Im Fahrbericht: Audi A1 1.4 TFSI – kleiner Perfektionist mit leichten Schwächen

Erstmals seit dem Audi 50, der 1978 zugunsten des VW Polo I eingestellt wurde, stellen die Ingolstädter wieder einen echten Kleinwagen auf die Räder. Dieses Mal basiert der Audi A1 auf den Polo V – allerdings sind im Gegensatz zur über 40 Jahre zurückliegenden Automobil-Vergangenheit größere Unterschiede vorhanden. Und das ist gut so.

Der Testwagen ist eine besondere Erscheinung. Er strahlt, aus voller Kraft strahlt er mich im tristen Herbstgrau mit seiner knalligen wie auffälligen Lackierung an. „Misanorot“ nennt Audi diesen Perleffekt-Lack. Mir mag die Farbe anfangs nicht zusagen, aber mit fortschreitender Dauer des Testbetriebs freunde ich mich mehr und mehr mit dem kleinen Feuerwehr-Wagen an. Die in Eissilber-Metallic lackierten Dachbögen und Spiegelkappen versprühen einen Hauch Sportlichkeit, die ebenso vom Dachkanten-Spoiler suggeriert werden möchte.

Die Front im Audi-Einheitsdesign macht mir ein Gefallen nicht leicht, sehen sich die unterschiedlichen Audi-Modelle inzwischen zu ähnlich. Lasse ich jedoch von meinen Vorbehalten ab, kann ich sehr wohl das klare und sachliche, aber dennoch dynamische Design in Front und Seitenlinie anerkennend nickend zur Kenntnis nehmen.

Mit dem Heck kann ich mich jedoch auch am letzten Tag nicht anfreunden. Es fällt überproportioniert aus und lässt den A1 nach hinten unförmig wirken.

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Interieur, Verarbeitung & Ergonomie

In puncto Verarbeitung und verwandter Materialien zeigt Audi deutlich, wo die Ansprüche der Ingolstädter liegen. Der Materialmix im Innenraum weiß auf Anhieb zu gefallen, aufgeschäumte Kunststoffe schmeicheln den Händen und das lederummantelte Sportlenkrad sagt nicht nur „Sport“, es haucht auch „Zärtlichkeit“. Tatsächlich erweisen sich zudem alle metallisch aussehenden Schalter, Knöpfe und Hebel aus Metall. Besonderes Highlight sind dabei die Drehräder der Klimaautomatik: geriffeltes Metall mit klar definierten Klickpunkten – so gehört sich das, so gefällt mir das.

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Wer es darauf anlegt, wird erst unterhalb der Knie Hartplastik ausmachen können. Weit früher lassen sich dagegen Schwächen in der Ergonomie feststellen, wie ich bereits in einem früheren Artikel festhielt. Das unbeleuchtete Zündschloss lässt gerade bei Dunkelheit den Wunsch nach einem schlüssellosen Zugangssystem aufkommen. Das Kombiinstrument kommt klar gegliedert und sehr gut ablesbar daher, allerdings vermisse ich Anzeigen für das Abblendlicht. Ohne Verrenkungen erkenne ich nicht, ob und welches Licht eingeschaltet ist. Auch liegen die Schalter unterhalb der Klimaautomatik sehr ungünstig – zumal diese noch etwas tiefer in der Mittelkonsole liegen. Da wird die Heckscheibenheizung schon mal etwas länger gesucht. Noch schlimmer sieht es mit dem Zigarettenanzünder aus: dieser liegt derart tief und ungünstig, sodass sehr filigrane Hände vonnöten sind, um hier etwas anschließen zu können. Ebenfalls störend fallen die silbernen Ausströmer-Manschetten auf. Diese spiegeln bei Dunkelheit teils so stark, dass ein Blick in den Seitenspiegel unmöglich wird.

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Das Platzangebot lässt kaum Klagen zu. Vorn herrscht Platz wie in der Mittelklasse und selbst im Fond bleibt mir überraschend viel Raum zwischen Fahrersitz und Knie. Allerdings stoße ich hinten mit dem Kopf an die hintere Dachkante und obendrein lassen sich die hinteren Kopfstützen nicht hoch genug einstellen bzw. rasten nicht ein. Platz im Fond ist bestenfalls für Passagiere bis 1,70 Meter Größe vorhanden.

 

Dynamik, Motor & Getriebe

Dynamisch hat der Audi A1 auch mit seinen 122 PS einiges zu bieten. Die angenehm direkte Lenkung vermittelt dem Fahrer sowohl zum Fahrzeug als auch zur Fahrbahn adäquaten Kontakt, sodass ich mich als Fahrer am Lenkrad als Schnittstelle zwischen Auto und Straße fühle. Die serienmäßigen Sportsitze der Ambition-Ausstattung bieten mit ihrer straffen Polsterung und gutem Seitenhalt, die Stütze, die ich in zügigen Kurven benötige.

