Erste Fahrt: Der neue Crafter

Erste Fahrt: Der neue Crafter

Der bis 2016 in Kooperation mit Mercedes Benz produzierte Crafter geht ab 2017 nicht nur als komplette Eigen- und Neuentwicklung in die 2. Generation, er tut dies auch von einem neuen Produktionsstandort aus. In Wrzesnia (Polen) laufen die neuen Crafter nach nicht einmal 28 Monaten Bauzeit der Fabrik vom Band. Das zweite Werk nach Poznan-Antoninek in Polen wurde ausschließlich für die Produktion des neuen „Lastenesels“ mit einer Fläche von 220 ha (vergleichbar mit rund 300 Fußballplätzen) errichtet. Bei voller Auslastung wird VW dort bis zu 3.000 arbeitende Menschen beschäftigen. Losgelöst von der Kooperation mit dem schwäbischen Autobauer sollte dies der Startschuss für weitere Modelle der VW Nutzfahrzeuge sein. Das Portfolio an Karosserie-, Motoren- und Antriebsangeboten soll den Kunden die Wahl von insgesamt 69 Derivaten ermöglichen. Für mehr Sicherheit und Komfort im alltäglichen Gebrauch werden wie schon im PKW-Bereich Fahrerassistenzsyteme sorgen, die genau auf den Nutzer abgestimmt sind. Sein Grundpaket startet der Cratfer bei einem Einstiegspreis von netto 29.800 Euro.

Der neue VW Nutzfahrzeuge Crafter im Fahrbericht

Der starke Kumpel

Die Hannoveraner möchten mit ihrer Neuentwicklung einmal mehr ihren Bestands – aber auch Neukunden die Möglichkeit geben, durch Variabilität und Funktionalität ihre Transporter-Flotte wirtschaftlich effektiv zu nutzen. Durch eine ausgedehnte und akribisch durchgeführte Kundenumfrage wurden hilfreiche Details bei der Entwicklung des neuen Crafter gesammelt und analysiert. Aus diesem Grund ist man seitens VW Nutzfahrzeuge in der Lage, mit vier Grundmodellen mit jeweils drei unterschiedlichen Längen und Höhen an den Start zu gehen. Dieses optimierte Maßkonzept dient der maximalen Alltagstauglichkeit. Hinzu kommt ein modifizierter 2.0 Liter Diesel Motor mit drei Leistungsstufen, Fahrerassistenzsystemen, die im Lieferservice bestens geeignet sind und Material mit geringen Wartungs- und Verschleißkosten. Seine äußerliche Erscheinung passt sich der 6. Generation der Transporter-Baureihe an. So erkennen wir die auf der Längsseite schließenden LED-Scheinwerfer, die mit dem schmalen Kühlergrill über  Chromverzierungen verbunden sind. Das große Markenlogo erscheint von der Mitte abgesetzt. Das Ende der Scheinwerfer mündet in einer gerade nach hinten laufenden Sicke. Sowohl die Front- als auch Heck Ansicht lassen den Crafter kraftvoll auf der Straße stehen.

 

Dynamisch eine gute Performance

Dynamisch eine gute Performance

Trotz des hohen Kastens brilliert er mit einem sehr guten cW- Wert von 0,33, was sich ganz klar auf die Verbrauchswerte auswirken soll. Die gesamte Palette der Crafter Familie mit all`seinen Derivaten bot sich zwar nicht zum Vergleich, aber einen ersten Eindruck erfuhren wir letztes Wochenende mit dem „kleinen“ Kasten und Pritschenwagen „DoKa“ vor den Toren Almerias in Andalusien.

Komplette Neuentwicklung der VW Nutzfahrzeuge - der neue Crafter

Komplette Neuentwicklung der VW Nutzfahrzeuge – der neue Crafter.

Fahren wie im PKW

Vom optimierten Fahrerarbeitsplatz mit hohem Nutzen und Komfort wurde in den vorangegangenen Gesprächen mit den VW Verantwortlichen gesprochen. Mit diesen Details im Kopf gingen wir beim Einsteigen in den Crafter von einem LKW-Sitzplatz und -Feeling aus. Trugschluss ! Wie in einem konventionellen PKW erleben wir Lenkrad und Display des Transporters. Das Handling mit dem Lenkrad gibt uns keinesfalls das Gefühl, in einem Transporter zu sitzen, was uns positiv überrascht. Alle notwendigen Informationen sind sowohl im Display vor uns als auch im Navigationssystem in der Mitte des Armaturenbretts zusammengefaßt. Weder zu wenig Info, noch wirkt es überladen. Beim Rangieren in Parklücken oder Ladezonen erhalten wir nicht nur Hilfe über die bereits seit Jahren üblichen Parksensoren an der Front und am Heck des Fahrzeuges. Der erstmals eingesetzte „Flankenschutz“ erleichtert uns die Sicht an der Seitenlinie. Markierungen z.B. werden optisch und akustisch erkannt und ebenfalls im Display des Navigationssystems angezeigt. Durch das neu konzipierte „Führerhaus“ und seinem Frontantrieb erzielt der Crafter ein Ladevolumen von 18,4 m3 und eine maximale Laderaumhöhe von ca. 2,20 Meter. Weitere Bestwerte seiner Fahrzeugklasse C-/D-Segment sind das zulässige Gesamtgewicht von 3,0 – 4,0 Tonnen, sowie eine Durchladebreite zwischen den Radkästen von ca. 1,38 Meter und einer maximalen Laderaumlänge von ca. 4,85 Metern.

