Erste Fahrt: Ford EDGE

Erste Fahrt: Ford EDGE

Nein, der EDGE ist nicht neu. Nur für uns in Deutschland ist dieser große Ford-SUV eine echte Neuheit. Eigentlich gibt es den EDGE schon seit 2006, da wurde die erste Generation in den USA vorgestellt. Der Erfolg des Fullsize-SUV war überzeugend genug, um nicht nur 2015 die zweite Generation vorzustellen, sondern diese – jetzt – auch in Deutschland einzuführen. Wie üblich bei den US-Ford-Modellen, hat Ford Europa für unseren Markt und unsere Bedürfnisse noch einmal Hand angelegt. In diesem frischen und umfänglich überarbeiteten Auto konnte ich nun zum ersten Mal Platz und bei einer Ausfahrt rund um München unter die Lupe nehmen. 

Der neue Ford EDGE im ersten Fahrbericht

Jetzt ist Schluss mit klein und laut

Was bereits bei den ersten Metern Fahrt auffällt, ist etwas, was einem gar nicht auffallen soll: Ruhe. Der Ford EDGE bekommt in der Titanium-Ausstattung eine „Noise-Cancelling-Funktion“, die man vor allem von hochpreisigen HiFi-Kopfhörern kennt. Im großen SUV der Ford-Mannen wirkt es wie eine Wellness-Therapie für die Ohren. 

Dass man bei FORD nun etwas im Programm hat, das in München als X5 und in Stuttgart als GLE bezeichnet wird, ist erst einmal ungewöhnlich. Umso größer die Aufgabe, die vor dem Ford EDGE liegt: Überzeugungsarbeit leisten. Was die erste Überraschung angeht, die gelang dem großen SUV bereits. Es ist eine entspannte erste Fahrt, raus aus dem Gewühl der Stadt. Über überfüllte Autobahnen hin zu einsamen Landstraßen. Dem EDGE scheint dieses Gefilde gut zu gefallen.

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SUV ist, wenn es praktisch und bequem ist

Punkt 1: Ein SUV muss bequem sein. Punkt 2: Er muss komfortabel sein. Punkt 3: Er muss gemütlich sein. Wie? Alle 3 Punkte beschreiben die gleiche Eigenschaft? Sehen Sie. Dann wird das ein wichtiger Punkt sein. Qed.  

Der EDGE erfüllt diesen Anspruch. Den ersten, den zweiten und den dritten. Aber er ist nicht Omas Couch. Er federt und lenkt sehr verbindlich. Mit den großen 20-Zöllern mit 255-Bereifung findet er sogar Spurrillen ganz anziehend. Aber das ist mittlerweile auch Alltag. Einer der Bonuspunkte der SUV-Flotten ist das luftige Greenhouse. Während Limousinen und Steilheckautos immer mehr zu verkappten Coupés verkommen, darf man in einem SUV noch aufrecht sitzen. Auch im EDGE ist es dieser „Komfort“ , mit dem man punktet. Schon wieder Komfort.

Dabei macht der US-Amerikaner doch noch ein paar andere Dinge ganz gut. Platz zum Beispiel wäre so eine Kategorie, in der man punktet. Ein ordentlich großer Kofferraum steht zur Verfügung, die Rücksitzbank lässt sich, der Klasse angemessen, von der Heckklappe aus per Knopfdruck umlegen. 12V-Steckdosen stehen zur Verfügung und eine LED-Beleuchtung bringt Licht unter dem ein wenig zu würdelos erscheinenden Heckrollo. Am Ende zeigt das Datenblatt ein Volumen von 602 bis 1.847 Litern.

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SUV ist, wenn es nagelt

Wie hätten Sie es denn gerne? 180 PS nagelnd oder 210 PS? Ford bietet derzeit nur zwei Motoren für den EDGE an. Beides Diesel. Beides 2.0 Liter Vierzylinder. Der eine wuchtet 400 Nm zur Arbeit, der andere 450 Nm. Den einen (den Kleinen) gibt es mit einem manuellen Sechsganggetriebe und der andere (210 PS) bekommt ein Sechsstufen-Doppelkupplungsgetriebe* zur Seite gestellt. Damit ist der „größere“ auch der komfortablere und wertigere. Irgendwie passt die Automatik einfach besser zum SUV-Fahrgefühl. Ford geht daher auch davon aus, mehr 210 PS Varianten zu verkaufen als 180 PS-Triebwerke.

Das direkte Fahrgefühl unterscheidet sich so auch eher durch das Komfortplus der Automatik als über die 30 PS oder 50 Nm, die der gepimpte Diesel mehr mitbringt. Beide Varianten kommen im übrigen immer mit einem Allradantrieb zum Endkunden. Allerdings vertraut auch Ford auf eine AWD-Technik, die im Tagesgeschäft erst einmal die Vorderräder antreibt und erst bei Radschlupf die Kraft nach hinten verteilt. Was Ford einen „intelligenten Allradantrieb“ nennt, basiert auf einer Lamellen-Kupplung, die binnen Millisekunden die Kraftverteilung neu sortiert. Das hilft, Untersteuern zu vermeiden und auf Schnee und im Matsch weiter voran zu kommen.

