Im Fahrbericht: Der neue Toyota RAV4 Hybrid

Im Fahrbericht: Der neue Toyota RAV4 Hybrid

Toyota hat die seit 2013 erhältliche vierte Generation des RAV4 überarbeitet und führt erstmals für den RAV4 eine Hybrid-Variante ein. Besser spät als nie.

Toyota treibt die Hybridisierung der eigenen Modellpalette voran und positioniert den RAV4 Hybrid als Top-Modell der 4. RAV4-Generation. Das ist gewagt, aber konsequent. Die Rolle des Diesels wird minimiert, der Benziner weiterhin stiefmütterlich behandelt. Der Weg ist also geebnet für den Hybriden.

Erste Fahrt mit dem neuen Toyota RAV4 Hybrid

Exterieur & Interieur

Über die Optik ließe sich streiten – oder eben nicht, wie das mit Geschmäckern so ist. Für mich ist der RAV4 mit der Modellüberarbeitung optisch gereift. Er wirkt verjüngt, moderner, im Rahmen der Möglichkeiten eines SUVs eleganter. Die Front wurde umfangreich überarbeitet und neu modelliert. Sie wurde geschärft und erscheint prägnanter. LED-Scheinwerfer gibt’s beim Hybrid serienmäßig obendrauf.

Toyota RAV4 Hybrid Frontalansicht

Am Heck fallen die Retuschen etwas sparsamer aus. Die neuen Rückleuchten in LED-Technik werten das Heck auf und erinnern mich an den jüngst aufgefrischten Lexus GS.

Auch im Interieur wurde der RAV4 aufgewertet. Es kommen neue Materialien zum Einsatz, Qualitätsanmutung sowie Haptik seien verbessert worden. Die durchgehend blaue Beleuchtung von Kombiinstrument und diversen Schaltern greifen das blaue Hybrid-Thema von Toyota auf.

Toyota RAV4 Hybrid Interieur

2AR-FXE – Der Antrieb

Wir können von Glück reden, dass der bekannte 1.8er 70-kW-Verbrenner aus Prius und Auris Hybrid nicht zum Einsatz kommt. Der wäre mit den mindestens 1.625 Kilogramm Leergewicht des RAV4 Hybrid überfordert. Stattdessen gibt es einen 2.5-Liter-Vierzylinder, der im Atkinson-Zyklus arbeitet und an einen 105-kW-Elektromotor gekoppelt ist.

Toyota RAV4 Hybrid Heckansicht

Mit dem 2AR-FXE kommt unter der Bughaube ein ähnlicher Antriebsstrang wie im Lexus IS 300h oder GS 300h (2AR-FSE) sowie der identische Strang aus dem Lexus NX 300h oder dem aktuellen Toyota Camry Hybrid zum Einsatz. Letzterer ist in Europa leider nicht erhältlich. Optional wird der RAV4 Hybrid in der Allrad-Version e-Four angeboten, der mittels eines weiteren E-Motors an der Hinterachse realisiert wird.

Toyota RAV4 Hybrid – Auf Fahrt

Fahrerisch präferiert der RAV4 Hybrid das gemütliche Cruisen und Gleiten; am liebsten in der Stadt, wo er besonders oft rein elektrisch unterwegs ist und durch häufiges Stop&Go viel rekuperieren kann. Mir scheint der RAV4 Hybrid das ideale SMV zu sein – Soccer Mum Vehicle.

Toyota RAV4 Hybrid 2.5 VVT-i marlingrau-metallic Heckansicht seitlich

Wer in der Stadt unterwegs ist, das Fahrpedal streichelt und ihm maximal die Zwei-Drittel-Stellung antut, erlebt angenehm zügiges Vorankommen ohne Lärmbelästigung. Das teils anstrengende hohe Drehzahlniveau, das für zügiges Vorankommen gehalten wird, liegt nun nicht so schnell und häufig an. Insgesamt führt das zu entspannterem Fahren. Das Hybrid-Gefährt bewegt sich flott, tut dabei nicht weh und ist genügsam im Verbrauch. Für städtisches Geplänkel sieht der RAV4 Hybrid auch ganz hübsch und bullig aus.

Toyota RAV4 Hybrid 2.5 VVT-i Kombiinstrument

Mithilfe der simulierten Gangstufen des stufenlosen CVT-Getriebes lässt sich die Motorbremse zum Rekuperieren nutzen, je nach Pedalstellung lässt sich bis zu einem Tempo von 70 km/h rein elektrisch dahingleiten. Mit ein wenig Sensibilität lassen sich sowohl in der Stadt als auch außerorts Verbräuche deutlich unter sechs Liter erzielen.

