HBK 2015: Himmel, Hölle, Halleluja! Tag 1

HBK 2015: Himmel, Hölle, Halleluja! Tag 1

Motorsport ist die pure Leidenschaft. Motorsport, das sind Emotionen, die man in Blechbüchsen verpackt. Motorsport ist ein Lebenselixier und Motorsport muss man leben. Wer sich dieser wundervollen Mischung mal ganz ohne die Gefahren des Leistungsports nähern will, der sollte eine Klassik-Rallye ausprobieren. Zum Beispiel die Hamburg-Berlin Klassik. mein-auto-blog startet 2015 auf einem Skoda Rallye 130 RS und am Steuer der siebenfache dt. Rallye-Meister Matthias Kahle!

Tag 1 der HBK 2015 – Himmel, Hölle, Halleluja

Das erste Problem trat noch vor dem Start auf. Motorsportler sind „Sportler“, eine breite Hüfte eher selten, Hüftgold noch seltener. Doch der Autor dieser Zeilen und der Beifahrer von Matthias Kahle, der ist nicht schmal. Nein. Und die Sandtler Schalensitze sind auf Presspassung geschnitten.

Um 13:30 am Donnerstag die Startzeit. Ein neuer Sitz? Klar, einfliegen lassen. Wie bei der Formel 1? Nein. Natürlich nicht. Klassik-Rallyes leben auch von dem Talent der Teilnehmer, zu improvisieren. Lösungen finden. Ein Schalensitz ist tief. Was also tun, um die Tiefe auszugleichen? Ein Kissen?

Wenn sich 125 kg Lebendgewicht auf ein Daunenkissen setzen, dann gleicht ein solches Kissen eben auch nichts mehr aus. Es musste eine andere Lösung her. Team 155 Skoda Auto Deutschland hat den Weg zum Baumarkt angetreten und den Sitz auf der Beifahrerseite mit einer Styroporplatte neu ausgeformt.

Schalensitzbau im Eil-Verfahren. Sitztiefe eliminiert, der Beifahrer thront nun im Rallye RS130

Himmel – Der Start zur HBK 2015

Der Start zur Hamburg-Berlin Klassik, in diesem Jahr wieder von Berlin in Richtung Hamburg fahrend, war einfach großes Kino. Die Menschen stehen in Doppelreihen am Straßenrand. Wo immer der bunte Rallye-Skoda vorbeifährt, es wird gejubelt, es wird gewunken. Die Menschen wissen, in diesem Rallye-Skoda RS 130 mit der Startnummer 155 sitzt nicht irgendwer, in diesem Auto sitzt der siebenfache dt.-Rallyemeister. Auch wenn seine Wurzeln nicht ganz so östlich liegen wie die des Skoda, im ehemaligen Osten der Republik kennt jedes Kind den Matthias Kahle. Die ersten Kilometer des 255 km langen ersten Tages führen durch entlegende Ortschaften, kleine Landstraßen, eine ruhige, eine entschleunigte Welt. Und Matthias Kahle mag sieben dt. Rallye-Meisterschaften gewonnen haben – im öffentlichen Straßenverkehr ist er ein ganz ruhiger. Ein besonnener Fahrer, er hat die Ruhe einfach weg. Anders sein Beifahrer. Ich.

Vor zwei Jahren zum ersten Mal die HBK gefahren, muss ich mich erst einmal wieder in „Roadbook“, Chinesenzeichen und Wertungsprüfungen einfinden. Wie rechnet man Meter in Sekunden in km/h um? Was ist der Unterschied zwischen 6,10 und 6:10? Doch die Ruhe des Profis strahlt ein wenig ab.

Läuft. #hbklive

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Wer denkt sich sowas aus? #hbklive #hbk2015 #skoda #155 Ein von Bjoern Habegger (@habegger) gepostetes Foto am

Und die Hitze ermattet.

