80 Jahre Peugeot in Deutschland – Die Löwen sind los

80 Jahre Peugeot in Deutschland – Die Löwen sind los

Startschuss für die Marke Peugeot in Deutschland war die Anmietung einer Werkstatt am 5. November 1936 durch die „Kraftwagen Handelsgesellschaft Kochte & Rech“ in Saarbrücken. Die kleine Firma war erster deutscher Peugeot-Importeur zunächst für den kleinen 201 und die stromlinienförmigen Modellreihen 302 und 402. „Raketendesign aus Sochaux“ nannte die Presse die Innovationsträger. Vor allem die Mittelklassereihe 402 schrieb mit dem Coupé-Cabriolet „Eclipse“ als Star auf der Berliner IAA und mit sparsamen Diesel-Versionen Geschichte. Bis 1939 wurden rund 1.000 Exemplare des Peugeot 402 Diesel verkauft. Der Kleinwagen 201 fand aufgrund seines hohen Preises bei den Deutschen hingegen weniger Anklang.

Mit einem anderen Mini erprobte Peugeot bereits 1941 die Serienfertigung von Elektroautos. Unter der Bezeichnung VLV feierte das City-Cabriolet im Zweiten Weltkrieg Premiere und trotz der dunklen Zeit wurden fast 400 Einheiten des „Stromers“ ausgeliefert, auch nach Deutschland. Nach dem Krieg verbuchte Peugeot einen größeren Erfolg mit dem Vorkriegsmodell 202. 1948 folgte die Mittelklasselimousine 203, die dank legendärer Langlebigkeit zum Bestseller wurde. 1955 folgte mit dem Pininfarina-Kunstwerk 403 ein weiterer Erfolgstyp, auf den sogar die saarländische Polizei und Taxifahrer abfuhren. Ab 1960 setzte der 404 diesen Erfolg fort. Mit einem zunehmend breiteren Modellprogramm aus Pkw und Nutzfahrzeugen wuchs Peugeot unter Kochte & Rech in Deutschland zur drittgrößten Importmarke.

1967 folgte die Gründung der konzerneigenen Importgesellschaft Peugeot Automobile Deutschland GmbH, die bereits im ersten Jahr 20.733 Fahrzeuge absetze. Aufsehen erregte dabei die neue Kompaktklassereihe 204 mit Frontantrieb und als 204 Break Diesel mit dem damals kleinsten Selbstzünder der Welt. 1968 folgt der ultimative Peugeot in Form des geräumigen, zuverlässigen und zeitlos eleganten 504, der auch als Cabriolet begeisterte.

Auf dieser soliden Basis streckte sich der Löwe in den 1970er-Jahren nach den Sternen. Nach der Fusion mit Citroen (1976) und der Übernahme von Simca (1978) stieg das Familienunternehmen Peugeot zum größten Automobilhersteller Europas auf. Gekrönt wurde der Aufstieg mit dem repräsentativen 604, der zudem mit dem ersten französischen Nachkriegs-V6 beeindruckte.

Die Übernahme der maladen Marke Simca wurde jedoch zum finanziellen Fiasko, aus dem Peugeot dank kreativer Modellpolitik der Ausweg gelang.Geschichte schrieb der 1983 vorgestellte Cityflitzer 205, der sich5,3 Millionen Mal verkaufte. Noch erfolgreicher war ab 1998 sein Nachfolger 206. Fünf Jahre lang blieb er meistverkaufter Import-Kleinwagen auf dem deutschen Markt – auch dank des 206 CC, der als weltweit erstes kompaktes Coupé-Cabrio für Furore sorgte.

Noch Anfang des neuen Jahrtausends zählte Peugeot zu den stärksten Importmarken mit einem Modellprogramm, das jede Nische abdeckte, zeitweilig aber auch zu aufgebläht war. So konkurrierten mit 107, 1007, 206 und 207 zwischenzeitlich gleich vier Modelle im Kleinwagensegment miteinander. Mittlerweile ist die gestraffte Palette ganz auf die Reduzierung von Verbrauch und Emissionen ausgerichtet. Während der teure Diesel-Hybridantrieb und der elektrische Kleinstwagen iOn nur wenige Käufer gewannen, punktet Peugeot umso eindrucksvoller durch Downsizing-Benziner und neue Diesel, die mit „Best in Class“-Verbrauchswerten beeindrucken.
(Wolfram Nickel/SP-X)