Wer es dagegen dynamischer mag, muss in vielerlei Hinsicht Abstriche machen. Der Hybrid-Antrieb mag geeignet sein, seinen Fahrer zu effizienterem Fahren zu erziehen. Das funktioniert in der Praxis auch wirklich gut. Wer den Umstand ignoriert, gerade einen Hybriden zu bewegen, der mag sich am hochdrehenden Sauger stören – auch wenn dieser akustisch zurückhaltender agiert als etwa im Auris Hybrid oder Yaris Hybrid.

Allerdings war auf kurvigem Geläuf deutlich zu spüren, dass der RAV4 von Dynamik nicht allzu viel hält. Die zu weiche Fahrwerksabstimmung und die etwas gefühllos geratene Lenkung sowie der hohe Schwerpunkt, der zu unschönen Wankbewegungen führt, schmälern das Fahrerlebnis auf der kurvigen Landstraße. Zu früh gerät der RAV in den Grenzbereich und darüber hinaus, um von der Fahrdynamikregelung zurechtgestutzt zu werden.

Symptomatisch ist dabei auch, dass bei stärkerem Anbremsen die Warnblinkanlage aktiviert wird oder das ABS bei einer Gefahrenbremsung überfordert wirkt. Insbesondere letzteres führte in einer leichten Rechtskurve zu hässlichem Schieben und Untersteuern. Vom Allradantrieb war kein Vorteil in Sachen Traktion, Sicherheit oder Kurvenstabilität zu spüren. Hier hatte ich mir deutlich mehr erwartet.

Toyota RAV4 Hybrid 2.5 VVT-i marlingrau-metallic Seitenansicht

Selbstverständlich entspricht dieser etwas zackigere Fahrstil nicht der natürlichen Haltung eines zeitgenössischen SUV. Aber das Herantasten an den individuellen Grenzbereich eines Fahrzeugs kann Schwächen in der Abstimmung offenbaren – so wie hier. Insbesondere in kritischen Fahrsituationen wie einem Ausweichmanöver oder einer Vollbremsung können sich die eigenartige ABS-Abstimmung, die zu weiche Feder-Dämpfer-Kombination und der trotz der schweren Batterien hohe Schwerpunkt nachteilig auswirken.

Meines Erachtens sollte Toyota in puncto Fahrwerks- und ABS-Abstimmung dringend Hand anlegen. Natürlich ist der RAV4 in erster Linie komfortabel ausgelegt, allerdings darf dies nicht zu solchem Fahrverhalten führen.

Toyota RAV4 Hybrid – Fazit

Toyota RAV4 Hybrid 2.5 VVT-i marlingrau-metallic Vorderansicht

In der Stadt funktioniert der Toyota RAV4 Hybrid ganz wunderbar. Hier fühlt er sich zu Hause, allein im Urbanen erfüllt er seinen Zweck zur Gänze. Ich sehe ihn als Kindergarten-Schlachtross, mit dem Mami Kind und Kegel chauviert, Einkäufe erledigt und dabei möglichst effizient unterwegs sein möchte, ohne auf die Vorzüge eines SUVs verzichten zu müssen. In diesem Sinne betrachte ich den RAV4 Hybrid als Soccer Mum Vehicle.

Der Toyota RAV4 Hybrid lässt sich unaufgeregt und entspannt fahren. Ohne Hektik gleitet der Hybrid oftmals geräuschlos und damit lokal emissionslos durch urbanes Gelände dahin. Dagegen ist tatsächliche Geländegängigkeit nicht die Stärke des RAV – wie es sich für ein zeitgenössisches SUV geziemt. Erstmals kann und darf ein Hybrid von Toyota auch ziehen, bis zu 1.650 kg Anhängelast sind drin.

Toyota RAV4 Hybrid 2.5 VVT-i marlingrau-metallic Logo

Der Toyota RAV4 Hybrid steht seit dem 29. Januar 2016 beim Händler und ist mit Frontantrieb ab 31.990 € erhältlich. Die Allrad-Variante kostet 3.000 € Aufpreis. Reichhaltig fällt für den Hybriden die Serienausstattung aus. Unter anderem gehören Voll-LED-Scheinwerfer, Klimaautomatik, Geschwindigkeitsregelanlage, 7’’-Touchscreen mit Rückfahrkamera sowie das schlüssellose Zugangs- und Startsystem zum Standard.
Ganz zeitgemäß sind zahlreiche Assistenzsysteme gegen Aufpreis erhältlich.

