Kolumne: Engine of the year 2015

Kolumne: Engine of the year 2015

Wenn das Wiener Motorensymposium so etwas wie der Opernball – im Sinne von damals, als er noch gesellschaftlich bedeutend war – ist, so sind die International Engine of the Year Awards die Oscarverleihung.

Oder zumindest der Publikumspreis, denn im Gegensatz zum Symposium, wo sich die Entwickler aller Marken untereinander die technischen Konzepte von Gegenwart und Zukunft vorstellen und danach an der Bar in konstruktive, konzernübergreifende Diskussionen treten, sind es bei den Motoren-Oscars eine feine Auswahl gestandener Motor-Journalisten, die ihren Lieblingsmotor wählen.

Was das über die Qualität des Preises aussagt ist weniger wichtig, Hauptsache es gibt etwas zu feiern. Und damit es möglichst viel zu feiern gibt, bleibt es nicht beim Lieblingsmotor, sondern beim Internationalen Lieblingsmotor, unter 1-Liter-Lieblingsmotor, 1- bis 1.4-Liter-Lieblingsmotor, 1.4- bis 1.8 Liter-Lieblingsmotor, 1.8- bis 2-Liter-Lieblingsmotor, 2-Liter bis 2.5-Liter-Lieblingsmotor, 2.5- bis 3.0-Liter- Lieblingsmotor, 3- bis 4-Liter-Lieblingsmotor, über-4-LiterLieblingsmotor, grünster- Lieblingsmotor, neuester-Lieblingsmotor und sportlichster-Lieblingsmotor.

Eine peinlich genau differenzierte Kategorisierung, damit möglichst viele Hersteller die Korken knallen lassen können. Weil man eben so gerne knallt. Oder mit dem frisch gewonnen Titel eine schöne Anzeigenseite schaltet. Hätte man stattdessen etwa die Kategorie 1- bis 2-Liter-Lieblingsmotor und würde dort auch Motoren mit 999cm3 einrechnen, man stünde vor einem echten Problem. Der 1.0 EcoBoost von Ford, oder doch lieber den 2-Liter-AMG. Nur, was machen wir dann mit dem 1.4-Liter-TSI von VW und dem 1.8-Liter-TSI von Audi?

Der Vollständigkeit halber nun die Ergebnisse von 2015:

