Erster Test: Volkswagen Passat GTE

Erster Test: Volkswagen Passat GTE

Update: Die Bundesregierung hat nun die Förderung der E-Mobilität beschlossen. Wir aktualisieren daher noch einmal die E-Auto Artikel, Tests und Fahrberichte. Dieser Original-Artikel stammt vom 23. Juli 2015 

 

Amsterdam – Erster Test

Am Plug-In Hybrid geht in den nächsten Jahren nichts vorbei. Sei es, weil ein Plug-In Hybrid genau in das eigene Nutzungsprofil passt oder nur, weil der Hersteller jeweils ein Modell zum „Schönrechnen“ des Flottenverbrauchs benötigt. Plug-In Hybride sind die Brücken-Technologie, mit der wir unsere individuelle Mobilität in die Zukunft retten. Egal, was an der Zapfsäule für absurde Benzinpreise aufgerufen werden.

Wind of Change

Fahrbericht: VW Passat GTE

Fahrbericht Volkswagen Passat GTE 70 habby amsterdam

Der Technokrat kann es!

Ein verspieltes Design kann man dem VW Passat nicht vorwerfen. Aus Wolfsburg stammt die klare Kante, die völlige Konzentration auf die Sachlichkeit. Der aktuelle Passat (B8), im vergangenen Jahr vorgestellt, wirkt nüchtern und seriös wie ein Oberfinanz-Beamter. In diesem Fall schimmert nur die „blaue“ Kante am Kühlergrill ein wenig ungewohnt und auch die klammerförmigen LED-Tagfahrlichter verraten die Andersartigkeit.

Die Kraft der zwei Herzen. Im Passat GTE kombiniert Volkswagen auf Basis des MQB-Baukastens einen Turbo-Benziner mit einem Elektromotor. Die 115 PS starke E-Maschine wurde zwischen Benziner und Doppelkupplungsgetriebe platziert. In Verbindung mit dem 8.7 kWh Lithium-Ionen-Batteriepack soll die Limousine nun für bis zu 50 km rein elektrisch unterwegs sein.

Die Systemleistung des 1.4 Liter Turbo-Benziners und des 85 kW Elektromotors gibt Volkswagen mit 218 PS an, die kombinierte Kraft beider Antriebe soll mit 400 Nm für mehr als souveränen Vortrieb sorgen. Schaut man sich die Papierwerte an, dann sind 7.4 Sekunden bis auf Tempo 100 und 225 km/h Höchstgeschwindigkeit durchaus Werte, mit denen man nicht nur Oberfinanz-Beamte beeindrucken kann.

Richtig verlockend sind die Plug-In Hybride dann beim Blick auf den Kraftstoff-Konsum. Mit einem NEFZ-Wert von 1.7-1.6 Liter Benzin auf 100 km glaubt man an die Seligsprechung. Und vermutlich verwandeln sich Wasserkästen im Kofferraum auch gleich zu Weinkisten.

Nein – eines muss beim Thema Plug-In Hybrid ganz klar sein: „Norm-Verbrauchswerte“ haben in der Realität eine Relevanz wie Kondome im Pfarrhaus. Man braucht beides nicht.

Fahrbericht Volkswagen Passat GTE 12 habby amsterdam

Erster Test des Passat GTE – so fährt er sich:

Um zu erfahren, was der Passat GTE kann und welcher Verbrauch am Ende realistisch möglich ist, hatte Volkswagen nach Amsterdam geladen. Was sinnvoll erscheint. In den Niederlanden werden Elektrofahrzeuge und Hybride massiv gefördert – zudem führen die Niederlande im Strommix die erneuerbaren Energien (Wind, Wasser, Sonne) bereits mit knapp 15%.

Lautlos. Immer wieder gut.

Mit geladenen Akkus steht der Testwagen am Flughafen. Der Druck auf den Knopf erweckt den Passat zum Leben – jedoch ohne Geräusche. Nur die Klimaanlage fängt leise an zu rauschen. 49 km Batterie-Elektrische Reichweite zeigt das Bord-Instrument an. Wahlhebel auf D, die elektrische Parkbremse rückt von alleine aus – und fast lautlos summt sich der Passat GTE in Richtung Ausfahrt.