2.0 Liter Diesel Aggregat mit drei Leistungsstufen

2.0 Liter Diesel Aggregat mit drei Leistungsstufen.

Transporter mit einem Diesel Aggregat

Der Crafter präsentiert sich mit einem Diesel Aggregat. Der weiterentwickelte 2.0 Liter TDI-Motor „EA 288 Nutz“ ist mit einem Euro-6-Label ausgerüstet und mit Frontantrieb in drei verschiedenen Leistungsstufen bestellbar. Dabei stehen dem Kunden wahlweise 75 kW (102 PS), 103 kW (140 PS) und als BiTurbo 130 kW (177 PS) zur Verfügung. Diese 1.968 cm3 Hubraum Maschine ist quer eingebaut und um acht Grad nach vorn geneigt. Während die „kleinste“ Leistungsstufe nur mit einem Sechs-Gang-Schaltgetriebe erhältlich ist, kann die 103 kW und 130 kW Variante auch mit einem Automatikgetriebe kombiniert werden. Ab Mitte des nächsten Jahres möchte VW Nutzfahrzeuge sein Angebot um den Allradantrieb 4MOTION mit quer eingebautem Motor und den Heckantrieb mit längs eingebautem Motor ergänzen. Das dynamisch abgestimmte Fahrwerk des Crafter verbunden mit der elektromechanischen Servolenkung gibt uns ein permanent positives Gefühl, auch bei schnelleren Kurvenfahrten durch „Aufschaukeln“ nicht auszubrechen. Die uns präsentierten Tiefst-Verbrauchswerte von 7,4 Liter sind an den Tagen der Veranstaltung leider nicht zu prüfen.

Flankenschutzkontrolle, angezeigt im Navigationssystem, sowie Landkarte und Rückfahrkamera

Flankenschutzkontrolle, angezeigt im Navigationssystem, sowie Landkarte und Rückfahrkamera.

Erstmalig mit Flankenschutz

Beim Thema Sicherheit liegen die hannoveraner Nutzfahrzeugbauer nicht  nur voll im Trend, sie setzen auch neue Standards. Kunden, die Fahrerassistenzsysteme aus ihren privaten PKW kennen, brauchen nicht auf diese zu verzichten, nur weil sie in einem Nutzfahrzeug fahren. So kann der Transporter noch wirtschaftlicher genutzt werden. Als absolute Neuheit im Segment beansprucht VW Nutzfahrzeuge seinen voran beschriebenen Flankenschutz. Hinzu kommen  auch erstmalig für seine Klasse ein aktiver Spurhalteassistent, ein Park-Lenk-Assistent sowie ein Anhänger-Rangier-Assistent. Optional erhältlich sind Systeme wie die automatische Distanzregelung, der Seitenwindassistent sowie das Notbremssystem. Letzteres unterstützt bei niedrigen Geschwindigkeiten unterhalb von 30 km/h. Übersieht der Fahrer ein Hindernis, bremst das System automatisch ab. In jedem Fall aber verringert es die Aufprallgeschwindigkeit.

Am Set von "Games of Thrones" - Staffel 7 - Filmreif

Am Set von „Games of Thrones“ – Staffel 7 – Filmreif.

Preise im Baukastenprinzip

Bei den vielen Individualisierungsmöglichkeiten des Crafter wird eine genaue Angabe von Preisen schwierig. Hierfür bietet VW Nutzfahrzeuge zwei unterschiedliche zulässige Gesamtgewichte mit einem Hochdach und einer Radstandlänge an. Beim Einstieg von netto 29.800 Euro erhält der zukünftige Transporter-Kunde ein Fahrzeug mit 102 Pferdestärken und einem zulässigem Gesamtgewicht von 3,0 Tonnen. Für 500 Kilo mehr an zulässigem Gesamtgewicht wird er einen Aufpreis von ca. 2.500 Euro in Kauf nehmen müssen. Die Grundausstattungsliste endet beim Crafter mit einem Gewicht von 3,5 Tonnen und einer Motorleistung von 130 kW (177 PS). Dieses Fahrzeug ist dann für 35.870 Euro zu haben.

Startet mit 11,3 Kubik Ladevolumen

Startet mit 11,3 Kubik Ladevolumen

Fazit: Transporter mit Fahrerassistenzsystemen

Der Crafter mit all`seinen Karosserie- und Antriebsvarianten bietet für das moderne Dienstleistungsunternehmen Fahrkomfort im höchsten Maße. Die Messlatte sitzt dabei sehr hoch durch die erhältlichen Fahrerassistenzsystemen.

Der neue Crafter ab 2017 mit allen Motor- und Antriebsvarianten verfügbar

Der neue Crafter ab 2017 mit allen Motor- und Antriebsvarianten verfügbar

Bei diesen Individualisierungsmöglichkeiten ist der Crafter immer eine Option.  

Text: Stefan Beckmann, Bild: Stefan Beckmann und Benjamin Brodbeck