Mit dem Amarok: Jenseits von Afrika

Mit dem Amarok: Jenseits von Afrika

Neue Autos vorstellen kann jeder. Alles poliert, alles frisch, alles bestens. Was soll da schon schief gehen? Wie aber bewährt sich ein Wagen, der mehr als 60.000 Kilometer auf dem Buckel hat, davon die meiste Strecke abseits befestigter Straßen?

Ein Pick-Up, der von Deutschland bis nach Südafrika und wieder zurück gefahren ist und dem in seinem Autoleben Abenteuer-Trips in rauer Umgebung wie auf Island oder in Chile abverlangt wurden? „Da muss man beim Verschleiß eigentlich die zehnfache Laufleistung ansetzen“, sagt Matthias Göttenauer, einer der Geschäftsführer von „Experience“, einem Offroad-Veranstalter aus Fulda. Dem 49-jährigen Outdoor-Spezialisten gehört ein halbes Dutzend VW Amarok. Einer diente unter anderem dem Volkswagen-Motorsport-Werksteam als Servicefahrzeug bei der Rallye Dakar. Schlimmeres kann man einem Serienauto kaum zumuten. Auch der dreckige Sprit in den Schwellenländern ist eine ständige Gefahr.

Volkswagen zuckte daher zunächst auch kurz, als Göttenauer der Nutzfahrzeug-Sparte in Hannover vorschlug, den geschundenen Pritschen-Lastern erneut auf die harte Tour zu kommen und mit ihnen das südliche Afrika unter die Räder zu nehmen. Insgesamt mehrere tausend Kilometer Off-road-Abenteuertour. Eine Herausforderung mit einem nicht unerheblichen Risiko. Doch letztlich siegte das Vertrauen in die Robustheit von Volkswagens Arbeitstiers Amarok. Der Vorstand willigte ein.

Schon beim Landeanflug auf Maun, gesprochen Ma-un, in Botswana sieht man aus dem Kabinenfenster, dass da unten „normale“ Pkws zur automobilen Minderheit gehören. Die Mehrheit sind in der Tat Pick-ups. Doch keinesfalls, wie teilweise bei uns, lässige Lifestyle-Laster, sondern reine Nutzfahrzeuge in unterschiedlichen Größen. Motto „Es gibt immer was zu transportieren“, Baustoffe, Brennholz, Tiere, Menschen. Nicht selten hockt eine ganze Schar Kinder auf der Pritsche. Sitze? Gurte? Fehlanzeige. Isofix-Befestigungen? Nie gehört. Bei uns hätte diese Art der Beförderung sicher einen Großeinsatz der Polizei zur Folge. Hier juckt es niemanden.

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40° im Dezember

Wir sind in Afrika. Das Leben funktioniert hier anders. Es ist ursprünglicher, längst nicht so perfektioniert, wie wir es gewohnt sind. Erst recht nicht in Botswana, das uns im Dezember bei Temperaturen von über 40 Grad Celsius empfängt. Maun gilt als Tor zum berühmten Okavango-Delta. Dort können Touristen „African Wildlife“ vom Feinsten erleben. Dutzende Lodges bieten nicht nur exklusive Aufenthalte, sondern auch sogenannte „Game Drives“ an. Das hat aber nichts mit Spielsucht zu tun. Game ist die Übersetzung für Wild. Und die Chancen stehen recht gut, dass einem auf diesen Safari-Touren – meist im speziell hergerichteten Toyota Land Cruiser – die „Big Five“ (Löwe, Leopard, Büffel, Elefant und Nashorn) vor die Linse laufen. Die Beobachtung von wilden Tieren ist zu einem wichtigen Wirtschaftszweig in Botswana geworden. Teile des Geldes werden unter anderem zum Artenschutz und zum Kampf gegen Wilderer verwendet. Letztere haben es besonders auf das Nashorn abgesehen. Ein Horn kann auf dem Schwarzmarkt bis zu 100.000 Euro erzielen und wird in Vietnam und China immer noch als vermeintlich potenzsteigerndes Mittel gehandelt. „Absoluter Schwachsinn, biologisch sind die Hörner nichts anderes als Fingernägel“, ärgert sich unser Ranger Steve, der uns auf wenige Meter an die urzeitlichen und tonnenschweren Tiere heranbringt.

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Essen auf Rädern? Mal anders!