Der kleine 1.4 TFSI bietet erstaunlich agile Fahrleistungen. Bereits im mittleren Drehzahlbereich liegt das volle Drehmoment an, das ein ordentliches Maß an Schub gewährleistet. Das Doppelkupplungsgetriebe S tronic hat gerade im Stadtverkehr immer die passende Fahrstufe parat und kann mich im Großstadt-Dschungel noch am meisten überzeugen. Denn trotz der Möglichkeit, über die Schaltwippen Gangwechsel vornehmen zu können, fühle ich mich des öfteren von der Technik bevormundet, da ein Automatik-Getriebe meinen Fahrstil nicht wiedergeben kann. Möchte ich an einer Ampel zügig beschleunigen, reagiert das S tronic unangebracht – als würde ich ein Viertelmeilen-Rennen absolvieren.

Hinzu kommen etliche Gedenksekunden. Wenn ich auf der Landstraße am Ortsausgang zügig auf die erlaubte Höchstgeschwindigkeit beschleunigen möchte, genehmigt sich das Getriebe eine kurze Pause, bis es den passenden Gang gefunden zu haben scheint. Bei manuellen Gangwechseln über die Schaltwippen erfolgen diese lediglich verzögert. Punktgenaues, drehzahl-orientiertes Schalten wird so unmöglich.

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Ansonsten kann das Doppelkupplungsgetriebe seine Stärken voll ausspielen: nahezu ruckfreies Beschleunigen fast ohne Zugkraftunterbrechungen. Dabei zeigt der A1 mit nur 1.390 cm³ gutes Durchzugsverhalten in jeder Lebenslage. Weniger begeistern kann da der Motorsound. Er fällt keineswegs nervig oder anderweitig auffällig aus und nur bei geöffnetem Fenster lässt sich der Turbo erahnen. Leicht brummig wird er im Drehzahlkeller, wenn plötzlich Leistung gefordert wird.

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Fazit

Per se lässt sich nichts Schlechtes über den Audi A1 Ambition sagen. Sein 1.4 TFSI-Triebwerk überzeugt als alltagstaugliche Motorisierung mit Leistungsreserven auf Abruf. Das S tronic-Getriebe macht das was es soll: nahezu ruckfrei durch seine sieben Gänge schalten. Überzeugen konnte diese mich dennoch nicht; das liegt weniger an der Technik, als an meinem individuellen Fahrstil. Was die Verarbeitung im Interieur betrifft, wird Audi seinen eigenen Ansprüchen gerecht – auch wenn es überaus erstaunlich bleibt, was hier ein Kleinwagen bietet. Dabei stellen die optionalen Xenon-Scheinwerfer eine echte Empfehlung dar.

Allerdings leistet sich der kleinste Ingolstädter auch Schwächen. Gerade die Innenraum-Ergonomie fällt nicht optimal aus. Jedoch bleibt das Meckern auf sehr hohem Niveau.

Was ich Audi jedoch ankreiden muss, ist die Preispolitik. So kosten bspw. beheizbare Außenspiegel Aufpreis, obwohl diese ohnehin elektrisch verstellbar sind. Nachvollziehbar ist das nicht.

Mit 29.000,- € Testwagen-Preis ist der A1 Ambition 1.4 TFSI kein Schnäppchen, jedoch muss jeder für sich entscheiden, ob ihm ein ungewöhnlich gut verarbeiteter Kleinwagen so viel Geld wert ist.

 

 technische Daten 1.4 TFSI S tronic 
 Motor-Bauart Reihen-4-Zylinder-Ottomotor | Direkteinspritzung & Turboaufladung
 Hubraum 1.390 cm³
 max. Leistung 90 kW / 122 PS bei 5.000 U/min
 max. Drehmoment 200 Nm bei 1.500–4.000 U/min
 Antriebsart Frontantrieb
 Getriebe 7-Gang S tronic (Doppelkupplungsgetriebe)
 Beschleunigung, 0–100 km/h 8,9 s
 Höchstgeschwindigkeit 203 km/h
 Leergewicht 1.200 kg
 max. Zuladung 375 kg
 Kofferraum-Volumen 270 l
 Verbrauch innerorts/außerorts 6,5 l/4,6 l Super
 Verbrauch gesamt 5,3 l Super
 Test-Verbrauch ca. 7,2 l Super
 Grundpreis A1 Ambition 1.4 TFSI 20.250,- €
 Testwagenpreis 29.000,- €

 

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12 Kommentare

  1. patcars
    6. Januar 2013 zu 12:42 Antworten

    Habe auch einen Bericht über den Audi A1 geschrieben:
    http://patcars.wordpress.com/2011/03/08/fahrbericht-audi-a1-12-tfsi/
    Ist schon paar Tage alt.

    Mit den Automatikgetrieben von Audi hab ich auch manchmal Probleme.

  2. Mario Lehmann
    28. Dezember 2012 zu 15:15 Antworten

    Freilich, der A2 – keineswegs habe ich ihn vergessen.
    Im Artikel ist einerseits vom „echten Kleinwagen“ die Rede, andererseits ist der A2 mehr Minivan auf Kleinwagen-Basis denn Kleinwagen im klassischen Sinne. Ich dachte das sei klar, daher hatte ich den Halbsatz, der den A2 noch erwähnte, gestrichen.

  3. Amx
    28. Dezember 2012 zu 13:05 Antworten

    Gab es da nicht einen Audi-Kleinwagen namens A2, gut 10 Jahre ist es her?

    • Bjoern
      Bjoern
      28. Dezember 2012 zu 13:14 Antworten

      Richtig. Der A2 – Vollaluminium und seiner Zeit weit voraus!

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