Sébastien Ogier gewinnt im Volkswagen Polo WRC die Rallye Schweden

Viel Eis, noch mehr Schnee und ganz große Sprünge. Mit dieser kurzen Auflistung lässt sich die Rallye Schweden beschreiben. Fast 1.600 Kilometer durch tief verschneite Winterlandschaften rund um Karlstad drifteten und sprangen am zurückliegenden Wochenende die Piloten der Rallye-Weltmeisterschaft. Von Anfang an an der Spitze Sébastien Ogier und Julien Ingrassia mit dem Polo R WRC. Bereits vor gut drei Wochen bei der Rallye Monte Carlo hatten die Volkswagen-Werkspiloten das Potenzial des Polo mit einem zweiten Platz angedeutet. Doch dass die Franzosen mit dem Wolfsburger Kleinwagen in Schweden schließlich schon beim zweiten WM-Auftritt überlegen zum Sieg fahren konnten, das überraschte schließlich auch die Experten.

Bereits bei der knapp vier Kilometer kurzen Show-Prüfung am Donnerstagabend, wo jeweils zwei Piloten im direkten Vergleich gegeneinander antreten, deuteten die Volkswagen-Piloten an, dass mit ihnen bei dieser Schweden-Rallye zu rechnen sei. Doch angesprochen auf die Ziele, spielte Sébastien Ogier die eigenen Ambitionen am Donnerstagabend noch runter. Er habe das Ziel einen Podestplatz zu erreichen, erklärte der Franzose den wartenden Journalisten. Im Gespräch wies Ogier dann aber daraufhin, dass die Bestzeit in der Qualifikationsprüfung gerade in Schweden ein großer Vorteil sei:

„Hier in Schweden ist es wichtig, seinen Startplatz taktisch klug zu wählen. Als Bester im Qualifying habe ich jetzt freie Wahl, was ein kleiner Vorteil ist.“

Ein Vorteil, weil in Schweden die Straßen oftmals tief verschneit sind. Wer da zu früh in die Wertungsprüfungen starten muss – bei der diesjährigen Ausgabe der Schweden-Rallye waren 22 Prüfungen mit insgesamt 338,91 Kilometern auf Zeit zu absolvieren – der spielt für den Rest des Feldes nur den Schneepflug und verspielt gleichzeitig jede Chance auf ein gutes Ergebnis. Zumal am Freitag gleich absolute Klassiker der Rallye-Weltmeisterschaft auf dem Programm standen.

Besonders die legendäre „Vargåsen“ mit Sprunghügeln, wie dem nach dem früheren Weltmeister Colin McRae benannten „Colin’s Crest“, beschreibt, wie es in Schweden zu geht. Fast 40 Meter segeln die Autos hier durch die Luft. Und als besondere Gemeinheit müssen die Piloten die Sprunghügel zum Teil leicht schräg vom äußeren Rand der Fahrbahn her anfahren, um überhaupt eine Chance zu haben, die folgende Kurve sauber durchfahren zu können.

Ogier wählte seine 17. Startposition offensichtlich mit Bedacht. Denn als am Abend zusammengezählt wurde, hatte der Franzose nicht weniger als fünf von bis dahin insgesamt acht möglichen Bestzeiten herausgefahren. Mit einem Zeitpolster von 31,4 Sekunden lag Ogier damit vor Weltmeister und Monte Carlo-Gewinner Sébastien Loeb (Citroën) in Front. Mit diesem Vorsprung ausgerüstet, konnten Sébastien Ogier und sein Beifahrer Julien Ingrassia gelassen in den Samstag starten.

Doch von einer Reduzierung des Tempos war wenig zu spüren. Auf den Wertungsprüfungen in den Wäldern Mittelschwedens fuhren die Franzosen mit ihrem Polo weitere vier Bestzeiten heraus und schlossen den Tag erneut mit gut einer halben Minute Vorsprung als Führende der Gesamtwertung ab. Dazu trug auch bei, dass die Konkurrenz an diesem Wochenende einfach nicht fehlerfrei durch die typischen „Schweden“-Verhältnisse driften konnte. Immer wieder strandeten Piloten in den Schneewänden.

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Mikko Hirvonen beispielsweise verlor im Citroën DS3 WRC bereits früh satte 24 Minuten nach einem Ausritt. Und auch der neunmaligen Rallye-Weltmeister Sébastien Loeb sollte schließlich nicht frei von Fehlern bleiben.

Doch der Reihe nach

Denn Sébastien Loeb gab sich in Schweden keinesfalls kampflos geschlagen. Bereits am Samstag zeigte der Franzose mit einer Bestzeit in der Schlussprüfung des Tages, dass die Messe für ihn noch nicht gelesen war. Am Finaltag rief Loeb dann zur Schlussoffensive, fuhr zu Beginn des Tages mit drei Bestzeiten in Folge immer dichter an seinen Landsmann heran. Ogier konnte es sich in dieser Phase der Rallye nicht erlauben, das eigene Tempo wesentlich zu reduzieren.

Die Aufholjagd funktionierte, denn Loeb reduzierte den Rückstand auf 20,7 Sekunden, bis Ogier drei Prüfungen vor dem Ende endlich ein Befreiungsschlag gelang. Mit einer Bestzeit in der 20. der insgesamt 22 Prüfungen konnte der Volkswagen-Pilot seinen Vorsprung wieder auf 24,6 Sekunden ausbauen. Loeb musste nun, bei nur noch zwei ausstehenden Prüfungen, volles Risiko gehen, wenn der Rekordweltmeister zum zweiten Mal in Schweden triumphieren wollte.

Doch dann kam die Entscheidung schneller als gedacht. Denn auf der vorletzten Prüfung knallte Loeb, bei einem seiner seltenen Fehler, den Citroën DS3 in eine Schneewand, verlor mehr als 10 Sekunden. Der daraus resultierende Rückstand von 35,4 Sekunden war in nur noch einer Wertungsprüfung – ohne Fehler von Ogier – nicht aufzuholen. Und Ogier dachte gar nicht daran, dem Rekordweltmeister diesen Gefallen zu tun. Im Gegenteil: mit einer Bestzeit auf der letzten Wertungsprüfung sicherte sich Ogier noch drei Bonuspunkte und übernahm so auch die Führung in der Weltmeisterschaftswertung.

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