News: Suzuki Eljot (1980) vs. Suzuki Jimny (2015) – Kleine Drachen und kultige Dinos

News: Suzuki Eljot (1980) vs. Suzuki Jimny (2015) – Kleine Drachen und kultige Dinos

Eigentlich kennt man das ja. Die Jahrzehnte vergehen und erst die Begegnungen bei Familienfesten machen klar, dass die Zeit ihre rostigen Zeichen oder grauen Haare hinterlassen hat. Genau diese Erwartung hatten wir vor dem Geburtstagstreffen des ersten in Deutschland verkauften Mini-Geländewagens von Suzuki mit seinem aktuellen Gegenstück. Suzuki Eljot (offizell LJ 80), Stand 1980, versus Suzuki Jimny, Modell 2015, also. Um es vorwegzunehmen: Unsere Vorurteile zum Fazit dieses Vergleichs erfüllten sich nicht! Warum? Weil der LJ 80 nichts von seinem einstigen Fun-Faktor verloren hat und seine überlegenen Kletterkünste wie eh und je ausspielen kann. Vor allem aber, weil auch der aktuelle Jimny bereits ein Veteran ist, ein Oldie, der seit 17 Jahren gebaut wird. Statt „hochbetagter Großvater trifft jungen Enkel“ erlebten wir also gleich zwei überaus vitale automobile Dinosaurier. Mit dem besonderen Reiz, dass der Jimny als 62 kW/84 PS-Benziner zu Preisen ab 15.590 Euro weiterhin beim Suzuki-Händler im Angebot steht. Und außerdem als 3,70 Meter kurzer Offroader eine Alleinstellung am Markt besitzt.

Grund für Eljots Zwergenwuchs waren seine Wurzeln in der steuerbegünstigten japanischen Kei-Car-Klasse

Grund für Eljots Zwergenwuchs waren seine Wurzeln in der steuerbegünstigten japanischen Kei-Car-Klasse

Eine Einzigartigkeit, die übrigens bereits den winzige 3,20 Meter messenden Eljot von 1980 auszeichnete, der mit seinem Namen nicht zufällig an Walt Disneys damals populären Film-Drachen „Elliot, das Schmunzelmonster“ erinnerte. Grund für Eljots Zwergenwuchs waren seine Wurzeln in der steuerbegünstigten japanischen Kei-Car-Klasse. Was das Platzangebot betrifft, präsentiert sich der einen halben Meter längere Jimny im Vergleich zum Vorfahren fast als Raumriese, mit zwei vollwertigen Sitzplätzen auch hinten und Gepäckabteil von bis zu 816 Litern. Natürlich können das neue SUV à la Jeep Renegade alles noch viel besser – dafür fehlt es ihnen an den gemsengleichen Klettertalenten des Japan-Duos mit robusten Leiterrahmen-Konstruktionen.

Der Jimny sieht weicher und runder aus

Der Jimny sieht weicher und runder aus

Und genau das ist die Kernkompetenz der Suzuki. Bevor wir die Motoren starten, noch ein Wort zur Karosserie: Der Eljot machte nicht nur 4×4-Fahrzeuge für alle erschwinglich, er stand auch für die Wiederentdeckung des Frischluft-Fahrvergnügens. Mit zwar umständlich zu bedienender, dafür billiger Plane revitalisierte der Suzuki die zwischenzeitlich ausgestorbene Zunft kleiner Sonnenanbeter. Auch den Jimny gab es vorübergehend als Cabrio, aber das ist Geschichte.

Los geht’s – bei Eljot wie Jimny über angetriebene Hinterräder. Einmal auf flotte Fahrt gebracht, beim 29 kW/40 PS „starken“ Eljot ein Vorgang, der sich im Zeitlupentempo vollzieht, legen sich die Geländegänger grundsätzlich in atemberaubenden Schräglagen in alle Kurven. Vorausschauendes Navigieren ist also angesagt, zumal auch die gefühllose, klassische Kugelumlauflenkung klar macht: Hier sind automobile Urgesteine unterwegs. Immerhin gibt es im Jimny eine Servounterstützung, nützlich nicht nur auf städtischem Terrain, wo sich der kurze und übersichtliche Kasten bequem in auch in kleine Lücken zirkeln lässt. Nach kurzer Gewöhnung machen die Gelände-Dinosaurier durchaus auch auf Landstraßen Freude – wobei die soundgewaltige Fahrgeräuschkulisse in den kaum gedämmten Karosserien ebenfalls zu mäßigem Tempo animiert.

Der Innenraum ist eher karg

Der Innenraum ist eher karg

Wirklich autobahntauglich ist übrigens nur der Jimny, der sogar bei Richtgeschwindigkeit 130 mitschwimmt, während der Eljot an Steigungen manchmal sogar Lkw ausbremst. Stichwort Bremsen: Hier ist der 35 Jahre alte Urtyp mit Tommelbremsen rundum komplett von gestern. Beim aktuellen Jimny gibt es ABS und immerhin vorne Scheiben.

Gleich ob über matschige Wiesen und moddrige Waldwege oder durch das Dickicht des Unterholzes, mit zugeschaltetem Allrad und aktivierter Gelände-Untersetzung kämpfen sich Eljot und Jimny auch dort noch durch, wo ein ausgewachsener Jeep bereits hängenbleibt. Davon kündet beim Eljot bereits der Typencode LJ, der „Light Jeep“ bedeutet. Eljot und Jimny sind meist erst dort am Ende, wo ihre Fahrer der Mut verlässt. Andererseits: So wie bei den Dinosauriern Land Rover Defender und Lada Niva kaufen den Jimny heute vor allem Förster, Freizeitjäger und Offroadfreaks, die Grenzen ausloten wollen oder müssen. Das war 1980 anders, da machte der Eljot auch als schrilles Lifestylegefährt auf Düsseldorfer Kö oder Berliner Kudamm eine gute Figur. Wer dagegen einen Jimny will, freut sich vor allem darüber, dass der unverwüstliche Suzuki überhaupt noch neu zu ordern ist.

Besonders wohnlich geht es auch im Jimny nicht zu

Besonders wohnlich geht es auch im Jimny nicht zu

Unverwüstlich war der Eljot vor 35 Jahren übrigens keineswegs. Nicht nur, dass er bereits nach zwei Jahren vom geringfügig größeren SJ 410 abgelöst wurde, es mangelte dem „Suzi“ auch an Korrosionsresistenz. Da nützte es dem Eljot auch wenig, dass er in Deutschland sofort zum Marktführer im Allradsegment aufstieg. Trotz der damit verbundenen Stückzahlen ist der Nippon-4×4 heute gesuchter und rarer als ein Rolls-Royce jener Jahre. Längst erzielen gut erhaltene LJ 80 das Doppelte des ehemaligen Neupreises. Auch der Jimny könnte bald als Klassiker zu Kultpreisen gehandelt werden – die Schatten seiner Produktionseinstellung stehen schon an der Wand.

Autor: Wolfram Nickel/SP-X

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