Im Fahrbericht: Škoda Yeti 2.0 TDI 4×4 – Der Pragmatiker unter den SUV

Ein typisches SUV ist der Škoda Yeti nicht; jedenfalls nicht im zeitgenössischen Sinne. Škoda unterlässt den Versuch, auf Krampf eine attraktive, auf Sportlichkeit getrimmte Karosse aufzubocken und als Offroader anzupreisen. Zwar verfügt der Yeti über einen Allrad-Antrieb, zum Geländewagen wird er dadurch aber nicht. So gesehen, ist der Škoda Yeti eigentlich ein UV – ein Utility Vehicle.

Anfangs war ich fast entsetzt. Neugierig und gespannt auf den Yeti erwartete ich seine Ankunft. Ich machte mich frei von etwaigen Vorurteilen und wollte ausgeglichen und nüchtern, sachlich und rational dem Testwagen begegnen. Und dann das: er war weiß. Uni-Weiß mit schwarzen Kunststoff-Seitenleisten und unlackierten Stoßfängern. Denkbar unattraktiv.

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Es half nichts, da musste ich durch. Da ich einen Großteil meiner Zeit ohnehin im Inneren verbringen würde, war dieser Umstand nicht weiter tragisch. Und dennoch versuchte ich, dem Äußeren hier und da etwas abzugewinnen.

Bullig kommt die Front daher. Die Xenon-Scheinwerfer werden jeweils durch die schräg darunter liegenden Nebelscheinwerfer komplettiert und bilden einen Bezug zum Rallye-Sport. Einmal habe ich die Nebler eingeschaltet, danach nie wieder. Dieses unsägliche Straßenlaternen-Gelb macht die Lichtstimmung der Xenon-Brenner zunichte. Dass Škoda das anders kann, zeigt sich am neuen Octavia III, der sich mit seinen Nebelscheinwerfern in blau-weißem Farbton sehr der Xenon-Farbe angenähert hat.

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Ein nettes Detail des Yeti, das sich Superb und Octavia II ebenfalls teilen, ist der Modellname im Scheinwerfer. Eine schöne Idee, die jedoch aufgrund ihres edlen Anstrichs besser zum Superb als zum Yeti passt.

Abgesehen von der Rallye-Front fällt die Karosserie des Škoda Yeti unspektakulär aus. Kastig wirkt das Heck, als sei der Yeti eine hochgelegte Variante des Roomster mit verkürzten Rückleuchten. Ob einem dieses Design nun zusagt oder nicht – unbestritten dürfte sein, dass sich eine solch kubische Ausformung des Gepäckabteils positiv auf die Praktikabilität des Yeti auswirkt.

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In seiner Gesamtheit scheint sein Äußeres zu sagen „Mir doch egal!“. Er schert sich nicht um Design-Schnickschnack. Er ist Pragmatiker – das zeigen nicht zuletzt das schnöde Uni-Weiß, der unlackierte Kunststoff und das eckige Heck. Und dieses über-den-Trends-stehen macht den Yeti unwahrscheinlich charmant.

Im krassen Gegensatz zum Nutzfahrzeug-Charme des Exterieurs steht das Innenleben des Yeti. Klar, praktisch bleibt er auch innen, aber das Raubeinige der äußeren Hülle ist verflogen. Leder-Alcantara-Sitze umfangen meinen Hintern und das lederummantelte Multifunktionslenkrad mit den dezenten Daumenwulsten schmeichelt meinen Händen. Cockpit und Instrumente werfen keine Fragen auf, die Bedienung gelingt beinahe wie im Schlaf.

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Punkten kann der Škoda Yeti obendrein mit vielen praktischen Detaillösungen. So versteckt sich unter der Sonnenblende eine weitere, die ich hinunterklappen kann, wenn die obere Blende zur Seite geschwenkt wurde. Blendungen von schräg vorn lassen sich so effektiver ausschließen. Kleinigkeiten wie der bereits bekannte Tickethalter in der Windschutzscheibe oder das Gummiband in der Türablage, das den Papierkram fixiert, verdeutlichen die pragmatischen Seiten des Škoda, der im Alltag geerdet zu sein scheint.

