Nissan e-NV 200: Flüsterleiser Family-Transporter

Nissan e-NV 200: Flüsterleiser Family-Transporter

Nissan e-NV 200: Flüsterleiser Family-Transporter Bjoern

Testergebnis

Karosserie
Fahrkomfort
Motor & Getriebe
Fahrdynamik
Kosten & Umwelt
Emotionen

Summary: Nissans Siebensitzer mit der Technik aus dem E-Auto-Pionier Leaf ist eine interessante Alternative zu den immer gleichen Verdächtigen beim Thema: Familien-Van!

3.6

Lautloser Raumflitzer

Benutzerbewertung: 3.7 (2 Stimmen)

Update: Die Bundesregierung hat nun die Förderung der E-Mobilität beschlossen. Wir aktualisieren daher noch einmal die E-Auto Artikel, Tests und Fahrberichte. Dieser Original-Artikel stammt vom 04. Dezember 2015  

Wer ein Elektroauto sucht, hatte bereits bislang eine ganz interessante Auswahl: Kleinwagen, Kompakte, Supersportler und Transporter teilen sich die moderne Antriebstechnik. Was aber noch fehlte, war ein Kleinbus mit bis zu sieben Sitzen. Den hat Nissan in diesem Jahr jedoch in der Form eines praktischen E-Kubus präsentiert.

Nissan e-NV 200: So leise waren Familien noch nie unterwegs

Test & Fahrbericht des elektrischen Siebensitzers

Mit einem konventionellem Diesel oder Benziner kann man den „klassischen Bruder“ des E-Transporters bereits seit 2011 auf deutschen Straßen bewegen. Wobei sich der Erfolg, trotz ähnlicher Idee, gerade im Vergleich mit dem Bully von VW doch deutlich zurückhält. Okay – der Evalia (so sein Name) ist doch ein wenig kleiner. Seine Zielgruppe durchaus spitz definiert.  Dabei bietet der 4,56 Meter kurze Fünf- bis Siebensitzer mit seiner Kombination aus Handlichkeit und cleverer Raumnutzung etwas, was aktuell eigentlich keine Konkurrenz kennt. Dennoch – man darf skeptisch bleiben. Selbst der vom Nissan Leaf übernommene Antriebsstrang wird die Stückzahlen vermutlich nicht explodieren lassen.

Nissan e-NV 200 Evalia 007 Fahrbericht Test Elektro-Siebensitzer

Technikspender: Nissan Leaf

Die gesamte Antriebstechnik inklusive der Batterie können die Japaner vom Leaf übernehmen, die Transformation auf die Nutzfahrzeugbaureihe hat man ebenfalls bereits erledigt, fährt doch seit kurzem auch die Kastenwagenversion des Evalia unter dem prosaischeren Namen e-NV200 durchs Land. Dass man vom e-NV 200 Nutztier abstammt, kann auch der Evalia nicht verleugnen. Es ist eine eher – positiv als pflegeleichte – sinngemäß aber einfache Materialauswahl im Innenraum. Hinzu kommt eine, sagen wir es so, robuste Verarbeitung. Auf dem Fahrersitz ist es dann noch das arg flach gestellte Lenkrad, bei dem einen sofort die Assoziationen „Bus-Fahrer“ entgegen springen.

Allerdings hat die Abstammung vom „Nutzperten“auch positive Seiten. Eine sagenhaft gute Übersichtlichkeit zum Beispiel. Dazu gehört dann auch das problemlose Rangieren und Einparken mit dem E-Familienlaster. Und eh klar:  Praktische seitlichen Schiebetüren. Diese machen sich nicht nur in engen Parklücken positiv bemerkbar, sie erleichtern auch den Einstieg in die dritte Sitzreihe erheblich. Die ansonsten allerdings so eng ist wie unterhalb der Großraumlimousinen-Klasse üblich und sich vor allem für Kinder eignet. Auch vom Gepäckraum bleibt bei voller Bestuhlung nicht mehr viel übrig. Nominell passen zwar 444 Liter hinter die große Klappe, die wandern aber vor allem in die Höhe.