Selbst fahren dürfen wir in diesen Reservaten, die teils bis zu 75.000 Hektar große sind, nicht. Aus gutem Grund. Wer will sich schon wie „Essen auf Rädern“ fühlen? Aber Botswana, Zimbabwe und das nördliche Südafrika bieten noch genügend andere Auto-Abenteuer. Schon die Infrastruktur in diesen Ländern ist nicht mit der unsrigen zu vergleichen. Nur die größeren Verbindungen sind asphaltiert. Viele Straßen und Wege sind staubige „gravel roads“. Diese muss sich der Autofahrer auch noch mit Rindern, Ziegen und Eseln teilen, die – ohne jeglichen Zaun getrennt – am Straßenrand das letzte bisschen Grün aus der trocknen Erde rupfen. Oft genug stehen die Viecher auch direkt auf der Straße oder trotten unvermittelt über diese. Mit nicht immer optimalem Ausgang – meist für das Tier. Kadaver in unterschiedlichen Verwesungszuständen sind stumme Zeugen links und rechts des Fahrstreifens. Niemand fühlt sich verantwortlich, sie zu entsorgen.

Volkswagen Amarok 003 Jenseits von Afrika

Badewannengroße Schlaglöcher

Hohe Konzentration vom Fahrer erfordern auch die manchmal badewannengroßen Schlaglöcher und Unterspülungen auf den Nebenstrecken. Gleiches gilt für tiefe Spurrillen und Waschbrett-Pisten, die Auto und Insassen mitunter arg zusetzen. Bei Dunkelheit sollte man hier besser nicht unterwegs sein. Umso freudiger das Erlebnis allerdings, wenn die Sand- und Schotterpisten relativ eben verlaufen. Die Diesel schnurren, mit bis zu 120 km/h fegen die Amarok über sie hinweg, ziehen lange Staubfahnen hinter sich her. Eine herrliche Art, Auto zu fahren. Weiter entfernt als von unserem überreglementierten Verkehr und dem alltäglichen Stau- und Autobahnstress kann man da gedanklich nicht mehr sein.

Übertroffen wird dies nur noch, wenn es gilt, anspruchsvolles Terrain zu durchqueren. Wozu natürlich auch Wasser zählt. „Kein Afrika-Trip ohne die obligatorische Flussüberquerung“, sagt Tour-Guide Matthias Göttenauer. Meist jedoch geht es da um ein paar knietiefe Pfützen, etwas Sand und Geröll. Der Flusslauf, an dem sich unser Tross sammelt, hat es allerdings in sich. Nicht ohne Grund gibt es hier einen Fährbetrieb, wenn auch nicht ganz nach deutschem Maßstab. Auf einem Ponton ein paar Bretter, dazu ein Geländer mit einigen Rettungsringen (immerhin) und daneben ein kleines Beiboot mit Außenbordmotor. Kapazität der Fähre: ein Auto. Wegen der knappen Zeit entscheidet Afrika-Experte Matthias daher nicht zur Über- sondern zur Durchfahrt.

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Grundregel Nummer 1

Es erfordert einigen Mut, ein unbekanntes Gewässer auf diese Art zu durchqueren. Grundregel Nummer eins: Stets zuvor zu Fuß die Fluten durchschreiten, um Untergrund und Tiefe zu checken (Krokodile sollen hier keine drin sein, bestätigten uns die Einheimischen). Nummer zwei: Nie fahren, ohne dass ein zweites Auto am Ufer bleibt, das einen notfalls wieder herausziehen kann. Amerok-Anführer Göttenauer, bereits bis zur Hüfte im Wasser, streckt den Daumen nach oben und ist sich sicher: Der allradgetriebene Pick-up wird es packen.

Jetzt nur noch die Differenzial-Sperre einschalten und ab in die Fluten. Im Schritttempo geht es voran. Schneller wäre nicht gut, weil der Wagen sonst aufschwimmen würde und die Räder die Bodenhaftung verlieren. Der Amerok sinkt bedrohlich tief ein, teilweise ist nicht einmal mehr das VW-Emblem im Grill zu sehen. Wasser strömt über die Motorhaube. Doch liegen Elektronik und der Ansaugstutzen für die Luft glücklicherweise noch höher. Auch unsere Füße bleiben trocken, kein Tropfen ist in den Innenraum gedrungen. Als wäre nichts gewesen, erreicht der Konvoi das Ufer auf der anderen Seite – übrigens sehr zum Erstaunen des Fährmanns, der in diesem Moment vermutlich schon seine Geschäftsgrundlage davon schwimmen sah.

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Afrika-Prüfung für den Amarok

Die Amarok-Tage im südlichen Afrika waren nicht nur geprägt von unvergesslichen Momenten, sondern zeigten auch, wie anders man hier mit dem Auto umgeht, wie anders die Ansprüche an Mobilität sind, wie wenig das Auto als Statussymbol dient und wie sehr Robustheit und Zuverlässigkeit zählen. Keiner stört sich an Kratzern und Steinschlägen im Lack, keiner an einem halben Millimeter zu viel Spaltmaß am Armaturenbrett und schon gar keiner vermisst irgendwelche elektronischen Hilfen wie Abstandsradar, Einpark-Pilot, Head-up Display oder einen Spurhalte-Assistenten. Autofahren kann eben auch in ganz einfacher und ursprünglicher Art Spaß machen.

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