Mitsubishi Lancer Sportback im Fahrbericht

Wer Golf sagt, der meint entweder einen Alt-Herrensport, der sich zunehmend auch bei jüngeren Menschen beliebt macht, und bei dem der Spieler die Aufgabe hat, einen kleinen weißen Ball mit möglichst wenigen Schlägen in ein absurd weit entferntes Loch zu putten – oder er redet von einem Auto.

Vom Nachfolger des Wolfburger Krabbeltieres, der  einer ganzen Fahrzeuggattung seinen Namen aufgedrückt hat, einer, der Frontmotor und Frontantrieb zum Standard für jedermann machte und in der Automobilwelt genauso angesehen ist wie Tiger Woods auf dem Golfplatz.

Erfolg ruft Mitbewerber auf den Plan, und so haben vor allem die Japaner die Golf-Klasse schon lange im Focus. Und während sich Opel und Ford immer schwer taten, den Klassenprimus vom Thron zu stoßen, darf man gespannt sein, wie erfolgreich die Japaner mit ihren neuen Versuchen agieren (z.B. Honda, die haben auf der vergangenen IAA den neuen Civic vorgestellt, und  auch den werden wir ausgiebig testen.

Heute steht jedoch zuerst ein anderer Kandidat aus dem Land der aufgehenden Sonne auf dem Programm. Einen, den nur wenige auf  im Hinterkopf haben, wenn sie für unter 25.000€ einen praktischen 5 Türer mit potentem Diesel-Motor suchen.

Mitsubishi Lancer sportback Fahrbericht

Mitsubishi Lancer Sportback 1.8 DI-D+ „Extra“

Mitsubishi Lancer Sportback 1.8 DI-D+ “Extra”

Während man in Wolfsburg den 140PS Diesel Motor in einem ähnlich ausgestatten Golf ab einem Preis von ca 29.500 € bekommt, bietet Mitsubishi das Sondermodell “Extra” mit einer umfangreichen Ausstattung zum Knüllerpreis von 21.480 € an.

Aber das ist dann doch bestimmt so ein abgespecktes Sparbrötchen ohne Sitzheizung, ohne Xenonlicht, ohne Kurvenlicht, ohne Licht- und Regensensor, ohne Tempomat und ganz sicher auch ohne Klimaanlage, geschweige denn CD-Radio.

Weit gefehlt. Alles inklusive.

Das ist umso erstaunlicher, als Mitsubishi in der Golfklasse bereits deutlich mehr Auto liefert als andere. Der Lancer in seiner „Sportback“ getauften Variante bietet dank der Abstammung vom Stufenheckmodell eine für diese Klasse respektable Außenlänge von fast 4,6 Metern und als Ergebnis dessen einen Innenraum, der bequem Platz für 5 bietet. Da der Mitsubishi Lancer Sportback sich die Bodengruppe nicht nur mit dem legendären Evo-Biest, sondern auch mit dem “Bullen” ASX teilt, durchzieht jedoch, für die zweite Reihe sichtbar, ein Kardantunnel den Fußbereich. Derart unterteilt sitzen 4 Erwachsene jedoch noch immer bequem im Lancer. Die Schwiegermutter lässt sich nicht durch die Mitfahrt in zweiter Reihe ärgern. Im Gegenteil.

Mitsubishi Lancer sportback zweite Reihe
Viel Beinfreiheit in der zweiten Reihe

Platz ist also vorhanden, aber wie soll man in der hart umkämpften Golf Klasse die Blicke auf sich lenken?
Der Lancer versucht es mit einer aggressiven Front, die der Sportback ebenso trägt wie sein Bruder mit dem großem Stufenheck. Doch während der Stufenheck Lancer von hinten beinah italienische Eleganz verströmt, kann der Sportback-Lancer die modische Frontlinie nicht bis zum Schluß aufrecht erhalten.

