Akrapovič gibt den Ton an: Besuch beim Titan Klangmeister

Akrapovič gibt den Ton an: Besuch beim Titan Klangmeister

Titan, das ist dieses herrliche weiß-metallisch glänzende, leichte, hochfeste, korrosions- und temperaturresistente Metall. Aus diesem Grund kommt es häufig genau dort zum Einsatz, wo Spritköpfe glänzende Augen bekommen, wie zum Beispiel bei: Auspuffanlagen. Das weiß auch Igor Akrapovič und darum verarbeitet er pro Jahr rund 300 Tonnen von diesem Material. Nur die Flugzeugindustrie benötigt in Europa noch mehr vom chemisches Element mit dem Symbol Ti. Wegen der geringen Konzentration in der Erdkruste ist der Abbau von Titan sehr aufwändig – mit verheerenden Folgen für den Preis: dieser Stoff ist rund 200 mal teurer als Rohstahl. Ein Hinderungsgrund für den Erfolg des slowenischen Abgasanlagenherstellers? Oh nein, ganz im Gegenteil und ein Besuch bei Akrapovič klärt, warum.

Die Aufstieg von Igor Akrapovič zum einflussreichsten Auspuffbauer der Welt beginnt in den 80er-Jahren. Der junge Slowene zog kräftig am Gasgriff seines Motorrades auf den Rennstrecken Jugoslawiens. Doch er hatte stets das Gefühl, dass zu wenig Leistung am Hinterrad anliege und daher machte er sich an die Arbeit, die fehlenden PS zu suchen. Mit Erfolg, denn seine Experimente mit unterschiedlichen Rohrlängen, Durchmessern und Formen zeigten schnell Wirkung. Er spürte mehr Dampf unter der Sitzbank und konnte sich kaum vor den Anfragen seiner Rennkollegen retten, die händeringend auch eine solche Anlage wollten. Als Folge entschloss sich Akrapovič, das Kreis fahren sein zu lassen, begann fleißig Rohrgeflechte zu schweißen und gründete 1990 die Marke „Scorpion“. Keine fünf Jahre später gelang ihm bereits der internationale Durchbruch, als das Kawasaki Werksteam erstmals seine Anlagen erfolgreich in der Superbike WM einsetzte.

Doch der rasche Erfolg brachte auch ein überraschendes Problem mit sich. Die Marke Ford meldet sich mit einem Anwaltsschreiben: der Firmenname „Scorpion“ würde zu stark an das eigene Mittelklassemodell „Scorpio“ erinnern. Die Amerikaner bestanden auf eine Umfirmierung. Um einer juristischen Auseinandersetzung aus dem Weg zu gehen, wurde aus Scorpion kurzerhand Akrapovič und heute erinnert nur noch das Logo des Skorpions an diese Anekdote. An den Scorpio erinnert sich zum Glück niemand mehr.

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Andere Automobilhersteller sahen die Entwicklung des exklusiven Motorradauspuff-Herstellers deutlich wohlwollender. So fragte zum Beispiel Porsche während der Entwicklungsphase zum 997 GT2 bei Akrapovič an, ob man nicht auch eine Auspuffanlage für einen Sportwagen entwickeln könne. Man konnte und somit stand 2007 erstmals ein 911 mit Akrapovič Hauptschalldämpfer und Endrohren auf der IAA. Aus der Zusammenarbeit mit dem Sportwagenbauer erwuchs die Erkenntnis, dass man durchaus in der Lage sei, das Angebot von nachrüstbaren Auspuffanlagen auf den Automobilbereich auszudehnen. Das war im Jahr 2008.

Zeitsprung. Herbst 2014. Giles Thompson, Geschäftsführer von GT Trading und exklusiver Importeur von Akrapovič Pkw-Abgasanlagen in Deutschland, reist mit uns zum Firmensitz nach Ivancna Gorica. “Ich bin jedes Mal aufs Neue beeindruckt, wenn ich hier herkomme. Die Detailversessenheit, mit der man bei Akrapovič entwickelt und produziert, ist einfach faszinierend.“ Ein Beispiel gefällig? Damit Akrapovič Auspuffanlagen auch wirklich millimetergenau unter ein Fahrzeug passen, wird mit Hilfe von optischen 3D Messgeräten an jedem Auto Maß genommen und die Daten per CAD für die Entwicklung der eigenen Abgassysteme genutzt. Ein aufwändiger Prozess, der beim Blick in das von Sachlichkeit geprägte Meßlabor fast vergessen lässt: hier geht es eigentlich um fetten Sound, mehr Power und weniger Gewicht.

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Damit schließt sich auch wieder der Kreis zum eingangs beschriebenen Werkstoff Titan. Denn in der Verarbeitung dieses Metalls sehen die Verantwortlichen von Akrapovič – neben dem markentypischen Sound – ihr Alleinstellungsmerkmal. Über die Jahre hat man sich nämlich bei der Verarbeitung dieses Rohstoffes ein riesiges Know-How angeeignet, wobei der Begriff „verarbeiten“ eigentlich pure Untertreibung ist. Die Schweißnähte, die hier in Handarbeit oder mit Hilfe von Robotern gezogen werden, gehören ganz eindeutig in die Kategorie „welding porn“. Und für Bauteile, die auf Grund ihrer Komplexität weder von Mensch noch Maschine geschweißt werden können, gibt es auch eine Lösung: die im Jahre 2009 in Betrieb genommene eigene Titan Gießerei. Ein hier entwickelter und gegossener Krümmer für den Porsche 997 GT3 RSR ist nicht nur unfassbar leicht, sondern sieht auch wie ein kleines Kunstwerk aus.

Ja, man kann schon ins Schwärmen kommen, wenn man durch die Produktionshallen vorbei an Prüfständen und dem Prototypenbau geführt wird. Interessant ist dabei: Akrapovič sieht sich im Bezug auf das verfügbare Angebot im Automobilsektor erst am Anfang seiner Arbeit und das, obwohl sich die renommierten Automobilhersteller bei Akrapovič bereits die Türklinke in die Hand drücken. Die Zeichen stehen also auf Wachstum und um den selbst gesteckten Zielen gerecht zu werden, muss die Produktion vom Stammsitz ins rund 60 Kilometer entfernte Crnomelj weichen. Man braucht mehr Platz für Forschung, Entwicklung und Prototypenbau, denn für Igor Akrapovič muss einfach alles perfekt sein. Das gilt insbesondere auch für den Sound seiner Abgasanlagen. Als Beweis zündet man für uns an einem Porsche 991 GT3 stolz den Prototypen der zukünftigen Komplettanlage. Was ein Fest für die Sinne! „But sorry, no recording please“.

 

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