Im Fahrbericht: Mercedes-Benz CLS 500 Shooting Brake 4MATIC – gegen die Kälte.

Schön warm ist es. Und ruhig. Die Außentemperaturanzeige zeigt vierzehn Grad minus. Hier drinnen, umgeben von feinstem Leder und offenporigem Holz, spürt man jedoch nichts von dieser eisigen Kälte.

Fein perlt das Tauwasser von den Scheiben und der heiße Atem des Auspuffs ist unübersehbar, auch wenn der Hochnebel heute morgen alles in einen schweren, grauen Schleier hüllt. Am Horizont, der wegen des dichten Schneefalls keine fünfzig Meter entfernt liegt, verschmelzen weiß bedeckte Fahrbahn und Himmel derart, dass man die Straße kaum auszumachen vermag. Vorsicht sollte also geboten sein, wenn man sich die gerade erst mühsam durch Sprengungen freigelegte Passstraße hinauf begibt.

MB_CLS500_4Matic_Timmelsjoch_Schnee-250x187Doch obwohl das blanke Eis an vielen Stellen durch den Schnee blitzt und das Gewissen zu Ruhe und Gelassenheit beim Umgang mit dem Gaspedal rät, sitzt der Schalk am längeren Hebel. Angestachelt vom satten Leerlaufbollern des 4.7-Liter-V8 – dessen Geräusch sich zwar durch mehrlagige Teppiche, clevere Abdichtungen und andere ingeniöse Maßnahmen dämmen, nicht aber vollends abwürgen lässt – zuckt der Gasfuß ein wenig stärker. Und dann sind sie da, diese good vibrations, die nur ein über alle Maßen vor Kraft strotzendes Triebwerk zu Stande bringt. Denn sobald die Drehzahl im Stand ein wenig steigt, scheint sich der V8 förmlich aus der Karosserie winden zu wollen, die Ketten sprengen, das Feuer entfachen.

 

MB_CLS500_4Matic_Stand_Bremse-250x187408 PS sind ein beeindruckender Wert und hier oben, wo das Gripniveau noch unter der Außentemperatur liegt, eher fehl am Platz. Doch das 4MATIC-Allradsystem soll richten, womit der reine Heckantrieb überfordert wäre. Und es funktioniert. Obwohl die Drehmomentfaust dank Einsatzes zweier Turbolader bereits kurz über Leerlaufdrehzahl geballt ist, legt der CLS 500 Shooting Brake ohne Traktionsprobleme energisch ab.

Sanft wagt das Heck sogar den Ausfallschritt, um die heckorientierte Auslegung des Antriebes zu betonen. Dabei ist es beinahe absurd, wie der große Daimler auf der geschlossenen Schneedecke beschleunigt, wo der Belag doch so glatt ist, dass einem am Morgen der Weg von der Hotelpforte zum Benz-Türgriff fast nicht unfallfrei gelungen wäre. Und so vergisst man schon mit dem Schalten in die dritte Fahrstufe, dass die freiwillige Selbstbeschränkung der Höchstgeschwindigkeit heute eher bei 25km/h als bei 250km/h liegen sollte. Das Schnaufen und Pumpen des ABS-Regelvorgangs holt einen dann aber schnell wieder zurück in die Realität. Denn auch wenn ein 4MATIC-Mercedes mit der entsprechender Motorisierung auf eisigem Untergrund furchtbar schnell vorwärts geht, beim Bremsen sind sie alle gleich. Gleich schlecht. Schwere Autos entsprechend schlechter. Und der CLS ist ein schweres Auto, wenn auch der Allradantrieb nur 70 Kilogramm zusätzlichen Ballast bringt.

Genug gespielt also, Zeit für ein wenig mehr Ernsthaftigkeit. Und diese stellt sich in jener Sekunde ein, in der Du im Bordcomputer die ECO-Anzeige gefunden hast. Drei grüngefärbte Balken – einer für das Beschleunigen, einer für Gleichmäßigkeit und einer für das Ausrollen – werden zu einem ECO-Prozentsatz hochgerechnet und es ist klar, dass wir gewinnen wollen. Was genau man gewinnen kann, bleibt unklar. Umso deutlicher wird jedoch die Humorlosigkeit der Anzeigen. Ein Überholmanöver, bei dem man das V8-Triebwerk zur Ausnutzung aller 408 PS hart ausdreht, ist dem Verbrauch nicht gerade zuträglich – eh klar. Ein Punktabzug, weil man bei der Passabfahrt vor der Spitzkehre das Tempo drosselt, wirkt dann aber doch etwas kleinlich.

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Den Ehrgeiz spornt das Spiel mit den Balken aber schon an und so hat man auf der drastisch tempolimitierten Rückfahrt zum Flughafen wenigstens ein bisschen was zu tun. Denn der Kollege schläft dank der flüsternden Stimme des Motors und der Geschmeidigkeit des Luftfahrwerks seit geraumer Zeit am Beifahrersitz und die Musikauswahl der österreichischen Rundfunkstationen scheint fragwürdig. 88% ECO und einen Verbrauch von 7.2 Liter auf 100 Kilometer weist der Bordcomputer am Ende aus. Wer natürlich die Sprinterqualitäten der 4MATIC und das Leistungsvermögen des 500er-Motors ausgiebig abruft, der kann diesem Wert noch eine Eins voranstellen. Aber es ist schön zu wissen, dass der CLS kann, wenn der Fahrer will.MB_CLS500_4Matic_Stand_Typ-250x187

Überhaupt kann der Shooting Brake viel und dank des Traktionsvorteils des Vierrad-Antriebes sind nun die Grenzen für die „grand tour“ noch etwas weiter gesteckt. Denn wetterbedingt hält diesen CLS wenig auf.

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