40 Jahre GTI, im Clubsport nach Paris

40 Jahre GTI, im Clubsport nach Paris

Natürlich wäre der Flug schneller gewesen. Selbst die Fahrt mit dem Zug. Und sowieso hatte jeder abgeraten. Mit dem Auto zum Automobil-Salon nach Paris? In die Stadt der Liebe. Immer, aber doch bitte nicht mit dem Auto. Aber das hier ist weder ein Zug- noch ein Flug-Blog, das hier ist ein Autoblog, mein-auto-blog und wenn Habby „on tour“ geht, dann am liebsten mit vier Rädern.

Fahrbericht: Volkswagen Golf GTI Clubsport

Verliebt bis Paris

Der Flug war gebucht. Die Abfahrt in Richtung Flughafen ein wenig früher als notwendig, es sollte ja zuvor noch eine launige Runde im 265 PS starken GTI Clubsport durch den Spessart geben. War ja erst Tag zwei des Testzeitraums und der Tacho bis dahin kaum durch mich in Bewegung gebracht. Koffer einladen, den Hintern in die leicht kneifenden Sportsitze von Recaro gepresst, das Lenkrad eingestellt, den Sitz runtergestapelt und los. Sonores brummen begleitet die Abfahrt. Völlig unaufdringlich. So gar nicht wild. Gehört der Clubsport-Golf doch zum schärfsten was Volkswagen derzeit zu bieten hat. Für Sportfahrer die richtige Wahl. Im Gegensatz zum Golf R mit Frontantrieb unterwegs. Aber wer braucht schon Allrad, wenn er eine Sperre hat? Der Clubsport GTI feiert die 40 Jahre Golf GTI mit Anstand. Und natürlich in rot. Am besten in rot! Dann stechen die schwarzen Flics und der große Kühlluft-Schnabel an der Front so richtig heraus. Rot, die Farbe der Liebe. Karo die Muster auf den Recaro. Das Golfball-Gefühl am Schalthebel. Rot und handgerissen, 40 Jahre GTI feiert man genau so. Und dann sind 265 PS eine Ansage.

Sicher, ein Honda Civic Type R, ein Cupra RS 290, ein Ford Focus RS, ein A45, sie alle bieten mehr. Mehr Leistung, teilweise mehr angetriebene Achsen und manchmal auch mehr pre-pupertäres Gehabe. Das geht dem Clubsport Golf GTI trotz schwungvollen Heckflügels und martialischer Optik zum Glück völlig ab. Er fährt wie ein Golf. Und das ist erst einmal kein Handicap. Souverän brummend. Unwild.

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Hintern-Wohlfühlgebiet

101 Kilometer von der Haustür bis zum Flughafen Parkhaus P4. 30,2 Kilometer durch den Spessart bis zur Autobahnauffahrt auf die A3.  Die ersten Kilometer aus der Ortschaft sind bereits eine Wohltat. 40 Jahre GTI bedeutet eben auch, der GTI ist aus dem Gröbsten heraus. Er malträtiert dich nicht mit unnötiger Härte, er strapaziert deine Ohren nicht mit haltlosen Getöse. Er ist „der Kompakte“, das Auto. Wenn gleich man auch in der Zeit, bis der Bordcomputer (was ein aufgebohrtes Teil) die 75° Öl-Temperatur vermeldet, die Drehzahl nicht über 3.000 schwingt, der EA888 kann bereits andeuten zu was er bereit ist. Da kommt noch was. Theoretisch sind die 265 PS für 5.5 Sekunden auf Tempo 100 gut. Praktisch vermasselt einem die unsensible Kupplung alles. Man wünscht sich ja immer wieder einen Handschalter, so als Sportfahrer. Aber Kupplung und Schaltwege im Clubsport sind dann eher Omas-Zweitwagen, denn 40 Jahre GTI-Reifung. Was man aber verknusen kann. Denn der sämige Druck des 2-Liter Turbos ist etwas für Schaltfaule.

Nach 20 Kilometern ist klar: Selbst mein dicker Hintern lässt sich im Schraubstock der Recaros verpflanzen ohne sich gleich die Nervenbahnen der unteren Genitalien abzuquetschen. Die Fahrt zum Flughafen? Keine anständige Distanz. Paris? 648 km bis zum Event-Hotel? Das hört sich gleich viel besser an.

