Getaway: Pretty Woman am Rodeo Drive

Getaway: Pretty Woman am Rodeo Drive

Erinnerst du dich an Pretty Woman? Den Film mit Julia Roberts und Richard Gere? Julia Roberts spielt ein leichtes Mädchen, genauer: die Prostituierte Vivian Ward. Der „schöne“ Richard Gere den reichen Geschäftsmann Edward, der wiederum Gefühle für die Liebes-Expertin entwickelt. Oder so. Auf jeden Fall gibt es diese eine Szene, in der „Pretty Woman“ zum Einkaufen geht. In ihrer ganz eigenen Arbeitskleidung. Sie betritt eine edle Boutique und die beiden Verkäuferinnen lassen Julia Roberts in ihrer Rolle als Vivian überheblich und süffisant auflaufen. Diese Szenen spielten am Rodeo Drive. Der wohl teuersten Einkaufsmeile der USA.

Einmal fühlen wie Pretty Woman

Im Aston Martin Vantage GT Roadster über den Rodeo Drive

Im Nordwesten der Hollywood-Metropole Los Angeles liegt der Rodeo Drive. Gucci, Prada, Versace, Dolce & Gabbana und Armani. Es sind die ganz großen Namen, die dort zu finden sind. Und es sind die „Schönen und Reichen“ Hollywoods, die dort zum Shopping gehen wie du und ich sonst in der Outlet Mall. Schon lange ist der Rodeo Drive aber mehr als nur das Kreditkarten-Armageddon der „Oberen Zehntausend“. Die gut einen Kilometer lange Straße ist auch ein Magnet für Touristen geworden. Für Schaulustige. Für Menschen, die dem „Pretty Woman“ Feeling nachgeben wollen.

Waren es bis vor ein paar Jahren vor allem Hollywood-Stars und Öl-Scheichs, die sich am Rodeo-Drive die Koffer füllten, spricht man heute gerne mal chinesisch an der teuersten Shopping-Meile.

Ich persönlich kaufe meine Unterhosen ja eher bei Ross als bei Armani, doch auch für den geneigten Auto-Blogger bietet der Rodeo Drive einen kurzweiligen Zeitvertreib. Sehen und gesehen werden wurde vermutlich hier erfunden. Unsere Pretty Woman kommt an diesem Tag aus England. Der Aston Martin GT Roadster in einer auffälligen Kontrastlackierung. Alloro Green mit gelben Akzenten. In etwa so unscheinbar wie Vivian Ward bei ihrem ersten Besuch in einer Boutique am Rodeo Drive.

Aston Martin 086 2 Rodeo Drive Hollywood

Aston Martin GT Roadster

Der 4.7 Liter V8 grummelt an der Ampel Ecke Rodeo Drive El Camino Drive ungeduldig vor sich hin. Shopping ist ja gar nicht so seins. Ginge es nach den 430 PS unter der Haube des britischen Beau, dann würden wir jetzt den Mulholland Drive entlang cruisen. Uns mit Mühe an die restriktiven 35 Meilen per Stunde dort halten. Im Schatten einer lang gezogenen Kurve das automatisierte Sieben-Gang Getriebe zwei Gänge herunterschalten lassen, den V8 in seine Hoonigan-Ära drehen lassen. Wenn sich kurz unterhalb von 5.800 Umdrehungen die britische Kultur der Zurückhaltung verabschiedet, es aus den beiden armdicken Endrohren erregend von einer so simplen Sache wie dem Gaswechsel frohlockt, dann erhalten die beiden Insassen ein exklusives Konzert für Freunde edler Verbrennungsmaschinen.

Zielrichtung? Westen. An die Küste. Im Herzen des Aston Martin Vantage GT Roadsters pocht die Sehnsucht nach Sonne. Lebensfreude mixt er dann doch lieber mit Sunblocker-Duft und V8-Brüllen denn mit teuren Park-Tickets.

Aston Martin 078 Rodeo Drive Hollywood

Ein wenig wie Pretty Woman in der Designer-Boutique

Doch zuerst muss die sündige Meile der Edel-Boutiquen abgehandelt werden. Die Payback-Bonuskarte darf getrost zuhause bleiben. Wer hier einkauft, kennt den Stand seiner Kreditkarte nicht. Wozu auch. Limit ist für die Menschen gedacht, die nach dem Einkauf die Cent-Münzen in den Parkscheinautomaten werfen.

