Sechs beim ersten Date. Der neue Mazda6 2017

Sechs beim ersten Date. Der neue Mazda6 2017

Vermutlich ist der Mazda6 als Limousine die am meisten unterschätzte Business-Limousine im Land und als Kombi der attraktivste und dynamischste Beitrag Japans zum Thema der Lifestyle-Familienautos und Nicht-SUVs. Mal ganz abseits des SUV-Trubels hat Mazda weiter still – aber wenig heimlich – am Feinschliff des Mazda6 gearbeitet. Herausgekommen ist der schönste und dynamischste BMW-Ersatz, den man bislang im KODO-Design der Japaner kaufen konnte. Ein erstes Date mit dem Underdog in Spanien!

Mazda6 – Es bleibt alles besser!

Ein BMW-Ersatz? Übertreibt der Autoblogger an dieser Stelle nicht ein wenig? Wer nicht glaubt, wie  sauber und knackig sich der Mazda6 schalten lässt, wie spontan und agil der 2.2 Liter Diesel am Gas hängt, wie freudig der Kombi über das verwinkelte Kurvengeläuf hinter Barcelona tanzt und wie wertig er sich dabei anfühlt – der wird hier aufhören müssen zu lesen und beim freundlichen Mazda-Händler um eine Probefahrt bitten müssen. Und dann wird er merken, dieser Mazda6 verkörpert alles, wofür einst der weißblaue Propeller stand. Doch der Reihe nach.

Bereits seit Anfang 2013 auf dem Markt, hat sich der Mazda6 in Deutschland rund 26.700 mal verkauft. Nicht schlecht. Aber nach drei bis vier Jahren darf eben auch mal die Modellpflege ran. Und hier steht er. Der „neue“ Mazda6. Aber der sieht ja aus wie der „alte Mazda6“? Natürlich bleiben die Bleche gleich und unter dem – bevorzugt in Rubinrot Metallic lackierten – Kleid bleibt es auch beim bekannten Strickmuster. Dennoch lohnte sich die Reise zum ersten Date mit dem Japaner. Denn es wäre kein Japaner, würde man nicht fokussiert auf den Fortschritt an den Details arbeiten. Der Mazda6 bietet ab dem Modelljahr 2017 einen noch komfortableren Dieselmotor und eine neue Skyactiv-Komponente, deren Vorteile man erfahren muss.

Test Fahrbericht 023 Mazda 6 2017

Ort der Liebe

„Der Innenraum wurde mit viel Liebe zum Detail aufgewertet.“ Was sich in einer Pressemappe wohlig liest, bedeutet in der Realität, die Überarbeitung hielt sich in Grenzen. Was nicht wundert. Die Konzentration auf den Fahrer, das Verschmelzen von „Reiter und Roß“ zur Einheit. Es gehört zur Philosophie von Mazda. Sitzplatz-Ergonomie und das „sich zurecht finden“ waren seit 2013 schon sehr gut. Dass der Mazda6 nicht zu den Japanern gehört, in denen man sich als Mittel-Europäer fühlt, als wäre man auf den Schleifstein geschnallt, freut und überzeugt. Das Lenkrad haben die Ingenieure dennoch überarbeitet, ein wenig fragiler wirkt es. Griffiger soll es geworden sein und wer den richtigen Haken in der Bestellliste gesetzt hat, freut sich über eine mögliche Lenkradheizung. Das neue Head-Up Display ist mehrfarbig und nicht mehr so pixelig. Das sieht gut aus. Dass sich die Position des Head-Up Display nun auch über die Memory-Taste der Sitzeinstellung mitspeichern lässt, wirkt sehr durchdacht! Im Cockpit meldet sich ein neues TFT-Display in der Zentraleinheit. Gut zu überblicken, logisch in der Bedienung. Der Rest bleibt, wie er war. Ohne sich als Premium-Marke zu verstehen, war man bereits nah dran, an diesem schwer greifbaren Begriff.

Test Fahrbericht 031 Mazda 6 2017

Dynamisch zum Tanz

Die wichtigste Neuheit ist eine, die man nicht spürt. Oder nur indirekt. Eine Fahrdynamik-Regelung, die man zudem nicht ausschalten kann. Ob die „G-Vectoring Control“ funktioniert? Mazda spricht von einer Fahrdynamik-Regelung, die minimale Anpassungen im Motordrehmoment vornimmt. Bei dem von mir gefahrenen 2.2 Liter Diesel wird hierzu die Einspritzmenge in Abhängigkeit verschiedener Fahrdynamik-Informationen, wie der des Lenkwinkels, verändert. Eine Achs- und Radlast-Verschiebung von 0.01 bis 0.05 g oder 20-40 Kilogramm per Rad soll das Ergebnis sein. Diese genau abgestimmte Verschiebung der Radlasten sorgt für eine gestiegene Seitenführung, für mehr Präzision beim Fahren, für mehr Komfort. Auch für mehr Agilität. Mit G-Vectoring Control stellt Mazda einen weiteren Puzzlestein der Skyactiv-Technologien vor. Es ist der Feinschliff im Detail. Das adaptierte Drehmomentverhalten des Motors sorgt für Stabilität, will damit sowohl Dynamik als auch Komfort der Insassen steigern. Kurz: Weniger Lenkrad-Korrekturen, mehr direkte Agilität. Klingt spannend. Klingt logisch. Aber sind im Schnitt 30 Kilogramm Radlastverschiebung ausreichend, um einen Effekt im Fahrverhalten zu spüren?