Mitsubishi hat dem Lancer eine große Klappe spendiert – das hilft beim Beladen ebenso wie die praktisch von einer Hand umklappbaren Rücksitzlehnen. Dem Design womöglich gut getan hätte aber eine weniger flache Heckscheibengestaltung und ein wenig mehr Mut für das Rückleuchtendesign. Wäre der Heckabschluss nicht so flach auslaufend,dann müsste auch kein überdimensionaler Heckspoiler über den Köpfen der hinten Mitfahrenden für Aufsehen sorgen. Hier wäre mehr Dachlänge und ein steilerer Abschluss, ganz im Design des Wunderknaben VW Golf, die vermutlich attraktivere Lösung gewesen. Auch ein Zeichen dafür, dass sich nicht alles verbessern lässt – es gibt Formen, die sind bereits perfekt.

Mitsubishi Lancer sportback Fahrbericht Koferraum
Die große Klappe ist praktisch, der Heckabschluss gesamt aber irgendwie langweilig

Perfekt – das ist das Stichwort für den Dieselmotor der im Lancer den zuvor eingesetzten und von VW zugekauften 140PS Diesel abgelöst hat. Mitsubishi hat mit seinem 1.8l großen Vierzylinder Diesel alles richtig gemacht. Davon zeugen 150PS und ein Drehmoment Hochplateau von 300Nm zwischen 2.000 und 3.000 Umdrehungen. Uns hatte dieser Motor bereits im Mitsubishi ASX vollauf begeistern können.

Mitsubishi Lancer sportback Diesel MIVEC
Japanische Motoren Werke? Ein richtig guter Dieselmotor!

Was den Mitsubishi ClearTec Diesel so besonders macht ist seine variable Einlassnockenwelle, mit der die Steuerzeiten angepasst werden können. Eine Technik, die ursprünglich für Hochdrehzahl-Sportmotoren konstruiert wurde und von Mitsubishi für den Diesel weiter entwickelt und nun zum ersten Mal in einem Serien-Dieselmotor eingesetzt wird. In Verbindung mit einer extrem niedrigen Grundverdichtung, einer 2.000 Bar Common-Rail Einspritzanlage und der stufenlos variablen Turbinengeometrie sorgt dieser intelligente Motorenbau für niedrige Emissionen und eine gesteigerte Kraftstoff-Effizienz.

Großer Innenraum, potenter Motor und dabei ganz klein im Preis?
So wird aus der Golf-Klasse eine klassenlose Gesellschaft. Ganz nach dem Vorbild des Wolfsburger Originals.

Nur günstiger.

Mitsubishi Lancer sportback Heckansicht
Vielfahrer, Vielflieger?

Besonders interessant dürfte der der aktuelle Mitsubishi Lancer Sportback DI-D+  auch für Firmenwagenfahrer sein.  Denn gerade bei der pauschalen 1% Besteuerung spielt der Grundpreis des Fahrzeuges eine wichtige Rolle. Der Mitsubishi Lancer entscheidet das Kostenkapitel also ganz klar für sich.

Doch ist er eine Kaufempfehlung?
Noch immer sind japanische Modelle nicht dafür berühmt, mit einer opulenten Materialqualität zu beeindrucken. Auch an der Platzierung von einigen Bedienelementen könnte man arbeiten. Wer vermutet die Sitzheizung hinter der Handbremse? Oder die Bedienung des Bordcomputers über einen Knopf, der anderswo glatt als Starterknopf durchgehen würde?

 Schwamm darüber – oder würden Sie sich darüber beschweren, wo die Schalter für die Sitzheizung sind, wenn man Ihnen diese Sitzheizung geschenkt hat?

Eben.

Uns hat der Fahrtest die Augen geöffnet:

In der Golf-Klasse mit potentem Dieselmotor, viel Platz und umfangreicher Ausstattung die Herzen der Käufer zu gewinnen, scheint für den Mitsubishi Lancer ebenso leicht möglich, wie der nächste Sieg von Tiger Woods bei der PGA-Tour.

 

Dunlop