Mercedes-Benz A-Klasse – Erster Eindruck

A wie angekommen?

Der Stuttgarter Neu-Anfang in der Kompaktwagenklasse. 

Nur selten erlebt man einen Generationswechsel innerhalb einer Modellklasse eines Herstellers, bei dem der Name zwar gleich bleibt – das gesamte Fahrzeugkonzept jedoch über den Haufen geworfen wird und der Nachfolger völlig neu auf die Straße gestellt wird.

Mercedes-Benz hat genau dies mit der „Neuen A-Klasse“ getan und präsentiert nun eine A-Klasse, die gerne mit „A wie Attacke“ beschrieben wird, aber eher die Frage beantworten muss: „A wie angekommen“? Angekommen in der Kompaktwagenklasse vom Branchenprimus Golf? Oder doch  eher:  „A wie alleine“ unter  BMW 1er, Golf und Audi A3 ?

Mercedes-Benz A-Klasse W176 – Ein erster kurzer Fahreindruck

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  • Gefahren:  W176 |  A200 Benziner AMG Sport, A220cdi Diesel AMG Sport, und A250 Benziner AMG Sport,
  • Marktstart:  Verkaufstart am 15.06.2012 – Auslieferungen ab dem 1. September 2012
  • Basispreis ab:  23.979€ 
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  • Zeitraum:  Freitag und Samstag 6./7. Juli 2012
  • Ort:  Ljubliana / Slowenien
  • Gefahrene Strecke ca.:  150km (schlicht zu wenig!)
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Die neue A-Klasse, alles anders. Alles neu! Aber auch: "A wie Ankunft"?

Die neue A-Klasse, alles anders. Alles neu! Aber auch: „A wie Ankunft“?

Karosserie: A wie Architektur?

Die beiden Vorgänger-Generationen der neuen A-Klasse erweckten bereits im Stand den Eindruck, diese wären rezeptpflichtig und daher nur als medizinische Hilfsmittel für Menschen mit Sehschwäche, Rückenproblemen und Altersarthrose geeignet – so bricht die neue A-Klassen Generation nun vollständig mit diesem „ersten Eindruck“.

Mercedes-Benz wagt nach Jahren der Ignoranz einen völligen Neu-Anfang in einem der wichtigsten Fahrzeug-Segmente für die deutschen Premium-Hersteller. Der Kompaktwagen wurde „beim Daimler“ nicht neu erfunden, eher nach guter chinesischer Sitte kopiert.  Doch es zeigt sich immer mal wieder: Besonders erfolgreich wird man nicht, in dem man das Rad neu erfindet – sondern bestehendes optimiert.

Die „Neue A-Klasse“ macht alles anders als die Vorgänger-Generationen, abgesehen vom Frontantrieb – aber vor allem macht sie vieles besser als bisher.  Gleichwohl leidet unter dem Konzeptwechsel die Rundumsicht, aber Mercedes-Benz nimmt dies in Kauf – denn die Zielgruppe hat sich längst daran gewöhnt, dass dicke A-Säulen, breite B-Säulen und fette C-Säulen den freien Blick in alle Richtungen massiv beschränken. Auch an die Heckfenster in Schießscharten-Optik hat sich Mercedes nun heran getraut und auch hier den aktuellen Klassenstand erreicht. Man versteht, der Wechsel auf Kompaktwagen-Standards und der Schwenk zur arrivierten Lösung macht nicht unbedingt alles besser, so lange man den Karosserieaufbau solo betrachtet.

A-Klasse Rückansicht - Suchbild: Wo ist der Daimler?

A-Klasse Rückansicht – Suchbild: Wo ist der Daimler?

Antrieb: A wie Antritt?

Willkommen im neuen Motoren-Wunderland. Mercedes-Benz macht nicht den Fehler und bringt „alte Motoren“ in die A-Klasse. Durchweg aufgeladen und mit einem Feuerwerk an Motorentechnik will man den Käufer der neuen A-Klasse glücklich machen. Gelingt dies? Kann Mercedes-Benz mehr als „Diesel“?

