News: Nissan X-Trail – Der praktischere Qashqai

News: Nissan X-Trail – Der praktischere Qashqai

SUV sind häufig entweder gutaussehend oder praktisch. Der Nissan X-Trail ist beides. Wer den technisch eng verwandten Qashqai für zu eng hält, findet in ihm den vielfältigeren Begleiter für Alltag und Freizeit. Gespannfahrer könnten trotzdem enttäuscht werden.

Den ersten möglichen Vorbehalt räumt der X-Trail schon beim Einsteigen aus: Obwohl die Karosserie gegenüber dem kantigen Vorgänger mit ihren verschwenderischen Schwüngen und Bögen fast schon aufgequollen wirkt, ist der Innenraum gewohnt großzügig. Nicht alle Mittelklasse-SUV lösen den Zielkonflikt zwischen dynamischem Äußeren und geräumigem Inneren so überzeugend. Auf dem kommandostandartigen Fahrersitz ist das Raumgefühl großzügig und der Fernblick weit. Über dem Verkehr thronend fühlt man sich geborgen, wie es in einem SUV sein muss. Auch in Reihe zwei geht es dank der längs verschiebbaren Sitzbank auf Wunsch luftig zu, selbst auf den beiden Notsitzen in Reihe drei lässt es sich für Erwachsene kurzzeitig aushalten. In der Regel wird man aber wohl die Sessel umgeklappt im Wagenboden lassen und stattdessen den großzügigen Gepäckraum nutzen.

Das Abteil hinter der großen Klappe ist der große Vorzug des X-Trail. Während es dort beim fast 30 Zentimeter kürzeren Qashqai für Kinderwagen oder Großeinkauf schon etwas eng wird, hat sein größerer Ableger so viel Platz, dass man verschwenderisch damit umgehen kann. Exaktes Packen ist so zwar nicht notwendig, aber möglich. Auch dank der praktischen, mit auswischbarem Kunststoff ausgeschlagenen Unterbodenfächer. Die stammen genetisch noch von der Vorgängergeneration, einem kastenförmigen Arbeits-SUV ohne Schnickschnack aber mit praktischen Details.

Das Heck ist ein wenige kantiger als beim kleinen Bruder

Das Heck ist ein wenige kantiger als beim kleinen Bruder

Wie der kernigere Vorgänger ist auch der neue X-Trail jenseits befestigter Asphalt-Straßen ein kompetenter Begleiter, solange man den optionalen Allradantrieb ordert und es nicht ernsthaft in schweres Gelände geht. Wie in dieser Klasse üblich werden beim X-Trail nicht permanent alle vier Räder angetrieben. Die Hinterachse schaltet sich lediglich dazu, wenn vorne der Grip fehlt. Darüber hinaus lässt sich der Allradantrieb auf Knopfdruck auch dauerhaft erzwingen – etwa beim Anfahren mit Hänger auf nasser Wiese. Apropos Hänger: Bis zu 2.000 Kilogramm darf der X-Trail an den Haken nehmen. Und er wäre auch ein nahezu perfektes Zugfahrzeug, wenn Nissan nicht einfach die in dieser Hinsicht interessanteste Antriebsvariante aus dem Programm gestrichen hätte. Denn in Deutschland lassen sich Allradantrieb und Automatik nicht kombinieren. So kann man als Gespann-Fahrer nur wählen, ob man lieber für gute Traktion einen möglicherweise erhöhten Kupplungsverschleiß in Kauf nimmt oder ob man komfortabel mit Automatik fährt und dafür rutschiges Geläuf meidet.

In vielen Fällen dürfte der X-Trail aber eher als geräumiges Familienauto denn als Arbeitstier herhalten. Der gegenüber dem Qashqai verlängerte Radstand und das komfortable, wenn auch gelegentlich etwas stuckerige Fahrwerk machen ihn zum bequemen Autobahngleiter, der auch für Schlaglochpassagen in der Stadt oder auf der Landstraße gerüstet ist. Dynamische Ambitionen hingegen sind dem Nissan trotz seiner präzisen Lenkung und der geringen Wankneigung eher fremd. So passt auch der 96 kW/130 PS starke Diesel gut ins Paket. Von der Papierform etwas schwachbrüstig, stellt er sich in der Praxis doch mit etwas Anlauf als ausreichend durchzugsstark heraus. Einmal in Fahrt, treibt er den großen und schweren X-Trail zügig durch den Verkehr. Dabei gibt er sich laufruhig und genügsam: Rund sechs Liter reichen dem Allrader bei zügiger, aber nicht hektischer Fahrweise für 100 Kilometer.

Das Cockpit ist luftig und aufgeräumt

Das Cockpit ist luftig und aufgeräumt

Ab 27.200 Euro gibt es den X-Trail mit Dieselmotor. Das sind 300 Euro weniger als für den identisch motorisierten Qashqai aufgerufen werden. Allerdings ist der größere der beiden Nissan-Brüder schlechter ausgestattet. Posten wie Klimaanlage, Tempomat und CD-Radio sind aber trotzdem an Bord. Auch das Programm an Assistenten ist überraschend großzügig: Zum Standard zählen neben einer Notbrems-Automatik immerhin Spurhaltehelfer und Verkehrszeichenerkennung. Damit lässt es sich bereits gut leben. Wer Allradtechnik will, muss jedoch direkt 5.000 Euro drauflegen, weil diese mit der nächsthöheren Ausstattungsstufe kombiniert ist. Gleiches gilt, wenn Automatik gewünscht wird. Was noch für die Basisvariante spricht: Eine dritte Sitzreihe gibt dort bereits für 800 Euro, in den höheren Linien werden 1.450 Euro fällig, weil die Zusatzplätze mit dem Panoramaglasdach zwangsgekoppelt sind.

Autor: Holger Holzer/SP-X