Test: Skoda Superb Combi 2.0 TSI

Test: Skoda Superb Combi 2.0 TSI

Sie finden es prima, wenn die Ehefrau mit stark angewinkelten Beinen und senkrechter Rückenlehne neben Ihnen klemmt, weil die Reboard-Babyschale samt Standfuß hinten rechts montiert ist? Und dass die Hälfte des Urlaubsgepäcks zu Hause bleiben musste, weil Kinderwagen und Windeln den Kofferraum blockieren?

Dann bitte gleich weiterklicken, am besten nach Mittelklasse-Premium-Kombis suchen. Klar kann man mit einem funkelnagelneuen BMW 3er Touring, einem Audi A4 Avant oder einer Mercedes C-Klasse Eindruck beim Nachbarn schinden. Weil so ein Ford Mondeo oder ein VW Passat einfach zu sehr nach Außendienst aussehen. Da muss man viel erklären. Sich rechtfertigen.

Fahrbericht Skoda Superb Combi

Der Kombinationskraftwagen

Vorhang auf für den Skoda Superb Combi. Auch hier muss man viel erklären. Meistens aber das Auto an sich, dabei lässt sich mit den staunenden Gartenzaun-Bekanntschaften gleich ausprobieren, ob sich im riesigen Innenraum im großen Skoda ein Echo produzieren lässt.

Während der Passat trotz stetiger Aufwertung das Vertreterimage einfach nicht los wird, hatte das der Skoda Superb Combi nie. Schon die letzte Generation (und der erste Combi, wie immer bei Skoda mit C geschrieben) sorgte für Aufsehen, ein staksiges Fahrwerk und der schmale Innenraum rochen aber doch noch zu sehr nach Kompaktklasse-Basis.

Sprengt die Fesseln der Mittelklasse

So halte ich es nicht für übertrieben, bei der aktuellen Generation des Skoda Superb die abgedroschene Vokabel des Quantensprungs zu verwenden. Weich geschäumte Kunststoffe, selbst auf Höhe des Fahrerknies, eine passgenaue Verarbeitung und das verschwenderische Platzangebot in alle Richtungen lassen den Superb die Fesseln der Mittelklasse sprengen.

Skoda Superb Baum

Behagliche Zufriedenheit

Als Testwagen schmeichelt ein Superb Style unseren Sinnen, zugegebenermaßen mit fast allen Kreuzchen in der Optionsliste. Die Passagiere nehmen, typisch Superb vorne etwas zu hoch, auf bequemen Leder-/Alcantara-Sitzen Platz. Das beige Interieur unterstreicht die Weite des Innenraums nochmals, wird aber früher oder später in Sachen Farbenlehre von frischen Jeans oder nicht ganz sauberen Kinderhänden überstimmt werden. Aber keine Sorge, den Innenraum gibt es beim Modell Style auch in schwarz – was zudem besser mit den meisten Außenfarben harmoniert. Auch die Konfiguration des Testwagens mit der Kombination aus beigem Interieur und grauem Lack ist nicht ganz geglückt.

Andere Bausteine dagegen sorgen für eine behagliche Zufriedenheit. Pflichtprogramm beim Superb-Kauf sollte das hervorragende adaptive Fahrwerk DCC sein. Der Aufpreis beträgt 910 Euro (Serie bei der L&K-Version).

Über die „Mode“-Taste an der Mittelkonsole können über vier verschiedene Stufen (Normal,  Comfort, Sport und Eco) die Fahrwerksabstimmung, das Lenkgefühl und die Reaktionsschnelle von Motor und Getriebe eingestellt werden. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, sich alle Bausteine individuell zusammenzustellen.

In der Comfort-Stellung bügelt der große Skoda die Straße vor dem Auto in Windeseile glatt, sanft wiegt man über Unebenheiten, ohne dass das Auto aber träge schaukelt. Die Bewährungsprobe mit einer leicht seekrank werdenden Beifahrerin hat der Comfort-Modus jedenfalls bestanden.

Skoda Superb Cockpit

Richtig interessant für längere Strecken ist das Eco-Programm. Der Motor wird hier nur unmerklich an die kurze Leine genommen,  sobald man vom Gas geht, trennt die Elektronik ihn jedoch vom DSG, so dass man mit möglichst geringen Reibungsverlusten „segelt“.

Die gleiche 200 Kilometer-Autobahnstrecke im Eco- und im Comfort-Modus gefahren, brachte zwar nur eine marginale Verbrauchsverbesserung um 0,2 Liter (laut Bordcomputer), aber das berühmte Kleinvieh macht auch Mist.

Ohne Motor ist kein Auto mobil, wenden wir uns also einmal dem Antrieb des Autos zu. Für die Testfahrt stand der Superb Combi als 2.0 TSI mit 220 PS bereit.

