Fahrbericht: Škoda Superb TDI 4×4 Combi

Fahrbericht: Škoda Superb TDI 4×4 Combi

Fahrbericht: Škoda Superb TDI 4×4 Combi Bjoern

Familien-Streber!

Karosserie
Fahrkomfort
Motor und Getriebe
Fahrdynamik
Kosten / Umwelt
Emotionen

Summary:

3.8

Besser wird schwierig!

Benutzerbewertung: 4.7 (4 Stimmen)

Schnäppchen lohnen sich nicht immer … 

John Ruskin war ein englischer Sozialreformer und von ihm ist die Aussage überliefert:

Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten.

Nun der gute Hr. Ruskin verstarb leider bereits im Jahre 1900, denn ansonsten würde ich ihn gerne zu seiner Meinung über meinen Testwagen der letzten Tage befragen:

Im Fahrbericht:

Škoda Superb Combi 4×4

Skoda superb fahrbericht foto seite

Ein Kombi im Widerspruch zum Gesetzt der Wirtschaft?

Um in der Automobil-Industrie erfolgreich zu sein, benötigt man als Hersteller unter anderem die Möglichkeit, viele gleiche Bauteile in möglichst vielen und vor allem unterschiedlichen Modellen unterbringen zu können. Nur so lassen sich Entwicklungskosten senken und durch einen gemeinsamen Einkauf die Kosten niedrig halten. Ein Konzern der dies wie kein anderer perfektioniert hat, stammt aus Wolfsburg und seit 1991 gehört der Tschechische Automobil-Hersteller Škoda zur großen Volkswagen-Familie.  Die Positionierung innerhalb des Konzerns war von Anfang an klar: Ein Škoda bietet viel Auto für das Geld des Käufers. Premium aber, bleibt den Edel-Töchtern im Konzern vorbehalten, allen voran: Audi.

Der Erfolg der Tschechen beruht jedoch nicht einfach nur auf bewährter Volkswagen-Qualität und einem kleinen Preisvorteil – nein, die Fahrzeuge mit dem geflügelten Pfeil im Logo bieten immer auch noch ein wenig mehr – vor allem ein wenig „Mehr Platz“! Das ist beim neuen Octavia so und das ist bereits seit 2008 bei Škodas Top-Modell so.

Der Superb Combi bietet bei einem Grundpreis von unter 25.000 € die Platzverhältnisse der Oberen Mittelklasse. Der ewige Musterschüler dieser Kategorie, die Mercedes-Benz E-Klasse bietet kaum mehr Ladevolumen und für die Passagiere in der zweiten Reihe sogar weniger Beinfreiheit.  Wie John Ruskin das wohl beurteilt hätte?

Kombis sind doch nur etwas für Familienväter, Spießer und Außendienstmitarbeiter.

 4×4: Škoda vertraut bei den eigenen Allrad-Modellen auf die Technik aus dem VW-Konzern. Für Fahrzeuge mit Quermotor wird hier mittlerweile traditionell eine Haldex-Kupplung verwendet. Dieses hydraulische Bauteil sorgt für ein „anhängen“ der Hinterachse und gibt die Kraft nur bei Bedarf nach hinten weiter. Der Superb besitzt eine Haldex-Kupplung der vierten Generation.  Wichtig ist: Erst diese vierte Generation brachte erhebliche Fahrdynamische Vorteile mit sich!

TDI: Der VW-Konzernmotor ist ein ausgesprochener Langhuber. Dank Common-Rail-Einspritzung anstelle der früher genutzten Pumpe-Düse-Variante ist aus dem 350 Nm starken Gesellen ein verträglicher Alltagsbegleiter geworden. Allerdings ist die Geräuschdämmung im Superb weniger ausgeprägt als dies möglich erscheint. So bleibt der 170 PS Diesel allseits prägnant im Ohr, auch wenn er mehr knurrt – als nagelt.

Obere Mittelklasse: Preislich startet der große Škoda ganz klar in der Mittelklasse. Aber das Platzangebot bringt sogar gestandene Kombis aus der oberen Mittelklasse zum schwitzen. Der Superb wandelt sehr souverän auf den Grenzlinien der Fahrzeugklassen.

Das Geheimnis des riesigen Innenraums liegt in der cleveren Technikwahl der Tschechen. Denn obwohl der Superb kaum kleiner als eine E-Klasse ist, liegt der Motor unter der vorderen Haube nicht wie bei den Schwaben längs, sondern quer. Das spart enorm viel Bauraum in der Länge und sorgt trotz leicht kürzerem Radstand für eine opulente Beinfreiheit selbst in der zweiten Reihe. Und das auch dann noch, wenn in der ersten Reihe bereits Menschen mit gesteigertem Platzbedürfnis sitzen.

