News: Alfa Romeo – Hoffnungsträger

News: Alfa Romeo – Hoffnungsträger

Alfa Romeo hat ein Problem. Die Marke hat ihren einstigen Glanz schon vor einiger Zeit eingebüßt und dümpelt inzwischen bei nur rund 70.000 verkauften Fahrzeugen pro Jahr. Es fehlen attraktive Modelle, die Kunden anlocken und Geld in die Kasse spülen. Zwar haben die Italiener mit dem 4C 2013 einen emotional aufgeladenen Sportler präsentiert, doch sorgt der in homöopathischen Dosen gefertigte Leichtbauflitzer nicht für große Umsätze. Volumenmodelle wie der Giulietta oder der Mito sind mindestens fünf Jahre alt.

Ab 2016 soll aber alles besser werden: Dann will Alfa mit der neuen Giulia verlorenen Boden gut machen und zu alter Größe aufsteigen. Die 4,70 Meter lange Neuauflage des Klassikers aus den späten 60ern soll mit emotionalem Design, ausgereifter Technik und – zumindest als Topversion Quadrifoglio Verde (QV) – reichlich Power die Herzen der Alfa-Fans wieder höher schlagen lassen und deren Portemonnaies öffnen. Dass sich die Designer dabei ein bisschen an Audi orientiert haben, dürfte der Giulia nicht zum Nachteil gereichen; es hätte schlechtere Vorbilder geben können. Doch „beauty“ ist eben nur eine der Stärken der neuen Giulia, wie Fabrizio Curci, Alfa Romeos Europachef, betont: „Sie ist auch emotional und voller technischer Innovationen“. Mit letzterem meint er vor allem das Torque Vectoring System, das die Kraft zwischen den Hinterrädern verteilen und ohne Verluste auf die Straße bringen soll.

Kraft ist reichlich vorhanden: Mit rund 510 PS aus einem von Ferrari-Ingenieuren entwickelten 3,0-Liter-Turbo-V6 geht die Giulia QV für 72.000 Euro an den Start; wer 90.000 Euro investiert, kann die limitierte Start-Edition ordern, bei der unter anderem die Motorhaube und das Dach aus Carbon gefertigt sind und Fahrer und Beifahrer in eng anliegenden Sparco-Schalensitzen Platz nehmen. Die können nicht schaden, soll die Giulia doch Alfas bisher schnellste Auto werden: Über 300 km/h sind machbar, so Curci, betont aber gleichzeitig, dass man mit dem Sportler auch gemütlich einkaufen gehen kann. Der geräumige Kofferraum, von dem er spricht, ist allerdings vor allem tief und wirkt auf den ersten Blick nicht sonderlich praktisch; und eine Kombiversion schließt Curci vorerst aus. Wahrscheinlicher ist, dass zunächst ein Coupé folgt.

Das Mittelklassemodell startet 2016

Das Mittelklassemodell startet 2016

Mit dem Top-Modell Quadrifoglio Verde allein dürfte Alfas ehrgeiziges Ziel nicht zu erreichen sein: 400.000 Einheiten wollen die Italiener zukünftig wieder jährlich verkaufen. Noch nicht näher definierte Volumenmotoren in der Giulia (Details folgen spätestens auf dem Genfer Salon im März) und „acht weitere Modelle in den nächsten drei Jahren“, so Curci, sollen den Erfolg bringen. Unter anderem auch ein SUV, das auf der gleichen technischen Plattform wie die Giulia aufbaut und 2016 auf den Markt kommen soll.

Das Alfa Romeo für seinen Offroader das Know-how der Fiat-Tochter Jeep nutzt, liegt auf der Hand, so der Europachef der Italiener. Allerdings, mahnt Curci, müsse ein Alfa immer ein eigenständiges Design haben. Fehler, die man bei Lancia gemacht hat, indem man Chrysler-Modelle schlichtweg umbenannte, will man auf jeden Fall vermeiden. Schließlich sei es ja auch das emotionale, italienische Design, das Autos wie die Giulia auch in Übersee begehrenswert machen soll. Sprich in den USA, wo es bis Ende nächsten Jahres 140 Händler geben soll, und natürlich in China; auch wenn im fernen Osten der Absatz gerade ein wenig schwächelt, setzt Curci große Hoffnungen in den asiatischen Markt.

Dort dürfte sich auch die Power-Version, mit der Alfa gegen Konkurrenten wie den BMW M3 oder Mercedes-AMG C63 antreten will, gut verkaufen. Vor den Mitbewerbern hat übrigens Curci nur wenig Angst. Lieber verweist er auf die Nürburgring-Zeit: 7 Minuten und 39 Sekunden braucht der Quadrifoglio Verde auf dem Eifelkurs – das ist eine klare Ansage mach München, denn der Bayer lässt sich über zehn Sekunden länger Zeit. Und ein weiteres Argument, das die Alfa-Mannschaft an den so dringend nötigen Erfolg der Giulia glauben lässt.

Autor: Michael Gebhardt/SP-X

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