In der Zukunft fahren wir autonom. Und das ist auch gut so!

In der Zukunft fahren wir autonom. Und das ist auch gut so!

Der Mensch kann sich einfach nicht damit abfinden, dass sich ständig alles verändert. Jede Veränderung bedeutet, Neues zu lernen. Neues lernen zu müssen. Veränderungen fordern uns heraus, klauen uns unsere Komfortzonen. Veränderungen machen uns Angst. So wie damals, als die Kutsche ihre Pferde verlor, der Kutschbock-Führer arbeitslos wurde (wo war das Leistungsschutzrecht, als man es brauchte?) und fortan der Auto-Fahrer sein Fahrzeug selbst lenkte. Er wurde unabhängig, er gewann eine bis dahin nicht gekannte Autonomie. Eine Unabhängigkeit, die uns Augen und Geist öffnete.

Das Automobil darf ruhig in der langen Geschichte der Menschheit als „ganz großer Game-Changer“ angesehen werden. Eine Entwicklung, die nicht einfach nur im Sinn hatte, wozu man sie heute oft nutzt: Um damit zum Bäcker zu fahren. Autos haben uns unfassbar mobil gemacht. Wo 30 km ehemals als Strecke eines „Tages“ galten, sind 30 km heute oft einmal nicht die einfache Distanz, die wir überbrücken, um zur Arbeit zu gelangen. Die Menschen hatten Angst vor dieser Veränderung. Sie hatten auch Angst vor den Geschwindigkeiten, die fortan möglich waren. Das Auto sei eine vorübergehende Erscheinung. So sprach König Wilhelm von Preußen, der letzte dt. Kaiser. Er irrte sich. Das Auto ging nicht wieder fort. Noch nicht. Dafür hatte sich das „Ding mit dem Kaiser“ erledigt.

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Mercedes-Benz Concept IAA – Ein Auto, dessen Aerodynamik dank variabler Schürzen zu Rekordwerten führt.

Doch mit der Geschichte und dem Siegeszug des Automobils wurde klar: Das Auto hat eine Schwäche – und damit meine ich nicht die CO2-Emissionen, denn derer werden wir Herr werden. Damit meine ich den Fahrer. Denn Menschen machen Fehler. Menschen werden müde, sind unkonzentriert, schlicht: Fehler sind menschlich. Darum wurde das Auto immer weiter entwickelt. ABS, ESP, Airbag, Spurhalte-Assistenten – alles nur, um die Fehler des Menschen auszugleichen.

Schaut man sich auf Automobil-Messen um, so wie jetzt wieder auf der IAA in Frankfurt – dann wird die nächste Stufe klar. Das Auto wird autonom werden. Und es wird sich vernetzen. Mit dem Internet, mit den Dingen, mit dem Menschen. Es wird anders sein. Wie der gezeigte „Concept IAA“ von Mercedes-Benz.

Und wieder haben „die Menschen“ Angst vor dieser Veränderung. Denn wir stehen vor einer so großen Veränderung wie „damals “ – als das Pferd und der Kutscher arbeitslos wurden und wir unsere „Autonomie“ selbst in die motorisierte Hand nahmen. Schrittgeschwindigkeit, laufen, rennen, 100, 200 km/h – alles kein Problem mehr. Der Mensch kontrollierte das Tempo. Und nun soll er die Verantwortung, die Kontrolle wieder abgeben? Und zum Vorschein kommt die Angst. Der F.A.Z Autor Niklas Maak hat in der FAZ geschrieben:

Der Preis des autonomen Fahrens ist die Autonomie des Fahrers. Der paradoxe Reiz, der das Auto zu einem der erfolgreichsten Objekte der Moderne gemacht hat, lag darin, dass es die Freiheit des Aufbruchs und den Schutz der Privatsphäre zugleich versprach.

Doch an unserer Autonomie ändert sich überhaupt nichts. Dennoch lerne ich gerade: Das Auto der Zukunft wird Menschen mit Angst vor dem Fortschritt so unheimlich sein wie Zeitungslesern googles Suchmaschine-Algorithmus. Dass Autos in der Zukunft keine überheblichen, zur Selbstüberschätzung neigenden Fahrer mehr benötigen, um die tägliche Pendelstrecke zu meistern, mag Menschen, die gerne selbst die Zahnräder in der manuellen Viergang-Box ihres Porsche 901 sortieren, zutiefst verunsichern. Für den Straßenverkehr in Millionen-Metropolen werden sie aber 100 % mehr Sicherheit bringen als emotional bereits durch Stau und Sommerhitze gestresste Fahrer.

