Startschuss für den Volkswagen unter den E-Autos – VW unter Strom

Startschuss für den Volkswagen unter den E-Autos – VW unter Strom

Wie versöhnt man seine aufgeschreckten Kunden? Welchen Kurs steuert ein Riesenschiff, das in rauer See von einem Unwetter ins andere schlingert? Fragen, die seit einem Jahr das neue Vorstandsteam von Volkswagen in Dauersitzungen in Atem halten. Der Diesel-Gau und der Stress mit Behörden, Gerichten und auch dem Millionenheer enttäuschter Kunden setzen vor allem der Stammmarke VW zu. „Unser Ziel ist klar“, sagt Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann. „Wir wollen die begehrteste Volumenmarke der Welt werden“. Der smarte Manager, gerade 55 Jahre alt geworden, vergisst fast seine norddeutsch-vornehme Zurückhaltung, wenn er ankündigt: „In Paris beginnt für VW ein neues Zeitalter“. Noch knapp zwei Wochen sind es bis zur größten europäischen Autoausstellung in der französischen Hauptstadt. Zwei Themen stehen für den Wolfsburger Chefverkäufer für eben jenen Neustart: Der Aufbruch in die Elektromobilität und der große Schritt hin zum Kunden.

Zuerst spricht er von den Produkten, den aktuellen neuen Modellen und denen, die in den nächsten Jahren auf den Markt drängen sollen. In Paris steht die seriennahe Studie eines kompakten Elektroautos im Mittelpunkt. Stackmann will den Namen des Showcars noch nicht preisgeben. Wohl aber, dass der der Neuling etwa Golf-Größe hat und Platz wie ein Passat bieten wird. Und dass die elektrische Reichweite die Angst vor einer schnell leer gesaugten Batterie vergessen lässt. Von gut 400 Kilometern ist die Rede. „Es wird die Geburt einer Ikone der Zukunft“, sagt Stackmann und zieht Vergleiche mit dem legendären Käfer. „Der Volkswagen unter den Elektroautos“. Er soll nicht mehr kosten als ein vergleichbares Dieselmodell.

Der Namenlose sei eine Designstudie, heißt es offiziell. Viel wichtiger aber ist das Innenleben. Als erster VW zeigt er den neuen Baukasten mit dem schwierigen Namen „Modularer Elektrifizierungs-Baukasten“, kurz als MEB bezeichnet. Er soll die Basis für künftige Neuheiten sein, nicht nur für die Mutter-Marke, sondern auch für Audi, Skoda oder Seat. VW hat Erfahrung mit solchen Baukästen. Auf der Plattform „MQB“ rollen bereits viele Modelle wie Golf oder Skoda Octavia. Der „Modulare Quer-Baukasten“ fasst Fahrzeuge mit quer eingebautem Motor zusammen. Beim „MLB“ ist das Triebwerk nach dieser Logik längs ausgerichtet. Er wird vor allem in größeren Autos eingesetzt.

„Mit dem neuen Baukasten sind diverse Modelle mit verschiedenen Maßen denkbar“, erklärt Stackmann und nennt als Beispiel die Kategorien SUV oder Cross-Over. Beispiele werden ebenfalls auf der Autoschau am Porte de Versailles zu sehen sein. Näheres will VW bis zum Vorabend der Messe noch geheim halten. Fest steht nur, dass das erste Modell in etwas mehr als zwei Jahren auf die Straße kommen soll. Damit haben die Wolfsburger allerdings wieder einmal Verspätung. Denn ebenfalls in Paris feiert die Europa-Version des Chevrolet Bolt ihre Premiere. Der bei uns Opel Ampera-e genannte Stromer schafft eine Reichweite von gut 400 Kilometern bereits ab Frühjahr nächsten Jahres. Da muss sich das Update des gegenwärtigen Golf-E hintenanstellen. Er wird in Kürze für 300 Kilometer gut sein.

Da all dies auch dem Kunden nahegebracht werden muss, fällt an der Seine auch der Startschuss für ein Umdenken beim Umgang in Sachen Service. Jürgen Stackmann: „In Zukunft wird der Kunde auch dann weiter betreut, wenn er sein neues Auto abgeholt hat“. Er stellt sich eine Art von „täglichem Update für den VW-Fahrer“ vor, dass eine Fülle von Betreuungsmaßnahmen und Informationen beinhalten soll. Mit häufigem Dialog zwischen den Kunden einerseits und den Hersteller und Händlern soll eine besondere Nähe auf Augenhöhe geschaffen werden. „Wir werden dabei neue Wege hin zum Kunden gehen“, kündigt der Vertriebsvorstand an, „und ihm Angebote über das reine Fahrzeug hinaus machen“. Eine Partnerschaft, die sich nicht nur dann bewähren soll, wenn der Neukauf eines Autos ansteht. (Peter Maahn/SP-X)