Als Honda den Drezahl-Dämon weckte

Als Honda den Drezahl-Dämon weckte

Honda rutscht von Quartal zu Quartal tiefer in die Bedeutungslosigkeit. Dabei müsste das nicht sein. Die Marke müsste nur aus ihrer Geschichte lernen. Ein Ausflug in die höchsten Drehzahlgefilde.

Provokation? Bitte sehr: Honda ist europäischen Autofahrern nicht mehr zwingend ein Begriff. Ihr Marktanteil bleibt EU-weit beharrlich unter der ein-Prozent-Marke. Allein der Civic genießt etwas Bekanntheit. Er ist einerseits das Raumschiff der Mittelklasse, andererseits die Basis für beinahe alle Fahrzeuggattungen (Limousine, Kombi, Type R) der Marke. Allerdings: es hätte auch ganz anders kommen können. Vor rund 50 Jahren begründete die Marke eine Ära des Wahnsinn, der Benzinliebe, der Drehzahlorgien und des Volkssports. An dieser Stelle soll an das Erbe erinnert werden, das niemand antrat.

Wahrscheinlich weil selbst japanischen Managern bei Generatoren vor Langeweile das Gesicht einschläft, baute Honda 1963 sein erstes Auto. Sie nannten es S500, wobei das „S“ für Sport stand. Damit war der Entwicklungs-Kompass eingenordert. Schon ein Jahr Später folgte der S600, der zu einem veritablen Erfolg wurde – 13.000 Stück wurden verkauft. Weil es grad so gut lief, stieg Honda in die Formel eins ein und holte nur ein Jahr später – also 1965 – den ersten Sieg. Vor lauter Selbstvertrauen passte Honda durch kein Garagentor mehr. Mit dem S800 kam auch gleich das zeitloseste Auto auf den Markt, das Honda bis heute entwickelt hat.

Trotz des Prelude wollen wir an dieser Stelle die 1970er Jahre überspringen. Zur Erklärung: der Prelude diente als eine Art Versuchslabor. Neue Techniken – und davon gab es damals reichlich –  wurden erst in diesem Fahrzeug auf die Kundschaft losgelassen. Ein Plan der fünf Generationen lang aufging.

1988 Honda Civic CRX.

1988 Honda Civic CRX.

825 Kilogramm pure Freude – Der CRX

Doch die 80er sind es, in denen Honda zum großen Drehzahl-Halali blies. Wir wagen jetzt mal eine Prognose: das war so gar nicht geplant. Den Anfang machte 1983 der CRX. Der CRX war ursprünglich die Sportvariante des Civic. Hundert PS trafen auf 825 Kilogramm. Kein Zentimeter Blech zu viel – geschrumpft, ohne lächerlich zu sein, sportlich, ohne den Alltag zu vergessen, zugespitzt, aber zeitlos. Das Destillat dessen, was ein Auto ausmachte.

Honda entschied sich damals für einen 12-Ventiler. Die 16V traten zwar gerade ihren Siegeszug an, doch der CRX sollte günstiger sein als ein Golf GTI und die Vorteile eines 16V-Motors waren damals noch nicht dramatisch. Zwei Einlass- und ein Auslassventil reichten völlig. Schließlich besorgte beim Auspufftakt sowieso der Kolben die Arbeit. Die 100 PS des CRX lagen bei 5.750 Touren an.

Es waren nur wenige Hey-Days, die der Dreiventiltechnik blieben. 1985 folgte das erste Facelift und ein 1,6-Liter-Motor mit vier Ventilen pro Zylinder und 125 PS bei 6.500 Umdrehungen ersetzte den Zwölfventiler.

Acura NSX Test at Nurbergring 1990.

Acura NSX Test at Nurbergring 1990.

