News: Formel E als zukunftsorientierte Rennserie – DiCaprio und Prost gehen grün

News: Formel E als zukunftsorientierte Rennserie – DiCaprio und Prost gehen grün

“Die Zukunft unseres Planeten hängt davon ab, ob wir es möglichst schnell schaffen, sparsame und saubere Fahrzeuge populär zu machen. Deshalb bin ich sehr gerne Teil eines umweltfreundlichen Rennteams.” Die Motivation für Hollywood-Star und Umweltaktivist Leonardo DiCaprio, Miteigner eines von zehn Formel E-Teams zu sein, liegt auf der Hand. Und sie geht einher mit dem, was der fünffache Formel 1-Weltmeister Alain Prost mit seiner neuen, grünen Rennwelt verbindet: „Formel E ist die ideale Plattform für Autohersteller, um einer großen Öffentlichkeit neue Technologien zu demonstrieren. Vor allem, wenn ab der zweiten Saison die Eigenentwicklungen beginnen.“

Derzeit läuft die erste Saison 2014/15 der völlig neuartigen, rein elektrischen Rennserie, die FIA-Präsident und Ex-Ferrari-Teamchef Jean Todt letztes Jahr ins Leben gerufen hat. Die Idee: Die Strom-Boliden sollen demonstrieren, wozu Elektromobilität imstande ist. Die Methode: Zunächst sind Einheits-Autos mit Antriebstechnik von Renault, Williams und McLaren am Start. Die Tücke liegt dabei in der Abstimmung, die Veränderungen an bis zu 9.000 Parametern erlaubt. Allmählich wird sich die einheitliche Technik ändern, wie Alain Prost verrät: “Wir denken heute schon intensiv über die fünfte Saison nach. Bis dahin wird jeder seine eigene Technik haben. Die Entwicklung der Formel E geht extrem schnell voran. Dabei befruchten sich Renn- und Serientechnik gegenseitig.” Zur Methode Formel E gehört, dass die Rennen nur auf Stadtkursen in Metropolen wie Peking, London, Buenos Aires, Long Beach und Berlin stattfinden. Prost dazu: “Wir racen bewusst dort, wo Serien-Elektroautos ihre größten Stärken haben. Das ist gerade in Kalifornien sehr wertvoll, wo man in den Ballungsräumen extrem mit Smog zu kämpfen hat.”

Sieger des Rennens auf dem Stadtkurs in Long Beach: Nelson Piquet jr., Sohn des dreifachen Formel 1-Weltmeisters Nelson Piquet. Damit erringt er die höchste Punktzahl erstmals exakt dort, wo vor 35 Jahren sein Vater seinen ersten Grand Prix gewann: Beim Rennen der elektrischen Formel E auf dem kalifornischen Stadtkurs. Gezählt wird hier exakt wie in der Formel 1; also bekommen die ersten zehn Fahrer zwischen 25 und 1 Punkten. Durch die auf 2,13 km verkürzte Traditionsstrecke von Long Beach rasen normalerweise rund 650 PS starke, brüllend laute Indycar-Renner haarscharf vorbei an Betonbefestigungen. Beim ePrix der Formel E sind es 200 kW/272 PS starke, flüsterleise Strom-Monopostos mit bis zu 230 km/h.

Einer von 20 Formel E-Piloten heißt Nelson Piquet jr. Der Freund harter Rad an Rad-Zweikämpfe bei über 200 km/h hat auch einen Sinn für alternative Antriebe. Auch das verbindet ihn mit seinem berühmten Vater, der einen rein elektrischen BMW i3 besitzt. Aber vor allem habe es ihm Piquet jr. der BMW i8 angetan, ein Hybridsportwagen mit Elektro- und Verbrennungsmotor. “Den will ich meinem Vater noch schmackhaft machen, dann haben wir beide viel Spaß damit”, sagt der Formel E-Pilot aus Brasilien über den sauberen 362 PS-Sportler mit nur 2,1 l/100 km Normverbrauch. Dies erschien den Formel E-Machern ebenso wie der Marke BMW eine ideale Voraussetzung, um ihn als Safety Car für die Elektro-Renner einzusetzen.

Den Formel E _ePrix_ von Long Beach gewann Nelson Piquet jr., exakt 35 Jahre nach dem ersten Formel 1-Sieg seines berühmten Vaters auf dem selben Stadtkurs

Den Formel E _ePrix_ von Long Beach gewann Nelson Piquet jr., exakt 35 Jahre nach dem ersten Formel 1-Sieg seines berühmten Vaters auf dem selben Stadtkurs

BMW ist die Verbindung mit der Formel E ganz gezielt eingegangen und stellt seit Serienstart neben dem schnellen i8 noch einen kompakten, rein elektrischen i3 als Medical Car. BMW-Kunden-Spezialist Jörg Reimann: “Als Vorreiter in Sachen Elektromobilität wissen wir, dass man neue Wege gehen muss, dabei aber trotzdem seinen Grundwerten treu bleiben kann.”

Die Elektro-Rennserie hat ihren ganz eigenen Sound. Das Fahrgeräusch der Strom-Boliden erinnert an ferngesteuerte Modell-Rennautos. Aber daran werden sich sogar überzeugte Benzin-Junkies allmählich gewöhnen, glaubt Formel E-Marketingchef Jaume Sallares: “Ich war früher auch so ein petrolhead. Aber sowohl Elektro-Rennwagen als auch Elektro-Serienautos überwältigen Dich mit einer Performance, die Du ihnen nie zugetraut hättest.” Zahlen untermauern diese emotionale Schilderung von Sallares: Nach weniger als drei Sekunden flitzen die Formel E-Boliden auf 100 km/h. Und auch Safety- und Medical Car verblüffen von der Papierform her: Mit 570 Nm Drehmoment wuchtet der Plug-In-Hybrid BMW i8 aus dem Stand deutlich mehr Schubkraft auf die Räder als ein Ferrari 458. Und das rein elektrische Medical Car i3 hat mit 250 Nm fast so viel Kraft wie ein Porsche Boxster.

Nicht nur bei der Technik, auch im Reglement geht die Formel E bewusst eigene Wege. Neben den Stadtkursen gehört dazu der sogenannte „Fan Boost“: Anhänger der Sportserie können im Internet darüber abstimmen, welcher Pilot im Rennen eine zeitweilige Leistungsspritze von immerhin 30 kW bekommt. Diese Extra-Power soll Publikumslieblinge näher an Favoriten heranbringen. Und für Abwechslung ist gesorgt: Seit dem Monaco-ePrix ist der Schweizer Sebastian Buemi, ehemals in der Formel 1 für Toro Rosso am Start, erster Zweifach-Sieger der Formel E. Bei allen Rennen zuvor hatte es erstmalige Gewinner gegeben. Nick Heidfeld, ehemals für BMW in der Formel 1 aktiv, gehört bisher nicht dazu. Wenigstens hat er Chancen, dank “Fan Boost” beim Heimrennen in Berlin möglichst weit vorne zu landen.

Über 20.000 Motorsportfans strömten zum völlig neuartigen Motorsport-Spektakel in Long Beach. Auch in Berlin könnte der Zuschauerstrom zum ehemaligen Flughafen Tempelhof groß sein, wenn die Formel E-Piloten pfeilschnell durch die 17 Kurven des neuen 2,47 km-Kurses rasen – zwar mit ungewohntem Sound und völlig abgasfrei, aber dank Gummiabrieb nur nahezu geruchsfrei.

Autor: Ralf Schütze/SP-X

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