Im Fahrbericht: Der Chef – Mercedes-Benz E63 AMG S 4MATIC T-Modell

Nichts geht mehr. Die A5 in beiden Richtungen voll gesperrt. Und es wird wohl eine Zeit lang dauern, die beinahe kunstvoll ineinander verschlungenen Sattelzüge wieder zu trennen.

Aber das macht nichts. Weil der Flieger sowieso nicht starten konnte und der Termin ebenfalls von den Schneemassen überrollt wurde. Vor allem aber, weil nun zum ersten Mal die richtigen Gedanken zum Mercedes-Benz E63 AMG S 4MATIC T-Modell kommen. Ein Auto wie gemacht für diese Verkehrssituation: Stau, endloser Stau. Sanft massiert Dir der Multikontursitz die orthopädisch nicht ganz einwandfreie Einschlafposition auf der Couch wieder aus dem Rücken, die Sitzheizung wärmt die Situation zudem behaglich auf. Das Lenkrad kümmert sich zudem, die Finger zu wärmen, obwohl man weder Schnee noch Eis kratzen musste, denn das hat die Standheizung bereits erledigt, während man noch am Frühstückstisch saß.

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Während die Umwelt von der grimmigen Kälte und dem anhaltenden Schneefall also beinahe verschluckt wird, bekommst Du von all dem nicht viel mit. Der beruhigend bollernde V8 schaukelt die Fuhre sanft im Stand und dazu seufzt aus den feinen Hochtönern die hinreißende Katie Melua. Ihre Gitarre sollte sie aber ein wenig akkurater stimmen, denn dem Bang & Olufsen BeoSound AMG High-End Surround-Soundsystem entgeht kein Detail. (Wen wundert’s bei dieser irren Bezeichnung?) Doch die bequeme Herrlichkeit hat ihren Preis: wild hupend machen die hinter dem AMG Wartenden darauf aufmerksam, dass die Polizei den Standstreifen freigegeben hat und das auch für einen dicken Benz gilt.

Mercedes Benz, E-Klasse, E-Klasse-AMG, Fahrveranstaltung Barcelo

Also den Stummel-Wählhebel in Drive geschoben und los. Überall blinkt, vibriert und piepst es, weil die Assistenzsysteme für Spur-, Abstandshaltung, Verkehrsschilderkennung und Totwinkel-Warnung mit der tumultähnlichen Verkehrssituation ein klein bisschen überfordert sind. Doch ein paar Knopfdrücke später herrscht im S AMG T wieder würdige Ruhe. Und geht voran. Zügig sogar Dank des 4MATIC-Allradantriebs. Kein Eingraben, kein Auskeilen, einfach nur vorwärts. Es kann so einfach sein. An der ersten Abfahrt fährst Du raus, wedelst ein wenig durch die verschneiten Wälder und erinnerst Dich rechtzeitig daran, dass im Kofferraum ja vom Wochenende noch die Schlitten der Kinder liegen. Der Wald lichtet sich und der Parkplatz auf der Anhöhe bietet den idealen Startpunkt für ein bisschen Action auf den zwei gut geschmierten Kufen. Herrlich.

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Großer Komfort. Viel Platz und immer genügend Traktion. Das zeichnet den 585PS-Benz mit der sperrigen Typenbezeichnung aus. Wobei, das zeichnet eigentlich jeden Oberklasse-Allrad-Kombi aus. Warum genau muss es dann die Vollfettstufe aus Affalterbach sein? Weil man eben nicht immer nur im Schnee im Stau steht und die Schlitten im Kofferraum hat. Nein, weil man ab und an auch richtig Feuer gibt. Im Spanien-Urlaub etwa, wenn die beste aller Beifahrerinnen ein wenig die Orientierung verloren hat und sich der mattgraue Kombi plötzlich inmitten einer winzigen, mit engen Kurven gespickten Landstraße wiederfindet. Schnell hast Du die Memorytaste „3“ gedrückt, schon fährt das Lenkrad ganz weit raus, die Sitzlehne stellt sich steiler und der ganze Stuhl rückt ein Stück nach vorne. Den Drehknopf der AMG-Drive-Unit stellst Du auf S+, drückst den AMG-Knopf (was der genau macht, weiß niemand, sieht aber unheimlich gut aus, wenn er so rot vor sich hinleuchtet) und stellst das Fahrwerk von superhart zurück auf hart. Die Bandscheiben danken es, denn eine spanische Landstraße ist nicht ganz so geschmeidig asphaltiert wie eine Privatrennstrecke.

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Und dann ist der Moment gekommen, in dem der AMG S sein volles Potential ausspielt. Laut röhrend legt der Biturbo-V8 ab, schießt Dich ohne jeglichen Schlupf in Tempobereiche, die die mächtigen Bremsen an der Vorderachse nur mit Mühe wieder einzufangen vermögen und wirft sich engagiert in die Biegungen. Wobei, werfen ist das falsche Wort, walzen trifft es eher. Zwar mühen sich die adaptiven Dämpfer nach Kräften den großen Benz auf Kurs zu halten, aber zwei Tonnen tanzen eben eher selten Ballett. Sie ringen vielmehr. Und so sieht man zu, dass man in den Kurven nur soviel Speed verliert, dass es reicht, keinen Schaden an Blech, Flora und Faune anzurichten. Auf der Geraden atmet man die Gegner dann ganz normal wieder ein.

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Es ist ein Fest. Eine Materialschlacht zwar, aber dennoch. Man weiß, dass es irgendwie falsch ist, den E63 so zu bewegen, aber es geht. Und das macht den Reiz aus. Natürlich sind andere schneller, präziser, besser. Aber keiner steht mit Dir so brav im Stau, trägt die ausufernden Möbeleinkäufe nach Hause und sagt Dir, wann Du einen Kaffee brauchst. Das kann nur der AMG. Denn er kann alles. Schließlich ist er der Chef.

 

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