Auf der Zielgeraden eingeparkt: Der neue smart!

Auf der Zielgeraden eingeparkt: Der neue smart!

Da hoppelt nichts. Dabei hat der Projektleiter für diese erste Ausfahrt mit dem neuen smart eine Strecke gewählt, die man mit dem Vorgänger vermutlich lieber gemieden hätte. Ich darf den smart nicht selbst fahren, das übernimmt Projektleiter Riedel selbst – aber bereits hier, auf dem Beifahrersitz ist klar, der neue smart macht einen enormen Sprung. Und dieses Mal liegt es nicht daran, dass der smart bereits bei der Überfahrt von Gullydeckeln das hoppeln anfängt.

Der smart – einparken auf der Zielgeraden

Auch wenn der neue smart in die Breite gegangen ist, er ist noch immer der König der Parkplätze. Das steht nach nur zweimal einparken fest. Kein anderer Kleinstwagen bietet diese Rundumsicht und diesen Wendekreis. Einmal wenden? Ohne Handbremse und wilde Manöver reichen hierfür 6.90 Meter. Auf normalen Straßen wendet man somit ohne zu rangieren. Vorwärts, rückwärts, seitwärts? Während man die schöne Idee der ersten Generation, dieses längs in Quer-Parklücken parken, nie Verkehrstechnisch auf die Norm gebracht hat, fällt mit dem Breitenwachstum des neuen smart (intern 453 genannt) diese Option nun endgültig flach. Dafür haben sich die smart-Entwickler ein anderes Ziel vorgenommen: Den kleinsten Wendekreis seiner Klasse (aller Fahrzeugklassen)  zu realisieren. Ziel erreicht.

neue smart 201520  453

Parken für Spätbremser

Wer kennt diese Situation nicht? Man fährt an einer Reihe quer zur Fahrtrichtung parkenden Autos vorbei, auf der Suche nach einer freien Parklücke. Die passende Lücke wird zu spät erkannt und eigentlich müsste man nun 2 Meter zurücksetzen um neu ausholen zu können, um dann die Schnauze vorsichtig in die Parklücke zu rangieren. Doch hinter dem eigenen Auto steht bereits der nachfolgende Verkehr. Kein Platz. Lässt man den Parkplatz aus? Sucht sich den nächsten Parkplatz? Winkt man dem Hintermann und zeigt ihm an, was man vor hat?
Smart-Fahrer können sich das sparen. Einlenken, ganz einlenken und rein in die Lücke. Die kurzen Überhänge und der genial kleine Wendekreis lassen Park-Manöver zu Spaß-Events werden. Die Lenkung des smart wird es wie beim Vorgänger mit und ohne Servo-Unterstützung geben.

2 Meter 70 lang und etwa 1.60 Meter breit und mit mehr Radstand als bisher. Der neue smart wächst sehr überschaubar. Unter der Knubbel-Haube steckt jedoch noch immer kein Motor. Das ist die zweite gute Nachricht. Der smart bleibt ein smart. Auch wenn er sich die Plattform nun mit dem neuen Renault Twingo teilt. Der französische Partner profitiert von der Zusammenarbeit und übernimmt die Idee des smarten Stadtmobils. Der Motor hinten lässt die Überhänge schmelzen und der Heckantrieb lässt an der Vorderachse mehr Spielraum um dort die Lenkwinkel zu vergrößern. Nur so lässt sich der Wendekreis von 6.90 Meter überhaupt realisieren.

smart teilt sich die Entwicklung und das Ergebnis mit Renault. Und die Franzosen haben den Schleier über deren „smarten-Entwicklung“ bereits gelüftet. In Genf war es soweit, der neue Twingo wurde dem Publikum präsentiert. Während man bei Renault jedoch nur die xl-Version anbietet, haben sich die Entwickler aus dem Elsass auf zwei neue smart-Modelle gestürzt. Den klassischen smart mit zwei Sitzen, reduced to the max und den neuen smart 44 für wenigstens vier Insassen. Und während man beim Vorgänger auch bequem saß, aber aufgrund der schmalen Bauform leicht versetzt, sitzen im neuen smart die Passagiere nun auf gleicher Höhe, dank der gestiegenen Breite, bequem und mit genug Platz nebeneinander.