Lüftungsdüesen zweite Reihe skoda superb

Der Superb ist nicht einfach nur groß – er packt diesen ganzen Raum auch noch geschmackvoll ein. Keine Spur von billig. Lüftungsdüsen für die Fondpassagiere in den B-Säulen und Fußmatten mit Fußstütze. Über den Passagieren zieht sich ein gigantisches (optionales) Glasdach in die Länge. Wer den Blendschutz vollständig einrollt, sitzt in einem edlen und von Licht durchfluteten Salon. Es fällt schwer in dieser Atmosphäre etwas zum mäkeln zu finden.

Bin ich ein Spießer?

Auch wenn es meine Oma sicherlich manchmal gewünscht hätte, ich bin trotz meiner demnächst 38 Jahre noch immer kein Spießer. Aber ich habe einen Hund. Immerhin, soviel „Normalität“ tut gut in der Selbstreflektion und sogleich stelle ich fest: Nicht nur Spießer fahren auf Kombis ab. Auch Menschen mit Hund. Wobei mir der Superb-Tester zu elegant war um unsere Haare verteilende Hunde-Dame in den Kofferraum zu packen. Aber ich bin mir sicher, unserer Hunde Dame wäre das egal gewesen. Der Kofferraum ist einfach gigantisch. Vermutlich wäre der Wunsch aufgekommen, einen zweiten Hund anzuschaffen, damit unsere Dame nicht so alleine im Kofferraum herumturnt. Dank dem optionalen „Befestigungs-Paket“ und dem herausziehbaren Laderaumboden konnte ich aber auch vollständig neue Talente an mir fest stellen: Den Handwerker. Okay, jetzt wird es fast spießig.

skoda superb fahrbericht kofferraum volumen

Um mein Image nicht vollständig zu ruinieren werde ich nicht auf diese fantastischen Möglichkeiten eingehen, die der variable und bis 1.865 Liter große Kofferraum bietet. Als Nerd darf ich aber noch auf die LED-Taschenlampe links in der Kofferraum-Verkleidung hinweisen. Mit Akku und herausnehmbar. Geil.

Superb skoda fahrbericht praktisches ladeabteil

Wäre nicht das große Škoda-Logo auf dem Lenkrad, man könnte nur schwer erkennen, ob man nun in einem Volkswagen sitzt, oder nicht. Die Qualität der gesamten Inneneinrichtung passt – nur abseits des direkten Blickfelds wird auch die Haptik der Oberflächen vernachlässigt.

Skoda superb innenraum lenkrad qualität

Fahrgefühl:

Škoda hat nicht den Fehler gemacht und den Superb sportlich abgestimmt. Er wirkt straff und dank seines langen Radstandes läuft er unbeirrt gerade aus. Der 4×4-Allradantrieb sorgt dafür, dass man nicht das unpassende Gefühl bekommt, der Antrieb wäre mit dem Drehmoment des potenten Diesels überfordert. Der 4×4 passt ausgezeichnet zum gesamten Eindruck eines Fahrzeuges, dass eigentlich eine Klasse höher zu Hause ist – preislich aber in der Klasse darunter angesiedelt wurde. Dank aktivem Allradantrieb lässt sich der große Superb handlich über Landstraßen aller Art bewegen, wobei die Grenze des Fahrwerks durch sachtes Untersteuern angezeigt wird. Sportlich? Nein – ganz sich nicht, aber fahraktiv und sicher. Richtig zuhause fühlt man sich auf den langen Etappen. Dank des kraftvollen und sparsamen Motors, des komfortablen aber nicht zu weichen Fahrwerks und dem schier unfassbaren Platzangebot, macht jeder Kilometer hinter dem Lenkrad des großen Tschechen erstaunlich viel Spaß!

skoda superb fahrbericht fahrgefühl

Meine persönliche Empfehlung:

Der Aufpreis für den 4×4 liegt bei 1.800 € – egal ob man nun den 103 kW (140 PS) starken Diesel mit dem DSG-Getriebe wählt, oder den Top-Diesel mit 125 kW (170 PS), der im übrigen nur mit dem manuellen Sechsgang-Getriebe zu bekommen ist.  Der Allrad-Aufpreis ist unabhängig von der gewählten Ausstattungslinie. Der gefahrene Superb kam als „Elegance“ zum Test und brachte damit einiges an guter Ausstattung bereits in Serie mit. Befasst man sich mit der Aufpreisliste des Superb, dann fällt einem die Nähe zum Volkswagen-Konzern sofort wieder ein. Hier haben die Tschechen fein gelernt, wie man mit langen Listen, die Wünsche der Kundschaft ordentlich sortiert und am Ende mit beeindruckendem Aufpreis zusammenfasst.