  • Internationaler Lieblingsmotor: BMW 1.5-Liter-Dreizylinder, Benzin/Hybrid, aus dem BMW i8 (362PS) mit 274 Punkten (Vorjahressieger Ford 1.0-Liter-Dreizylinder EcoBoost, Benzin)
  • Letzter dieser Kategorie: Audi 2.5-Liter-Fünfzylinder TSI, Benzin (340-367PS) mit 81 Punkten.
  • Unter 1-Liter-Lieblingsmotor:  Ford 1.0-Liter-Dreizylinder EcoBoost, Benzin aus diversen Modellen (100-140PS) mit 444 Punkten (Vorjahressieger eben jener Motor)
  • Letzter dieser Kategorie: Renault-Nissan 1.0-Liter-Dreizylinder TCE, Benzin, aus dem Renault Twingo und Smart ForTow/Four (90PS) mit 119 Punkten.
  • 1- bis 1.4-Liter-Lieblingsmotor: PSA Peugeot-Citroen 1.2-Liter-Dreizylinder, Benzin aus diversen Modellen (110-130PS) mit 243 Punkten (Vorjahressieger VW 1.4-Liter-Vierzylinder TSI, Benzin)
    Letzter dieser Kategorie: VW 1.2-Liter-Dreizylinder TSI, Benzin aus diversen Modellen (86-110PS) mit 123 Punkten.
  • 1.4- bis 1.8 Liter-Lieblingsmotor: BMW 1.5-Liter-Dreizylinder, Benzin/Hybrid, aus dem BMW i8 (362PS) mit 262 Punkten (Vorjahressieger BMW/PSA 1.6-Liter-Vierzylinder Prince, Benzin)
  • Letzter dieser Kategorie: Alfa Romeo 1.75-Liter-Vierzylinder, Benzin aus dem 4C (240PS) mit 78 Punkten.
  • 1.8- bis 2-Liter-Lieblingsmotor: Mercedes-AMG 2-Liter-Vierzylinder, Benzin aus dem 45-AMG-Modellen (360PS) mit 298 Punkten (Vorjahressieger eben jener Motor)
  • Letzter dieser Kategorie: BMW 2-Liter-Vierzylinder TwinPower, Benzin aus diversen Modellen (156-245PS) mit 111 Punkten.
  • 2-Liter bis 2.5-Liter-Lieblingsmotor: Audi 2.5-Liter-Fünfzylinder TSI, Benzin, aus diversen Modellen (340-367PS) mit 347 Punkten (Vorjahressieger eben jener Motor)
  • Letzter dieser Kategorie: Subaru 2.5-Liter-Vierzylinder Boxer, aus diversen Modellen (300PS) mit 117 Punkten.
  • 2.5- bis 3.0-Liter- Lieblingsmotor: BMW 3.0-Liter-Sechszylinder S55, Benzin, aus dem M3 (431PS) mit 246 Punkten (Vorjahressieger BMW 3.0-Liter-Sechszylinder N55, Benzin)
  • Letzter dieser Kategorie: VW/Audi 3.0-Liter-Sechszylinder TDI, Diesel, aus diversen Modellen (204-326PS) mit 111 Punkten.
  • 3- bis 4-Liter-Lieblingsmotor: McLaren 3.8-Liter-Achtzylinder M383T, Benzin aus diversen Modellen (625-675PS) mit 258 Punkten (Vorjahressieger eben jener Motor)
  • Letzter dieser Kategorie: Porsche 3.8-Liter-Sechszylinder turbo, Benzin aus dem 911 turbo (520-560PS) mit 131 Punkten.
  • über-4-LiterLieblingsmotor: Ferrari 4.5-Liter-Achtzylinder, Benzin aus dem 458 (570-605PS) mit 295 Punkten (Vorjahressieger eben jener Motor)
  • Letzter dieser Kategorie: Fiat-Chrylser 6.2-Liter-Achtzylinder Hellcat, Benzin aus diversen Modellen (717PS) mit 95 Punkten.
  • Grünster- Lieblingsmotor: Tesla Elektromotor aus dem Model S (38ß-700PS) mit 239 Punkten (Vorjahressieger eben jener Motor)
  • Letzter dieser Kategorie: BMW 0.65-Liter-Zweizylinder, Benzin aus dem i3 Range Extender (170PS) mit 64 Punkten.
  • Neuester-Lieblingsmotor: BMW 1.5-Liter-Dreizylinder, Benzin/Hybrid, aus dem BMW i8 (362PS) mit 339 Punkten (Vorjahressieger Mercedes-AMG 2-Liter-Vierzylinder, Benzin)
  • Letzter dieser Kategorie: GM/Opel 1.0-Liter-Dreizylinder, Benzin aus diversen Modellen (90-115PS) mit 132 Punkten.
  • Sportlichster-Lieblingsmotor: Ferrari 4.5-Liter-Achtzylinder, Benzin aus dem 458 (570-605PS) mit 236 Punkten (Vorjahressieger eben jener Motor)
  • Letzter dieser Kategorie: Fiat-Chrysler 6.2-Liter-Achtzylinder Hellcat, Benzin aus diversen Modellen (717PS) mit 75 Punkten.

BMW holt nicht nur den Hauptpreis der Lieblingsmotor-Wahl, sondern mit dem gleichen Aggregat auch noch zwei weitere Klassensiege. Nicht zu vergessen: den M3/M4-Motor, mit dem die Münchner schlussendlich ihren 67ten Titel bei der seit 1999 stattfindenden Wahl feiern können. Kein anderer Hersteller hat es auf so viele Auszeichnungen geschafft. Nicht einmal der allmächtige VW-Konzern, der es gerade einmal auf 36 Titel bringt. Audi und Porsche mit einberechnet wohlgemerkt. Renault/Nissan hat im Übrigen noch nie einen Titel gewonnen.

Doch so subjektiv und wenig-sagend wie die Wahl der International Engine of the Year ist, so freuen wir uns doch jedes Jahr wieder auf die Ergebnisse. Denn man entdeckt zwischen all den Jahres-, Vorjahres-, und Ewigzeit-Bestenlisten immer wieder Motoren, die tatsächlich sensationell sind. Und die man gerne wieder einmal fahren würde.

Überhaupt, der Aspekt dem Motor den Preis zu verleihen, anstatt dem ganzen Auto – das hat schon einen gewissen Reiz. Denn es ist schließlich erst der Motor, der das Mobil zum Automobil macht. Das darf man bei allem Assistenz-Infotainment-Lifestyle-Futureconcept-Wahnsinn nicht vergessen.

Aktuelle Suchanfragen::