Im Fahrbericht: Citroën DS3 Racing THP 200 S. Loeb Edition

Bleibenden Eindruck hat er nach dem zweiwöchigen Test hinterlassen. Zur avantgardistischen Hülle des gewohnten DS3-Designs gesellen sich in der Racing-Variante nicht unerhebliche progressiv-aggressive Komponenten, die nur schwerlich zu übersehen ist: matt-schwarz, tief, krawallig. Passend dazu hat Citroën den bekannten 1.6er Turbo auf 207 PS aufgeblasen. Ein Fahrbericht.

Ich geb’s ja zu: er war mir ein ungewolltes Kind. Denn eigentlich hatte ich den Citroën DS3 THP 155 ins Auge gefasst. Ausreichend schnell und schön anzusehen, aber auch alltäglicher und erschwinglicher als die Racing-Variante. Mangels Verfügbarkeit wurden es statt der 156 die 207 PS des streng limitierten DS3 Racing. Und als er schließlich vor mir stand, konnte ich ihm weder böse sein noch widerstehen. Gern ließ ich mich verführen.

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Viel ist bereits zur DS-Reinkarnation geschrieben und gesagt. Überflüssig, darüber weitere Worte zu verlieren. Fest steht, Citroën hat gut daran getan, die DS-Linie ins Leben zu rufen. Punkt.

Dass mir die DS-Modelle zusagen, ließ sich bereits in meinen Fahrberichten zu Citroën DS4 und Citroën DS5, die ich im Rahmen des letztjährigen Blogger Road-Trips erfahren durfte, nachlesen.

Verführung – das ist das Stichwort. Der DS3 Racing verführt nicht mit graziler Kunstfertigkeit oder keuscher Zurückhaltung. In diesem Fall ist es die Verruchtheit und das Schmutzige, das den Kleinen so verführerisch macht. Kein schüchternes Lächeln, kein verlegenes Kichern hinter vorgehaltener Hand. Verführung versteht der Racing-DS nicht als Kunst, er bedient sich viel lieber der Holzhammer-Methode.

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In der auf 200 Stück limitierten S. Loeb Edition kommt der Citroën DS3 Racing ausschließlich in Mattschwarz mit roten Akzenten und Echt-Carbon-Applikationen für gute 33.000 € angerollt. Eine infernalisch stolze Summe, die die Franzosen für die Speerspitze ihres Kleinwagens aufrufen. Dafür sichert sich der Käufer jedoch Exklusivität und Aufmerksamkeit.

Das Mattschwarz des DS3 Racing mutet wie Lack an. Nur wer genau hinsieht, wird die Folienkanten in den Innenseiten der Türen ausmachen können. Dort blitzt das Metallic-Schwarz auf. Abgesetzt wird das Schwarz durch rote Akzente, die nicht nur Sportlichkeit demonstrieren, sondern auch auf die Rolle als Verführer hindeuten.

Zum Diábolos mutiert er, je länger ich ihn betrachte. Zum Verwirrer und Verführer, der mich stets aufs Neue – mit Erfolg gewiss – verlocken kann. Wenn der Teufel immer so verführerisch angerollt käme – meine Seele wäre ihm gewiss.

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Ob Doppelwinkel oder Dreizack, das rote Emblem steckt demjenigen schnell im Hintern, der nicht augenblicklich die Spur frei macht, eine Lücke preisgibt oder schlichtweg an den Seitenstreifen fährt. Ja, der Citroën DS3 Racing ist auf Krawall gebürstet.

Umgarnt vom schwarz-roten Alcantara-Sportsitz beschert es dem Fahrer einen Heidenspaß, dem diabolischen Spiel mit Pedalerie und Schaltknüppel zu frönen. Doch Obacht, der DS3 Racing ist wankelmütig. Schnell wird er launisch und kann einen in falscher Sicherheit wiegen – ganz so, wie es Mephistopheles mit dem Faust treibt. Beide Hände gehören ans multifunktions-freie Lenkrad. Ausschließlich zum schnellen Schalten greift die rechte Hand zum Schalthebel; und wieder rasch zurück ans Lenkrad. Denn wer den kleinen Teufel zu viel Spielraum gibt, ihn gewähren lässt, der kann erleben, dass der DS3 Racing wie ein wilder Stier austritt und Dir das Lenkrad aus der Hand reißt.

