News: Alpha Phönix – First Class durch den Feuersturm

News: Alpha Phönix – First Class durch den Feuersturm

Wenn Klaus Ackermann das nächste Mal nach Monaco fährt, muss er sich womöglich ein anderes Hotel suchen. Denn in seinem letzten Quartier steht der Chef des Münchner Karosseriebauers Alpha Armouring noch mit vier Betttüchern in der Kreide. Das kann schon mal passieren, wenn man als Aussteller ein bisschen unvorbereitet auf die Millionärsmesse Top Marques geht, sich plötzlich Gastgeber Prinz Albert ansagt und partout ein Auto enthüllen will. Und mit einem Betttuch war es dabei leider nicht getan. Denn wo die Kollegen Tuner durch die Bank weg flache Supersportwagen zu zeigen hatten, musste Ackermann das Tuch von einem ganz anderen Kaliber ziehen: Über fünf Meter lang, fast zwei Meter hoch und genau so breit, ist sein Alpha Phönix schließlich so etwas wie eine Kreuzung aus Pullman und Panzerwagen – eine gestreckte G-Klasse, die außen Schüssen stand hält und innen mit Samt und Seide ausgeschlagen ist.

Die Idee dafür kam dem Firmenchef vor etwa drei Jahren im Gespräch mit illustren Kunden. Sie haben ihn auf eine Marktlücke gestoßen haben, die auch Mercedes selbst bislang nicht füllt. „Denn dort, wo viele unserer Kunden herkommen, ist eine gepanzerte S-Klasse einfach nicht mobil genug, weil das Straßennetz ein bisschen unterentwickelt ist“, umschreibt Ackermann höflich die entlegenen Regionen in Afrika, Arabien und Asien, in denen er häufig Geschäfte macht. Zwar gibt es für solche Einsatzgebiete nicht umsonst Sonderschutzvarianten von G-Klasse & Co, von denen allein Ackermann etwa 80 Exemplare im Jahr verkauft. „Doch so sicher die über Stock und Stein pflügen, sind sie den statusbewussten Kunden oft einfach nicht repräsentativ genug. Vom beschränkten Komfort vor allem im Fond ganz zu schweigen, “ fasst er die Einwände zusammen.

Mit dieser Kritik im Ohr hat Ackermann überlegt, wie ein Auto aussehen muss, dass so sicher ist wie eine gepanzerte S-Klasse, so weit kommt wie ein G-Modell und innen wie außen so viel hermacht wie ein Maybach oder besser sogar ein Pullman. „Diese drei Autos haben wir im Phönix vereint“, sagt Ackermann und blickt mit leuchtenden Augen auf den Panzerschrank auf Rädern, der jetzt ganz friedlich in seiner Montage-Halle in Garching steht.

Der Innenbereich ist eine Luxusoase, die nach feinstem Leder duftet und selbst in Krisengebieten noch den Komfort einer Fünf-Sterne-Suite bietet.

Der Innenbereich ist eine Luxusoase, die nach feinstem Leder duftet und selbst in Krisengebieten noch den Komfort einer Fünf-Sterne-Suite bietet.

Dabei hat der Wagen den ersten Feuersturm und Funkenflug bereits hinter sich. Denn am Anfang der sechsmonatigen Umbauphase stand die Flex: Nachdem das Interieur ausgebaut war, haben Ackermanns Spezialisten die G-Klasse zwischen den Türen auseinander geschnitten und ein 44 Zentimeter langes Zwischenstück eingesetzt. Danach wurden die Scheiben durch zentimeterdickes Panzerglas ersetzt und die Karosserie mit fast zwei Tonnen schusssicherem Spezialstahl ausgekleidet, bevor sie außen schmucke Canvas-Stoffe aufs Dach und das Zwischenstück gesteppt und innen jeden, aber wirklich jeden Zentimeter mit Leder ausgeschlagen haben.

So wurde aus dem Geländewagen für die Gefahrenzone eine Luxusoase, die nach feinstem Leder duftet und selbst in Krisengebieten noch den Komfort einer Fünf-Sterne-Suite bietet. Deshalb fährt man im Fond jetzt in Commander Seats mit zwölf Zentimetern mehr Beinfreiheit und sieht die schlechte Welt da draußen wie durch einen feinen Seidenvorhang – wobei der Blick ohnehin die meiste Zeit an der Trennwand zum Fahrer hängen wird. Denn sobald die auf Knopfdruck nach oben surrt, schaut man auf einen 34-Zoll-Monitor, der die G-Klasse zusammen mit einer aufwändigen EDV-Anlage und den entsprechenden Datenverbindungen zum bombensicheren Büro macht. Egal ob Powerpoint-Präsentationen, Video-Konferenzen, DVD-Entertainment oder einfach die Live-Bilder der vier unauffällig in die Karosserie integrierten Kameras – mehr als diesen Bildschirm braucht man eigentlich nicht, um mit der Welt noch in Kontakt zu bleiben. Selbst Krieg lässt sich darauf spielen, wenn es draußen ausnahmsweise mal friedlich ist.

Und wo sich andere Panzerwagen mit Extras wie einer Sirene, LED-Flashern, Wechselsprechanlage und Feuerlöschsystem für Motorraum oder Unterboden begnügen müssen, gibt’s beim Phönix auch noch ein gekühltes Barfach, eine separate Klimaanlage für den hermetisch verschlossenen VIP-Raum und eine moderne iPad-Steuerung fürs das aufwändige Infotainment-System.

Nachdem das Interieur ausgebaut war, haben Ackermanns Spezialisten die G-Klasse zwischen den Türen auseinander geschnitten und ein 44 Zentimeter langes Zwischenstück eingesetzt.

Nachdem das Interieur ausgebaut war, haben Ackermanns Spezialisten die G-Klasse zwischen den Türen auseinander geschnitten und ein 44 Zentimeter langes Zwischenstück eingesetzt.

Am Ende wiegt die Fuhre allerdings stolze 4,5 Tonnen und lastet schwer wie Blei auf den kugelfesten 18-Zoll-Gummis. Damit sie im Ernstfall trotzdem schnell genug vom Fleck kommt und nicht beim ersten Fluchthaken aus der Bahn fliegt, hat Ackermann kräftig an Antrieb und Achsen gearbeitet. Fahrwerk und Federung sind entsprechend verstärkt, die Bremse hat fast ultimativen Biss und hinter dem seines Sterns beraubten Kühler bollert der V8 aus dem G 63 AMG. Der hat zwar im Phönix noch mehr Durst als in der Serie und dürfte kaum unter 30 Litern zu fahren sein. Doch mit 544 PS und 760 Nm fühlen sich selbst ein Auto mit dem Gewicht eines halben Dutzend Smarts überraschend leicht an. Und wer schaut an der Tankstelle schon nach den Litern, wenn es ansonsten um Leib und Leben geht?

Über die vier geopferten Bettlaken kann Ackermann lachen und das improvisierte Premierentuch ist für ihn drei Wochen nach der Messe in Monaco kaum mehr als eine nette Anekdote. Egal wie hoch die Rechnung dafür auch ausfallen mag, wird sie der Firmenchef verschmerzen können. Denn kaum war er aus Monaco zu Hause, lag auch schon der unterschriebene Kaufvertrag für das Ausstellungsstück auf dem Faxgerät. Und mittlerweile hat die Mannschaft in München bereits mit dem Bau des zweiten Autos begonnen. Bei Preisen weit über einer Million Euro sollten da noch vier Bettlaken drin sein.

Autor: Benjamin Bessinger/SP-X

Kommentarfunktion geschlossen.