Mazda3 D 105 – Nett verpackte Genügsamkeit

Mazda3 D 105 – Nett verpackte Genügsamkeit

Immerhin jeder dritte in Deutschland verkaufte Mazda-Pkw war im vergangenen Jahr einer mit Dieselantrieb. Allerdings brachten die Japaner ihre Selbstzünder vornehmlich in den größeren Modellen Mazda6 und CX-5 an den Käufer, der Mazda3 kam nur auf einen Anteil von 17 Prozent. Kein Wunder, stand doch bislang lediglich eine Diesel-Version mit 150 PS zur Verfügung. Jetzt spendieren die Japaner ihrer Kompaktklasse einen kleineren Antrieb mit 105 PS zu Preisen ab 23.190 Euro. Aber kommt das 1,5-Liter-Aggregat mit dem großen Mazda3 überhaupt zurecht?

Die Antwort lautet klar: ja, allerdings darf man natürlich keine Wunder erwarten. Grundsätzlich kennt man den kleineren Vierzylinder ja schon aus den Modellen Mazda2 und CX-3, wo er eine gute Figur macht. Der große, mit einem Leergewicht (ohne Fahrer) von 1,27 Tonnen allerdings im Vergleich auch relativ leichte Mazda3 ist da schon ein anderes Kaliber. Die Fahrdaten scheinen es schon zu verraten: 11 Sekunden vergehen, bis Tempo 100 erreicht ist und schon bei 185 km/h ist Schluss mit weiterer Beschleunigung. Zum Vergleich: Die mit 2,2 Liter wesentlich hubraumstärkere und mit 150 PS auch leistungsstärkere Variante bringt den Mazda3 auf bis zu 210 km/h Vmax und treibt ihn in 8,1 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h.

Ein wenig Geduld muss man als Fahrer des kleineren Selbstzünders also schon mitbringen. Auch, weil der Turbo sich im unteren Drehzahlbereich eine kleine Atempause gönnt, bevor es seine 270 Newtonmeter Drehmoment zum Einsatz bringt. Theoretisch ist schon bei 1.600 U/min das volle Drehmoment da, aber tatsächlich dauert es noch 300 bis 400 Umdrehungen mehr, bis der Schub von Fahrer gespürt wird.

Dafür gibt sich der kleine Voll-Alu-Diesel sehr drehfreudig und dabei vorbildlich leise schon beim Start. Zudem schafft er die Euro-6-Norm – auch dank der Skyactive-Technologie mit dem sehr niedrigen Verdichtungsverhältnisses von 14,8: 1 – ohne Stickoxid-Abgasnachbehandlung. Der Durchschnittsverbrauch von 3,8 Litern (CO2-Ausstoß: 99 g/km) wird zwar in der Praxis nur bei äußerst zurückhaltender Fahrweise erreichbar sein, andererseits liegen Mazda-Modelle unter realen Fahrbedingungen meist weniger weit vom Normwert entfernt als viele Wettbewerber. Nach kurzer Testfahrt behaupten wir: Vier Liter Verbrauch schafft man, wenn´s mal schnell gehen muss können es auch mal fünfeinhalb werden. Ein absolut angemessener Realwert.

Der Mazda3 hat aber nicht nur einen der im Wettbewerbsumfeld sparsamsten kleinen Diesel an Bord, er ist auch fast drei Jahre nach Markteinführung immer noch einer der ansehnlichsten Kompakten. Kein Wunder, streckt sich der Japaner in der Länge doch auf 4,46 Meter und rüttelt damit schon fast am Eingangstor zur Mittelklasse. Vor allem im aufpreispflichtigen Rubinrot (750 Euro) sieht der Fünftürer richtig schick aus, der Innenraum ist nicht ganz so edel, wirkt aber sehr solide verarbeitet.

Nochmals zum Preis: Als Basis ruft Mazda wie erwähnt 23.190 Euro auf. Klingt happig, allerdings wird der kleine Diesel erst ab der mittleren Ausstattungsstufe Center-Line angeboten. Das heißt alle wirklich wichtigen Dinge wie Klimaautomatik, Zentralverriegelung, elektrisch zu verstellende Außenspiegel, Tempomat, elektrische Fensterheber vorne und hinten und noch einiges mehr sind an Bord. Auch das City-Notbremssystem ist dabei, allerdings funktioniert es nur bis 30 km/h, da sind andere Anbieter weiter.

Der Minderpreis zu einem ähnlich ausgestatteten 3er mit großem Diesel beträgt 1.700 Euro. Wer wirklich Fahrspaß haben will und nicht auf den Euro achten muss sollte die ruhig zusätzlich investieren. Wer mehr aufs Sparen aus ist, für den könnte der Mazda3 mit kleinem Diesel eine bedenkenswerte Alternative sein. Bei jedem zehnten Mazda3-Käufer wird dies laut Importeur ab Juni der Fall sein.

Ach ja, den Mazda3 gibt es ja auch als viertürige, leicht konservative Stufenhecklimousine und jetzt ebenfalls mit dem neuen Motor. Weniger als zehn Prozent der Käufer entscheiden sich für diese Variante. Kostet bei gleicher Ausstattung übrigens 500 Euro mehr als das schicke Schrägheck. Warum? Keine Ahnung. (Peter Eck/SP-X)