Zehn Dinge, die Sie vielleicht noch nicht über den Lamborghini Miura wussten

Zehn Dinge, die Sie vielleicht noch nicht über den Lamborghini Miura wussten

Im November 1965 – also vor einem halben Jahrhundert – präsentierte Lamborghini auf dem Autosalon in Turin ein Sportwagen-Konzept, das nur vier Monate später als Miura zum schönsten Auto aller Zeiten wurde. Hier kommen zehn Dinge, die Sie vielleicht noch nicht über diese Legende wussten.

1) Der Lamborghini Miura war 1966 bereits das dritte Modell der Marke, die es als Autohersteller erst seit 1962 gab. Ferruccio Lamborghini, der damals lediglich Traktoren produzierte, hatte Enzo Ferrari Verbesserungsvorschläge für dessen Fahrzeuge unterbreitet, woraufhin ihn „Il Commendatore“ aus seinem Büro warf und den Satz hinterher schleuderte: „Du verstehst es vielleicht, einen Traktor zu fahren, aber einen Ferrari wirst du nie zu behandeln wissen.“ Der Lamborghini 350GT und der 400GT dienten noch als pure Provokation. Der Miura war der erste Sinnstifter der Marke.

2) Lamborghini war eine junge, kleine Marke und das Internet gab es noch nicht. So ist es nicht verwunderlich, dass die Namensgebung einige potentielle Kunden verwirrte. Der Lamborghini Miura trug einen Stier im Wappen und war nach der berühmtesten Farm benannt, die damals die Arenen belieferte. Don Eduardo Miura Fernández betrieb damals in der Nähe von Sevilla die namensgebende Stierzucht und erhielt einige Bestellungen. Lediglich den obskuren Farbwünschen dürfte es zu verdanken sein, dass die Tiere nicht ausgeliefert wurden. Wie hätte er auch einen orangen Kampstier zu Stande kriegen sollen?

3) Vielleicht hatte er sich auch gefragt, was Berühmtheiten wie Dean Martin und Frank Sinatra mit einem Kampfstier anfangen könnten. Ersterer orderte einen Lamborghini Miura, weil sich sein Sohn angeblich weigerte, in einem Porsche zur Schule zu fahren, nachdem die italienische Sensation erst einmal auf dem Markt war. Sinatra bestellte sich noch angeblicher ein Modell mit Leopardenfell-Interieur und hinterließ den Lamborghini-Chronisten folgendes Bonmot: „Wer jemand sein möchte, der fährt Ferrari. Wer schon jemand ist, der fährt Lamborghini.“

4) Ein Erfolg, der so nicht abzusehen war. Der Lamborghini Miura entsprach so gar nicht dem Geschmack von Ferruccio Lamborghini. Es war eine eigenständige Kreation von Paolo Dallara, Paolo Stanzini und Bob Wallace. Die drei Techniker hatten das erste Chassis samt Motor für die Turiner Autoshow im November 1965 entworfen. Für Lamborghini war der Miura zu nahe dran an einem Rennwagen. Er fürchtete den Motorsport, da Kosten und Erfolg unkalkulierbar waren.

5) Motorsportflair erhielt der Wagen durch seinen grundsätzlichen Aufbau. Der Zwölfzylinder wurde hinter dem Cockpit, aber vor der Hinterachse montiert. Weil er quer eingebaut wurde, hatten Piloten vergleichsweise viel Platz hinterm Steuer. Eine Anordnung, mit der es Honda ein Jahr zuvor in der Formel 1 versucht hatte.

6) Am Motor angeflanscht war ein Gehäuse, in dem Kurbelwelle, Getriebe und Differenzial ihre Arbeit parallel verrichteten. Das sparte zusätzlich Platz. Wirklich neu war die Idee allerdings nicht. Englands berühmtester Kleinwagen, der Mini Cooper, griff bereits auf diesen Dreh zurück.

7) Ferruccio Lamborghini hatte sich völlig verkalkuliert was den Miura betraf. Das erste Chassis sollte lediglich zu Demonstrationszwecken auf der Messe ausgestellt werden. Als dann tatsächlich Bestellungen eingingen, musste es schnell gehen. Zwischen dem Turiner und dem Genfer Autosalon – auf dem das fertige Auto präsentiert werden sollte – lagen gerade einmal vier Monate. Und das Auto musste fertig werden, denn Ferruccio sammelte bereits kräftig Anzahlungen ein. Immerhin: der Miura sollte das erste Fahrzeug werden, mit dem Lamborghini tatsächlich Geld verdiente

8) Entsprechend unausgereift ging der Miura in die Serienproduktion. Drei Probleme sorgten bei Kunden für Nervenkitzel. Zum einen der enorme Auftrieb an der Vorderachse. Bei hohen Geschwindigkeiten auf der Autobahn war das Fahrzeug nicht mehr zu lenken. Bei Kuppen hob der Miura auch mal ab. Das zweite Problem trat nur bei Kurvenfahrten auf: weil die Ölwanne zu flach war, fiel bei ambitionierter Fahrweise der Öldruck drastisch ab. Zum größten Problem wurden aber die Vergaser. Weil der Motor quer montiert wurde, waren die Gasschieber höheren Belastungen ausgesetzt. Wurden sie nicht alle 15.000 Kilometer gewartet, konnte Benzin austreten, auf das Auspuffrohr tropfen und den Wagen in Brand setzen. Erst die dritte Generation des Fahrzeug, der P400 SV, der von 1971 bis 1972 insgesamt 150 Mal gebaut wurde, gilt als ausgereiftes Fahrzeug… nach italienischen Maßstäben der 1970er Jahre.

9) Im Jahr 2006 – also 40 Jahre nach Marktstart – präsentierte Lamborghini auf der Autoshow in Detroit eine Miura-Studie. Walter de Silva versprach, dass es sich dabei lediglich um eine Hommage handele. Eine Serienproduktion sei nicht in Planung. Aber damals schloss man auch ein weiteres SUV aus.

10) Der Miura wurde 1972 eingestellt. Viel zu früh. Aber Lamborghini hatte mit der Studie LP500, die später als Countach Karriere machen sollte, bereits einen beeindruckenden Nachfolger im Köcher. Ferruccio verlor das Interesse am Automobilbau, verkaufte seine Anteile 1971 an einen Investor, setzte sich am Lago Trasimeno zur Ruhe und produzierte einen Wein namens „Sangue di Miura“. Stierblut.

Lamborghini 002 Miura 50 jahre

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