Kamingespräch mit Aston Martin CEO Andy Palmer

Kamingespräch mit Aston Martin CEO Andy Palmer

Andy Palmer ist seit 2014 der CEO von Aston Martin. Der Zeitpunkt zur Übernahme der Leitung des 1913 gegründeten Automobilherstellers hätte nicht schwieriger sein können. Der seit 2000 amtierende CEO Ulrich Bez wechselte bereits Ende 2013 in den Aufsichtsrat und somit war der Traditionshersteller quasi führungslos. Dazu gesellten sich wieder einmal die für Aston Martin so typischen finanziellen Engpässe, denn nach der von Bez anfangs erfolgreich geführten Modelloffensive zu Beginn des Jahrtausends sackte der Absatz von über 7.000 Einheiten in 2007 auf rund 4.500 Fahrzeuge in 2013 ab. Doch genau diese Herausforderung suchte der einflußreiche Automobilmanager Palmer nach 23 Dienstjahren bei Nissan. Und nach zwei Jahren am Ruder zeigt sich langsam ein Silberstreif am Horizont: Frisches Geld von Investoren wurde gefunden und die Entwicklung einer modularen Plattform wurde abgeschlossen. Erstes Produkt dieser Arbeit ist der DB11 und im Rahmen der Fahrveranstaltung zu diesem Coupé wurde mein-auto-blog.de zu einem exklusiven Gespräch in ein Kaminzimmer geladen, das Mr. Palmer mit den Worten begann: „We are at the end of the beginning“

Wir sind mehr als James Bonds Firmenwagen

Palmer schönt dabei die aktuelle Situation nicht und betont, dass die Produkte auf der neuen Plattform zünden müssen, um eigenständig bleiben zu können. Sonst würde sich auch die vielversprechende Partnerschaft mit der Daimler AG nicht auszahlen. Die Schwaben hatten Ende 2013 fünf Prozent des britischen Sportwagenherstellers erworben und im Rahmen einer technischen Partnerschaft erhält Aston Martin künftig den Mercedes-AMG 4,0l V8 Bi-Turbo Motor sowie die aktuellen ICE Komponenten.

Neue Plattform

Welche Möglichkeiten die neue Aluminiumplattform bietet, zeigt der CEO mit seinem Launchplan auf: Im August ist die Produktion für den DB11 gestartet, 2017 kommt das „Volumenmodell“ Vantage, von dem bereits erste Prototypen gesichtet wurden, danach Vanquish und DBS. Doch nicht nur Sportwagen können mit der modularen Plattform realisiert werden, sondern auch ein Crossover mit Allradantrieb, ein „luxurious and exclusive super saloon“ unter dem wiederbelebten Namen Lagonda, sowie der erste Elektro Aston Martin auf Basis des nächsten Rapide. Dieses Elektroauto wird übrigens mit LeEco entwickelt, die auch hinter Farady Future stecken.

Steigender Absatz?

Da drängt sich die Frage auf, mit welchen Absatzzielen Palmer rechnet: „Wir wollen im ersten Schritt wieder dahin, wo wir 2007 standen“ und ergänzt „mit 7.000 Einheiten ist das Werk in Gaydon aber auch komplett ausgelastet. Eine Erweiterung dieses Standorts für die Sportwagenproduktion ist jedoch nicht geplant. Für alles, was darüber hinaus geplant ist, wird ab 2017 ein zweites Werk im walisischen Ort St. Athan errichtet, dort werden dann ab 2020 der Crossover DBX und die luxuriösen Lagonda Limousinen produziert.“ Und der maximale Output in diesem Werk? „Da Gaydon der Blueprint für St. Athan ist, wird auch in diesem Werk die Obergrenze bei 7.000 Einheiten liegen.“ Wir meinen: Ein sportliches Ziel, doch Andy Palmer kontert mit spürbarem Stolz: „Für den DB11 liegen bereits 2.000 Bestellungen vor. Und ich möchte noch ein paar weitere Zahlen liefern zum Status unserer aktuellen Sonderserien“

Erstmals richtet sich der Aston Chef im knarzenden Club Chair aus seiner entspannten Haltung auf und legt los: „Die 100 Einheiten des Vantage GT12 sind ausverkauft, und ich versichere Ihnen, wir konnten uns bei der Anzahl der Anfragen die Kunden aussuchen. Doch auch die 24 Einheiten des Vulcan haben ihre Käufer gefunden“ (Anm. d. Red.: diese dürfen dann über 2 Mio. Euro an AM überweisen, ein paar Track Days sind dann sogar inklusive). Das handgerissene und auf 150 Einheiten limitierte Trackday Spielzeug „Vantage GT8“ kann man mit 200.000 Euro dagegen schon fast als Schnäppchen bezeichnen. Doch was für Palmer noch wichtiger ist: „Auch dieser Aston Martin ist bereits komplett vergriffen.“ Mit einem Lächeln verkündet der 53-jährige danach, dass das erst im Mai auf dem Concorso d’Eleganza Villa d’Este vorgestellte Concept des Vanquish Zagato auf Grund der konkreten Nachfragen tatsächlich gebaut wird: 99 Mal und raten Sie mal? „Sold out. For sure.“

Weltpremiere Aston Martin Red Bull 010 AM-RB 001

AM-RB-001

Den größten Knaller servierte Palmer jedoch mit der Info, dass es für den vor wenigen Wochen präsentierten AM-RB-001 bereits 400 konkrete Anfragen gibt. Wir reden hier von einem Hypercar, das irgendwo zwischen zwei bis drei Millionen Pfund kosten wird und nur maximal 150 Mal gebaut werden soll. Und Palmer versicherte: „Ich kümmere mich höchst persönlich darum, dass der zungenbrecherische Name noch geändert wird.“

Wir sind nicht nur James Bond 

Als Zuhörer beeindrucken diese Infos durchaus, doch Aston Martin lebt nicht allein von aufwendigen Sonderserien, die handverlesen an den Markt abgegeben werden, sondern es muss bei den angestrebten Wachstumszahlen auch ein vernünftiges Händlernetz dahinter stehen. „Darum wollen und müssen wir speziell in China unsere Zahl der Händler gezielt erhöhen“ Ach, und in Europa und den USA nicht? „Nein, da sehen wir aktuell keinen Handlungsbedarf. Wichtiger ist es, einen kontinuierlichen Buzz rund um Marke und Fahrzeuge zu kreieren.“ Wie so etwas aussehen könnte, schiebt der vierfache Familienvater gleich hinterher: „Aston Martin ist wie Cricket: jeder kennt es, aber außer im vereinten Königreich weiß keiner, wie man es spielt. Das wollen wir ändern, denn so charmant das auf den ersten Blick wirkt: Aston ist nicht nur James Bond. Wir sind eine Marke mit langer Tradition und vielen sportlichen Erfolgen. Diese Botschaft gilt es zu übermitteln.“

Palmer betont dabei oft „the love for beauty“, welche die ganze Belegschaft bei der Verfolgung dieses Ziels beflügelt. Den Chef inklusive, denn eine Vorgabe hat er sich ganz klar gesetzt: Er will nicht der CEO sein, der einen Vierzylinder in einen Aston einbauen lässt. „Wir können die weltweiten Emissionsgrenzen auch mit unserem eigenständig entwickelten V12 ohne übermäßiges Downsizing erreichen.“ Wir können Andy Palmer für diese Aussage und das exklusive Gespräch nur danken sowie hoffen, dass sein Plan aufgeht, damit uns Aston Martin noch lange erhalten bleibt.