Erste Sitzprobe im Elektro-Opel Ampera-e – Mit langem Vorlauf

Erste Sitzprobe im Elektro-Opel Ampera-e – Mit langem Vorlauf

Noch zieht er einsam seine Kreise, dick vermummt durch graue Aufkleber, vor neugierigen Blicken und Kameralinsen verborgen hinter dichten Kieferwäldern. Im Opel Test Center Dudenhofen bekommt der neue Opel Ampera-e seinen letzten Schliff. Dabei ist der kommende Star des Pariser Autosalons gar kein so großes Geheimnis mehr. Viele Daten des Stromers sind schon bekannt. Ab Sommer nächsten Jahres soll der Fünfsitzer die immer größer werdende Herde der reinen Elektroautos aufmischen. Mit der besten Reichweite aller bisherigen E-Autos, vom großen Tesla abgesehen.

Da das riesige Prüfgelände der Rüsselsheimer bei Frankfurt gerade sein 50jähriges Jubiläum feiert, lud Opel dort zur ersten Sitzprobe im Ampera-e. Der Fünftürer ist etwas kürzer als der bekannte Astra und deutlich kleiner als der erste Opel dieses Namens. Der Ur-Ampera, noch mit einem kleinen Benziner als Reichweiten-Helfer unterwegs, floppte in Deutschland, kostete auch nach einer Preissenkung von 7.700 Euro immer noch 38.300 Euro. Zu teuer für die Elektro-Pioniere unter deutschen Autokunden.

Mit dem neuen Ampera mit dem Zusatz „e“ soll alles anders werden. Mit 4,17 Metern ist er um 23 Zentimeter kürzer als sein Vorgänger. Da die Batterien flach im Unterboden versteckt sind und der Radstand von 2,60 Metern durchaus beachtlich ist, bleibt ausreichend Platz für Passagiere und Gepäck. Schon das Probesitzen im Fond überrascht. Gute Knie- und Kopffreiheit, vergleichbar mit Autos im Golf-Format. Wer auf den Mittelplatz verbannt wird, sollte allerdings zum schlankeren Teil der Menschheit gehören.

Die Reichweite ist noch nicht bekannt

Die Reichweite ist noch nicht bekannt

Das Armaturenbrett will Opel erst am 1. Oktober in Paris zeigen. In Dudenhofen war es noch dick mit einem schwarzen Plastiküberzug verhüllt. Die Gestaltung dürfte sich aber am Schwestermodell Chevrolet Bolt orientieren, der in den USA schon verkauft wird. Zentraler Tacho in LCD-Technik, in der Mitte ein großer Touchscreen-Monitor für Navigation, Audio und diverse Eistellungen. Zwischen den Sitzen der Wählhebel fürs Fortkommen oder Rückwärtsfahren, der die Größe einer Computermaus hat.

Wohltuend auf jeden Fall das Raumgefühl auch für die Frontinsassen, die nicht durch eine dicke Mittelkonsole voneinander getrennt sind. Schließlich kann ein E-Mobil auf einen Getriebe- und Kardantunnel verzichten. Apropos Raum: Obwohl Opel noch keinen Blick in die Kofferraum erlaubte, sind dessen Ausmaße vom US-Modell her bekannt: 450 Liter sind eine selbstbewusste Ansage, den in den Keller verbannten Batterien sei Dank. Die dadurch etwas erhabene Sitzposition im Ampera-e sorgt zudem für eine recht gute Rundumsicht vom Fahrersitz aus.

Die technischen Daten sind noch nicht alle bekannt, werden von Opel scheibchenweise veröffentlicht. Die wichtigste Frage nach der Reichweite soll einige Tage vor der Premiere auf dem Pariser Salon verkündet werden. Sie wird „bahnbrechend“ sein, sagt Opel. Da das US-Pendant mit 320 Kilometern pro Batterieladung antritt, der Ampera-e aber dem europäischen Leistungshunger angepasst werden soll, ist klammheimlich von 350 Kilometern die Rede. Auch ein Wert von bis zu 400 Kilometern könnte möglich sein. Auf jeden Fall aber wird der Ampera-e noch weiterfahren können, wenn bisherige Elektromodellen wie Nissan Leaf oder auch der BMW i3 längst an der Ladestation parken. Und das Rumstromern soll auch Spaß machen. Der Elektromotor protzt mit 150 kW/204 PS, macht einen Spurt in nur 3,2 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 50 möglich. Auf der Autobahn wird der Ampera-e mit einer Spitze 150 km/h ebenfalls kein Öko-Hindernis. Die 60 kWh-Batterie soll nach einer knappen Stunde an der Schnellladestation wieder fit sein.

Da der Revoluzzer erst Mitte des nächsten Jahres auf den Markt kommt, steht der Preis noch nicht fest, wird aber sicher unter den rund 36.000 Euro liegen, die BMW für den i3 verlangt. (Peter Maahn/SP-X)