Mini Cooper SD Clubman ALL4 Automatik – Besser mit als ohne

Mini Cooper SD Clubman ALL4 Automatik – Besser mit als ohne

Man fragt sich, warum Mini eigentlich erst jetzt darauf gekommen ist, sein größtes und vielseitigstes Modell mit Allradantrieb auszustatten. Die Antwort ist einfach: Die Vorgänger-Generation des Clubman teilte sich ihren Unterbau nicht mit dem 4×4-Countryman. Dies aber ist jetzt der Fall. Wenn im kommenden Jahr Countryman Nummer zwei an den Start geht, basieren dieser und der Clubman auf der von BMW entwickelten UKL2-Plattform, wie sie übrigens auch unter dem 2er Active Tourer steckt.

Technisch gesehen handelt es sich bei dem Allradantrieb – Mini nennt ihn ALL4 – um ein sogenanntes Hang-on-Prinzip. Sobald die Sensoren registrieren, dass die Vorderräder beginnen, durchzudrehen, schickt das System blitzschnell Antriebsmoment nach hinten. Und es muss nicht immer die viel zitierte Eisfläche sein, auf der die Vorderräder stehen. Auch in sportlich gefahrenen Kurven – physikalisch wird hier stets das innere Rad entlastet, kann also keine Kraft mehr auf den Asphalt bringen – reagiert ALL4 und verteilt einen Teil des Drehmoments nach hinten. Der Fahrer bekommt davon natürlich nichts mit. Er merkt höchstens, dass es knackig flott um die Kurve geht, weil sich im Allrad-Clubman erstens noch eine elektronische Differenzialsperre ins Spiel bringt und zweitens der Mini auch ohne Allrad zu den besten Kurvenräubern seines Segments zählt. Das sprichwörtliche Go-Kart-Feeling hat nur er.

Die Marketing-Strategen haben den Allradantrieb nicht mit allen Motorisierungen gekoppelt

Die Marketing-Strategen haben den Allradantrieb nicht mit allen Motorisierungen gekoppelt

Die Marketing-Strategen haben den Allradantrieb nicht mit allen Motorisierungen gekoppelt. Leider. So fehlt beispielsweise die normale Cooper-Variante mit 136 PS. Händler, besonders in Deutschland, Österreich, der Schweiz und auch aus den USA hatten dem Vertrieb nur die Topmotorisierungen gemeldet. Ohnehin wählen Clubman-Kunden meist die stärkeren Motoren, heißt es aus der Mini-Zentral in München.

Wer also die bessere Traktion (vor allem im Winter) möchte, muss tief ins Portemonnaie greifen. Bei den Benzinern ist es der Zweiliter-Vierzylinder mit 141 kW/192 PS, also die Variante Cooper S. Sie kostet schon ohne Allrad 27.500 Euro. Die Technik unterm Wagenboden schlägt mit weiteren 2.000 Euro zu Buche. Möchte man zusätzlich noch die Achtgang-Automatik, steht der Clubman ALL4 erst mit 31.450 Euro vor der Tür.

Sobald die Sensoren registrieren, dass die Vorderräder beginnen, durchzudrehen, schickt das System blitzschnell Antriebsmoment nach hinten

Sobald die Sensoren registrieren, dass die Vorderräder beginnen, durchzudrehen, schickt das System blitzschnell Antriebsmoment nach hinten

Wir fuhren den Cooper SD, das teuerste Pferd im Stall. Ihn gibt es im Gegensatz zur frontangetriebenen Variante nur mit Automatik. Entsprechend hoch ist der Basispreis von 33.500 Euro. Und wer Mini kennt, weiß, dass es dabei nie bleibt. In keinem anderen Kleinwagen gibt es eine längere Aufpreisliste und mehr Möglichkeiten der Individualisierung. Letztere gehört zur Marken-Philosophie der britischen Kult-Marke.

Die bessere Empfehlung ist der Zweiliter-Dieselmotor dennoch nicht. Der von BMW entwickelte Vierzylinder schickt zwar kraftvolle 400 Newtonmeter an Drehmoment ins Getriebe und bietet souveränen Antritt aus niedrigen Drehzahlen. Doch ist er beim Hochdrehen recht laut und verfügt über ein nur sehr kurzes Drehzahlband. Das sportlichere und höhere Ausdrehen macht im Benziner deutlich mehr Spaß, passt besser zum Charakter des Clubman. Dafür hält sich der Selbstzünder beim Spritverbrauch mehr zurück. Laut Norm sollen es 4,8 Liter sein, einen halben Liter mehr als ohne Allradantrieb.

Das Cockpit entspricht dem Standard-Clubman

Das Cockpit entspricht dem Standard-Clubman

In der Praxis sollte man sich mit sechs bis sieben Liter anfreunden. Immerhin ist der Clubman All4 mit 1.465 Kilogramm kein Leichtgewicht. Dabei haben die Entwickler schon auf jedes Gramm geachtet. So dreht beispielsweise die Gelenkwelle nach hinten 1,75 Mal schneller als der Ausgang des Winkelgetriebes (genannt Power-Take-Off). Dadurch wirkt weniger Moment auf die Welle und sie kann dünner ausgeführt werden, was wiederum Gewicht spart. Rechnet man alle Komponenten zusammen wiegt der All4-Antrieb nur 60 Kilogramm.

Ins Gelände sollte man mit dem Clubman dennoch nicht fahren. Dazu ist die Bodenfreiheit von 14 Zentimetern zu gering. Schäden am Unterboden – und damit am Antriebsstrang – wären programmiert. Gewöhnlich fangen offroad-taugliche Fahrzeuge bei 18 bis 20 Zentimeter an.

Der Kofferraum ist für Mini-Verhältnisse riesig

Der Kofferraum ist für Mini-Verhältnisse riesig

Keine Einbußen muss der All4-Kunde beim sogenannten Package hinnehmen. Trotz der hinten platzierten Lamellenkupplung – technisch heißt sie Haldex 5 – und der beiden Antriebsachsen nebst Differenzial bleibt der Kofferraum in voller Größe erhalten. Die beiden charakteristischen Türen (Split Doors) am Heck öffnen seitlich und bieten Zugang zu einem 1.250 Liter großen Laderaum. Bei aufgestellten Rücksitzen (optional 40:20:40 geteilt) sind es 360 Liter, was im Segment zwar nur eher unterer Durchschnitt ist, für Mini-Verhältnisse aber riesig. Größer und vielseitiger war der kleine Engländer noch nie. (Michael Specht/SP-X)

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