ gelten.

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Einen Vormittag lang stromern wir frei von CO2 durch den Stadtverkehr der Metropole Miami. Von South Beach zur Coconut Groove und zurück nach Downtown. Einen Vormittag lang wundern wir uns über die Anlaufprobleme der Elektromobilität. Wer sich den smart ED schnappt und damit bis zu 160 km (NEFZ) rein elektrisch fährt, der dürfte geheilt sein von seinen Vorurteilen über die E-Mobilität. Aus den 160 „Norm-Kilometern“ werden im Alltag vermutlich 120 bis 140 über bleiben, aber reicht das nicht? In der Stadt? Der Akku der jüngsten Generation von Elektro smart ist gegenüber dem Vorgänger nicht gewachsen. Es bleibt bei 17.6 kWh. Freilich fragt man sofort: Warum? Die Antwort ist eindeutig: Weil es ausreicht. Der smart ist als urbanes Automobil konzipiert und selbst einen Tag in Miami im Stil eines Pizzaboten unterwegs zu sein, macht er klaglos mit. Ohne Reichweitenangst. Warum also mehr Gewicht und mehr Kosten akzeptieren? Im kommenden Jahr wird smart einen 22 kW-Schnelllader als „Option“ anbieten. Bis dahin nuckelt sich der smart an einer Standard-Wallbox (7.2 kWh) binnen 3.5 Stunden zurück zum vollen Akkustand, an der klassischen Steckdose (230 Volt) sind gute 6-Stunden einzuplanen. Der kommende Schnelllader lässt die Ladezeit auf knapp 45 Minuten absinken.

Per ECO-Taste lässt sich der smart in seinen Emotionen einbremsen. Deutlich lethargischer wird die Reaktion, die Klimaanlage schaltet in den Sparmodus und das Bremspedal wird, dank verstärkter Rekuperation, im Prinzip arbeitslos. Wer es auf die Spitze treiben will, macht es. Im schwülen Winter von Miami ist das für uns aber keine Alternative gewesen.

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Der freche Wendekreis von 6.90 Metern ist immer wieder überraschend. In den USA reicht so fast eine Fahrspur zum 180°-turn. In Anbetracht der riesigen SUV wirkt der handliche smart wie ein Kolibri im Elefantenzoo. Spannend auch die Integration eines Hilfmittels, das man bereits von der elektrischen B-Klasse kennt. Ein Radarsensor in der Front hilft bei ökologisch korrektem Fahrstil. Er lässt verstärkt rekuperieren, wenn man auf den Vordermann aufläuft und steuert den Segelbetrieb, wenn die Straße frei ist.

Kritik:

Der Startpreis liegt bei 21.940 €. Ein echter Betrag für ein echtes Stadtauto. Dank der aktuellen Elektroauto-Förderung lassen sich gleich einmal 4.000 € wieder abziehen – oder man schwenkt um auf das Cabriolet.

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Fazit:

Es ist eine gute Idee zu Ende gedacht. Ein Stadtauto von geringer Größe. Effizienz im Antrieb. Sympathisch umgesetzt. Ein Auto für „bis zu zwei“ – lokal emissionsfrei. Der neue smart ED – mehr braucht es für den urbanen Alltag nicht! Noch immer Berührungsängste? Eventuell hilft das: Der smart ED hat 8 Jahre oder 100.000 Kilometer Garantie auf seine Antriebsbatterie!

DATEN: SMART ED 2017

Preis € ab: 21.940 €
Steuer jährlich: befreit
Antrieb : fremderregter Drehstrom-Synchronmotor, 60 kW, 160 Nm, 1-Gang Getriebe, Heckantrieb
Dimensionen: 2 Sitze, L/B/H 2690,1660,1550 mm, Gewicht 1050 kg, Kofferr. 260-360 l, Tank 17.6 kWh.
Fahrleistungen: 0-100 km/h 11.5 sec, Spitze 130 km/h, Normverbrauch 12.9 kWh/100km
Extras: Optional 450 € Schnelllader (ab 2017)

Nachtrag:

Der „etwas andere“ elektrische Stuhl – wäre eigentlich die Überschrift gewesen. Aber zum einen ist die Todesstrafe in den USA kein Witz und zum anderen trifft die abwertende Bezeichnung „Stuhl“ den smart ED nicht. Aber hey, witzig wäre es gewesen – ganz kurz ;) 

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4 Kommentare

  1. Dirk
    26. November 2016 zu 10:59 Antworten

    Etwas verstehe ich bisher gar nicht! Ich habe einen Akku. mit 17,6 kWh, habe einen NORM-Verbrauch in Höhe von 12,9 kWh/100km und soll auf eine NEFZ-Normreichweite von 160km kommen, dies müssten die Ingenieure und Werbefachleute der Hersteller mir bitte mal sehr genau erklären, denn ein Gefälle mit ca. 23,6 km Länge, ohne dass ich einen einzigen Verbraucher im Fahrzeug nutzen dürfte, dies wäre sicherlich nicht so leicht im Flachland zu finden. ;) Ich ignoriere hierbei schon vollkommen, wie aussagekräftig eine Normverbrauchsangabe im Alltag ist!

    • Bjoern
      Bjoern
      27. November 2016 zu 08:05 Antworten

      Ja – verständlich. NEFZ halt. Er eignet sich eben nur zum Vergleich zwischen den Fahrzeugen, einfach nur eine Normgröße.

  2. Jürgen
    22. November 2016 zu 22:01 Antworten

    „Wir erinnern uns an die Drillinge von PSA und Toyota?“

    Ich erinnere mich da eher an Mitsubishi.

    • Bjoern
      Bjoern
      23. November 2016 zu 08:07 Antworten

      Bei was genau?