Praktisch geht es ebenso im Fond zu, besonders die hintere Sitzreihe glänzt durch ihre Variabilität. Die drei Einzelsitze sind verschiebbar, in der Lehnenneigung verstellbar und zudem komplett ausbaubar. Der Mittelsitz kann per Umklappen als Tisch mit weiteren Getränkehaltern fungieren. Ist dieser ausgebaut, können die Außensitze etwas näher zusammenrücken, sodass sich die beiden Fondpassagiere über gewachsene Ellenbogen-Freiheit freuen dürfen. Zudem sind die Lehnen umlegbar sowie die kompletten Sitze hochklappbar. Je nach Bedarf lässt sich so ein Maximal-Volumen von bis zu 1.760 Liter generieren. In einen VW Passat Variant geht in puncto Maximum weniger ins Heck (1.731 Liter) – dieser kann sich jedoch nicht seiner hinteren Sitzreihe entledigen. Dennoch bleibt das gebotene Raumangebot des Škoda Yeti beachtlich; schließlich baut er auf eine Kompaktklasse-Basis.

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Bei aller Alltagstauglichkeit dieses Pragmatikers – was liegt da näher, als einen kräftigen, arbeitswilligen Selbstzünder als Antrieb zu verwenden? Das Konzernregal bietet eine Vielzahl an Aggregaten. Im Testwagen verbaut ist der bekannte 2.0 TDI-Motor, der mit einer Leistung von 125 kW/170 PS souveräne Leistung verspricht.

Und doch, es ist gerade der Motor, der für mich all die schönen Vorzüge des Yeti in Wohlgefallen auflösen lässt. Im Innenraum zeigt sich der Diesel stets präsent – auch bei ausreichend warm gefahrenen Motor macht dieser keinen Hehl aus seiner Arbeitsweise. Die Geräuschdämmung ist nicht optimal, wirkliche Ruhe kehrt nicht ein. Die Laufunruhe des Common-Rail-Diesels sorgt für spürbare Vibrationen am Lenkrad. Besonders unruhig läuft der Diesel, wenn der Yeti im Stadtverkehr niedertourig bewegt wird. Davon betroffen ist etwa die Mittelkonsole, die bereits nach einer Laufleistung von 3.000 Kilometern aufgrund der immer anhaltenden Vibrationen knisternd und knirschend ihrem Unmut Luft macht. Die etwas mittelalterlich anmutende Handy-Halterung gibt ebenfalls brummende Frequenzen von sich.

Auch im bloßen Fahrbetrieb kann mich der 2.0 TDI nicht überzeugen. Motor und Getriebe scheinen in Hassliebe verbunden – das 6-Gang-Schaltgetriebe lässt sich problemlos durch seine sieben Fahrstufen führen, obgleich teils knorpelig. Gerade bei dynamischer Fahrweise wird das Schaltvergnügen getrübt; ein Umstand, der mir leider auch im Octavia III auffiel. Die im Bordcomputer ausgegebene Schaltempfehlung erwies sich dabei als außerordentlich optimistisch. Liegt dem Triebwerk untertouriges Fahren ohnehin schon nicht, gibt die Schaltempfehlung viel zu früh den höchsten Gang vor.

Auf dem Papier können die Leistungsdaten des Škoda Yeti 2.0 TDI beeindrucken. 350 Nm drücken auf den Antriebsstrang, lägen bereits bei 1.750 Umdrehungen an – und verpuffen oberhalb von 2.500 Umdrehungen. Der Standardsprint sei in 8,4 Sekunden vollführt und obenrum stoppe der Vortrieb bei 201 km/h.