Der erste Fahreindruck im A200 mit Doppelkupplungsgetriebe fällt durchwachsen aus. Der intern als M270 bezeichnete Vierzylinder-Benziner bildet die Grundlage für alle 3, aktuell angebotenen Benzinmotoren und wird in 2 Hubraumvarianten angeboten. Entweder 1.6 Liter Hubraum und 122PS (A180 BlueEFFICIENCY) bzw., 156PS (A200 BlueEFFICIENCY) oder als 2 Liter mit 211PS in den Varianten „BlueEFFICIENCY“ oder A250 Sport.

Mit nur 1.6 Liter Hubraum wird der Wunsch nach „sportlicher“ Fortbewegung nur schwer zu erfüllen – auch im Falle des 156PS starken A200. Hier spielt die neue A-Klasse eher die Rolle des vernünftigen Premium-Kompakten. Selbst mit AMG-Package beeindruckt der A200 eher durch intelligent verpackte innere Werte, als durch sportliche Reizüberflutung im Bereich der Fahrdynamik. Anders gesagt: Der A200 mit AMG Paket ist schlichtweg eine Mogelpackung und ein sportlicher Premium-Blender mit sexy Optik-Paket. Entsprechend lässt sich der A200 mit dem optionalen 7-Gang bewusst „ruhiger“ bewegen und den Aufpreis für das AMG-Paket kann man getrost in andere Komfort-Ausstattungspunkte investieren.

Im E-Modus vertuscht das  7-Gang Doppelkupplungsgetriebe gekonnt die technische Herkunft und spielt, betont verschliffen, die Rolle eines komfortablen Automatikgetriebes. Der S-Modus des Getriebes, eine verschärfte Gangart und hohe Drehzahlen tragen dazu bei, das Doppelkupplungsgetriebe als solches zu erkennen, wobei der Komfort-Gedanke nie gänzlich verdrängt wird.

Manko: Selbst im manuellen Modus schaltet das Getriebe beim beschleunigen und erreichen des Drehzahl-Limits selbstständig in den nächsten Gang. Es bleibt zu hoffen, das der kommende A45 diese Marotte der Fahrer-Bevormundung nicht übernimmt.

Deutlich sportlicher,  die Kombination des 170PS starken A220cdi Diesel  mit dem 7-Gang Doppelkupplungsgetriebes und dem AMG-Sport Paket.  Hier kommt in der Tat so etwas wie „aktiver Fahrspaß“ auf.  Gerade im S-Modus und noch spezieller im „teils“ manuellen M-Modus wird aus der ehemaligen Rentner-Gehilfe ein sportlich und aktiv zu fahrender Kompaktwagen. Glückwunsch. Die Überraschung „Neue A-Klasse“  ist an dieser Stelle bereits gelungen.

Komfort: „A wie Angenehm“?

Veni, vidi, wiederkommen.  Das Beste oder nichts.  Man hat in Stuttgart durchaus gelernt aus der Kritik der Kunden an den Oberflächen und der Verarbeitung aus den ersten Generationen – aber man behält einen respektablen Abstand zum Premium-Segmentführer der Kompaktwagen.

Über alle Zweifel erhaben: Die Sitzposition in der „Neuen A-Klasse“. Ganz egal ob klein oder groß, ob dick oder dünn. Sowohl die optionalen Sport-Sitze des AMG-Paketes, als auch die Verstellmöglichkeiten im Bereich des Lenkrades sind grundsätzlich geeignet, für jeden Fahrertyp eine perfekte Sitzposition zu erreichen. Das Fahrwerk des AMG-Paketes passt indes nicht zur Leistung des derzeit, vermutlich bewusst im Mittelfeld positionierten und 156PS starken A200 Benziners.  Zu straff, zu trocken und schlichtweg zu wenig „Daimler-Kompaktwagen“.  Das Bild verändert sich abrupt, kombiniert man den A220Diesel oder den A250 Benziner mit dem AMG-Fahrwerk. Mit dem Wachstum der motorischen Potenz, steigt der Anspruch des Fahrers an das Fahrwerk und – völlig „Daimler-Kompaktwagen“ untypisch – macht es plötzlich Spaß, den kleinsten Benz über Bergstraßen und Landstraßen der zweiten Ordnung zu bewegen. Flott, flotter – A250AMG.