Ausgenickt

Er hoppelt nicht mehr und er nickt nicht mehr. Generationen von smart-Beifahrern haben sich die Nackenmuskulatur beim smart fahren gestärkt. Das automatisierte Schaltgetriebe war, neben dem schnell zu rabiaten Reaktionen neigenden Fahrwerk, immer der Hauptkritikpunkt. Auch das ist nun Geschichte. Der neue smart läutet eine gänzliche neue Ära ein. Schuld daran, zum Teil auch die Franzosen. Den neuen smart wird man per Hand schalten können. Hier beim einparken auf dem Werksgelände steht ein solcher von Hand geschalteter smart bereit. 5 Gänge müssen ausreichen. Obwohl das Fahrzeug noch nicht der endgültigen Serie entspricht, lässt er sich gefühlvoll und knackig schalten. Die Kupplung ist ideal für das Stadtauto eingestellt. Da rupft nix, da rüttelt nix. Der neue smart spielt beim Antrieb in einer neuen Liga. Jetzt nicken die Beifahrer nur noch, wenn es der Fahrer will. Ordert man den smart jedoch mit dem neuen Doppelkupplungsgetriebe, dann gehört auch dies der Vergangenheit an. Zusammen mit dem neuen Dreizylinder-Turbo wird der smart zu einem knuffigen Sprinter. Auch bei Tempo 80 drückt der neue Turbo-Benziner voran. Das Doppelkupplungsgetriebe kommt zudem mit sechs Gängen aus. Die Motoren werden von Renault kommen, so wie auch das manuelle Fünfgang-Getriebe. Beim Doppelkupplungsgetriebe vertraut man indes auf die Spezialisten von Getrag. Der Dreizylinder-Sauger wird mit rund 65 PS auskommen, den Turbo dürfte es mit 85 PS und 105 PS geben.

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Erwachsen geworden

Nicht nur das One-Box Design gehört der Vergangenheit an. Der neue smart bekam neben dem knuffigen Knubbelvorbau auch das Geräuschniveau einer neuen Klasse verpasst. Und die Sicherheitstechniken seiner großen Brüder aus dem Daimler-Konzern. Radarsensor an der Front? Vorhanden! Eine Kamera im Fuß des Innenspiegels? Vorhanden! Noch wollten sich die Verantwortlichen bei smart nicht über den gesamten Umfang auslassen, es dürfte aber klar sein, der neue smart wird mit den wichtigsten Assistenzsystemen lieferbar sein. Vermutlich jedoch nur gegen Aufpreis. Was man bei smart jedoch auch gegen Aufpreis erst einmal nicht liefern wird, ist moderne Lichttechnik an der Front. Umso erstaunlicher als der Vorgänger bereits mit H7-Scheinwerfern durch die Stadt fuhr. Der neue soll in der Stadt auch mit H4-Leuchtmittel zurecht kommen. Ich persönlich kann diese Entscheidung nicht verstehen. Erste Testfahrten mit dem neuen smart würde ich gerne in der Nacht unternehmen.

Das Cockpit erinnert im groben und ganzen an den Vorgänger, nur das LCD-Display unter dem Tachometer-Halbrund wurde mächtig aufgebohrt. Brilliant und sauber lassen sich hier die typischen Bordcomputer-Daten einblenden. Und auch beim restlichen Entertainment will man einen großen Schritt gemacht haben. Davon überzeugen konnte ich mich an diesem verregneten Morgen in Böblingen noch nicht – überzeugen konnte mich jedoch die neue Qualität des Fahrwerks im “neuen smart”.

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Einparken auf der Zielgeraden

Jetzt bleibt nur abzuwarten wie der Parklücken-Hero aussieht, sobald die Tarnfolie einer ordentlichen Lackfarbe weicht und der Innenraum ohne Sichtschutzmatten präsentiert wird. Das der neue smart nicht mehr hoppelt, hab ich bereits erleben dürfen

 

Update: Und das haben die Kollegen über den neuen smart 453 geschrieben: Mercedes-Benz Passion Blog und Jens Stratmann von rad-ab.com.

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