EA888 steckt unter der Haube mit dem geflügelten Pfeil. Das ist der VW-Konzernmotor mit 2,0 Litern Hubraum, der in einer fast unüberschaubaren Zahl von Leistungsstufen in verschiedene Modelle eingebaut wird: Im VW Golf GTI und R beispielsweise, ebenso im Seat Leon Cupra. Der Skoda Octavia hat als RS den Dreimalachter über der Vorderachse. Und so auch der Superb.

Skoda Superb Front

Auffallend unauffallend

Mit 220 PS und Frontantrieb markiert er die zweithöchste Leistungsstufe des großen Skoda, darüber gibt es noch eine 280 PS starke Allradversion. Der weniger stark aufgeladene Zweiliter-Skoda treibt nur die Vorderachse an.

Und das kann er sehr gut. Vom Start an fällt das Aggregat damit auf, dass es nicht auffällt. Der laufruhige Motor spielt, unterstützt von ausreichend Dämmmaterial im Vorderwagen, gekonnt Verstecken. Der Superb ist ein Reiseauto. Auch mit dem Benzinmotor. Oder gerade damit?

Der lange Radstand kommt bei zügiger Autobahnfahrt zusätzlich zum DCC zum Tragen, der Skoda liegt satt und sicher auf der Straße. Im Gegensatz zu den beiden Vorgängern ist auch der Geradeauslauf top. Mit dem intuitiv bedienbaren Lenkstockhebel ist die Geschwindigkeitsregelanlage samt adaptivem Abstandsassistenten eingestellt und einem mehrstündigen Trip stets nichts im Wege.

Skoda Superb Spiegel mit Totwinkelwarner

Der wachsame Wagen assistiert artig beim Halten der Fahrspur. Mit sanften Gegenlenkimpulsen bringt das System Dich wieder zurück auf Kurs, wenn man aus vermuteter Unachtsamkeit über die seitlichen Begrenzungen fährt. Sobald man dabei den Blinker betätigt, hält sich der Spurhalteassistent zurück. Dennoch wirkt bei aktivierter Unterstützung das Lenkgefühl leider – auch auf Landstraßen – oftmals eckig und unwirklich. Das verleitet zu schnell zur Deaktivierung über den Bordcomputer. Schade und der Sicherheit nicht dienlich.

Um die kümmert sich der Skoda Superb ansonsten zeit- und klassengerecht. Die Sensoren des ansonsten verzichtbaren Parklenkassistenten warnen sogar vor Querverkehr beim Ausparken. Die ebenfalls optionale Rückfahrkamera wartet im neuen Modelljahr sogar mit einer eigenen Waschdüse auf.

Skoda Superb Profil

Bevor ich mich nun in Kleinigkeiten verliere, wollen wir doch versuchen, den Skoda Superb nochmal in seiner Gesamtheit zu beurteilen. Und das fällt gar nicht so leicht. Denn trotz seines zackigen und kantigen Designs eckt er nirgendwo an. Er kann alles, was ein großer Kombi können muss. Andersherum: Was beim Packen für den Urlaub nicht in den 660-Liter Kofferraum passt, ist sicherlich eh zu viel dabei. Wer im mehr als opulenten Fond zu wenig Platz findet, soll bitte vor dem Einsteigen die Stelzen ausziehen.

Im Gegensatz zum noch recht pragmatisch angehauchten Vorgänger vermittelt der aktuelle Superb eine Wertigkeit und eine Ausstattungsgüte, die ihn von den genannten Mittelklasse-Kombis abhebt und durchaus eine smartere Alternative zu den teuren Kombiversionen von Audi A6, BMW 5er und Mercedes E-Klasse darstellt. Weil er günstige Mittelklasse-Preise mit einer Vielzahl von Oberklassetalenten in Einklang bringt, stellt er einen Kombinationskraftwagen im besten Sinne des Wortes dar.

Epilog:

Wer moniert, dass der Skoda Superb nur mit Vierzylindermotoren und maximal zwei Liter Hubraum angeboten wird, der denkt zurecht verklärt an starke Reihensechszylinder und andere Sahnestücke. Dabei sollte man sich aber einmal auf den Firmenwagenparkplätzen und Rastanlagen unserer Republik umsehen: A6 2.0 TDI Ultra, BMW 520d, E220d – alles brave Vierzylinder. Und Diesel. War da was? Ja! Wer wissen will, wie die für die Mehrheit der kilometerfressenden Kunden interessantere Superb Diesel-Version fährt, kann hier den Fahrbericht des 2.0 TDI mit 190 PS und Allradantrieb nachlesen.

 

Technische Daten Skoda Superb Combi 2.0 TSI

Hubraum 1984 ccm
Leistung 162 kW / 220 PS bei 4.500 – 6.200 U/min
Maximales Drehmoment 350 Nm bei 1.500 – 4.400 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h 7,1 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 243 km/h
Norm-Verbrauch kombiniert 6,3 Liter / 100 km
Realer Verbrauch im Testzeitraum 9,6 Liter / 100 km
Testwagenpreis 49.520 Euro

 

Text und Foto: Alle Fotos: Bernd Conrad

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