Gefahren: Der neue SUBARU WRX STi

Gefahren: Der neue SUBARU WRX STi

Bei 255 km/h wird abgeregelt. Der neue WRX STi hat dieses Limit vom Vorgänger übernommen, hier im Emsland ist das jedoch egal. Denn 255 km/h schafft der WRX STi auch auf dem schnellsten Stück des kleinen Hockenheimer Kurses nichts. Auf dem ATP-Testgelände in Papenburg existiert der kleine Hockenheimer-Kurs noch in seiner Originalform. Seit 1998 besteht das ATP-Testgelände im nordwestlichen Zipfel Deutschlands, eingerahmt von Kuhweiden und Windrädern. Mit der Retorte des alten Hockenheimrings (nur Kurz-Anbindung) gibt es nun ebenso lange die Möglichkeit, unter gleichen Bedingungen zu testen, Fortschritt zu erfahren. Eine ewig gleiche Test-Umgembung ist nützlich, wenn es darum geht, dem Fortschritt auf die Schliche zu kommen. Und gerade beim neuen WRX STi scheint sich dieser gut versteckt zu haben.

Der neue SUBARU WRX STi bittet zum Tanz

Der 300 PS Pragmatiker

255 km/h Höchstgeschwindigkeit sind bei diesem Test eine virtuelle Größe, viel wichtiger ist auf dieser Kopie des Hockenheimrings die Abstimmung von Fahrwerk, Antrieb und Lenkung. Und wenn der Motor schon mit der gleichen Leistung antritt, wie beim Vorgänger, wenn das manuelle Sechsgang-Getriebe die Kraft noch immer an den symmetrischen Allradantrieb verteilt, der wiederum maximal paritätisch (41:59 bis 50:50) zwischen den Achsen zuteilt, wenn an der Hinterachse noch immer ein Torsen-Differential für die Verteilung der Kräfte zuständig ist – dann muss der Fortschritt im Detail liegen, oder?

Das ein SUBARU mit Allradantrieb an den Start gehen muss und seine Kraft aus einem Boxermotor kommen muss, ist eisernes Subaru-Gesetz. Es gibt hier nur wenig Spielraum und der WRX STi beugt sich dem Diktat. Das ist gut so. Das Wissen nicht nur die Fans des ehedem erfolgreichen Rallye-Tiers. Dem WRX STi  wurde einst eine große Aufgabe zugewiesen, damals, als er als Impreza WRX zur Welt kam, davon zeugen heute noch die martialischen Design-Elemente. Der große Heckflügel ist da nur das i-Tüpfelchen im Paket der optischen Eigenheiten.  Die Nase des neuen WRX wirkt noch immer als wolle man auf den Schotterpisten dieser Welt die staubige Luft filtern. Traditionell seine Form mit den sechs Ecken. Ebenso traditionell der Lufteinlass für die Kühlluft des Ladeluftkühlers, prominent auf der Haube platziert. Die Kotflügel wurden kräftiger, maskuliner, geformt, die Außenspiegel sitzen nun auf der Tür und nicht mehr im Fenstereck. Am Heckflügel wurde nicht herumgespielt, der bleibt wo er war und verkündet der Außenwelt von den großen Ambitionen des WRX STi.  Auf deutschen Autobahnen motiviert diese optische Präsenz des WRX und der lautmalerisch vorgetragene Ehrgeiz allerdings viele Verkehrsteilnehmer zu Spielchen. Da wird herunter gebremst, beschleunigt, der Fahrer des WRX soll motiviert werden zum Spielen. So ist mir das während der Abschiedstour mit dem Vorgänger des Öfteren passiert.

Fahrbericht SUBARU WRX STi 20 erste fahrt im neuen WRX

Ausflug in das Emsland

Doch hier – auf dem konservierten Hockenheimer-Rund im Emsland – kann ich nun konzentriert eintauchen in die Welt des WRX. Hier drehen nur weitere SUBARU WRX STi ihre Runden. Zeit um den Fortschritt ausfindig zu machen. Zeit um heraus zu finden, weswegen der Allradantrieb und der Motor – geht es nur um die Zahlen – gleich blieb, wo der WRX an sich doch eine neue Karosse bekam. Und während die sichtbaren Fakten, wie ein flacheres Dach (-5 mm) oder der längere Radstand (+25 mm) oder die flacher verlaufenden A-Säulen, kaum eine Rolle spielen, ist das Chassis  140% steifer geworden. Und das wiederum ist zwar nicht sichtbar, aber spürbar.