Hölle – Tag 1 im Rückblick

Was schreibt der Mann da von Hitze? Als es aus Berlin raus ging und in Richtung Westen, zog sich der Himmel doch zu. Es wurde kühler. Später sogar richtig nass. Kurz vor Wolfsburg wollte die Welt sogar einmal kurz untergehen. Ja, das mag alles für die Welt „um den Rallye-RS130“ gelten, nicht aber für den heute rund 100.000 € wertigen Boliden. Klimaanlage? Hat er nicht. War ja klar. Aber auch eine funktionierende Lüftung musste aus Gewichtsgründen raus. Was übrig bleibt? Zwei winzige Öffnungen in den Seitenscheiben. Völlig ohne Dämmmaterial stürzt nicht nur der Motorenlärm über die Insassen her, auch die Hitze des vorne platzierten Wasserkühlers und des Motors im Heck fällt über die spärliche Kabine her. Wann immer es möglich war, reißen Matthias und ich die Türen auf. Frischluft! Kühle oder wenigstens nicht ganz so heiße Frischluft.

Kabelbruch. Schaffen wir es dennoch zur letzten WP des Tages? #hbk2015 #hbklive

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Lärm und Temperaturen ermatten den „Nicht-Profi“. Und dann kommt Pech dazu.

Kurz vor der WP6 fällt das Instrumentenbrett aus. Und die Wischer. Und das bei Regen. Auch der Tripmaster fällt aus – ein Problem, das uns kurz darauf weitere Zeit kosten wird. Matthias fährt rechts ran. Hängt sich Kopf über unter das Armaturenbrett. Eine Schmelzsicherung hat sich verabschiedet. Wir verlieren knapp 10 Minuten.

Die Zeit will Matthias aufholen. Zum ersten Mal lässt er den Rallye 130 fliegen. Die 100 kW des 1.3 Liter Vierzylinders produzieren jetzt neben Hitze endlich auch Schub.

Und dann haben wir einen Hinweis übersehen. Konzentrationsschwäche führt zu einem Navigationsfehler. Für Matthias die Chance zu zeigen, wie man Rallye-Meister wird. Handbrems-Drehungen in der Altmark. Wir müssen uns neu orientieren. Immer korrekt am Landstraßen-Tempo-Limit, fliegen wir über einen Feldweg. Zweiter Gang, Drift einleiten. Matthias sucht den Weg, indem wir uns mehr durch das Seitenfenster orientieren.

Zurück auf dem „richtigen Pfad“, dreht Matthias den 130 RS aus. Mitbewerber werden im Rückspiegel kleiner. Natürlich geht diese HBK nicht „auf Top-Zeiten“, sondern mehr auf Köpfchen – aber am Ende wollen wir unsere verlorene Zeit zurückholen.

Kurz vor der letzten WP des Tages stottert der Motor. Drei Zylinder. Aus. Wir rollen auf einen Grünstreifen. Der Motor verschluckt sich. Die Uhr tickt derweil herunter. Denn auch wenn das alles hier nur „Spaß“ sein soll, es gibt Zeiten an den Check-Points, die müssen wir einhalten. Und irgendwann kommt der Schlusswagen und dann ist so eine Rallye eben vorbei. Wir zählen die Sekunden.

Der Servicewagen kommt. Ein Kabel von der Zündspule zum Verteiler hat sich gelöst. Die Reparatur dauert keine 2 Minuten. Mittlerweile ist es dunkel. Matthias und ich, wir stehen unter Druck. Die letzte WP – Matthias lässt den Rallye-Skoda durch die Altmark fliegen.

Halleluja!

Ohne Zeitstrafe. Gerade so in der Zeit, kommen wir am Ziel an. Drei Stunden später, kurz vor Mitternacht kommen die ersten Ergebnisse online.

Team Kahle / Habegger #155 hat mit einem Platz 15 Gesamt noch alle Chancen. Ich bin erleichtert. Der Tag bot mehr Action als ich vertragen kann. Todmüde geht es in das Hotelzimmer. Morgen wird angegriffen, sind Matthias und ich uns sicher – konzentriert unter die Top 5 – das muss jetzt unser Ziel sein!

 

 

 

 

 

 

 

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