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Neben dem steten Drang, dem Lenker das Kommando zu entreißen, wird der DS3 Racing auf der Autobahn jenseits der 170 km/h zum hektischen Nervösling. Es dürstet ihm nach Kurven; und so fällt ihm das Geradeaus-Fahren schwer. Kleinste Lenkbewegungen werden bei Hochgeschwindigkeit in einen Kurswechsel transformiert. Damit werden Lenkkorrekturen zum täglich Brot auf der Autobahn. Also, schnell wieder runter von der Bahn und ab auf die Landstraße.

Verheißungsvoll grummelt der 1.6er-Benziner, dem Turbolader und Direkteinspritzung ordentlich die Sporen geben, im Leerlauf vor sich her. Das Spielen mit dem Gaspedal lässt ihn heiser röcheln. Nach Verführung klingt das zwar nicht, aber einen gewissen Charme hat das gewiss. Eher verführerisch ist das Sprotzen und Rotzen bei Zwischengas, wenn es nach Kurvenausgang mit kurzem Hufscharren vom zweiten in den dritten Gang geht. Hier ist er zu Hause – auf ländlichem, teils bewaldetem Asphaltband, das sich quer durch die Republik schlängelt. Leitplanken und rot-weiße Baken markieren die favorisierten Spielplätze des DS3 Racing. Eng, kurvig und dreckig hat er es am liebsten.

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Hier kommen ihm die Unterschiede zum zivilen DS3 zugute: 10 Millimeter tiefer, verbreiterte Spur und ein sportlicher abgestimmtes Fahrwerk. In Kombination mit dem spontan ansprechenden Motor und der homogenen Leistungsabgabe wird der kleine Frontkratzer zum Kurvenräuber. Auch wenn die Lenkkräfte mit Vorsicht zu genießen sind, im Grenzbereich bleibt der DS3 Racing meist gutmütig und beherrschbar.

Die Spaßbremse ESP kommt erfreulich selten zum Einsatz. Lediglich in sehr scharf gefahrenen Kurven, etwa beim Abbiegen, regelt es (f)rigide und kompromisslos die Leistung weg.

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Wie es sich für ein Fahrzeug mit sportlichem Anspruch, das dem Lenker Straße und Auto spüren lassen möchte, gehört, werden die sechs Gänge manuell sortiert. Keine Doppelkupplung, kein Wandlerautomat und keine Schaltwippen. Hier ist noch Arbeit gefragt. Für meinen Geschmack könnte der Schalthebel etwas kürzer ausfallen. Bei schnellem Schalten wirkt die Schaltbox gelegentlich etwas knorplig.

Was ich vermisste: Xenon und einen USB-Anschluss, der wegen des Navigationssystems wegfiel.

Der Citroën DS3 Racing Sébastien Loeb Edition ist ein Verführungskünstler. Nicht nur sein unmoralisches Äußeres, auch sein markiger Auftritt auf der Landstraße verführen zur Unvernunft. In puncto Sportlichkeit hält der DS3 Racing das, was die Optik verspricht – insbesondere auf der Landstraße. Auch wenn die Autobahn spürbar nicht zu seinem präferierten Lebensraum gehört, kann der kleine Teufel hier die etablierten Mittel- und Oberklasse-Fahrzeuge ärgern. Schön: er kann auch anders. Cruisen und effizient fahren lässt es sich mit Citroën auch. Aber wer will das schon?

 

Weitere Stimmen zum DS3 Racing findet ihr hier:

passion:driving | motor-inside.com | Motoreport.de | Kickaffe | autoaid |

Übersichtliche Informationen zum DS3 gibt es auch auf der Hersteller-Webseite.

 

technische DatenCitroën DS3 Racing THP 200 S. Loeb Edition
Motor-BauartReihen-4-Zylinder-Benzinmotor | Direkteinspritzung & Turboaufladung
Hubraum1.598 cm³
max. Leistung152 kW/207 PS bei 6.000 U/min
max. Drehmoment275 Nm bei 2.000 U/min
AntriebsartFrontantrieb
Getriebe6-Gang-Schaltgtriebe
Serien-Bereifung215/40 R18
Beschleunigung 0–100 km/h6,5 s
Höchstgeschwindigkeit235 km/h
Länge / Breite / Höhe3.962 mm / 1.717 mm / 1.443 mm
Radstand2.452 mm
Leergewicht minimum1.240 kg
max. Zuladung432 kg
Kofferraum-Volumenca. 285 l
Verbrauch innerorts/außerorts8,7 l/4,9 l Super Plus
Verbrauch gesamt6,4 l Super Plus
Test-Verbrauch gesamt9,75 l Super Plus
Test-Kilometer1.850 km
CO2-Emissionen149 g/km
Tankinhalt50 l
Grundpreis33.099,- €
produzierte Einheiten200

 

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