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Autonomes Fahren wird in der Zukunft normal. Wir können dennoch selbst bestimmen, welche Daten zur Nutzung sinnvoll sind. Das eine muss das andere nicht ausschließen.

Und es gibt kein Entweder-Oder. Oder gibt es keine Kutschen mehr?

Nicht autonome Autos werden in Garagen geparkt und, wenn Zeit und Lust passen, dann wird man sich hinter das Steuerrad klemmen. Man wird den Motor per Zündschlüssel starten, nicht google wird das Auto vor die Haustür fahren, nur weil eben gerade die Zeit ist, um in das Büro zu pendeln. Wir werden, wenn es uns ein Anliegen, ein Spaß ist, „alte Autos“ besitzen. Um verträumt zurück zu schauen. Wieder zu erleben, was uns, den Autofahrern, doch so viele Jahre so viel Spaß gemacht hat. Und am Montagmorgen werden wir das autonome Auto bevorzugen. Es wird die Mobilität der Zukunft noch einmal massiv verändern.

Vernetzung, so sagen es die CEOs der großen Automobilfirmen, wird die Herausforderung der nächsten Jahrzehnte. Werden google und Apple die ersten autonomen Autos verkaufen? Oder werden die Big Player der Industrie ihnen zuvorkommen? Klar ist – wir werden uns des sinnlosen „Staus“ entledigen. Weil es das ist, was wir Menschen tun. Wir suchen Lösungen. Wir suchen Wege. Wir fordern den Fortschritt mit Macht ein.

Und wenn es einen Markt dafür gibt, dass uns unser Auto – oder der vernetzte persönliche Assistent sagt: Wir sind zu fett, lass die Butter weg! (siehe den FAZ-Artikel) , dann werden wir das umsetzen und am Ende werden wir erkennen – es ist hilfreich.

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An der Front des Concept IAA (Intelligent Aerodynamic Automobil) leuchten LED und variable Luftleit-Elemente varieren die Aerodynamik.

Die Angst vor dem Datensammler

Autos werden hierfür Daten sammeln, wie früher nur die Banken und Telefongesellschaften. Längst alles privatisiert. Längst außer Kontrolle für Sie und mich. Bewegungsdaten haben die von uns. Was es uns hilft? Die Visionen der Automobil-Hersteller sind da anders. Auch diese Autos werden Daten sammeln. Unfassbarerweise ist aber zum Beispiel die Angst der großen Romantiker das Sammeln von banalen Daten. Daten, die man kontrollieren kann. Daten, die wir eventuell sogar gerne auf einem komfortablen Wege preisgeben. Puls? Per Fahrersitz ermittelt, im Zweifelsfall direkt an die Leitstelle, um den Blutdrucksenker per „same day delivery“ nach Hause zu schicken. Was daran ist schlecht? Wir bestellen Pizza per App. Wir fragen einen Weltfremden per Tastatur nach dem Wetter, nach den Börsenkursen. Der Nachbar? Mit dem reden wir schon lange nur noch per Facebook.

Das Feuilleton des Bildungsbürgers strotzt nur so voller romantischer Ressentiments. Es klingt nach der urigen Wahrheit. Dem Sinn unseres Automobils. Wir müssen es doch fahren. Wir müssen es doch kontrollieren. Angst vor dem Kontrollverlust. Und dabei merken Menschen wie Niklas Maak oder auch Guido Bellberg nicht, wie sie langsam erzkonservativ und protektionistisch denken und handeln. Hätten Niklas und Guido auch das Pferd und dessen Stall bevorzugt? Sie hätten nie die Freude des Schaltens, den Spaß der G-Kräfte, die lustvolle Suche nach der Ideallinie entdeckt. Sie hätten darauf beharrt, es kann nur das Pferd sein, dass uns zur Arbeit bringt. Oder in die Ferne. Und natürlich in die Zukunft.

Dabei hätten sie sich leiten lassen vor ihrer eigenen Angst – der Angst vor der Veränderung. Und hätten den großen Spaß verpasst, nur weil der eigene Bezugsrahmen zu eng war! 

 

 

 

Alle Fotos: SB-Medien, Stefan Baldauf!

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Ein Kommentar

  1. Euphorischer erster Test des „autonomen Tesla“ › Mein Auto Blog
    15. Oktober 2015 zu 11:54 Antworten

    […] immer ist die PR von Elon Musk perfekt. „Autonomes Fahren“ per Software-Update. Das klingt nach Zukunft. Nach zwei Schritten mehr. Nach diesem […]