Nissan e-NV 200 Evalia 002 Fahrbericht Test Elektro-Siebensitzer

E = besonders²

Was den Evalia unter seinen Mitbewerbern wie dem VW Caddy, Ford Tourneo Custom und Mercedes Citan besonders macht, ist sein E-Antrieb. Der  aus dem Nissan Leaf stammende E-Motor schickt 109 PS an die Vorderräder, die Spitze ist auf knapp über 120 km/h (123) begrenzt. Aus dem Stand dauert es 14 Sekunden, bis die Tachonadel die Zahl „100“ passiert. Als Reichweite nennt Nissan bis zu 167 Kilometer je Batterieladung. Für den Stadtverkehr ist das mehr als ausreichend und scheint zudem realistisch. Allerdings nur, wer sich von Autobahnen fernhält. Grundsätzlich ist „je schneller desto leer“ der Merksatz für neue E-Mobilisten.

Doch der kurze schmale und hohe Kleinbus profitiert von dem E-Antrieb. Die im Unterboden eingebauten Batterien rücken den ansonsten ungünstig hohen Schwerpunkt zurecht, das Mehrgewicht von rund 200 Kilogramm gegenüber dem Benziner sorgt auch unbeladen für eine überraschend feine Straßenlage . Dazu kommt der typische E-Mobil-Vorteil: Die direkt abrufbare Power. Da muss nicht geschaltet, nicht gekuppelt, nicht in den Gängen gerührt werden. Da gibt es kein Turboloch, keine Nm-Berge. die man erst besteigen muss. Vom Start weg -immer- liegen 254 Nm Drehmoment an. Das sorgt beim Evalia an der Ampel für Überraschungsmomente bei Sportwagenfahrern und für zügiges Durchschlängeln im aufgelockerten City-Verkehr. Das ändert nichts an der urig-eigenen Abstimmung des Evalia. Im Herzen ist er ein „Macher“, ein „Nutzfahrzeug-Derivat“, mit mehr Sitzen und Teppichboden.

Doch auch mit der starren Achse und Blattfedern kann man ganz bequem unterwegs sein. Komfortabel ist das fehlende Motorengeräusch. In der Stadt verlangt das aber auch ein Plus an Aufmerksamkeit, denn Fußgänger hören den Evalia ebenfalls kaum. Trotz des „Space-Shuttle-Sounds“ aus den Lautsprechern.

Beam me up – Woher und wohin mit der Energie?

An der normalen Steckdose dauert das Neubefüllen des Akkus rund zehn Stunden. Gut vier Stunden Geduld sind nötig, wenn das Kabel mit einer 32-Ampere-Ladestation verbunden ist. Nur eine halbe Stunde dauert es, mit der Nissan-eigenen „Zapfsäule“ mit 50 kW-Hochspannungs-Gleichstrom, von denen es in ganz Deutschland jedoch derzeit nur knapp 60 Stück gibt.

car-go-electric mobile charger 22kwWir haben für den Evalia eine mobile Ladebox mit Typ2-Buchse ausgewählt. Zur Verfügung gestellt wurde uns die Ladebox von car-go-electric.de. Dank 22 kW-Lader wäre die Box in der Lage den 24 kWh-Akku in überschaubarer Zeit mit frischen Ionen zu füttern. Leider bietet gönnt sich der e-NV 200 über den Typ 2-Stecker nur 6.6 kW Ladestrom.

Der nötige Anschluss mit ChaDeMo-Standard ist beim Evalia aber immerhin bereits an Bord. Dazu kommen zahlreiche Pkw-typische Posten wie Klimaautomatik, Touchscreen-Multimediasystem und sogar ein beheizbares Lenkrad.

Nissan e-NV 200 Evalia 001 Fahrbericht Test Elektro-Siebensitzer

Die Preise starten bei 36.766 Euro inklusive Batterie. Wer den Akku lieber mietet als kauft, zahlt bei Auslieferung nur 30.870 Euro, muss aber zusätzlich mindestens 87 Euro im Monat (36 Monate, 10.000 km/Jahr) aufwenden. Die Aufpreis-Liste ist kurz, neben der dritten Sitzbank für 741 Euro und einem 6,6-kW-Ladeanschluss (1.074 Euro) führt sie noch Metalliclack (452 Euro), Einparkpiepser (ab 143 Euro) und ein paar Optik-Upgrades auf.

Zur Nissan-Webseite für weitere Informationen

Aktuelle Suchanfragen::