Diesel oder Hybrid? Gretchenfrage beim Mercedes GLE

Diesel oder Hybrid? Gretchenfrage beim Mercedes GLE

Vernunft vs. Vernuft

Der eine kostet 56.703,50 € und bietet 204 PS, der andere kostet 73.899,00 € und bietet eine theoretische Systemleistung von 333 PS und 116 PS. Rechnet man sich das Preis-Leistungsverhältnis in „bang for the bucks“ um, dann ist die Sache klar! 277 € je PS für den GLE 250d 4matic und 167 € je PS für den GLE 500e. Und dann verbraucht der Plug-In Hybrid GLE doch auch nur noch 3.3 Liter auf 100 Kilometer, gegenüber den 5.7 Litern im kleinen Diesel. Wer da wirklich sparen will und der Umwelt etwas Gutes tun will, der greift zum Plug-In Hybrid. Oder?

Sparen oder vernünftig sein?

Plug-In Hybrid vs. Diesel im Mercedes-Benz GLE

500e vs 250d

Wenn sparen so richtig schwer wird! 

Natürlich wollen wir alle clever sein. Selbst bei einem Luxusmobil wie dem GLE, der Facelift-Version der Mercedes M-Klasse. Mit dem jüngsten Update, dem Namenswechsel und einem größeren Update für Innenraum und mögliche Ausstattungsdetails hat Mercedes-Benz auch einen Plug-In Hybriden in das Motorenangebot aufgenommen.

Mit seiner theoretischen Reichweite von 30 km per Batterieladung kommt er in den Genuss einer vorbildlichen NEFZ-Bilanz. (Fahrbericht GLE 500e, hier) Mit nur 78 g CO2 auf den Kilometer und einem Normverbrauch von 3.3 Litern je 100 km kann man doch nichts mehr falsch machen, oder? Da wird SUV fahren zum Öko-Trip und der Nachbar mit seinem Prius zur Umweltsau. Und Diesel? Nun, Diesel fahren doch nur Fernfahrer. Der Plug-In Hybrid GLE muss nicht schwächeln, ein potenter 333 PS Turbo-V6 (Benziner!) wartet unter der Motorhaube auf seinen Einsatz. Das Dumme daran, er kommt zu oft, zu schnell, zu früh zum Einsatz und aus der „cleveren Idee“ wird eine Sackgasse.

250d vs. 500e

Test Fahrbericht12 GLE 500e oder GLE 250d

Die Mär von den 3.3 Litern je 100 Kilometer

Zuerst einmal muss man verstehen, wie der Verbrauch von 3.3 Litern auf 100 Kilometern (zzgl. 16 kWh) zustande kommt. Der NEFZ-Normverbrauch bildet die Grundlage für alle „Verbrauchsangaben“. Wir reden damit über einen „Laborverbrauch“ und im Falle der Plug-In Hybride eben auch von einem maximal nutzlosen „Normwert“. Was der GLE 500e bei Ihnen im Alltag verbrauchen wird? Es hängt von unfassbar vielen Faktoren ab. Theoretisch könnte der GLE mit 0.0 Litern auf 100 km auskommen. Sie würden dann rein die Batterieladung bezahlen. Sprich, im Falle des GLE 500e eine Batterieladung im Wert von rund 2,50 €. Klingt verführerisch. Und die CO-Emissionen? Lokal, überhaupt nichts mehr.

Wunderbar. Aber da war ja noch der Kaufpreis. Stolze 17.195,50 € liegen zwischen dem „kleinen“ Diesel und dem Plug-In Hybrid GLE. Oder anders, 13.340 Liter Diesel. Oder noch einmal anders, locker 125.000 km Fahrstrecke. Okay, das ist zu grob, nicht fair. Der GLE 500e wird aufgrund seiner Plug-In Technik von der Steuer befreit, der kleine 250er Diesel nicht.

Moment, dafür wird man bei Mercedes-Benz den 500e mit ordentlicher Ausstattung in den Showroom stellen. Teure Extras, die man beim kleinen Basis-Diesel hinzukaufen muss, die wird der Plug-In Hybrid bereits haben.

Irrtum.

Test Fahrbericht18 GLE 250d

7 statt 9 Gänge!

Anstatt einer Charme-Offensive beim Thema Ausstattung  laufen beide Modelle ab Liste, ab Basis, in der Grundausstattung mit der gleichen bescheidenen Buchhalter-Ausstattung vom Band.  Der kleine Diesel bekommt sogar ein modernes Goodie, welches dem GLE 500e abgeht. Mit der neuen Neungang-Automatik besitzt der Diesel zwei Gänge mehr als der GLE 500e. Nun kann man argumentieren, der Plug-In Hybrid braucht diese zusätzlichen Gänge nicht, weil er ja auf das Drehmoment-Plus des E-Motors bauen kann. Völlig richtig.

Er hat aber auch dem kleinen Diesel gegenüber kaum einen spürbaren Vorteil. mein-auto-blog ist beide Motorisierungen gefahren und beide Varianten sprechen für den Alltag die gleiche Zielgruppe an: Die des „ruhigen Gleiters“. „Dominanz etablieren“ überlässt man den AMG-Fahrern. Wer Plug-In Hybrid oder Basis-Diesel wählt, der will bei all dem Luxus ein wenig Vernunft walten lassen. Und das ist auch gut so.

