Mercedes Roadster SLC – Zweisamkeit ohne „K“

Mercedes Roadster SLC – Zweisamkeit ohne „K“

Es ist gut zwei Jahrzehnte her, dass BMW seinen Roadster Z3 vorstellte, einen Zweisitzer mit klassischem Stoffdach. Der Münchner Sportler wäre sicher zum meistverkauften Roadster Deutschlands geworden, hätte nicht Mercedes seinem Erzrivalen kurz zuvor die Show gestohlen. Mit dem ersten SLK, der sich mit Hilfe eines klappbaren Stahldachs per Knopfdruck zum wetterfesten Coupé verwandelte. Auf die geniale Konstruktion vertraut natürlich auch das aktualisierte Modell aus Stuttgart. Wobei sich allerdings die Fans des mittlerweile zur Ikone mutierten Roadsters an eine neue Bezeichnung gewöhnen müssen. Am Heck steht jetzt SLC, das „K“ wurde ins Archiv verbannt.

Die Neuordnung des einstigen Daimler-Buchstabensalats hat nun also den Frauenversteher mit Stern erreicht. Das hohe „C“ hat seinen Grund: Der Sportler gehört nun mal in die so bezeichnete Familie, auch wenn er technisch mit der Limousine recht wenig gemein hat. Mit der Mutter aller C-Modelle darf sich der kurze Sportler jetzt aber diverse moderne Systeme teilen. So lässt sich der Charakter des SLC per Knopfdruck beeinflussen, von betont sparsam (Eco), über gelassen komfortabel (Comfort) bis hin zum bissigen Sportmodus. Lust und Laune des Fahrers entscheiden. Gegen Aufpreis kann auch das Verhalten der Dämpfer dem persönlichen Gusto angepasst werden. Das stählerne Klappdach lässt sich jetzt bis 40 km/h öffnen. Neu ist die Einstiegsversion mit 1,6-Liter-Benziner, die ab knapp 35.000 Euro zu haben ist.

Der Besuch im Fitness-Studio hat sich für den neuen SLC fraglos gelohnt

Der Besuch im Fitness-Studio hat sich für den neuen SLC fraglos gelohnt

Unter blauem Frühlingshimmel an der Cote d´ Azur, durch das Kurvengeschlängel der Passstraße Col de Braus in den Seealpen oder den dichten Stadtverkehr der Nobel-Metropole Nizza muss der SLC zeigen, dass er nach wie vor das Maß aller Dinge in der Riege der kleinen Zweisitzer ist. Beim Rundgang sticht die veränderte Frontpartie mit den neu geformten Scheinwerfern ins Auge, in denen auf Wunsch LEDs leuchten. Der Kühler mit dem großen Stern im Zentrum steht steiler als bisher, die gepfeilte Motorhaube wirkt dadurch gestreckter. Serienmäßig ist der Grill in Diamantoptik, eine Hommage an den gut doppelt so teuren Bruder SL. Retuschen auch am Heck: Schmalere Rückleuchten und verchromte Endrohre im geriffelten Diffusor lassen den SLC optisch wuchtiger auf der Straße liegen. Die Änderungen sind in Summe aber so dezent, dass der jetzigen SLK keineswegs zum Oldtimer wird.

Im Gegensatz zu den beiden ersten Generationen des kleinen Spaßmachers, die zu gut 40 Prozent von weiblichen Kunden geordert wurden, hatte sich der SLK seit fünf Jahren auch äußerlich zu einem recht ansehnlichen Sportgerät entwickelt. Seitdem plündern deutlich mehr Männer ihr Bankkonto. Die neue Männlichkeit setzt sich beim SLC fort und wird spätestens beim Anlassen des Vierzylinder-Turbos im stärksten Benziner erlebbar. Trotz der Typenbezeichnung SLC 300 hat der über 46.000 Euro teure Roadster lediglich zwei Liter Hubraum, klingt aber nach mehr.

Die Sounddesigner spendierten ihm ein dumpfes Blubbern bei gelupftem Gaspedal kurz vor dem Gangwechsel, das je nach Drehzahl zu einem giftigen Fauchen mutiert. Ein ähnlicher Effekt stellt sich ein, wenn der SLC vor einer der zahlreichen Serpentinen auf der engen Passstraße oberhalb von Nizza heruntergebremst wird. Das automatische Zwischengas beim Runterschalten der serienmäßigen Neungang-Automatik lässt ihn kurz aufbrüllen. Noch mehr Herzblut ist an Bord, wenn für 1.416 Euro das erwähnte Fahrdynamikpaket geordert wird. Selbst Spitzkehren verlangten nur noch geringe Ausschläge des Lederlenkrads. Beim spaßigen Tanz auf den asphaltierten Spuren der Tour de France ist der auf dem Papier mit 5,8 Litern recht günstige Verbrauch des 300er natürlich nicht erfahrbar.

Auch der Innenraum wurde leicht modifiziert

Auch der Innenraum wurde leicht modifiziert

Wird aber per Knopfdruck in den Eco-Modus gewechselt, schaltet die Automatik drehzahlschonend früher hoch, das entspannte Gleiten kann beginnen. Die Verbrauchsanzeige zählt beharrlich nach unten, eine „7“ vor dem Komma wird sichtbar. Dann bleibt auch die Muße, unter freiem Himmel das verfeinerte Innenleben zu genießen: das Cockpit mit den recht großen Luftauslässen, den jetzt 17,8 cm großen Monitor und die Internetanbindung. Oder das neu geformte Lenkrad mit den Schaltpaddeln an den Naben. Oder die silbernen Zierelemente, die Chromumrandungen vieles mehr. Je nach Spendierfreudigkeit lässt die lange Preisliste kaum Wünsche offen.

Der Besuch im Fitness-Studio hat sich für den neuen SLC fraglos gelohnt. Der Zweisitzer behält hat auch der Umbenennung seinen Charakter, bleibt seinen Grundwerten als nettes Spielzeug für Singles oder kinderlose Paare treu. Denn ein Nachteil ist wie bisher der aufwendigen Dachkonstruktion geschuldet: Der Kofferraum ist im geöffneten Zustand zwangläufig sehr klein. Wer mit großem Gepäck reisen will, sollte die Koffer per Paketdienst vorausschicken. Ein Zugeständnis gegenüber der einst so treuen weiblichen Kundschaft konnten sich die Marketing-Experten aber nicht verkneifen. Im Zubehörshop gibt es den zur Autofarbe passenden Nagellack. (Peter Maahn/SP-X)