Im E-Modus nutzt der Passat die Batterie-Leistung, so lange diese zur Verfügung steht. Primär elektrisch zu fahren, ist dann das Ziel. Vom Flughafen aus führt die Route in Richtung Autobahn. Der Passat würde im E-Modus bis Tempo 130 mitspielen, darüberhinaus wäre der Benziner gefragt. Die Autobahnen in den Niederlanden sind jedoch spassfreie Zonen. Tempo 100 bis 120 – mehr ist nicht erlaubt.

ACC und die Burg Passat

Hybrid fahren entspannt. Und Autobahnen rund um Amsterdam und „raus aus der Stadt“ fahren sich sinnvollerweise mit Tempomat und „active cruise control“, dem Abstandsradar. Eingestellt die jeweils erlaubte Geschwindigkeit, rekuperiert der GTE, sobald sein Radar erkennt: Hoppla, der Vorausfahrende ist zu langsam – bitte einbremsen. So wird überflüssige Energie zurückgespeist.

Das gesamte System wirkt – im Spiel mit dem aktiven Spurhalte-Assistenten –  so perfekt, dass man autonom fahrende Fahrzeuge eigentlich binnen Jahresfrist erwartet. Die ersten 30 km blickt man immer mal wieder auf die Batterie-Anzeige im Kombi-Instrument. Alles läuft, es fühlt sich so „richtig“ an. Lautlos stromern. Die Reifen rollen ab, ein wenig säuselt der Wind – aber alles in allem ist es die Ruhe einer Burg, mit der man sich im aktuellen Passat verbandelt fühlt. Außendienstler lieben den Passat. Das Verarbeitungs-Niveau und die „simple“ Bedienstruktur erklären diese Liebe.

Als es nach knapp 40 km von der Autobahn herunter geht, hat der Passat GTE seine Batterien ausgelutscht. Aber – 40 km rein elektrisch. Das ist für die Werks-Angabe von 50 km ein sehr respektabler Wert, zumal die längste Strecke per Tempomat im dreistelligen Bereich gefahren wurde. Jedes km/h weniger verlängert die elektrische Reichweite. Marktbegleiter sind da nicht ganz so überzeugend gewesen!

Das Batteriepaket des GTE kostet den Passat 180 Liter Laderaumvolumen, da man aber zuvor den Klassenstandard definierte, ist der Verlust vertretbar.

Fahrbericht Volkswagen Passat GTE 03 habby amsterdam

Doppel-Herz, für mehr Puls!

0.0 Liter auf 100 km – würde man den Passat GTE nun wieder an der Steckdose parken und aufladen. An der normalen Haushaltssteckdose geschieht dies binnen 4 Stunden 15 Minuten, an einer Typ II-Stecker Wallbox mit 3.6 kW Ladeleistung reichen 2 Stunden 30 Minuten.

Soweit die Theorie. Nachdem der Akku leer gefahren ist, fahren wir die restlichen 20 km im Hybrid-Modus. Nun treibt der 1.4 Liter TSI den großen Passat GTE an. Sobald gebremst wird, rekuperiert das Fahrzeug die Energie, schont damit die Bremsanlage und sammelt Kraft für den nächsten Sprint.

Für die Rückfahrt wird der Passat erneut aufgeladen und jetzt starten wir im GTE-Modus. Das bedeutet: Maximaler Spaß dank maximaler Leistung. Jetzt lebt der Passat auf, sein Mehrgewicht von 170 kg versteckt sich hinter dem freudvollen Antritt der 400 Nm. Im GTE-Modus verschärft er zudem seine variablen Dämpfer (DCC) und auch die Akustik im Innenraum wird auf Dynamik getrimmt. So entsteht ein nachhaltiges Gefühl von Fahrfreude.

Fazit

Grau ist die Theorie

Was man nun wirklich verbraucht? Wir haben 4.0 auf 100 gebraucht, bei 61 gefahrenen Kilometern und zusätzlich 7.6 kWh Strom.

Es kommt auf die Entfernung zur nächsten Steckdose an. Mit einer sinnvollen elektrischen Reichweite von 40 km ist der Passat ein ideales Familien-Auto. Geladen an der Steckdose und im Alltag dann zumeist rein elektrisch unterwegs. Oder wer maximal 40 km pendelt und dann auch während der Arbeitszeit laden darf. Doch auch die Langstrecke muss er nicht fürchten. Der effiziente 1.4 Turbo passt gut zum System des Plug-In Hybrid Passat. Wer sich aus dem Ladebereich entfernt, der sollte den Normverbrauch jedoch nicht ernst nehmen.