Unser Aston Martin Vantage hat die richtigen Gene, um sich zwischen Louis Vuitton und Patek Philippe trittsicher zu bewegen. Ganz ohne sich deswegen um seine Rennwagen-Gene zu bemühen. Ein steifes Rückrat aus Aluminium, eine perfekte Gewichtsbalance dank Transaxle-Getriebe an der Hinterachse? Ein Ölsumpf für den Sportmotor. Hier am Rodeo-Drive so wichtig wie der Schufa-Background-Check bei chinesischen Tech-Milliardären.  An der Vorderachse drehen sich die 380 mm großen Karbon-Scheiben. Gelb eingefärbte Faustsättel langweilen sich zwischen den Ampelstopps. Diese Bremsen warten auf das Ende der Hunaudières-Gerade. Das Sperrdifferential macht sich schwerlich locker, als es in Richtung Malibu geht. Langeweile für die Hardcore-Technik des Briten.

Sicher. Du fährst am Rode-Drive mit dem Engländer vor, als wäre es dein gänzlich natürliches Habitat. Sehen und gesehen werden. Unser aufrichtig ernsthaft von der Leidenschaft gezeichneter Roadster mit seinen gelben Zierfarben schüttelt sich dennoch. Leicht unwohl ist ihm in seiner Rolle – ähnlich Vivian bei ihrem ersten Besuch in der Mode-Boutique am Rodeo-Drive.

Aston Martin 114 Rodeo Drive Hollywood

Nur im Aston Martin lässt dich niemand auflaufen

Doch die Show gehört zu den Amerikanern. Und wenn man die Last zwischen Rolle und Persönlichkeit irgendwo perfekt versteht, dann ist das eben in Hollywood. Hier erkennen sie den Schauspieler. Sie erkennen aber auch das Talent. Daher nickt man dem Aston Martin freundlich zu. Man erkennt die spezielle Persönlichkeit. Man akzeptiert seine Rolle als Rennpferd im Pony-Laufstall. Und Neid ist an der Westküste auch ein unbedeutendes Wort aus vier Buchstaben. Egal, wie man sich den eigenen Aston Martin verdient hat, man hat ihn sich verdient und dafür gibt es die Daumen hoch. Egal wo. Dem Vantage bleibt, trotz seiner Kontrastfarben-Schminke das Schicksal von Pretty Woman erspart und am Ende einer kurzen Schnupperrunde entlang des Rodeo Drive habe ich ihn an die US-1 geführt. Diese wunderbare Straße entlang der Brandung des Pazifiks. Der Geruch von Salz, der Wind in den Haaren, das Kreischen der Möwen.

Egal, wie edel dieser Rodeo Drive ist, war, wird, das Glücksgefühl einer Ausfahrt im offenen Roadster von der Insel, dessen Motor im übrigen aus Köln kommt, wird man mir damit nicht schenken können. Dann doch lieber den authentischen Sound des Achtenders, die kompromisslose Klarheit seiner Lenkung und das automatisierte Schaltgetriebe von Hand befeuert zwischen Gang drei und sechs … das absurde Tempolimit natürlich immer im Augenwinkel!

Aston Martin 021 2 Rodeo Drive Hollywood

 

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2 Kommentare

  1. Aston Martin Vantage GT Roadster Fahrbericht – Lea Abts WordPress Blog
    5. Februar 2016 zu 17:03 Antworten

    […] Bjoern Habegger hat nicht nur den Testwagen besorgt, sondern auch einige der Fotos hier beigesteuert. Hier ist sein kurzes Fazit zum Aston Martin Vantage GT Roadster, den kompletten Bericht von Bjoern lest ihr im mein-auto-blog.de: […]

  2. What happens in Vegas, stays in Vegas › Mein Auto Blog
    31. Januar 2016 zu 08:21 Antworten

    […] Los Angeles haben wir die schwarze G-Klasse dann sicherheitshalber gegen einen Aston Martin getauscht. Und ganz ehrlich: Es wäre ja peinlich, an der Ampel in West Hollywood das gleiche Auto zu fahren, […]