Die Supernova – Der NSX

Und während die Volkssportler sich noch darüber freuten, rauschte 1990 eine Supernova durch die Entwicklungsabteilung: der NSX. Ein Fahrzeug, das quasi direkt aus der Formel eins Abteilung stammte. Elektrisch unterstützte Zahnstangenservolenkung, Aluminium-Karosserie und –Fahrwerk, ABS und eine Traktionskontrolle die rigoros in Einspritzung und Zündung eingriff. Der Sechszylinder hatte eine variable Ventilsteuerung (vier Ventile pro Zylinder) und offerierte 270 PS bei 7.300 Touren.

Aus heutiger Sicht ist schwer verständlich, warum der NSX eine Sensation war. Das wird erst mit Blick auf die Konkurrenz klar. Der Wagen kostete so viel wie ein Porsche 911 Carrera oder ein Ferrari Mondial T. Das war aber keineswegs ein Nachteil. Denn Honda hatte sich exakt diese Marken als Konkurrenz vorgenommen. Und der NSX war dafür mehr als nur gut genug. Er kam aus einer anderen Zeit.

Um die riesigen Marktlücken zwischen Realität (CRX) und Phantasie (NSX) zu füllen, griff Honda tief in die Schatzkammer und feuerte 1995 die schärfste Machowaffe ab, die sie bis heute gebaut haben. Den Integra Type R. 190 PS lagen bei 7.900 Umdrehungen an. Das Fahrwerk verprügelte erst die Straße, dann den Fahrer. Der Schwerpunkt lag bei 487 Millimeter. Domstreben versuchten die Physik zu bändigen, die Händler gaben ihr bestes die Fahrer zu zügeln. So wurde der Wagen häufig mit einem Rennstreckenkurs verkauft. Kein Wunder. Beim Integra Type R handelte es sich um die Straßenversion eines Gruppe-N Renners. BMW- und Audi-Afficionados hatten plötzlich einen echten Grund in den Rückspiegel zu schauen… und gegebenenfalls Platz zu machen.

Ein Umstand, der auch den Honda-Managern auffiel. Und so gaben sie Shigeru Uehara, der bereits den NSX entwickelt hatte, den Auftrag, das Duell gegen die deutschen Premium-Marken zu eröffnen und möglichst auch zu gewinnen. Das Ergebnis sollte die Krönung des Drehzahlkonzeptes werden. Der S2000.

S2000 2 Door

S2000 2 Door

Die Drehzalorgie – Der S2000

Des Pudels Kern war ein zwei Liter großer Vierzylinder, der bei 8.500 Touren 240 PS frei ließ. Das Aggregat gewann fünf Mal in Folge den „Engine of the year Award (von 2000 bis 2004). Theoretisch hätte dieser Roadster seine profitable Nische finden können. Nein, finden müssen. Doch die Entscheidungsträger wurden übermütig. Der S2000 war teurer als ein BMW Z3 und nur unmerklich günstiger als ein Mercedes SLK. Ein großes „H“ auf der Front verleitet allerdings nicht dazu, unnötige Schecks auszustellen. Ein Stern sehr wohl.

Mit dem S2000 endete 2009 eine Ära der Drehzahlorgien und Kurvenhetzerei. Der Automobilmarkt hat sich davon bis heute nicht erholt. Die Hersteller läuteten den rubenesken Automobilbau ein und wer Geschwindigkeit und Hatz will, der muss in vollfette und überteuerte Profilierungsneurosen einsteigen. Lediglich Toyota und Subaru (GT86/BRZ) und Nissan (370Z) versuchen zu beweisen, dass es sich dabei um kein Naturgesetz handelt.

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2 Kommentare

  1. News: Honda NSX – Supersportler kostet 180.000 Euro › Mein Auto Blog
    7. März 2016 zu 15:06 Antworten

    […] ab Herbst in Europa verfügbare Honda NSX wird ab rund 180.000 Euro verkauft werden. Bestellt werden kann der Hybrid-Supersportler […]

  2. News: Honda Civic-Prototyp – Ausblick auf die Nummer 10 › Mein Auto Blog
    5. März 2016 zu 15:06 Antworten

    […] einem seriennahen Prototyp gibt Honda auf dem Genfer Salon (3. bis 13. März) einen Ausblick auf den neuen Civic. Die Markteinführung […]

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