Toyota RAV4 Hybrid 2.5 VVT-i marlingrau-metallic Seitenansicht

Technische Daten

technische Daten
Toyota RAV4 2.5 Hybrid (2016)
Motorcode2AR-FXE
Motor-BauartR4-Ottomotor im Atkinson-Zyklus + Elektromotor | 16 Ventile | DOHC | variable Ventilsteuerung (Dual VVT-i)
Hubraum2.494 cm³
Bohrung x Hub90,0 x 98,0 mm
Verdichtungsverhältnis12,5:1
max. Drehmoment206 Nm bei 4.400–4.800 U/min
max. Leistung E-Motor (front // heck)105 kW/143 PS // 50 kW/68 PS
max. Drehmoment E-Motor (front // heck)270 Nm // 139 Nm
Systemleistung145 kW / 197 PS bei 5.700 U/min
Hybrid-BatterieNickel-Metallhydrid (NiMH)
AntriebsartFrontantrieb (optional Allrad)
Getriebee-CVT (stufenloses Automatikgetriebe)
Beschleunigung 0–100 km/h8,3 s
Höchstgeschwindigkeit180 km/h (abgeregelt)
Leergewicht1.625–1.785 kg
zulässiges Gesamtgewicht2.205–2.270 kg
Bereifung225/65 R17 // 235/55 R18
Länge / Breite / Höhe4.605 / 1.845 / 1.675 mm
Radstand2.660 mm
Wendekreis11,4–12,0 m
Anhängelast (gebremst)1.650 kg (AWD) / 800 kg (FWD)
Bodenfreiheit177 mm
Böschungswinkel vorn / hinten19° / 22°
cw-Wert0,34–0,36
Kofferraum-Volumen501–1.633 l
Verbrauch gesamt5,1–4,9 l Super
CO2-Emissionen118–115 g/km
Tankinhalt56 l
EffizienzklasseA+
AbgasnormEURO 6
Grundpreis31.990 €

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5 Kommentare

  1. SteffenZ
    3. März 2016 zu 15:19 Antworten

    Ich hatte das Vergnügen den Toyota Prius als Hybrid Version drei Tage als Taxi im Einsatz zu haben. Dafür ist es genial. Und da ich eine Art Tagebuch darüber schreiben musste, konnte ich genau nachschauen wie und was er geleistet hat. Als Taxi war er genial. Privat ist mir irgendwie der Fahrspaß ein wenig verloren gegangen

  2. Bippo56
    29. Februar 2016 zu 22:27 Antworten

    Alles in allem ein sehr schönes Auto und ein interessanter Artikel. Ich persönlich bin zwar noch nicht so mit einem Hybrid Motor einverstanden, aber schlecht ist der sicherlich nicht.

    Wird wahrscheinlich nicht mein nächster Toyota, mit dem ich durch Thun kutschiere, aber im Auge behalten muss man dieses schöne Auto schon ;-)

    Beste Grüsse
    Bippo56

  3. PHEV oder Hybrid? Ist der Autobild doch egal › Mein Auto Blog
    19. Februar 2016 zu 13:05 Antworten

    […] beiden Fahrzeuge durchführen. Hybrid muss man gegen Hybrid testen, PHEV gegen PHEV. Wir sind den RAV 4 bereits gefahren und unser Autor Mario hat eine Meinung dazu. Aber – vergleichen kann man die […]

  4. Meinung – Gedanken zum neuen Toyota RAV4 Hybrid – Kickaffe – Nachtigall, ick hör' Dir trapsen
    11. Februar 2016 zu 08:20 Antworten

    […] zu sein? Ob gut oder nicht; fahrerisch blieb bei mir die große Begeisterung aus, wie in meinem Fahrbericht zum Toyota RAV4 Hybrid nachzulesen […]

  5. News: Citroen Spacetourer / Peugeot Traveller / Toyota Proace – Franko-japanische Raumvorteile › Mein Auto Blog
    6. Februar 2016 zu 12:07 Antworten

    […] dritt geht es besser: Toyota, Citroen und Peugeot zeigen auf dem Genfer Salon (3. bis 13. März) ihr neues, gemeinsam gebautes […]