Was spart man mit einem Elektroauto?

Was spart man mit einem Elektroauto?

Was verbraucht eigentlich ein Elektroauto an Strom? Nicht im Prospekt – in der Realität!

Wir hätten uns 623 Tassen Kaffee kochen können. Oder 1.183,7 Scheiben Toast toasten. Aber wir hatten bereits gefrühstückt und hatten uns daher als Stromverbraucher für diesen Vormittag eine Mercedes B-Klasse ED ausgesucht. Voll geladen ging es auf unsere neue Verbrauchsmessrunde. Easy, locker, und entspannt ein wenig „Auto testen“ – doch der Reihe nach.

Mercedes-Benz B-Klasse Electric Drive / Der Verbrauchstest

Auf mein-auto-blog haben wir seit Anfang 2013 einen eigenen Zyklus ersonnen, um Ihnen, den Lesern, den Kraftstoffverbrauch eines Testwagens in einem realistischen Szenario darstellen können. Dafür haben wir uns drei Kategorien von Autofahrern vorgestellt. Das alles können sie hier im Detail nachlesen. Unsere Idee war so sinnvoll, dass auch die renommierte „auto, motor und sport“ Ende 2014 mit den gleichen Kategorien an den Start ging.  Allerdings haben wir in den letzten Monaten extrem viel Arbeit gehabt und die Zeit für die langen und ausführlichen Testfahrten wurde immer knapper. Wir haben daher noch eine einfache vierte Referenz-Runde festgelegt. Vollgetankt, gefahren, vollgetankt. Fertig. Eine Referenz-Runde vor allem für uns, um die Effizienz der Fahrzeuge einsortieren zu können. Anders als Google Maps behauptet, ist die Runde 42 bis 42.5 km lang und die Fahrtdauer von fast 60 Minuten zeigt: Es ist eine niedrige Durchschnittsgeschwindigkeit. Aber es ist eine anspruchsvolle Strecke. Sehr kurvig und mit einigen Höhenmetern. Es ist nicht so, dass man nur durchrollen kann. Gefühlt bildet diese Runde eine typische Pendlerstrecke, vom Land in die Stadt, ganz gut nach.

Testmessung 004Mercedes-Benz B-Klasse ED

Mercedes-B Klasse – Was verbraucht ein E-Auto auf der Teststrecke? Und was kommt hinten dabei heraus?

Die „Verbrauchsmessung“ eines E-Autos ist noch einfach und präziser als für Benziner und Diesel da, auch wenn man immer die gleiche Zapfsäule nutzt, Spielräume für Ungenauigkeiten bleiben.  Den Stromverbrauch können wir direkt „ab Dose“ messen. Unsere mobile Wallbox mit Typ2-Stecker ist an einem Stromzähler angeschlossen der nur für die E-Auto-Stromversorgung installiert wurde. So lassen sich alle Ladeverluste in den Gesamtverbrauch inkludieren.

Testverbrauch: Mercedes-Benz B-Klasse ED – 21,2 kWh auf 100 km

Auf unserer Testrunde hat die B-Klasse 8.9 kWh verbraucht. Wobei diese Aussage unscharf ist. Denn E-Fahrzeuge rekuperieren Leistung. Korrekt müsste man sagen: „Für die Testrunde von 42 km mussten 8.9 kWh an externer Leistung zugefügt werden“. Diese 8.9 kWh sind hochgerechnet auf 100 Kilometer dann 21.2 kW an elektrischer Leistung.

Glücklich und vorbildlich kann sich schätzen, wer den Strom vom eigenen Dach gewinnt. CO2-Frei und – abgesehen von den Anschaffungskosten der PV-Anlage – kostenfrei! Damit kosten dann 100 km genau Null Euro!

Vergleich man das mit einer B-Klasse, so wären vermutlich knapp 5 Liter Diesel, oder 7 Liter Benzin fällig gewesen. Die Antwort auf die Frage, was spart man mit einem E-Auto, würde also lauten: Geld und CO2. 

Testmessung 001Mercedes-Benz B-Klasse ED

An dieser Stelle müsste man mit dem Artikel aufhören, würde es nur darum gehen, die Elektromobilität einseitig in den bunten und positiven Vordergrund rücken zu wollen. Doch damit tun wir uns selbst keinen Gefallen.

Auf der gleichen Strecke hat ein Infiniti Q30 mit dem 1.5 Liter Renault Diesel 3.7 Liter (auf 100km hochgerechnet) gebraucht. 3.7 Liter vs. 21.2 kWh – was bedeutet das? (Unter anderem das der Vergleich nicht ganz fair ist, weil der Q30 leichter und kleiner ist..)

Kosten und Emissionen im Vergleich: Aktuell sind 3.7 Liter nicht einmal 4 € teuer, wer den Strom jedoch bezahlen muss, der zahlt vermutlich im Schnitt 26 Cent je kWh. Das sind dann 5,51 €. Aua. Und das, wo die B-Klasse ED doch bereits teurer ist als ihre Geschwisterchen mit Verbrennungsmotor. Bleibt das CO2-Argument. Für den Diesel stehen 9.800 Gramm CO2 auf der Rechnung (bei dem ermittelten Testverbrauch). Und wer den Strom einfach nur aus der (Steck-)Dose tankt? Der muss sich im Schnitt mit 508 Gramm CO2 je kWh und damit für 10.769 Gramm auf 100 km verantworten. Das ist eine herbe Tatsache.

Testmessung 003Mercedes-Benz B-Klasse ED

Das Elektrofahrzeug – die richtige Lösung für Besitzer von PV-Anlagen und Öko-Stromkunden!