Einen Plug-In Hybrid zu kaufen, hat nur dann einen Sinn, wenn man die Chance hat, bei jedem Parken zugleich den Stecker in die Steckdose zu stecken.

Der Passat GTE kostet, besser ausgestattet als seine Brüder, ab 44.250 € und wird ab September ausgeliefert.

 

Motor und Getriebe

+

Volkswagen Passat

GTE

Bauart Vierzylinder  Turbo + Elektromotor
Hubraum 1.395 ccm³
Leistung 166 PS / 5.000 -6.000 U/min (Benziner)85 kW @2.500 U/min (Elektromotor)
Kraft 250Nm / 1.600 – 3.500 U/min (Benziner)400 Nm (Gesamtsystem)
Getriebe 6-Gang Doppelkupplung
Antriebsachse Frontantrieb

Abmessungen und Fahrleistungen

+
Länge, Breite, Höhe 4.757, 1.832, 1.456 mm
Radstand 2.791 mm
Leergewicht 1.735 kg
 Wendekreis  –
Höchstgeschwindigkeit  225 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h  7,4 sec
Normverbrauch 1.7 – 1.6 l/100 km

Kosten

+
Basispreis 44.250 €
Testwagenpreis
Versicherung
KFZ-Steuer  –
Rabatt-Chancen mittel
Wertverlust mittel

KFZ-Versicherungsrechner

 

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6 Kommentare

  1. 2016: Das Jahr der Plug-in-Hybride › Mein Auto Blog
    2. Januar 2016 zu 10:00 Antworten

    […] Volvo XC90, Porsche Cayenne oder dem bereits überarbeiteten Mitsubishi Outlander auch Modelle wie VW Passat oder Mercedes […]

  2. Der Diesel-Skandal: 6 saubere Alternativen › Mein Auto Blog
    3. Oktober 2015 zu 15:00 Antworten

    […] So fährt sich der neue Passat GTE […]

  3. News: Aus Cross wird Alltrack › Mein Auto Blog
    11. September 2015 zu 16:37 Antworten

    […] VW benennt die Offroad-Variante des Caddy um. Statt „Cross“ nutzt die Nutzfahrzeugtochter jetzt die von den Pkw-Kollegen eingeführte Bezeichnung „Alltrack“ für ihr neues Modell. Debüt ist auf der Internationalen Automobilausstellung IAA in Frankfurt (17. bis 27. September). Auch die vierte Generation ist wieder als Pkw und Kastenwagen erhältlich. […]

  4. News: VW Polo „Original“ – Sondermodell zum Vierzigsten › Mein Auto Blog
    7. August 2015 zu 17:49 Antworten

    […] 40. Geburtstag des Polo legt VW nun ein Sondermodell des Kleinwagens auf. Die in Deutschland auf 1.000 Einheiten limitierte […]

  5. Erste Fahrt: VW Passat GTE Plug-In Hybrid › Motoreport
    27. Juli 2015 zu 13:46 Antworten

    […] Das gesamte System wirkt – im Spiel mit dem aktiven Spurhalte-Assistenten –  so perfekt, dass man autonom fahrende Fahrzeuge eigentlich binnen Jahresfrist erwartet. Die ersten 30 km blickt man immer mal wieder auf die Batterie-Anzeige im Kombi-Instrument. Alles läuft, es fühlt sich so „richtig“ an. Lautlos stromern. Die Reifen rollen ab, ein wenig säuselt der Wind – aber alles in allem ist es die Ruhe einer Burg, mit der man sich im aktuellen Passat verbandelt fühlt. Außendienstler lieben den Passat. Das Verarbeitungs-Niveau und die „simple“ Bedienstruktur erklären diese Liebe. – Fahrbericht auf mein-auto-blog.de […]

  6. VW Passat GTE – Mein Lifestyle! › Mein Auto Blog
    27. Juli 2015 zu 06:01 Antworten

    […] nicht aufkommen. Irgendwie ist es halt doch ein „normaler“ Passat. Das kann nun der neue Passat GTE […]