Im Innenraum hat der Reifungsprozess hin zur  dritten Generation zu einer Verjüngungskur geführt. Klingt absurd – überzeugt aber mit frischem Design und zeitgemäßer Formensprache.

A-Klasse Instrumente - Überzogenes Carbon-Design in der Mitte. Nützliche Display-Lösung zwischen den Rund-Instrumenten

A-Klasse Instrumente – Überzogenes Carbon-Design in der Mitte. Nützliche Display-Lösung zwischen den Rund-Instrumenten

A-Klasse Lüftungsduesen - Kunst im Detail

A-Klasse Lüftungsduesen – Kunst im Detail

 

Fahrdynamik: A wie Anfang

Die vermutlich größte Herausforderung für die A-Klasse. Betont dynamisch werden. Mit dem alten Konzept war das nicht möglich. Zu hoch der Schwerpunkt, zu schmal die Spurweite. Der konzeptionelle Neu-Start sorgt hier für völlig neue Chancen und im Falle der Kombination von kleinem Motor und „dynamischem AMG-Fahrwerk“ mag man der A-Klasse attestieren, über das Ziel hinaus geschossen zu sein.

Sobald man jedoch unter der Haube mit Dampf zum Start rollt, erfüllt die noch immer über die falsche – weil vorne – angetriebene A-Klasse den GTI-Wunsch. Sportlich mit fairer Härte und dynamisch mit beeindruckender „Hingabe“ beim umsetzen des Fahrerwunsches am Lenkrad. Betont freudig in der Rückmeldung überzeugt die Vorderachse durch aktiven Spaß an der Lenkradarbeit.  Die Hinterachse der neuen A-Klasse, die erst mit dem Start des A45 auch zum Antrieb verwendet wird, kann dank einer aufwendigen Raumlenker-Achsen Konstruktion die Rolle des „Zuarbeiters“, für die effektive Arbeit des Fahrwerks-Paketes, perfekt spielen.

Aktive Fahrsicherheit ist einer der Lieblings-Spielplätze der Mercedes-Benz Techniker, klar dokumentiert durch die ersten Performance-Tests auf abgesperrter Strecke, während der Präsentation der neuen A-Klasse. Und doch überlässt man in Stuttgart auch weiterhin die letzte Instanz der Fahrsicherheit nicht dem Menschen und bleibt bei der Strategie eines nur begrenzt deaktivierbaren ESP-Systemes. Auch hier – stirbt die Hoffnung zuletzt, beim A45 die volle Kontrolle zu erhalten.

Die neue A-Klasse, juvenil genug?

Die neue A-Klasse, juvenil genug?

Umwelt: A-Klassifizierung oder A+?

A-Klasse patentierter Radkanten-Spoiler - Clevere Ideen für einen optimalen cW-Wert!

A-Klasse patentierter Radkanten-Spoiler – Clevere Ideen für einen optimalen cW-Wert!

Effizienz und niedrige NEFZ-Verbräuche,  der Druck ist groß in diesem wichtigen Bereich und so hat man sich bei Mercedes-Benz auch hier, Besonderes für die völlig neuen A-Klasse einfallen lassen müssen.  Mit einem cW-Wert von 0,27 darf man sich in der Kompaktwagenklasse durchaus sehen lassen.  Beim zukünftigen Effizienz-Primus der A-Klasse, dem A180 BlueEFFICIENCY wird man sogar einen Wert von 0,26 erreichen. Ein niedriger cW-Wert hilft, vor allem auf deutschen Autobahnen, den Verbrauch niedrig zu halten.

Mit rund 1.400kg spielt die A-Klasse nicht das ultimative Leichtgewicht im Reigen der Kompaktwagen. Im Gegenteil – es dürften durchaus 150kg weniger sein, die man auf die tägliche Reise mitnimmt. (Doch hier darf der Autor des Textes nicht zu tief einsteigen, erst das eigene Leergewicht senken..)  Aber auch hier, hätte ein weniger an Gewicht, für ein weniger an Verbrauch gesorgt. Es bleibt Platz für den Nachfolger, u.a. durch Gewichtsreduktion zu strahlen.