CO2-Neutral unterwegs sein? Nur möglich wer beim Stromeinkauf auf die Zusammensetzung des genutzten Strommixes achtet (die politische Diskussion, wonach es einen allg. Strommix gibt – der Öko-Kunde also zum Melkvieh wird, führen wir an dieser Stelle nicht), oder wer seine Mobilität mit der eigenen PV-Anlage in Betrieb hält.

Bleibt ganz zum Schluss noch ein sehr deutliches Argument „pro Elektromobilität“: Der Fahrspaß. Ja. Genau. Ganz ohne Motorensound. Auch wenn es nicht nach Benzolen und CO2 riecht, auch wenn nicht der Motor plärrt, kann man Fahrspaß genießen. Denn das immer direkt anliegende Drehmoment des E-Motors sorgt für kurzweilige Etappen über Land, von der Ampel weg und selbst beim täglichen pendeln. Zügig aus der Ortschaft schnellen, dabei die ansatzlose Kraft der E-Motoren genießen – ganz abseits der CO2-Diskussion darf man nicht vergessen: Auto fahren darf Spaß machen. Und E-Mobilität macht Spaß.

Fazit:

Man spart weder Geld noch CO2, wenn man nur einen Schritt geht. Die Elektromobilität erfordert einen weiteren Schritt. Oder zwei. Eine vollzogene Energiewende, damit man wirklich Emissionsfrei unterwegs ist. Und sinnvollerweise auch eigenen Strom. Und dann kann man auch 623 Tassen Kaffee kochen (8.9 kWh Energieverbrauch), oder sich eben Emissionsfrei, aber nicht Spaßfrei, auf unsere Testrunde begeben.

Mehr zur elektrischen B-Klasse in Kürze, wie weit man elektrisch kommt und wie sich das fahren anfühlt – die ganze B-Klasse im umfassenden Test. Hier auf mein-auto-blog.de

Erklärung und weiterführende Hinweise zum Thema CO2-Vergleich von unterschiedlichen Energieträgern: izu.bayern. Was macht man mit einer kWh-Strom?

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3 Kommentare

  1. Starkstrompilot
    15. Mai 2016 zu 23:13 Antworten

    Wie oft muss man sich diesen Strommixquatsch noch anhören. Kein Elektrofahrer tankt sein Auto mit fossilem Strom, sondern hat einen grünen Tarif zuhause. Die meisten Ladesäulenbetreiber versorgen ihre Säulen mit grünem Strom. Wieso soll das Auto schuld sein an der dilettantischen Art wie bei uns Strom produziert wird?
    Wo soll also hier der Strommix eingerechnet werden? Mitdenken wäre sinnvoll und nicht immer dem Lobbyistenvolk nachquatschen.
    Außerdem wird ein elektrisches Auto mit fortschreitender Energiewende sogar nach der Strommixmethode immer sauberer. Ein Stinker stinkt bis er verschrottet wird. Prima Sache.
    Woher kommt denn der Verbrauch des Q30? Sieht doch wieder nach NEFZ-Angabe aus. Sei’s drum. Milchmädchenrechnung.
    Wieso nimmt man eigentlich zur Verbrauchsmessung ein richtig schlechtes E-Auto. Die B-Klasse taugt nun wirklich gar nichts. Ist zwar Tesla drin, aber den Daimlers konnte man offensichtlich alles verkaufen. 21 kWh ist ja wohl der Hammer. Mein Zoe braucht 18 kWh/100km Jahresdurchschnitt an der Steckdose.
    Einen Vergleich mit einem Diesel ist ja auch nicht gerade eine gute Idee. Der Diesel ist tot und alle haben dafür getan was sie konnten, denn dass der Diesel im PKW nicht funktioniert, ist schon seit Jahrzehnten bekannt. Nur mit wirtschaftlicher Schutzglocke konnte er so lange durchhalten.
    Mit der Energie von 5 Liter Diesel könnte man übrigens 3850 Tassen Kaffee kochen, aber auch nur 40km fahren. Super Technik.
    Der gesamte Vergleich ist eine Unverschämtheit.

    • Bjoern
      Bjoern
      16. Mai 2016 zu 08:21 Antworten

      Der Strommix ist erst einmal eine Tatsache.

      Wer sich aber mit dem Artikel beschäftigt, der merkt schnell, dieser Artikel ist „pro“ E-Mobilität. Das kann man bei relfexartiger Abwehrhaltung und dem gnadenlosen Zwang zur Missionierung natürlich überlesen. Fakt ist aber auch: Es sind zwei Schritte notwendig. Einfach nur Strom tanken ist eben nicht drin. Dann ist nämlich der Strommix wie beschrieben. Noch arbeiten Kohlekraftwerke, Atommeiler und Co zur Energiegewinnung. Ein wenig Realist sein, schadet nicht. Vor allem, wenn man für eine „gute Sache“ Stimmung machen will.

      Der Q30-Verbrauch ist natürlich, wie erwähnt (wer lesen kann ist im Vorteil), auf der gleichen Strecke zustande gekommen.

      Mit dem ZOE bringen Sie einen tollen Vergleich. Wenn man davon absieht das der ZOE deutlich kleiner ist, als die B-Klasse, flacher und daher auch weniger Energie benötigt, und ihr Verbrauch nicht auf der angesprochenen Runde ermittelt wurde, ist der Vergleich toll. Und bestätigt nichts anderes als den Artikel.

      Die unbegründete und niveaulose Kritik an der B-ED passt zum restlichen Kommentar. Da nutzt Daimler die TESLA-Technik, und wieder ist es verkehrt.

      Die einzige Unverschämtheit ist ihr dummer Kommentar. Einmal nachdenken, bevor man postet. Und eventuell ein zweites Mal lesen, wenn man beim ersten Mal nicht alles verstanden hat … !