Audi SQ5 Vorstellung

Wir haben sie gehasst, wir haben sie verdammt, wir haben den Untergang der Kombi-Nation-Deutschland heranrauschen sehen. Der SUV, vor allem in seiner etwas abgemilderten und kompakteren Form hat eine beeindruckende Karriere hingelegt und in den Absatzzahlen bereits alle anderen Fahrzeugklassen düpiert. 

Audi SQ5 – Erster Eindruck

Was will er sein?

Er will die sportliche Speerspitze der SUV-Bewegung werden. Wo der neue SQ5 fährt soll vorne sein. Bislang hat die Q5-Baureihe den Markt der kompakten SUV bereits erfolgreich erobert, Zeit für Audi nun ein sportliches Statement abzuliefern und den ersten „Sport-SUV“ vorzustellen.  Waren SUV bislang für den Sprint zwischen Kühltheke und Windelbox zuständig, will man mit dem SQ5 eine neue Ernsthaftigkeit etablieren.

Ein Audi SQ5 tritt an um den Spagat aus Querdynamik, Laderaumvariabilität und angesagter SUV-Optik unter einen Hut zu bekommen. Wer bereits SUV gefahren ist, kennt die großen Gräben die sich auftun, will man beides verbinden:  Sowohl die angesagte SUV-Welt mit einem neuen Top-Modell beglücken, als auch in Quer- und längsdynamischer Hinsicht ernst genommen werden.

Stämmig bis Bullig. 2x2 Auspuffrohre mit "Lautsprecher" und V8-Getöse!

Stämmig bis Bullig. 2×2 Auspuffrohre mit „Lautsprecher“ und V8-Getöse!

Was kann er?

Er brummt. Nicht wie ein SUV üblicherweise brummt. Nein. Er brummt richtig.  Zuständig ist hierfür der neue V6-Bi-Turbo Diesel mit 313PS und 2 Lautsprechern. Es mutet grotesk an, was man in Ingolstadt mit der ehemals simplen Abgasanlage eines Automobils gemacht hat. Integriert in den letzten Teil der Anlage, kurz vor den Endtöpfen hat man je einen Lautsprecher platziert und was am Ende des Expansionsvorganges und der Geräuschdämpfenden Wirkung von 2 Turboladern an Schallwellen aus den Endrohren dringt, ist durch moderne Akustiktechnik fein modelliert. So klingt kein Diesel.

Doch hieran stören sich nur Puristen. Für die Insassen des SQ5 und den Passanten um das Fahrzeug herum, erfüllt der spröde 3 Liter Diesel die Umwelt mit einem feinen Bariton aus wohlig klingendem, Drehmoment versprechenden, V8 Soundwellen. Geil.  Dank einer 30mm Tieferlegung wird auch der grobe Nachteil von SUVs, die hohe Sitzposition ein wenig relativiert und man findet sich gut aufgehoben zwischen Ledergestühl und Alcantara-Himmel wieder.

Im Innenraum geben sich die Verarbeitungs-Fanatiker von Audi wieder einmal keine Blöße. Es sitzt, es passt und klickt so wunderbar – man würde am liebsten das eigene Klingelschild an die Türen des SQ5 kleben und fortan in dieser Welt aus Leder, Alcantara und Klavierlack leben.

313PS sind ein Wort – beeindruckender ist jedoch die pure Gewalt mit der die 650Nm des kernigen Diesel über die 8-Stufenautomatik herfallen und die Köpfe der Insassen unvermittelt nach Halt an den Kopfstützen suchen lässt.  So hat mich noch kein SUV gekickt. Der Allradantrieb mit seiner 40/60 Verteilung zu Gunsten der Hinterachse und die 4 Reifen in der Dimension 255 sorgen für eine unmittelbare Verzahnung von Fahrzeug und Asphalt und eine verlustfreie Umsetzung des Drehmoments in verzückende Beschleunigungswerte. Den wichtigen Stammtisch-Sprint von 0 auf 100 km/h schüttelt der SQ5 in 5.1 Sekunden aus dem SUV-Gewand. Weit wichtiger ist jedoch das stets präsente Gefühl von allmächtiger Drehmomentfreude im Alltag.  Man beschleunigt im SQ5 nicht – man zoomt sich durch über das Drehmoment-Plateau.

Dank der 8-Stufen Automatik hat man als Fahrer immer eine passende Übersetzung parat um schwungvoll mit dem Drehmomentprotz über die Landstraßen zu kurven. Das Fahrwerk wirkt dank straffer Abstimmung und der Schwerpunkt-Absenkung um 3 Zentimeter  erstaunlich direkt und frei von fiesen Untersteuer-Attacken.  Sollten die Zeiten in denen Audis durch nerviges Untersteuern die Vorderreifen abgekaut haben, wie Raucher auf Entzug die eigenen Fingernägel, vorbei sein?

Schon fast ein "Hot Hatch" - Nur größer.

Schon fast ein „Hot Hatch“ – Nur größer.

Was kann er nicht?

Seine Herkunft verleugnen. Die Basis für den SQ5 ist ein SUV. Da hilft keine Tieferlegung und kein zusätzlicher Turbolader.  Wer einen sportlichen Kombi sucht, der greift zu einem sportlichen Kombi. Der SQ5 zeigt was möglich ist, aber er liefert keine Antwort auf die Frage: Warum? Warum muss ich einen SUV zum Sportwagen werden lassen? Weswegen lege ich ein Allradfahrzeug tiefer, wenn es ehedem gezeichnet wurde, um mit viel Bodenfreiheit über Äcker und Waldwege zu klettern?

Stil hat man. Oder nicht. Verarbeitung auf Top-Niveau.

Stil hat man. Oder nicht. Verarbeitung auf Top-Niveau.

Was ist der neue Audi SQ5?

Der SQ5 ist zum einen die Antwort auf eine Frage, die niemand gestellt hat.  Zum anderen ist er vor allem ein Beweis der Kunst, die man heute in der Automobil-Industrie nicht an jeder Ecke finden kann. Es ist die Kunst, scheinbar unmögliches – möglich zu machen. Am Ende einer kurzen Testfahrt bleibt kehrt jedoch der erste Gedanke zurück in Kopf: Wow. Was für ein Auto, was für ein faszinierender Motor. Aber warum zum Geier will jemand einen SUV mit dem man an der Ampel Porsche-Fahrer stehen lässt?

Ohne Frage- die Q5-Baureihe der Ingolstädter ist die SUV-Baureihe mit dem größten Erfolg und einem stimmigen Grundkonzept. Und jede Baureihe benötigt ein Top-Modell, ob das nun sinnvoll ist, oder ein wenig abgedreht – interessiert am Ende keinen. Und doch freuen sich die Käufer eines Q5 mit vernünftiger Motorisierung über die Fähigkeiten des großen 313 PS SUV-Wunders. Das hilft über die Frage nach dem „Warum“ hinweg.

Warum man ausgerechnet einen SUV zum sportlichen Nischenmodell umbauen musste? Ein SQ5 wird vermutlich nie den Pfad der Asphaltbänder verlassen. Völlig Sinn befreit daher die Mischung aus Ex-SUV und Power-Diesel. Ein A5 Sportback mit diesem Motor wäre noch beeindruckender gewesen.

Aber geil? Geil ist der SQ5 allemal.

 

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Audi  hat die Anreise bezahlt, ich bin so frei und sage trotzdem meine Meinung.

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