Sparen ohne Rechenschieber

Die Systemleistung des Plug-In Hybriden von 435 PS klingt zu gut, um wahr zu sein und in der Tat, wirklich vorhanden wäre diese Power nur, so lange die Batterien dem 85 kW Motor die volle E-Power zuschieben – bei 8.8 kWh Batterieleistung allerdings ein sehr überschaubares Vergnügen.

Danach muss der V6-Bi Turbo mit 333 PS ran. Ein toller Motor. Eine Granate, die richtig Spaß macht. In einer Klasse darunter – in ein SUV der Größe der M-Klasse (pardon, GLE) passt ein Turbo-Benziner so gut wie alkoholfreies Bier zum Junggesellenabschied. Und dann wird der theoretische Verbrauch von 0.0 Litern zu dem, was er ist: Eine Illusion. Bei den Testfahrten reichten die 8.8 kWh der Batterien für knapp 20 km, ein Maximalwert. Die angegebenen 30 km dürften nur im Labor zu erreichen sein.

Sobald der Benziner anspringt, steigt der Verbrauch – nach 55 km standen, trotz 41 km „Engine off“ bereits 3.9 Liter im Display. Der Alltag? Kaum abzuschätzen, weil extrem davon abhängig, wie oft geladen werde kann.

Diesel oder Hybrid? Geländegängig bleibt der GLE

Abseits der Verbrauchs-Diskussion stellen sich zwei Fragen: Wie fährt sich die GLE-Baureihe und kann man damit noch „OFF ROAD“ fahren?

Wer seinen GLE wirklich „off the road“ fahren möchte und damit nicht nur „Feldwege“ und Schotter-Parkplätze meint, der kann das Thema „Plug-In Hybrid“ direkt abhaken, denn das „Offroad Technik-Paket“ mit einer elektronischen Einstellung der ESP-Regelsysteme, um auf unterschiedlichen Untergründen mit den Schlupfregel-Grenzen spielen zu können, gibt es für den PHEV derzeit nicht. Die zusätzlich empfehlenswerte Airmatic (Luftfederung) ist wiederum für beide erhältlich.

Doch wer Gelände meint, der muss das genauer erklären. Die Grenze der Kraftübertragung zwischen Fahrzeug und Gelände wird üblicherweise durch die Reifen bestimmt, und so sollten sich auch GLE 350d-Fahrer (unser Testwagen für die Geländestrecke) darauf einstellen, einen zweiten Satz Reifen bereit zu halten.

Test Fahrbericht03 GLE 500e oder GLE 250d

Fazit

GLE-Motorisierung? Keine Frage!

Den theoretischen Drehmoment-Vorteil des „GLE 500e“ mit den „zwei Herzen“ pariert der kleinere Diesel mit den zusätzlichen Übersetzungen seines Neunganggetriebes. Dieses schaltet flink und gewissenhaft und hält den 2.1 Liter großen (oder kleinen!) Vierzylinder ordentlich bei Laune.

Der Fahrkomfort im GLE 500e ist, so lange man rein elektrisch gleiten kann, dem Dieselmotor überlegen. Selbst der größere V6-Diesel im 350d wirkt gegenüber der Ruhe des E-Antriebes gespenstisch – aber genau das war es dann leider auch.

Die Strategie von Mercedes-Benz, dem ersten Plug-In Hybriden mit Stern eine derart kleine Batterie zu verpassen, muss als „gescheitert“ betrachtet werden. Der Kunde erhält keinen signifikanten Mehrwert gegenüber dem konventionellen Antrieb. Bleibt am Ende nur die Idee von der CO2-freien Autofahrt …

Die theoretischen Vorteile klingen wundervoll, bleiben aber graue Theorie.

Wer sparen und vernünftig sein will, der entscheidet sich gegen den GLE 500e und für den GLE 250d 4matic.

GLE 250d 4matic GLe 500e

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2 Kommentare

  1. Frank Kemper
    18. August 2015 zu 07:53 Antworten

    Das Problem dürfte sein, dass über kurz oder lang die PHEVs gegenüber den reinen Verbrennern steuerlich/finanziell so stark privilegiert werden, dass Kunden nichts anderes mehr kaufen oder Autohersteller nichts anderes mehr verkaufen wollen, um ihren Flottenverbrauch oder whatever im Griff zu halten. Abgesehen davon, dass Autos für 50 bis 70 k ja ohnehin ein First-World-OProblem für die Reichen sind: Wenn ein Autohersteller schon mal einen PHEV mit 20 km Praxisreichweite anbietet, warum bietet er dann nicht irgendwann mal eine variante mit viel größerer Batterie für einen (durchaus spürbaren) Aufpreis an, der dann eben statt 20 km 70 km weit kommt. Damit könnten die meisten Leute die meisten Fahrten elektrisch machen und bräuchten trotzdem nicht jede längere Fahrt vorplanen.