 

Steif ist besser

Der neue WRX STi fühlt sich extrem solide an. Eine steife Karosse hilft aber auch den Technikern bei der Abstimmung eines gutes Fahrwerks. Je weniger sich eine Karosserie verwindet, desto effektiver kann das Fahrwerk arbeiten. Vereinfacht gesprochen: Damit Dämpfer und Federn optimal arbeiten können, müssen sie sich an der Karosse abstützen können. Ist diese steif und solide, dann lässt sich das Fahrwerk besser abstimmen und das ist den SUBARU-Technikern gelungen. Der neue WRX STi folgt dem Gedanken des Fahrers. Die direkter abgestimmte Lenkung (von 14.8:1 auf 12.7:1) trägt ihren Teil dazu bei, aber wie sich der neue WRX STi in die Kurven stürzt ist schon fast beängstigend. Da bleiben keine Momente der Lenkarbeit ungenutzt.

Sauber den Scheitelpunkt anvisieren, hart auf die Bremse, die Hockenheim-Gerade lässt den WRX STi auf knapp 200 km/h beschleunigen, beim Bremsen im ABS-Regelbereich taucht der WRX STi mit der Nase tief in Richtung Asphalt ein. Langsames lösen, einlenken und dann mit dem rechten Fuß, noch vor dem Kurven-Scheitelpunkt wieder den Druck auf den 2.5 Liter Boxermotor erhöhen. Den Drehschalter für “SI-Drive”, das SUBARU Intelligent-Drive darf man während der Testfahrten auf dem kleinen Kurs getrost in “S#” (sport sharp) stehen lassen. Das sorgt für eine direktere und spontanere Reaktion des Motors auf die Gaspedalbefehle. Die beiden anderen Modi lassen sich im Alltag nutzen und zähmen die Kraftentfaltung des 407 Nm starken Turbo-Benziners auf ein erträgliches Alltagsmaß. Zudem soll der SI-Mode für eine sparsame Gangart hilfreich sein.

Er mag es hart

Bevor ich den WRX STi kurz vor der Querspange zusammenstauche, mache ich mir allerdings keine Gedanken über den Normverbrauch nach NEFZ. Viel mehr erwacht in mir die Frage, wie man es geschafft hat, einen 300 PS-Allradler mit einem derart vertrauenerweckendes Fahrverhalten abzustimmen? Der WRX STi erlaubt seinem Fahrer die vollständige Deaktivierung des ESP und wird dennoch nicht zickig. Lastwechsel in der Kurve? Weil man wieder einmal für einen Allradler zu schnell in die Kurve ging? Kein Thema. Auch ohne ESP bleibt es maximal bei einem sanften eindrehen in die Kurve. Untersteuern sollte man allerdings unter allen Umständen vermeiden. Die speziellen Dunlop-Sportreifen grüßen sonst recht schnell mit jammernden Tönen, während man darüber nachdenkt, wie man die schwere Nase des WRX STi zurück in Richtung Kurve bekommt. Mit 1.505 Kilogramm auf der Waage (Testwagen in Papenburg, selbst gemessen) und einem Plus von 300 Kilogramm für die Vorderachse, muss die Hinterachse schon besonders clever agieren um hier für ein neutrales Fahrverhalten zu sorgen. Mit rund 60 % der Kraft auf der Hinterachse und dem noch immer vorhandenen VDC-System sorgt der Antriebsstrang des WRX STi dafür, dass die Kraft dorthin kommt, wo sie am sinnvollsten wirken kann.

Der schnelle Links-Knick geht im WRX STi voll. Beim harten anbremsen bevor es wieder in das Motodrom geht (rein virtuell natürlich, hier im Emsland sind Tribünen Mangelware, wie eigentlich alles was über 4.50m Höhe hinaus geht) zeigt sich der SUBARU von der besonders agilen Seite. Das die Vorderräder ordentlich arbeiten, unter dem Fahrer ein hoch intelligenter Allradantrieb die Kraft ständig neu verteilt und am Ende eine Serien-Bremse mit der ganzen Belastung fertig wird, davon spürt man nichts, während ich den –  in WR Blue Pearl lackierten – Japaner spielerisch in die Kurven werfe. Er macht es seinem Fahrer leicht, schnell zu sein. Die direkte Lenkung, der geniale Allradantrieb und das exzellente Fahrwerk – mit den noch immer 300 PS des Turbo-Boxers kommen sie spielerisch leicht zu Recht. Einzig die Reifen in 245/40-18 jammern nach ein paar flotten Runden. Zeit für eine Abkühlrunde. Langsam geht es noch einmal um den kleinen Retorten-Kurs, wenig bremsen, niedrige Kurvengeschwindigkeiten, so kommen Reifen und Bremse von ihren Temperaturen herunter.