Wobei die Preis-Aussage durch das gesamte Niveau, auf dem man sich bewegt, wieder relativiert wird. Der Testwagen als Superb Combi 2.0 TDI 4×4 Elegance kostet 34.940 € – dank einer „Einmal mit allem“ Behandlung stehen am Ende 43.2550 € auf der Rechnung. Eine Summe die im Anbetracht des gebotenen, den guten John Ruskin in Erklärungsnöte bringen dürfte.

Nervige Details:

skoda superb kessyEin unsinniger Start & Stopp-Knopf gehört zum „Kessy“ System, der Škoda-Variante des Keyless-Go. Man spart sich dank Kessy das „aufschließen“ des Fahrzeuges, aber zum abschließen muss der Schlüssel doch wieder in die Hand genommen werden. Zudem wurde der Platz, an dem üblicherweise der Schlüssel in der Lenksäule steckt, mit dem besagten unsinnigen „Start & Stopp Knopf“ aufgefüllt. Diesen muss man jedoch, anders als üblich, nicht einmal kurz drücken, sondern gedrückt halten. Ich selbst habe mich oft dabei erwischt, wie ich den Knopf kurz drücke – der Motor schüttelt sich kurz – und dann noch einmal lange drauf drücke, bis der Motor läuft. Aber unter uns, Kessy kostet 390 € – die spart man sich einfach, nutzt die Fernbedienung wie immer – und damit wäre das „nervige Detail“ im Skoda Superb schon Geschichte!

VORTEILE: Ein kraftvoller und dennoch sparsamer Motor, dieses unschlagbare Raumangebot und der faire Preis, machen aus dem großen Škoda Superb eine wunderbare Familienkutsche – alternativ ein Auto für Menschen, denen Status-Gefühle schnuppe sind.

NACHTEILE:  Erst mit dem 4×4 wird aus dem Superb ein echter Mitbewerber in der oberen Mittelklasse.

Verbrauch Ausstattung / Punktzahl

  • Testverbrauch min:  5,2l auf 100km
  • Testverbrauch max: 8,7l auf 100km
  • Testverbrauch Schnitt: 6,6l auf 100km (1.691 km gef.)

Perfekt:

  • Der große Innenraum und das Platzangebot.
  • Der potente und sparsame Motor.

Vermisst:

  • Ein Tempomat mit Abstandsrader

 

Fahrbericht – Das Fazit:

Um John Ruskin noch einmal zu zitieren:

Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht irgend jemand
ein wenig schlechter machen und etwas billiger verkaufen
könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Machenschaften.

Mit Ausnahme der Tschechen von Škoda, denn die führen gleich einer ganzen Premium-Klasse erfolgreich vor –  wie man ein großartiges Auto, mit überragendem Platz, zu einem mehr als fairen Preis anbieten kann.

Srdečné blahoželanie*

*Das ist slovakisch und bedeutet: "Herzlichen Glückwunsch"!

 

Škoda Octavia Superb 2.0 TDI Combi 4×4
Erstzulassung: 2012
Motortyp: R4-Turbodieselmotor mit variabler Ladegeometrie, DOHC, 4 Ventile/Zylinder, Zahnriemen,Hochdruck-Direkteinspritzung – Common-Rail, vorn quer eingebaut
Hubraum in ccm³: 1968
max. Leistung bei min-1: 125 kW / 150 PS – 4,200
max. Drehmoment bei min-1: 350 Nm – 1.750 / 2.500
Elektro-Motor kW
Elektro-Motor Nm
Antriebsart, serienmäßig: Allradantrieb – Haldex Vierte Generation
Antriebsart, optional:
Getriebeart, serienmäßig: 6-Gang Manuell
Getriebeart, optional:
Leergewicht: 1.499 kg
maximale Zuladung: 638 kg
Beschleunigung 0–100 km/h: 9,1 Sek
Höchstgeschwindigkeit Hersteller: 217 km/h
Höchstgeschwindigkeit GPS Messung:
Kraftstoffverbrauch auf 100 km (kombiniert): 6,3 l / 100km Diesel
CO2-Emission, kombiniert: 165 g/km
Abgasnorm EU 5
Effizienzklasse: C
cW-Wert:  0,31
Stirnfläche:  –
Testverbrauch: min 5,2l / 100km
Testverbrauch: max 8,7l / 100km
Testverbrauch: Schnitt 6,6l / 100km
km-Stand Testbeginn: 16789
km-Stand Testende: 18480

 

Aktuelle Suchanfragen::

6 Kommentare

  1. Der neue Octavia Kombi – Alle Fakten › Mein Auto Blog
    29. April 2015 zu 14:14 Antworten

    […] zudem auch den neuen Octavia Combi 4×4 mit weiterentwickeltem Allradantrieb mit einer Haldex-5-Kupplung der neuesten […]