Für Verbrauchsfahrten war die Präsentationszeit zu kurz – die Werksangaben nach NEFZ-Norm kann man auf der Hersteller-Seite nachlesen – ob man damit die richtigen Vorgaben bekommt, mag man kritisch hinterfragen!  Als Beispiel mag die sinnvolle A200cdi Versionen herhalten:  4.3 bis 4.6 Liter im kombinierten NEFZ-Verbrauch. Auf jeden Fall eine sparsame Hausnummer – realistische Verbrauchswerte kann erst ein Fahrtest ergeben.

Kosten: A wie Aufwendungen?

Mit dem Stern auf der Haube, wird das Fahrzeug teurer. Eine alte Weisheit der Autokäufer am Stammtisch, wird auch mit dem Neustart der Stuttgarter Kompaktwagen-Flotte nicht abgelegt. Zusätzlich zum „Premium-Aufschlag“ kommt eine vermeintliche Schwaben-Pauschale zum Kaufpreis hinzu. Unterstellt man dem Schwaben einen gewissen Geiz, so darf man beim Kauf eines Neuwagens aus der Baden-Württembergischen Landeshauptstadt nicht zimperlich sein.

Mit dem Startpreis von 23.978,50€ für den A180 BlueEFFICIENCY wird sich kaum eine A-Klasse aus dem Werk trauen. Wesentlich realistischer ist hier der Ansatz zum Kaufpreis eines A200cdi von 27.786,50€ noch einen Aufschlag von 25% für Extras und Sonderausstattungen zu addieren und sich somit auf rund 34.000 € einzustellen.

 

Max. 25 Worte, über:

Design:

Endlich eine A-Klasse die optisch überzeugt. Das Heck mag keine erkennbare Mercedes-Sprache sprechen, doch es steht auch für den ersten echten Kompaktwagen aus Stuttgart. 

Image:

Weg vom Rentner-Mobil und der  Geh-Hilfe – hin zum sportlichen Premium-Kompakten? Ein mutiger Schritt. Eventuell sogar ein notwendiger Schritt. Ganz sicher: Spannend!

Performance:

Da geht noch was. In Rahmen bisheriger A-Klasse Maßstäbe jedoch schlicht: Sensationell. Kein 1er BMW-Schreck, aber Golf GTI Niveau im 211PS A250 Sport.

Daimler’ishness

Bislang wurden Mercedes-Modelle oftmals zu krampfhaft mit einem „Jugend-Image“ überzogen. Die A-Klasse könnte sich als echter Jung-Brunnen positionieren.

Ist die A-Klasse angekommen im Premium-Kompaktwagen-Segment?

Vieles an der neuen A-Klasse vermittelt den Eindruck, auf dem richtigen Weg zu sein.  Noch muss man sich an die „Golf-Silhouette“ mit Stern gewöhnen, doch der jüngste Sproß im großen Mercedes-Benz Haus hat das Talent zu einem echten Konkurrenten für 1er BMW und vor allem Audi A3 zu werden.

Spannend bleiben die nächsten Schritte innerhalb der neuen A-Familie. Hybrid, oder Plug-In Hybrid? Allrad auch unterhalb der Top-Variante A45? Kombi und Coupé? Sportback oder SUV? Mercedes-Benz hat gerade erst, den richtigen Schritt in das Kompaktwagen-Segment getan. Ob es für die bisherige Zielgruppe der richtige Schritt war – auch das bleibt erst einmal offen.

 

Technische Daten im Überblick

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— kein eigenes Datenblatt vorhanden – folgt nach der ersten ausführlichen Testfahrt  

Weiterführende Links:


Disclosure:

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Die Kosten für Reise und Übernachtung wurden vom Hersteller übernommen. Mein Testurteil ist jedoch unverkäuflich und wurde daher ohne Einfluss und Kontrolle des Herstellers erstellt!
Dennoch: Danke an Mercedes-Benz  für die Einladung.

Text/Foto: Bjoern Habegger | auto-bloggerei.de | 2012 |  by-nc-nd

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18 Kommentare

  1. Essen Motor Show: Brabus A-Klasse › Mein Auto Blog
    27. April 2015 zu 18:18 Antworten

    […] bietet sowohl Aerodynamik-Pakete für A-Klasse Modelle mit dem normalen Design-Paket, als auch für die AMG-Modelle. Alle Teile werden in erstklassiger […]