Zeit den Blick durch den Innenraum wandern zu lassen:

Rote STI-Insignien an Schaltknauf und dem nun unten abgeflachten Lenkrad, dazu Carbon-Optik in der Mittelkonsole. Die Sitze haben sich um den Rücken und Schulter des Fahrers geschmiegt und geben soliden Seitenhalt. Das Lenkrad mit der roten Ziernaht lässt sich ordentlich an die Statur des Fahrers anpassen. Viele Details im neuen WRX STi künden vom pragmatischen Anspruch des Sportlers. Hier wird keine Diva bewegt, hier bekommt man eine technisch solide, eine logisch aufgebaute Fahrmaschine. Zufällig sind die Türen ordentlich groß geschnitten und der Kofferraum mit 460 Litern groß genug für den nächsten Roadtrip. Auch zu viert!

Das der WRX STi von Haus aus mit allem ausgestattet ist, was den Alltag angenehmer macht, dürfte klar sein. Die Aufpreisliste ist dann auch übersichtlich kurz und lässt einem nur die Wahl zwischen dem Active-Modell und der Sport-Version, die dann auch mit Harman-Kardon Soundsystem und Navigationssystem auf die Straße rollt. Für 2.590 € gibt es zudem eine Voll-Leder-Ausstattung und der Blue Pearl-Lack des Testwagens kostet 590 € extra.

 

Fahrbericht SUBARU WRX STi 17 erste fahrt im neuen WRX

Fazit:

Noch einmal zu den Zahlen: Der neue WRX kostet mindestens 41.900 Euro und ist damit deutlich günstiger geworden als sein Vorgänger. Auch ein echtes Argument – obwohl der STi dies eigentlich nicht benötigt hätte – den fahrdynamisch gibt es in seiner Leistungsklasse nur wenige mit besseren Argumenten. Allerdings einige mit deutlich mehr Leistung.
Und auch wenn weiterhin bei 255 km/h abgeregelt wird, es ist nicht die Höchstgeschwindigkeit die im neuen SUBARU WRX STi zählt, es ist der Weg dorthin, am besten auf kurvigen Straßen. Geradeaus schnell, kann jeder. Der WRX STi schafft es auch zügig ums Eck!

Zügig wird es auch in einige Tagen zugehen, einer sportlichen Tradition folgend, wird der neue WRX STi bei den 24-Stunden am Nürburgring an den Start rollen. Mehr zum Einsatz und wie er sich in der Eifel schlägt, gibt es in diesem Blog.

Fakten zum neuen SUBARU WRX STi

Verkaufsstart: Mai 2014
Basispreis: 41.900,– €
Motorleistung: 300 PS @ 6.000 U/min | 407 Nm @ 4.000 U/min
Antrieb und Getriebe: Symmatrical Allwheel Drive – Variabel, Torque Vectoring
Länge, Breite, Höhe, Radstand: 4.595, 1.795, 1.475, 2.650 mm
Normverbrauch: 10.4 Liter / 100 km – 242 Gramm CO²/km
Höchstgeschwindigkeit: 255 km/h
Beschleunigung von 0 – 100 km/h 5.2 Sekunden

 

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2 Kommentare

  1. Alexander
    15. Januar 2016 zu 18:04 Antworten

    Hi Björn, danke fuer den Test zum SUBARU WRX STi, sehr aufschlussreich! Ein schnuckliger Flitzer, und dazu auch noch relativ guenstig, worauf Du im Blog auch hinweist.

  2. Feierabend einer Legende: Mitsubishi Evo! › Mein Auto Blog
    22. Oktober 2015 zu 12:20 Antworten

    […] wird uns fehlen. Jetzt ist der Subaru WRX STi der letzte Rallye-Abkömmling in den […]

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