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Autobahn-Freibrenner

Als 1976 der erste Golf GTI mit 110 PS losgelassen wurde, brannte dieser die linke Spur der Republik mit Nachdruck frei. Sicher, damals war der leichte GTI schon eher der Landstraßen-King, aber wenn es mal schnell gehen sollte, dann waren eben die 183 km/h V-max eine Ansage. 40 Jahre später rennt der Clubsport GTI mit seinen 265 PS locker 250 km/h. Das Ergebnis an sich ist ähnlich. Es geht mächtig voran. Auch im sechsten Gang. Dem 350 Nm starken Zwoliter wurde eine überzeugende Elastizität anerzogen, mögen andere auch mehr Power haben – was die Fahrbarkeit angeht, treffen hier die besseren Argumente auf die leidenschaftliche Historie des GTI. Ein souveräner Lauf geradeaus, trotz Quersperre auf der Vorderachse. Lies sich der Clubsport im Spessart zackig ums Eck werfen, spielt er auf der Autobahn den Saubermann. Unbeirrt in Richtung Westen.

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Rasbar

Man muss nicht rasen. Aber man kann es ganz vorzüglich. Die Dämpfung ist adaptiv einzustellen. Wer da keine Abstimmung für die lange Strecke findet, der will es nicht. Der Comfort-Modus macht den Clubsport nicht zur Sänfte. Trocken schlagen grobe Verwerfungen durch. Selbst die 18-Zoll Bereifung hilft da nicht viel. Auch wenn mein Testwagen auf die Clubsport-Reifen verzichten musste, die Bridgestone S-001 sind keine Komfortspezies und eben eher sportlich steif, denn herzlich. Dafür funktioniert das Gripniveau der Reifen zusammen mit der Abstimmung des ABS viel besser, als man es von den Clubsport-Reifen in den Fachmedien lesen konnte. Ab der Grenze Deutschland-Frankreich ist das eh alles egal.

Dann zeigt sich der Clubsport von seiner Golf-Seite. Das ist der Kompaktwagen mit den mehr als ein dutzend Gesichtern. Auch nach 300 Kilometern pumpt noch Blut durch die Beine, der Rücken fühlt sich gut unterstützt und bei Tempomat 135 km/h vergisst man das Flügelwerk und die Ladedruckaffine Zielgruppe. Es reist sich dank Tempomat, adaptiv natürlich und Spurhalte-Assistent, mehr als souverän.

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Clubsport-Level Paris

Einige Hörbach-Kapitel (im Auto, immer mit Hörbuch!) später sinken die Kilometer-Angaben auf der A4 gen Null. Nach der endlosen Weite der französischen Autobahnen verschlingt dich Paris. Und mit ihr der Verkehr. Umstellen im eigenen Fahrprofil ist angesagt. Erste Startreihe am Kreisel, zweite und dritte Spur aufmachen. Der Golf GTI Clubsport riecht das Asphaltband der Peripherique und will dich eigentlich verleiten einen neuen Geschwindigkeitsrekord zu manifestieren. Es zählt das System des „vorausschauenden“ Fahrens. Du schaust nach vorne und wer die Lücke zuerst erreicht, dem gehört sie. Eigentlich sehr einfach und völlig unkompliziert. Natürlich hast du Angst um die Felgen. Den feinen Frontsplitter. Aber Zuversicht ist dein Anker.

Wer dir auch immer erzählen will: Fliege nach Paris, oder nimm wenigstens den Zug. Lächle ihn an, er hat keine Ahnung. Nicht von Paris und nicht vom Golf GTI Clubsport!

40 Jahre Golf GTI und kein bißchen älter? Doch. Man spürt die enorme Reife. Dennoch ist der Golf GTI Clubsport endlich wieder ein „echter GTI“. Und damit gebührt ihm die Ehre der „Grand Tour“. Probier es doch selbst mal aus.

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VW Golf GTI Clubsport
Grundpreis 34.925 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4268 x 1790 x 1452 mm
KofferraumvolumenVDA 380 bis 1270 L
Hubraum / Motor 1984 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 195 kW / 265 PS (350 Nm)
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h 5,5 s
Verbrauch, realistisch 9,0 L/100 km

Golf GTI Clubsport – Galerie

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