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In der Praxis fühlt sich das ein wenig anders an. Subjektiv schiebt der Yeti erst ab 2.000 Umdrehungen richtig vorwärts. Das dann jedoch so plötzlich und unvermittelt, dass ich das Gefühl hatte, in einem Transporter zu sitzen. So unverhofft wie die Leistung einsetzt, so wenig passiert am unteren und oberen Ende der Drehzahlskala – sowohl unterhalb der 2.000er Marke als auch oberhalb von 3.000 Umdrehungen wirkt der Konzern-Diesel lethargisch und zugeschnürt. Das volle Drehzahlband zu nutzen macht so keinen Sinn – etwa auf dem Beschleunigungsstreifen der Autobahn. Fahrspaß möchte da ebenso wenig aufkommen. Die Drehzahl steigt kontinuierlich bis auf 4.200 an, der Motor wird lauter und quält sich – aber von einer druckvollen Leistungsabgabe spüre ich zwischen 3.000–4.200 Umdrehungen nicht viel.

 

Das alles ist sehr schade, denn der Yeti kann die Sympathien auf seiner Seite wissen. Er ist aufgrund seines Nonkonformismus ein charmantes und gleichermaßen praktisches Fahrzeug für nahezu alle Lebenslagen. Clevere Detaillösungen erleichtern das Auto-Fahrerleben, bringen mich gelegentlich zum Schmunzeln ob einer simplen, aber klugen Idee, der Yeti ist variabel und schluckfreudig im Innenraum. Zudem bewältigt der Škoda mithilfe seines Allrad-Antriebs problemlos Passagen durch Sand, Schnee und Dreck jenseits befestigter Fahrbahnen – spätestens seit der Wüstentour durch Namibia sollte das jedem klar sein.

Aber dann kommt der Motor. Dieser verhagelt dem Yeti fast alles. Er ringt der Mittelkonsole ihr leidiges Stöhnen und Ächzen unter steten Vibrationen ab. Zudem geht das Aggregat geräuschvoll zu Werke und überzeugt nicht in der Leistungsabgabe. Immerhin: im Durst hält sich das Diesel-Triebwerk angenehm zurück. Trotz der vielen Stadtfahrten im Stop&Go-Verkehr Berlins und der nicht minder belastenden Autobahnetappen standen nach zwei Wochen 7,4 Liter auf 100 Kilometer auf dem Display. Angesichts der Anforderungen und abgerufenen Leistung ein Wert, der völlig in Ordnung geht. Im Normalbetrieb lässt sich der Yeti durchaus mit einer sechs vor dem Komma bewegen.

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So bleibt mir im Fazit nur zu sagen: Der Škoda Yeti ist ein gutes Auto, das durch seine praktischen Talente zu überzeugen weiß und für all jene in Betracht kommt, die die Vorzüge von SUV und Hochdachkombi im Einklang erleben möchten. Motorseitig würde ich persönlich zu einem Benziner tendieren – Ökonomie hin oder her. Der Yeti 1.8 TSI mit 160 PS weist vergleichbare Fahrleistungen auf, könnte aber womöglich mit einer harmonischeren Leistungsabgabe und höherer Laufruhe überzeugen. Beim anstehenden Facelift wiederum würden womöglich überarbeitete Diesel-Motoren zum Einsatz kommen, die eher überzeugen könnten.

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technische Daten2.0 TDI (125 kW) 4×4
Motor-BauartReihen-4-Zylinder-Dieselmotor | Direkteinspritzung & Turboaufladung
Hubraum1.968 cm³
max. Leistung125 kW / 170 PS bei 4.200 U/min
max. Drehmoment350 Nm bei 1.750–2.500 U/min
AntriebsartAllradantrieb mit Lamellen-Haldexkupplung
Getriebe6-Gang-Schaltgetriebe
Beschleunigung, 0–100 km/h8,4 s
Höchstgeschwindigkeit201 km/h
Leergewicht1.535 kg
max. Zuladung545 kg
Kofferraum-Volumen405–510 l
Verbrauch innerorts/außerorts6,9 l/5,3 l Diesel
Verbrauch gesamt5,9 l Diesel
Testverbrauch7,4 l Diesel
Grundpreis Yeti 2.0 TDI (125 kW) 4×430.890,- €

 

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