Trotz der Active-Noise-Cancelling Lösung hört man die nagelnden Motoren recht deutlich. Sie können sich nicht ganz im weichen Komfortmantel des EDGE verstecken.

erste fahrt 017Ford EDGE

SUV sollte so sein

Es lässt sich locker zu fünft reisen. Das ist weniger überraschend als die Qualität im Innenraum. Für die Europa-Version hat man sich bei FORD noch einmal hingesetzt und viele Details auf den Prüfstand gestellt. Die Qualität bei der Verarbeitung und den Materialien lässt einen zufrieden lächeln. Die eher kubische Grundform des SUV sichert einem zudem ordentlich Kopffreiheit. Ähnlich gut haben es die Füße der Mitfahrer. Hier zwickt es ebenso wenig. Wie gesagt: Platz satt und eigentlich hätte man eine feine Fahrgemeinschaft bilden können.

erste fahrt 074Ford EDGE

Zwei Motoren, drei Ausstattungslinien

Aktuell sind die Wahlmöglichkeiten noch sehr eingeschränkt. Entweder 210 PS UND Automatikgetriebe oder 180 PS und manuelles 6-Gang Getriebe. Dafür immer mit Allradantrieb. Für den 180 PS EDGE gibt es drei Ausstattungslinien, den „Big Daddy“ bietet FORD nur als Titanium (die volle Hütte) oder als „Sport“ an. Wer vorhat, den EDGE vollständig ausgestattet zu ordern, der sollte den preislichen Abstand zwischen der Titanium und Sport-Variante durch die niedrigeren Paketpreise der Business- und des Design-Paketes bedenken. Wenn, dann gleich. Allerdings kommt der EDGE in der SPORT-Variante auch gleich mit den 20-Zöllern. In Verbindung mit „adaptive Steering“ mag das für 1a-Handling sorgen, die 45er Niederquerschnittsreifen lassen jedoch den eigentlich sehr guten Federungskomfort in Vergessenheit geraten. Und ganz egal, ob von Hand gerissen oder vom Automaten gewandelt, der EDGE ist eher der „bequeme“ Reise-SUV denn ein sportlicher Kumpel für die Jagd über Asphalt.

SUV darf innovativ sein

Die neue adaptive Lenkung mit einem variablen Übersetzungsverhältnis ist eine FORD-Weltneuheit und steigert das Handling massiv. Ein im Lenkrad verstecktes Schneckengetriebe verändert in der Tat nicht einfach nur den Widerstand der Lenkung, wie so oft üblich, sondern das konkrete Übersetzungsverhältnis. Damit gewinnt der EDGE bei schneller Fahrt an Ruhe und in der Stadt an spontaner Handlichkeit. Dank einer Split-View Kamera an der Front kann man beim Herausfahren aus engen Lücken im 180-Grad Winkel den Querverkehr einsehen. Einen Auffahrwarner mit Fußgängererkennung hat man bei FORD ebenso hinzugefügt. Der FORD EDGE darf sich also als innovativer SUV bezeichnen lassen.

Fazit: Der Ford EDGE ist ein echter Gewinn

Größer als die bisherigen FORD-SUV Modelle und dazu als komfortabler Reise-SUV geformt. Der FORD EDGE bedient für deutsche FORD-Kunden ein völlig neues Segment. Die beiden Dieselmotoren sind leistungstechnisch nicht weit auseinander, die Trennung von FORD in eine Variante, die man von Hand schaltet und einen komfortablen und höher positionierten Automatik-SUV daher nachvollziehbar. Der Ford EDGE fängt bei 42.900 € für den „kleinen“ Diesel mit 6-Gang Handschaltung in der Trend-Variante an. Den in den Fotos gezeigten Ford EDGE Sport mit 210 PS und Automatikgetriebe verkauft der freundliche FORD-Händler ab 49.050 €.

Wer sich dem SUV-Trend bislang nicht ergeben konnte, weil ihm ein SUV fehlte, der nicht auf „falsche Sportlichkeit“ macht, der könnte mit dem innovativen Kölner Angebot glücklich werden. 

*Automatikgetriebe: Ausgebessert. Ich hätte schwören können, es war ein Wandlerautomat, so fuhr er sich. Ist in Wahrheit aber das FORD-Powershift Doppelkupplungsgetriebe. :( Asche auf mein Haupt.

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3 Kommentare

  1. Willi
    17. August 2016 zu 15:59 Antworten

    Toller Fahrbericht, danke!
    Der aktuelle Ford Edge ist wirklich ein innovativer SUV, der auch im Gelände was drauf hat. Mit den möglichen Zusatzausstattungen kann man ihn zu einem richtigen kleinen Offroader herrichten.
    Und die Optik stimmt auch.
    Der macht Lust auf mehr…

  2. Markus
    11. Mai 2016 zu 07:28 Antworten

    Moin Björn, ist das so, das der Edge eine Wandlerautomatik bekommt und nicht das Powershift-Doppelkupplungs-Getriebe? Könntest Du einen Grund erfahren dafür?

    • Bjoern
      Bjoern
      11. Mai 2016 zu 07:43 Antworten

      Puh. Da habe ich einen Fehler gemacht.
      Ich bin das Getriebe gefahren und hätte schwören können, es ist eine Wandlerbox. In der Tat ist es aber das Doppelkupplungsgetriebe von Ford. Puh.