Audi A4 2.0 TDI – Der Reiz der kühlen Perfektion

Audi A4 2.0 TDI – Der Reiz der kühlen Perfektion

Obwohl der neue Audi A4 gerade mal ein halbes Jahr auf dem Markt ist, gibt es für seinen Fahrer kein „Daumen hoch“, folgt kaum mal ein Kopf der eleganten Silhouette der Limousine. Der Grund ist einigermaßen klar: Audi verändert das Design seiner Mittelklasse stets sehr behutsam, zumindest sieht dies auf den ersten Blick so aus. Nur wer genauer hinschaut, oder gleich das Vorgänger-Modell daneben stellt, wird optische Veränderungen bemerken, etwa die dank einiger Zentimeter Längenwachstums gestreckter wirkende Seitenlinie, den nochmals markanteren Kühlergrill oder das nicht mehr ganz so bieder wirkende Heck.

Und das Heck wirkt nicht mehr ganz so bieder

Und das Heck wirkt nicht mehr ganz so bieder

Trotzdem bleibt der Audi A4 so etwas wie der maßgeschneiderte dunkelblaue Business-Maßanzug der Mittelklasse – und unterscheidet sich hier von seinen beiden Hauptkonkurrenten: Der BMW 3er trägt im Vergleich dazu eine enger geschnittene, sportliche Kombination, während die C-Klasse von Mercedes eher auf den modischen Trend setzt und dabei auch eine gewisse Exaltiertheit nicht scheut.

Die optische Zurückhaltung des Audi findet ihre Entsprechung in der kühl-eleganten Gestaltung des Innenraums. Was die Qualität angeht, sind die Ingolstädter hier immer noch Spitze. Kein Schalter, kein Knopf, kein Material, dass man nicht gerne anfassen würde. Die Bedienung ist nahezu perfekt, lediglich das sogenannte „volldigitale Kombiinstrument“ überwältigt in der Grundkonfiguration mit einem Overkill an Zusatzinformationen. Aber obwohl es kaum etwas zu meckern gibt, macht der A4 in seiner kühlen Perfektion zunächst auch kaum an. Erst nach vielen Kilometern lernt man ein Fahrzeug zu schätzen, dass sich nie aufdrängt, den Fahrer nie belästigt, sondern nichts weniger als einen tollen Arbeitsplatz zur Verfügung stellt.

Der Kühlergrill ist in der neuen Version markanter geworden

Der Kühlergrill ist in der neuen Version markanter geworden

Zu diesem Eindruck passt auch die gewählte Motorisierung. Der 2,0-Liter-Diesel mit 190 PS passt genau zum optischen Auftritt des Fahrzeugs. Weniger wäre zu wenig, mehr wäre überflüssig. Der nach dem Start kurz etwas rau laufende Selbstzünder ist ausreichend sparsam und die Fahrleistungen sind mehr als ordentlich. In 7,7 Sekunden auf Tempo 100, 240 km/h Spitze – wie viel mehr sollte man noch benötigen? Lediglich beim Anfahren zeigt der Diesel eine leichte Schwäche. Zunächst tut sich wenig, ab ca. 1.600 Umdrehungen macht sich der Turbolader nachhaltig bemerkbar. Wer sich statt des serienmäßigen, angenehm per Hand zu schaltenden Sechsgang-Getriebes für die DSG-Automatik entscheidet, kann diese Schwäche kompensieren. Die meisten Geschäftskunden werden dies ohnehin tun.

Nur wer genauer hinschaut, oder gleich das Vorgänger-Modell daneben stellt, wird optische Veränderungen bemerken, etwa die dank einiger Zentimeter Längenwachstums gestreckter wirkende Seitenlinie

Nur wer genauer hinschaut, oder gleich das Vorgänger-Modell daneben stellt, wird optische Veränderungen bemerken, etwa die dank einiger Zentimeter Längenwachstums gestreckter wirkende Seitenlinie

Und für solche Fahrer ist der A4 ja auch gemacht, auch wenn die Kombi-Version Avant nochmals deutlich beliebter ist. Aber die Limousine wirkt eleganter und ist nach hinten natürlich dank des abgeschlossenen Kofferraumabteils leiser. Mit dem Ladevolumen des Avant kann sie – logisch – nicht konkurrieren, aber 480 Liter Kofferraum, durch Umlegen der Rücksitzlehnen auf bis zu 965 Liter erweiterbar, reichen für die meisten Aufgaben des Tages – wenn es denn nicht gerade ein Großeinkauf im Baumarkt sein soll.

Natürlich lässt sich ein Premium-Hersteller wie Audi seine vorzügliche Arbeit auch vorzüglich bezahlen. 39.850 Euro weist die aktuelle Preisliste für den A4 mit diesem Motor in der Version „Sport“ aus, die unter anderem mit größeren Rädern punktet. Das hört sich zunächst mal gar nicht so viel an, aber die dankenswerterweise von Audi beigelegte Konfigurationsliste weist mit allen Extras am Ende einen Fahrzeugpreis von rund 57.000 Euro aus.

Dass man diverse Assistenzsysteme, ein Navi, LED-Matrix-Licht oder den Metallic-Lack extra bezahlen muss, daran haben wir uns bei allen Herstellern gewöhnt. Die Ingolstädter lassen sich jedoch Dinge bezahlen, bei denen man unwillkürlich schlucken muss: 80 Euro für einen Anfahrassistenten, 300 Euro für den Tempomaten, 125 Euro für einen Licht- und Regensensor oder 380 Euro für eine umklappbare Rücksitzlehne. Und dass man die Kopfstützen vorne variabel verstellen kann, selbst dies lässt sich Audi mit 125 Euro vergüten.

Die optische Zurückhaltung des Audi findet ihre Entsprechung in der kühl-eleganten Gestaltung des Innenraums. Was die Qualität angeht, sind die Ingolstädter hier immer noch Spitze

Die optische Zurückhaltung des Audi findet ihre Entsprechung in der kühl-eleganten Gestaltung des Innenraums. Was die Qualität angeht, sind die Ingolstädter hier immer noch Spitze

Was soll´s. Die Dienstwagenfahrer werden ihr Budget ausnutzen und viele Kreuzchen in der Optionsliste machen. Das macht den A4 wie jeden Audi teuer, spült aber viel einfach verdientes Geld in die Kassen. Und Geld kann der Mutterkonzern ja im Moment sehr gut gebrauchen. (Peter Eck/SP-X)