In Ermangelung einer Vergleichsmöglichkeit muss das geeichte Prüf-Instrument des Auto-Testers auf die aktuellen Eindrücke zurückgreifen. Das Popo-Meter meldet: Der Mazda6 fährt sich erstaunlich handlich, agil und direkt. Punkt. Einen besseren BMW-Kombi der Mittelklasse hat Mazda nie gebaut. Für ein Auto mit Frontantrieb untersteuert er spät, bleibt lange neutral und vermittelt nicht das Gefühl einer überforderten Vorderachse. Auch wenn im Falle des Testwagens 175 PS und 420 Nm an ihr zerren. Dazu passt dieses knackige und eng gestufte Sechsganggetriebe ganz vorzüglich. Der Mazda6 zieht als Skyactiv-D 175 mit Nachdruck aus dem Bummeltempo an und verliert auch oben herum keine Faszination. Locker dreht sich der Diesel in Richtung „Redline“ und knapp 5.000 Umdrehungen. So ein eifriger Diesel und dabei bleibt er sparsam.

Test Fahrbericht 029 Mazda 6 2017

Leise in Richtung Heimat

Und leise. Sparsam sein, Drehfreude und Kraft – das wären schon drei Attribute, die ausreichend für ein Lob sind. Doch Mazda hat dem 2.2 Diesel noch zwei Kniffe angedeihen lassen, die für Ruhe sorgen. Einmal in Fahrt, knurrt der Diesel erst über 3.500 Umdrehungen als Diesel erkennbar. Darunter ist es ein wohliges Brummeln. Souverän im Klang und gut gedämmt. Ein spezieller Vibrationsdämpfer im Kolbenbolzen (Verbindung zwischen Kolben und Pleuel) entkoppelt Schwingungen und eine feiner abgestufte Mehrfach-Einspritzung des Dieseltreibstoffes sorgt für eine weicher Entzündung. Das Ergebnis? Ein Dieselmotor mit der Laufruhe eines sahnigen Benziners.

Test Fahrbericht 002 Mazda 6 2017

Fazit: Jinba-Ittai

Wenn der Mazda6 aus dem Modelljahr 2017 ab dem 16.9./17.9 bei den dt. Mazda-Händlern steht, ist er erneut gereift. Die Philosophie der Japaner, das in den Mittelpunkt Setzen des Fahrers, das Erleben des Auto als Einheit. Die Verschmelzung von „Ross und Reiter“ nennt Mazda Jinbai-Itta. Und es gelingt ihnen gut. So gut, dass dieses „erste Date“ mit dem neuen Jahrgang zu einer echten Beziehung führen könnte.

Der Tipp am Schluss: „Was kaufen?“

Über 60% der Mazda-Käufer greifen zu einem Mazda6 in der höchsten Ausstattungsstufe. Das ist auch meine Empfehlung. Gönnen Sie sich die „volle Packung“. So bleibt die Liebe länger frisch. Der 175 PS Diesel ist eine Top-Empfehlung für Autobahn-Experten und Dauervollgas-Fahrer. Wer in den Bergen wohnt, kann den Mazda6 auch als Allrad-Variante ordern – für den Alltag erscheint mir das aber verzichtbar. Empfehlung: Die aktuelle Sonderausstattung „Nakama Intense“ und wenigstens 150 Diesel PS! Einem Dreier, A4 oder Passat fehlen da echt langsam die Argumente …

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Ein Kommentar

  1. Derek Finke
    14. November 2016 zu 09:02 Antworten

    Hi Björn,

    schöner Bericht. Ich bin zwar Jeep-Fan und Fahrer, trage aber auch Mazda-„Gene“ in mir. Anfang der 90er habe ich in einer Mazda Werkstatt gearbeitet und die Japaner schätzen gelernt. Damals kam der MX-5 auf den Markt und ich hatte die Ehre, die Weiterbildung in Lverkusen zu genießen. Schon der hatte diese knackige Schaltung, die einfach nur Spaß gemacht hat.

    Der Mazda6 ist ein bildschönes Auto, das bei mir noch immer auf der Wunschliste steht. Vielleicht wird es ja noch ;-).

    Gruß
    Derek